Montag, 1. Mai 2006
Thank you for the music
Wenn heute am Kampftag der Arbeiterbewegung jeder ein Bier weniger trinken würde und das Geld spenden, hätten wir den neuen Server schon morgen. Oder jeder, der einen neuen Beitrag online stellt, zahlt heute mal 10 Euro. Blogger.de kostet die Nutzer sonst keinen Pfennig und liefert gute Qualität. Da kann man schon mal eine Ausnahme machen. Genug gequatscht, lassen wir Taten folgen. Ich geh jetzt für meine Beiträge einzahlen.

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Wir wollen niemals auseinandergehn
Schön war´s gestern. Und gruselig. Wir haben unser Bestes getan, damit der Sommer kommt. Danke an alle Zuhörer. Nächstes Mal sehen wir uns draußen.

Martina live

Andrea unveröffentlicht

Brainfarts unübertroffen

Don katholisch

Banana abwesend

Mein Zitterstimmentext

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Samstag, 29. April 2006
Keine besonderen Vorkommnisse. Das Wetter.
Mistmistmist oder zefixgreizdeifi, wer hat da sein Tellerchen nicht leergegessen? Ich war´s nicht. Ehrlich. Hyperventilieren nutzt vermutlich jetzt auch nix mehr. Ist halt nass draußen. Deswegen sind wir morgen drinnen. Macht ja keinen Sinn, mit dem nassen Gras und so. Kalt ist es auch noch, viel zu kalt für stundenlanges Zuhören. War vorhin am Friedhof. Alles schon grün, alles gar nicht so gruselig wie vermutet. Hilft aber nix. Wer sich dennoch nicht abhalten lässt, unseren Texten über das Leben und andere Kleinigkeiten zuzuhören, kann das im Twisted Bavarian ab ca. 19.00 tun.

Ist ja nicht aller Tage Abend und meine Genehmigung gilt unbefristet. Mal sehen, ob es mir dann gelingt, Herrn Kid aus Hamburg mit morbiden Fantasien anzulocken. Und demnächst schreibe ich auch wieder lustigere Texte. Versprochen. So kann das ja nicht weitergehen. Ist ja kein Zustand. Aber echt, doo.

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Für C.
Es war ein kalter Herbstmorgen, viel zu kalt für die Jahreszeit. Die Sonne schien und der Schnee auf den Dächern leuchtete weiß gegen den blauen Himmel. Die Luft wurde bei jedem Ausatmen sichtbar. Man traf sich in der Dorfkneipe. Etwas anderes war nicht geöffnet. Der Vater wartete an einem Tisch. Vor ihm stand ein Bier. Seine Mutter sollte heute beerdigt werden. Als er uns sah, stand er auf, begrüßte meine Mutter und mich. Dann setzten wir uns um den Tisch. Irgendeiner machte einen Scherz und ich musste lachen. Später, viel später habe ich mich für dieses Lachen geschämt, genauso wie ich mich dafür schämte, eine Woche später an einer Veranstaltung meiner Tanzschule teilzunehmen. Aber so war das, ich hatte es versprochen und stand zu meinem Wort.

Wir gingen langsam zur Kirche, eine alte katholische Kirche in einem kleinen katholischen Dorf. Innen war es noch kälter als draußen. Zum ersten Mal in meinem bis dahin kurzen Leben sah ich Reliquienschreine. Schaukästen, hinter deren Scheiben mit Gold und Glitter überzogene Gebeine der Heiliggesprochenen liegen. Mich schauderte ein wenig. Wir setzen uns in die erste Reihe. Im Hintergrund stimmten Klageweiber ihre endlosen Litaneien des Ave Marias an. Meine Hände waren so kalt, ich hatte Angst, die Finger würden abfallen. Dann begann der Gottesdienst. Die Worte und Lieder zogen an mir vorbei. Ich war nur körperlich anwesend. In Gedanken war ich bei ihr, meiner Großmutter. Als ich sie zuletzt sah, war sie so schwach, sie konnte kaum mehr reden. Sie drückte meine kleine Hand in der ihren. Dann wollte sie sich aufsetzen. Ich stützte sie. Sie war so dünn, der Wind hätte sie mit einem Hauch forttragen können.

Wir gingen zum Friedhof. Der Sarg vor uns. Mein Vater und ich dahinter. Vor dem offenen Grab sprach der Pfarrer erneut einige Worte. Ich hörte sie nicht, betrachtete meinen Vater aus dem Augenwinkel. „Was will er hier, der Heuchler?“ fragte ich mich. Später, als der Sarg unten und die Erde darüber gehäuft war, schüttelte ich zahllose Hände. Ich kannte diese Menschen nicht. Selbst die, die mir bekannt waren, schienen mir fremd. Warum redeten sie von Beileid? Und warum weinten die, die ihren Willen nicht respektierten als sie noch lebte? Ich weinte nicht, betrachtete nur die Gesichter. Alles schien fremd, fern, unverständlich. An diesem Tag wurde ein Teil meines Herzens begraben. Dieser Tag war das Ende meiner Kindheit.

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Freitag, 28. April 2006
Die Nebensonnen
Ist es nicht so, dass wir alle auf der Suche nach Verständnis sind? Der Wunsch nach einer Person, die tiefe Empfindungen versteht, nachvollziehen kann und ohne Worte mit uns teilt. Eine Sehnsucht, der wir uns gerne hingeben, obwohl sie als das, was sie ist, nämlich der Sehnsucht nach einer Illusion, nie eintreffen wird. Und die Hoffnung auf Erfüllung hält uns am Leben. Paradoxe Welt.

Ist es nicht so, dass nachts, wenn alles um uns still wird, die Gedanken umso lauter sind? Dann ist der Grat zwischen Selbstmitleid und klaren Gedanken über das eigene Treiben schmal. Ich balanciere, torkle, gewinne Gleichgewicht, schaue in den Abgrund, der mich in seiner Tiefe genauso fasziniert wie magisch anzieht. Ich möchte alles loslassen und mich hineinstürzen. Nie wieder denken müssen. Alles hinter mir lassen. Verantwortung abgeben. Im Eisbad vegetieren. Doch die leise Stimme im Hintergrund warnt, lässt nicht locker, insistiert. Wäre sie nicht, die Stimme der Vernunft, wie lange läge ich schon dort drunten im Dunkel? Ein Jahr oder zehn oder zwanzig? Selbstmitleid mag verwerflich sein, doch genau das ist es, was mich dem Leben näher bringt. Ich habe Mitleid mit mir. Deswegen lasse ich mich nicht fallen, sondern halte mich fest, lass die anderen sich an mir halten, auch wenn ich noch so schwach bin. Ich leide mit ihnen genau wie mit mir. Nur wenn ich mich verstehe, kann ich auch andere verstehen. Nur das, was ich für mich tue, kann ich auch für andere tun.

Ist es nicht merkwürdig, dass ich Rufe höre, Mitleid sei nicht dasselbe wie Mitgefühl? Könnte von mir selbst sein, dieser Ruf. Das einzige, was Mitleid von Mitgefühl unterscheidet, ist die Abgrenzung der eigenen Person vom Leid der anderen. Wie jedoch sollte ich mich vom eigenen Leid abgrenzen? Dementsprechend bin ich nur fähig zu verstehen, wenn ich Selbstmitleid kenne. Mitleidig sein hat auch was von Überheblichkeit. Ich schaue von meinem hohen Sockel herab auf all die, die sich leidend im eigenen Elend winden. So oder ähnlich gehe ich mit mir selbst um. Ego1 schaut auf Ego2 mitleidig herab und kommentiert:
Sieh Dich an, wie schäbig Du bist. Hör auf damit! Ich ertrage Dich so nicht.
Dann beginnt Ego2 sich langsam zu berappeln, zu schnäuzen und zusammenzureißen.
Hast ja recht murmelt es kleinlaut.
Doch Ego1 ist streng. Sehr streng sogar.
Mensch, musst Du Dich so gehenlassen? Ist ja nicht zum Aushalten mit Dir.
Und Ego2 beginnt, sich ein wenig zu schämen.

Dieser innere Dialog wird dann willkürlich auf andere Menschen in anderen Situationen projiziert. Wer streng mit sich umspringt...
Alles schon gehabt, alles dagewesen.
Lernen ist ein langer, schwieriger Weg.

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