Montag, 30. Dezember 2019
It was a very good year
Jahresendstimmung am Tegernsee











Es war ein gutes Jahr, dieses Jahr.

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Sonntag, 29. Dezember 2019
Meanwhile
Im Rehageschehen nicht viel Neues. Man kennt sich jetzt am Tisch, man isst nicht nur gemeinsam, sondern trinkt und lacht ab und an auch hinterher. Die Kellnerin ist ganz reizend aufmerksam. Sie bringt mir Suppe und Tee an den Tisch, weil beides mit Krücken nicht zu transportieren ist. Essen hingegen geht immer. Inzwischen hätte ich allerdings gerne mal eine Tüte Pommes statt Karottensalat. Vielleicht würde sich dann das Verdauungsproblem auch lösen.

Die Bewegungstherapeuten sind Spaßbremsen. Strafzettel für Geschwindigkeitsüberschreitung am Trainingsrad bekommen. Aufwärmen ist hier nicht gleichbedeutend mit Schwitzen. Man bewegt sich nur so viel wie Frisur und Fassung aushalten. Am liebsten eigentlich gar nicht aus eigenem Antrieb. Ich hingegen freue mich jeden Tag auf meinen Bewegungsslot, absolviere eifrig und mit viel Konzentration alle Übungen, inklusive einem virtuellen Skiabfahrtstraining ohne Stöcke. Danach tut alles ein bisschen mehr weh als vorher. Ich steige da noch nicht ganz durch.

In der Physioabteilung gibt es Maschinen und Menschen. Die Maschinen langweilen, die Menschen drücken, streichen und demonstrieren. Ich lerne hier (wieder) ganz neu laufen. Das geht mir übrigens auch mit anderen Bewegungen so. Hinterher meist sehr viel mehr Schmerz als vorher - vor allem nachts schier unerträglich.

Die Schwestern sprechen mit mir spanisch. Dabei habe ich lediglich einer schöne Weihnachten in ihrer Muttersprache gewünscht. Jetzt lieben mich auch die aus Rumänien, Kroatien und Polen. Jeden morgen ziehen sie mir einen engen Strumpf an und abends wieder aus. Ich schäme mich ein bisschen, weil ich es nicht selbst kann. Die Socke kann ich allerdings mit Hilfe des anderen Fußes jetzt selbständig an und ausziehen. Bücken darf und kann ich mich nicht. Der Knöchel ist blau und dick, in der Kniekehle sammelte sich alles Blut aus dem restlichen Bein. Manchmal sind die Krücken beschwehrlich und die Medikamente zu schwach. Ich bekomme oft Nachschub.

Meine Ärztin spricht nicht so gerne, sie läßt lieber sprechen. Überhaupt wird der gemeine Patient gerne in Kategorien betrachtet. Körpergefühl und Eigeninitiative passen da nicht rein. Ich weiß nicht, ob ich mehr physisch oder mehr psychisch unter der Behandlung leide. Mancher Therapeut antwortet auf Nachfrage rotzig mit Allgemeinplätzen. Ich zügle einstweilen meine Schlagfertigkeit und den Blutdruck gleichermaßen.

Alle Insassen sind scharf auf Verlängerung - ich nicht. Ich möchte gerne heim. Das wird allerdings erst möglich sein, wenn ich ohne Hilfsmittel laufen kann. Der Faden ist übrigens raus, die Luft auch. Alles geht sehr langsam, unmerkliche Veränderungen. Ich finde, es könnte jetzt wirklich mal was passieren.

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Dienstag, 24. Dezember 2019
Last Christmas

Türchen No 24

Langsam wurd's Zeit. Meine Wünsche an meine Leserschaft beziehen sich auf Gesundheit und Gelassenheit. Ich selbst wünsche mir dasselbe und zusätzlich noch ein bisschen Schlaf bzw. weniger Schmerzen. Es ist gemeinhin bekannt, dass für Wünsche meistens selber was getan werden muss. Den Rest erledigt die Zeit, die wird.

Überraschungen warten hinter jeder Ecke. Die meisten stellen sich als Geschenke heraus. Bitte halten Sie sich nicht zu lange mit der Verpackung auf.

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Montag, 23. Dezember 2019
Finish Line
Türchen No23

Hier auf Reha alles wie immer. Man arrangiert sich halt. Zudem ein bisschen Grenzen austesten. Gegenüber wird auf Leistungs-sportniveau rehabilitiert. Da verläuft sich keiner zufällig hin, denn was dort Reha ist für normale Verhältnisse schon Leistungssport genug. Schön fand ich den Laufstreifen im Gang. Den gehe ich bei Gele-genheit mit Krücken entlang und fühle mich am Ende bereits wie ein Sieger. Oben an der Rezeption hinter Vitrinenglas die Bilder von Promis mit dem Oberarzt, die meisten inzwischen verstorben oder sehr betagt, weshalb ich die Werbewirksamkeit bezweifle. Morgen fange ich mal vorsichtig an zu lesen, weil das Programm über die Feiertage auf ein Mini-mum reduziert wird und ich meine Medikamente jetzt besser vertrage. Wenn das nicht funktioniert, muss ich mich ein bisschen am Fernsehprogramm entlanghangeln. Oder Telefonieren, das geht immer.

Derzeitiger Erfolg: Trainingsprogramm ohne Schlappe oder größere Schmerzen durchziehen.
Derzeitige Herausforderung: Durchschlafen (schmerzbedingt)

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Sonntag, 22. Dezember 2019
Turn Around
Türchen No.22


Wilhelm Räuber: Die Bekehrung des hl. Hubertus

Das Bild hängt hier in meiner Reha-Einrichtung. Darauf abgebildet ist der Hl. Hubertus, der von einem Hirsch bekehrt wird. Ich weiß nicht, ob's das Original von Wilhelm Räuber ist oder eine Kopie. Jedenfalls hat es mich wieder an die Geschichte erinnert, dass die Tiere in der Christnacht angeblich sprechen können. Zwei Tage Vorlauf sind da nur fair, um zu überlegen, was man von seinem Haustier schon immer mal wissen wollte.

Zudem erinnert mich das Bild an ein Erlebnis in meiner frühen Kindheit als ich bei einem Abendspaziergang in Berchtesgaden mit meiner Oma plötzlich einem stattlichen Hirsch gegenüber stand, der aus dem Waldrand getreten war. Sie nahm mich auf den Arm und entfernte sich sehr langsam rückwärts von dem Tier. Später stellte ich mir vor, dass uns der Hirsch etwas habe sagen wollen, es aber bis zur Christnacht noch ein paar Monate hin gewesen waren und wir so die Wahrheit nie erfuhren. In meinem Herzen war ich aber immer sicher, dass von dem großen Tier nie eine Gefahr ausgegangen war. Kinder sollen sowas angeblich spüren, weil sie lange mit Tieren und anderen Fabelwesen auch ohne Worte kommunizieren. Die Fähigkeit geht später verloren aber manchmal lausche ich immer noch am 24. in die Nacht, ob mir nicht ein Vogel etwas sagen möchte.

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Samstag, 21. Dezember 2019
Still ruht der See
Türchen No.21



Heute nur ein kurzes Zitat von Karl Valentin, weil mir ausser Weh nichts einfällt:

Wenn die staade Zeit vorbei ist, wird's auch wieder ruhiger.

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Freitag, 20. Dezember 2019
Le boeuf sur le toit
Türchen No.20



Es muss nicht immer kompliziert sein, manchmal geht es auch viel einfacher. Einstweilen bin ich in der Alpenvorregion eingetroffen, in der man traditionelle bayrische Gerichte anbietet. Der Rinderschmorbraten - zu Zeiten Napoleons Boeuf a la mode genannt - wurde von den Bayern adoptiert und weil man sich bei uns nix scheißt, kurzerhand zu Böfflamott umbenannt. Die stolzen Besitzer des Bayrischen Kochbuchs dürfen jetzt gerne aus dem vergriffenen Werk zitieren; ich selbst bereite nur Einfaches zu. Als meine Mutter letzte Woche eintraf, buk ich einen einfachen Rührkuchen. Als sie fuhr, gestand sie, den Rest über den Hausmüll entsorgt zu haben. Nunja, jeder kann was anderes gut. Aber eine Lebensweisheit meiner Mutter möchte ich Ihnen nicht vorenthalten. Lange bestand mein französischer Wortschatz nämlich aus nur einem Satz: le boeuf, der Ochs', la vache, die Kuh, fermez la porte, mach's Türle zu.

Ansonsten ist es schön am Tegernsee.

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Donnerstag, 19. Dezember 2019
Stairway to Heaven - Highway to Hell
Türchen No 19



Weil heute Entlassungstag ist, hier mal die künstlerisch aufgewertete Abbildung des Grundes für meinen Aufenthalt und Jammercontent. Ich finde das Ergebnis ziemlich schick, obgleich die Beschwerden damit noch nicht vollständig ausgeräumt sind. Weil alles mindestens zwei Seiten hat und die Ursache nicht gänzlich geklärt, blüht mir in naher Zukunft das Prozedere nochmal.

Das erinnert mich an die Male, an denen ich gut und schlecht abwägte, ohne zu wissen, dass es tatsächlich zweimal schwarz oder weiß war. Letztlich aber auch oder vor allem eine Frage der Perspektive, denn schwarz kann im Licht wunderbar glänzen, es hält warm und bindet zusätzlich Energie, während weiß ohne Licht auch nur bestenfalls grau und selbst eigentlich überhaupt keine Farbe ist. Das dürfen Sie jetzt erst mal sacken lassen.

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Mittwoch, 18. Dezember 2019
Ein Mops kam in die Küche...
Türchen No. 18




Heute Störung im internen Netz. Alles on /off, alles wie immer. Meine Stimmung entspricht der des Abgebildeten. Ziemlich mopsig alles. Das ist übrigens einer der Möpse im Lustgarten. Später mehr. Also viel später. Ach, vergessen wir einfach diesen Tag gänzlich.

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Dienstag, 17. Dezember 2019
Words Don't Come Easy
Türchen No.17



Das Haus in dem ich genese hat viel Geschichte. Erinnert mich an den alten Sauerbruchfilm, den ich als Kind gesehen habe. Danach suchte ich alle Informationen aus Lexika und Büchern über Thoraxchirurgie zusammen, die ich kriegen konnte. Ich war ja schon mal im Krankenhaus mit etwa 9 Jahren. Da hatte mir die OP-Schwester beim Einschlafen versprochen, ich dürfte den OP sehen. Später hat sie sich daran scheinbar nicht mehr erinnert. Am letzten Tag war ich deswegen natürlich sehr enttäuscht und beschloss, dieses Versprechen einzufordern. Beim Abholen bin ich im nächsten Supermarkt abgehauen und zurück in die kleine Klinik. Dort setzte ich mich auf die Treppe, die zum OP führte und wartete. Irgendwann erschien die Schwester. Ich habe tatsächlich an diesem Morgen den OP sehen dürfen, allerdings unterschied er sich sehr von dem, was ich vom Sauerbruchfilm kannte. Da war ich ein bisschen enttäuscht. Abgesehen von der Standpauke meiner Mutter war das ein nicht besonders beeindruckendes Erlebnis gewesen. Was sich aber bei mir festsetzte, war die Erfahrung, dass Menschen ihr Wort nicht halten und es möglicherweise nur geben, um andere zu manipulieren. Deshalb versuche ich immer mein Wort zu halten, so wie ich es gebe.

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