Montag, 21. Juli 2008
Love me or leave me
Nein, Lindy Hop ist nicht die umgangssprachliche Bezeichnung für Krankengymnastik. Bin ich eigentlich die Letzte, die diesen Tanzstil entdeckt?

Beispiele gibt es Unmengen in der Tube. Eines, das es mir besonders angetan hat, sind zwei junge Herren aus Frankreich, die eine Parodie auf eine in der Szene bekannte Choreographie nachstellen. Die Musik dazu - Sammy Davis Jr. mit 'love me or leave me' - ist ebenfalls mitreißend. Hier mein derzeitiger gute Laune Garant (man beachte die unglaubliche Körperkontrolle):



Have a nice week!

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Sonntag, 20. Juli 2008
Chewing gum(s)
"Da gehn's mal zur Frau XY, die kennt ihre Mundsituation". Dabei kenne ich die selbst nicht mal richtig. Alles was ich weiß ist: es tut weh. Und wer nach einer einstündigen Teiloperation am offenen Hohlkörper mit haufenweise Klammern im umliegenden Fleisch auf die glorreiche Idee kommt, paar Tage später einen Termin zur Zahnreinigung zu machen, gehört sowieso mit Schmerzen nicht unter einem Tag gestraft. Wenn dann nach einseitigem Kauen auch die andere Seite pocht, kann das schon mal nervig sein. Mir war ja klar, dass ich weder Bierflaschen, noch Haselnüsse mit den Zähnen öffnen sollte aber jetzt auch noch auf den weichen Innenteil verzichten, das ist schon hart.

Meinen indischen Freunden sage ich wenige Tage später, sie sollen das Curry ruhig extra scharf machen. Mit ein wenig Glück und Kolibakterien ist mir in nächster Zeit eh nicht mehr nach Nahrungsaufnahme zumute. Die ultimative Diät heißt Parodontitis - das ist nicht unanständig, sondern schmerzhaft - obwohl gerade weiche Nahrung nur so strotzt vor Kalorien. Eiscreme! Nutella! und Käsesahne! um nur einige Beispiele zu nennen. Dann taugt das eben nur als Trostpflaster, mit denen man sich die Hüften tapen kann. Erst heute überlegte ich kurz, ob nicht ein Hammerschlag alle halbe Stunde auf den kleinen Finger ein wenig Abwechslung schaffen würde. Trainieren geht aber auch und fühlt sich hinterher vergleichbar an.

Und dann war da noch die Sache mit der Zahnseide. Man soll sich die Fäden durch die Zahnzwischenräume ziehen und dann aber bitteschön nicht auf's Zahnfleisch drücken, weil das unschön schneidet. Is klar, ne. Zwischen den Zähnen ansetzen, mit wenig Druck vor und zurück, ganz vorsichtig den Druck erhöhen und schließlich am Zahn entlang auf und ab fahren. Damit es leichter geht, nimmt man gewachste Seide. So die Theorie. Die Praxis ähnelt dem Versuch mit 'nem Sprinter seitwärts in eine Parklücke zu kommen, aus der gerade ein Smart ausparkte. Da kann der Sprinter so gewachst sein wie er will, ohne Blessuren wird er da nicht reinpassen. Wer's gerne härter mag, tut es dreimal täglich auf entzündetem Fleisch und schon wird der Spruch vom Gehen auf selbigem zur Offenbarung. Meine indischen Freunde haben Nagelbretter wenn's ordentlich rocken soll, ich hab' meine Zahnseide.

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Mittwoch, 16. Juli 2008
Neues vom Vogler
Was bisher geschah:
Der Jazzbar drohte das Aus, weil eine Steuerberaterin Mist gebaut hat. Doch der Vogler gibt nicht kampflos auf, sondern sammelt Spenden. Offensichtlich hat die Kneipe einige sehr treue bzw. spendierfreudige Gäste. Es trudeln hunderte von Bekennerschreiben beim Vogler ein. Die einen würden gerne ihre silberne Hochzeit dort feiern, wo sie sich kennengelernt haben, andere freuen sich einfach an der Livemusik und wollen sie auch weiterhin dort hören. Schließlich ist die Bar für's Erste gerettet.


Foto: © Robert Haas

Der Vogler gehört inzwischen zu München wie die Hitze zum Sommer. Deshalb wird er auch vom Rundfunk zum Rauchverbot und der Süddeutschen anläßlich des Stadtjubiläums zu seinem Lieblingsort befragt. Und so lästig die Hitze gelegentlich sein kann, so lästig ist der Vogler. Momentan schwitzt er noch alleine, denn die Karfreitagsband kostet ihn laut Ordnungsamt 528 Euro. Weil der Vogler aber ein sturer Hund ist, sitzt der lieber sechs Wochen ein. "Vielleicht habe ich ja Glueck und ich komme ins Frauengefaengnis", so Vogler. "Träum' weiter", könnte man jetzt sagen, und "das hätte er doch vorher wissen können".

In der Tat geht dem Bayern an sich die Einhaltung kirchlicher Rituale über alles. Wer einige Monate hier gelebt hat, lernt die biederen Katholen besser kennen, als Manchem lieb ist. Man läßt sich hierzulande nicht gerne an die saubere Fassade pinkeln. Doch genau das hat er getan, der Vogler, als er am Karfreitag eine Dreimannband dezenten Hintergrundjazz - böse Zungen nennen es Aufzugmusik - spielen ließ.

Ein Spinner ist er, der Vogler, ein gewaltiger Spinner. Aber ein liebenswürdiger. Inmitten dieser sauberen Gesellschaft lehnt er sich gegen Konventionen auf und kämpft für seine Ansichten. Ob es nun das Rauchverbot, den Karfreitag oder den Erhalt seiner Kulturstätte betrifft, er macht einfach, wie er es für gut und richtig befindet. Vielleicht ist es aber genau das, was die Welt braucht: viel mehr Spinner und der Vogler endlich ein eigenes Blog.

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Dienstag, 15. Juli 2008
I hurt myself today
Schultersehnen tun weh,
hinterer Oberschenkelmuskel rechts gezerrt,
beide Hüftgelenke schmerzhaft,
Achillessehne links gereizt,
Sprunggelenk links überlastet,
Knie links überdreht,
seltsames Stechen in der Zwischenrippenmuskulatur.

Positiv formuliert lautet das dann so:

Hey, mein rechter kleiner Finger fühlt sich sensationell gut an!

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Sonntag, 13. Juli 2008
Open doors
Ich stehe in Socken auf Alfred Dardas Schlafzimmerteppich. Er hat mich eingeladen. Das ist jetzt nicht so, wie Sie denken. Ich bin nämlich nicht die Einzige, die sich dieses Wochenende in seinem Schlafzimmer aufhält. Während ich wieder in meine Schuhe schlüpfe, erklärt der grauhaarige Herr mit Brille einer jungen Dame nebenan völlig unprätentiös und ohne Angst vor Klischees seine Kunst.



Kunst im Karrée heißt das Motto, unter dem einmal im Jahr die Ateliers im 'gefühlten Schwabing' ihre Türen für Besucher öffnen. Auch Alfred Darda fühlt sich in Schwabing, selbst wenn er eigentlich schon in der Maxvorstadt wohnt. So genau nimmt man's nur bei den städtischen Korinthenkackern, weshalb die Veranstaltung vergangenes Jahr politisch korrekt umbenannt werden musste.



Künstler kennen sich untereinander. Man begrüßt sich überschwänglich und trinkt gemeinsam das ein oder andere Glaserl in der Küche. Alle anderen sind eh nur zum Wohnungen gucken gekommen. Die wenigsten Ateliers sind in separaten Hinterhausbauten oder Kellern. Durch gekennzeichnete Türen betritt man privaten Wohnraum. Später wird sich über geschätzte Quadratmeterzahl, Qualität der Möblierung und allgemeiner Zustand der Künstlergemächer unterhalten. So sans halt, die Leut.



Auch sonst ist alles ziemlich unkompliziert. Kühlschränke werden kurzfristig zu Sockeln und Kunst zu Sitzmöbeln umfunktioniert. Man gibt sich lässig. Künstler halt. Zunächst ist mir dieses Eindringen in Privatsphäre noch reichlich unangenehm. Artig schüttle ich den Regen von der Jacke und trete die Schuhe vor der Türe ab. Nach der dritten Wohnung verlieren sich meine Hemmungen. Ich streife Bilder und Sofas, gönne dem Bücherregal einen ausgiebigeren Blick und beobachte interessiert andere Besucher.



Selbstverfasste Erklärungen liegen für Interessierte aus. Das ein oder andere durchaus nachvollziehbar, wenn auch nicht immer offensichtlich. Der jeweilige Künstler ist ebenfalls gerne behilflich. Die Aussicht auf ein drittes Glas Wein inklusive angereichter Kräcker macht aus vorgetäuschtem auch schon mal echtes Interesse an den Ausstellungsstücken. Danach muß wohl etwas deutlicher beschriftet werden.



Ob nun Schwabing oder Maxvorstadt, was bleibt, ist dann doch nur das Gefühl. Und das war mir beim Herrn Darda das angenehmste. Man steht halt nicht alle Tage sockig im Schlafzimmer eines echten Künstlers. Nächstes Mal lasse ich die Schuhe aber an.




Kunst im Karrée

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Dienstag, 8. Juli 2008
Und sie tanzen einen Tango


Sie sagt, es sei eine der besten Tangobands und die solle man sich nicht entgehen lassen. Wenn sie es sagt, besteht kein Zweifel, denn sie kennt sich aus, tanzt seit mehr als zehn Jahren, sogar in Buenos Aires in einer dieser Spelunken, in denen Einheimische lieber unter sich trinken, da war sie die Queen. Leicht sei es nicht gewesen, das falle einem nicht in den Schoß und geschenkt bekomme man von den Argentiniern auch nichts, aber sie hatte die Gelegenheit mit den Besten zu tanzen. Ihre Augen blitzen als sie davon erzählt.

Überhaupt Tango, das sei nicht der Macho mit der Rose zwischen den Zähnen und der in seinen Armen dahingeschmolzenen Partnerin. Tango sei lässig, sowas wie der Schwoof der Argentinier. Als sie mit einem Oberbayern über die Tanzfläche schwebt, weiß ich, was sie meint. Der Bewegungsfluß scheint mühelos. Jeder Schritt im Einklang, jede Drehung in wortlosem Einvernehmen zwischen dem Paar. Eine Gewichtsverlagerung, ein Druck mit der Handfläche gegen das Schulterblatt genügt im Tango, um den Partner eine neue Richtung einschlagen zu lassen. Das braucht keine großen Gesten.



Wie sie wiegen, die Schuhsohlen geräuschvoll über die Tanzfläche streifen, sich geschmeidig in immer dieselbe Richtung schieben. Wie eine Dame vertrauensvoll mit dem Oberkörper gegen ihren Partner lehnt und eine andere ein Bein zwischen denen des Mannes schwingt, ohne ihn damit zu berühren. Einige Damen tanzen mit geschlossenen Augen, die Stirn an die Wange des Mannes gelehnt, ganz mit Bewegung und Musik verschmolzen. Andere halten Abstand voneinander, um besser zu drehen. Ich kann mich nicht satt sehen an all den Varianten.

Doch die Nächte sind zu kühl, um alles zu vergessen. So steige ich auf mein Rad und fahre Richtung Viktualienmarkt, wo mich eine wärmende Stimme empfängt. Noch drehe ich mich um mich selbst. Wenn ich meinen inneren Kampf beendet habe, werde ich mich auch wieder führen lassen können. Wenn die Musik erklingt, tanzt das Leben mit uns einen Tango. Oder wir mit ihm. Je nachdem, wer führt.


Tango auf der Praterinsel
mit Einführung für Anfänger
30.6. - 4.8.2008 jeden Montag
(Ausnahme: Mittwoch 16.7. statt 14.7.)
Eintritt 15 €

Quinteto Angel

Musikbeispiele

Kriminaltango




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Sonntag, 6. Juli 2008
In the air tonight
Da ist etwas in der Luft. Während ich in die Pedale trete, weht es mir um die Nase, als wolle es sich darunter reiben. Es ist eine dieser lauen Sommernächte, in denen alles möglich scheint. Noch vor einigen Minuten saß ich grübelnd daheim, doch manchmal muss man seine Perspektiven wechseln. Vom Sofa auf das Fahrrad. Noch kühlt die Nacht, was sich am Tag erhitzte.

Kurz vor dem Odeonsplatz ist meine Fahrt zu Ende. Das Areal um die Feldherrnhalle ist wegen des heutigen Konzertes weiträumig abgesperrt. Ich suche mir einen Weg durch den Hofgarten, doch auch hier gibt es kein Durchkommen. Dafür jede Menge Zaungäste am Wegesrand, Liebespaare auf Grünstreifen, verirrte Radler, die wie ich einen Weg suchen. Am Tor zum Hofgarten Ordner vor den aufgestellten Zäunen, dahinter die Freßmeile für Konzertbesucher entlang der Residenzfassade. Ich versuche, von hinten über den Hof der Residenz zur Theatinerstraße vorzudringen. Auch hier im Durchgang eine Menschentraube. Schließlich stehe ich in der Residenzstraße, Ecke Viscardigasse, am hinteren Bühnenaufgang. Während der Pause tummeln sich die Musiker zwischen Residenzgebäude und Bühne in der Drückebergergasse, halten hie und da Fachgespräche, bis sie von Ordnern zur Bühne gescheucht werden oder lüften einfach nur ihr Instrument.

Es herrscht reges Treiben. So mancher Fußgänger wird umgeleitet. Die blanken Nasen an den Schildern der Wachlöwen zum Brunnenhof ziehen Passanten magnetisch an. Keiner kommt daran vorbei, ohne sie anzufassen und sich Glück zu wünschen. Andere haben sich hier eingefunden, um einige Klänge umsonst zu erhaschen. Von Blüthenzweig bis Krauthuber scheint alles versammelt. Ein dunkelblonder Mann fällt mir im Augenwinkel auf. Er ist jünger als die anderen, hübscher. Ganz in schwarz gekleidet mit einer Sonnenbrille am Hemd lehnt er lässig an der Wand bei den Fahrradständern. Erst halte ich ihn für einen der Musiker, doch als die Musik beginnt, steht er immer noch dort. Ohne Instrument. Während Dvóràk aus der neuen Welt erzählt, streift mein Blick die Fassaden der alten, die im Scheinwerferlicht erstrahlen. Man lauscht gespannt der Musik, hie und da wiegt sich einer zu den Klängen, andere gehen langsam Richtung Absperrung durch die Menge oder lassen sich auf dem Randstein nieder. Alle recken die Köpfe in Richtung Klangquelle, um auch noch leiseste Mittelstimmen zu erahnen. Keiner wagt zu sprechen. Eine seltsame Spannung liegt in der Luft. Neuankömmlinge werden durch strenge Blicke zur Ruhe ermahnt.

Langsam wechselt der Himmel seine Farbe von einem strahlenden in ein dunkles, gedecktes Blau. Meine Augen wandern immer wieder hinüber zu diesem blonden Eusebius, der mit leisem Lächeln regungslos lauscht. Während meine Gedanken wild zwischen Kritik und Konsum, zwischen Hohn und Genuß schanken, mein Körpergewicht unruhig von einem auf den anderen Fuß pendelt, scheint ihn nichts vom Erleben dieses Momentes abzulenken. Erst beneide ich ihn ein wenig, dann beschließe ich, es ihm gleichzutun und in die Atmosphäre einzutauchen. Ich folge den Klängen, die sich über die Umgebung breiten und schließlich im nächtlichen Himmel verlieren. Note um Note, Takt um Takt vergehen und mit ihnen unmerklich die Zeit. Das Ende jedes Satzes registriere ich mit Erstaunen. Nur den letzten Satz - die Coda in überflüssig manifestierender beethovenscher Manier - befinde ich wie eh und je für zu lang. Als der Applaus verebbt, wende ich mich zum Gehen. Noch einmal streife ich den Eusebius mit einem neugierigen Blick. Er hat mich wohl nicht bemerkt. Obwohl sonst nicht auf den Mund gefallen, bin ich zu schüchtern ihn anzusprechen.

Da hebt das Orchester erneut zu spielen an. Musik erfüllt noch einmal die Gassen, ein Walzer von unglaublicher Wehmut zieht über die Köpfe und dreht mein Herz. Das Knistern der Atmosphäre ist jedoch mit dem letzten Applaus verhallt, die Spannung gebrochen. Es ist das melancholische Abschiedslied einer schönen Erinnerung. Vor zehn Jahren hörte ich zuletzt klassische Klänge im Konzertsaal. Die Erinnerung an das, was hätte sein können, rumort an diesem Abend noch lange in meinem Bauch. Als ich heim radle, atme ich tief in meine Lungen. Dieses Gefühl von Traurigkeit und gleichzeitiger Ruhe, von Sehnsucht und Erfüllung strömt mit der Luft durch meinen Körper. Den Augenblick will ich halten, so lange es geht, selbst wenn er mir nur als Erinnerung bleibt. Und München leuchtete.


Dvóràk Slawischer Tanz e-moll op. 72

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Freitag, 4. Juli 2008
A room with a view (30)


Knuthausen
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Montag, 30. Juni 2008
Dream on
Aerosmith

Weil zur EM ja jetzt das letzte Wort gesprochen alles gesagt ist, können wir wieder zur Tagesordnung übergehen. Tagesordnung, das heißt mit einer Hand einen Liter Eiscreme in den Mund schaufeln, während die andere eine Maus sinnlos durch das weltweite Netz steuert. Wenn's der Körper halt braucht. In Sichtweite liegen die Trainingsklamotten. Ich versuche krampfhaft nicht in die Richtung zu schauen, weil ich sonst unbewußt den Bauch einziehe. Schon mal nach dem Genuß von einem Liter Eiscreme den Bauch eingezogen? Mir wird jedes Mal übel dabei. Muß psychosomatisch sein.


Morgen geht's wieder los. Koffer packen, ins Auto hieven, zum Flughafen, zwölf Stunden in einer Kunststoffröhre mit geschätzten tausend Menschen dieselbe Luft atmen, die Füße nicht mehr spüren, die Hitze beim Verlassen des künstlich gekühlten dafür umso mehr, um die Funktionstüchtigkeit der Klebebänder in der Strumpfabschlußborte wenigstens bis zum Erreichen des Hotelbusses beten, sich schließlich völlig ferngesteuert durch gleißendes Licht schleppen, während der Körper felsenfest von Nacht überzeugt ist, damit er irgendwann kapituliert, wenn's dort dunkel wird, sich vor dem Einschlafen eine Notiz auf den Nachttisch legen, wie man heißt, wo man sich befindet und warum, falls man einmal mehr orientierungslos aufwacht.

Ich mag meinen Job. Echt jetzt. Auf den Rückflug freue ich mich beispielsweise immer wie ein kleines Kind. Nur die Vorbereitung schiebe ich heute den ganzen Tag schon vor mir her. Sechs Fragen zum Notfall soll ich mir ausdenken, die ich morgen den Kollegen im Briefing stelle. Sechs lächerliche Fragen, über die ich den ganzen Tag schon nachdenke. Sind sie zu schwer, will anschließend keiner mehr mit mir reden. Sind sie zu leicht, gibt's keinen Lerneffekt. Jeder Lehrer kann meinen Gewissenskonflikt nachfühlen. Dabei wollte ich so nie werden. Oberlehrerhaft und dick. Mein Koffer liegt ebenfalls noch so da, wie ich ihn nach der Rückkehr aus Chicago hinterließ. Die Trainingsklamotten ganz obenauf.

Ich sollte wirklich vernünftiger essen. Und wenn ich zurückkomme, wird endlich geputzt. Der ganze Ruß und Blütenstaub an den Fenstern muss jetzt langsam mal weg, die Böden kann ich auch mal wieder naß wischen und die Küchenablage klebt schon seit einer Woche. Ob wohl noch ein kleines Stück Schokolade da ist?

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Sonntag, 29. Juni 2008
The Wrigley building, Chicago is


Es gibt zwei Lager in den Vereinigten Staaten: die New Yorker und der Rest von Amerika. Böse Zungen behaupten, Chicago wäre gerne ein bisschen New York. Könnte sein, denn hohe Gebäude, Straßenschluchten, gelbe Taxis und ein Haufen Fußgänger, breite Brücken inmitten der Stadt und eine Menge Wasser, das alles haben New York und Chicago gemeinsam. Allerdings ist Chicago ein wenig wie der vernünftige ältere Bruder des hormongebeutelt verrückten Pflasters an der Ostküste. Alles sehr gediegen, sauber, adrett. Sogar die Passanten auf den Gehwegen weichen aus, was man von New Yorkern nicht behaupten kann.
Blablaundsoweiterundsofort.
Es folgen einige Bilder in den Kommentaren, weil Text grad nicht so meine Stärke zu sein scheint.

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