Montag, 5. Juni 2006
It's not wise to upset a Wookiee
frau klugscheisser, 17:10h
Meine Oma sagte immer, ich darf Kaugummis nicht schlucken, sonst würde der Magen verkleben. Sehr schnell fand ich heraus, dass das nicht stimmte. Die Kaugummis kamen nämlich als Ganzes hinten wieder raus. Nicht dass ich danach gesucht hätte, ich hab das einfach gesehen, weil meine Oma mir auch beibrachte, dass man nach dem Spülen in die Toilettenschüssel schaut, um sicherzugehen, dass auch alles verschwunden ist. Genauso verhält es sich übrigens mit Mais oder anderen Speisen. Im Biologieunterricht lernte ich zudem, dass Urin bei Diabetes nach „Mäusen“ rieche. Wie die kleinen Nager riechen, wusste ich nicht, war aber der festen Überzeugung, zuckerkrank zu sein, nachdem ich Spargel gegessen hatte. Übrigens riecht nicht jeder Urin typisch nach Verzehr von Spargel. Bei manchen Menschen bleibt das Wässerchen geruchsneutral. Das aber nur am Rande.
Ich schluckte auch weiterhin Kaugummis. Meistens brauchte ich durchschnittlich so zehn Minuten, um ein ganzes Päckchen Kaugummis zu essen. Meine Lieblingssorte war Hubba Bubba. Nach etwa zwei Minuten schmeckten die aber nicht mehr nach Erdbeere oder Zitrone, also schob ich einen zweiten nach. Beim dritten schmerzte bereits die Kiefermuskulatur. Ich schluckte den Bollen und steckte mir einen neuen hinterher und so fort. Blöd war nur, dass ich trotzdem nach kurzer Zeit schon wieder Hunger hatte. Wenn man Kaugummis mit Minzgeschmack kaut, hat alles, was man hinterher isst oder trinkt einen Minzegeschmack, selbst wenn der Kaugummi schon lange im Verdauungstrakt gelandet ist. Deswegen mag ich keine Kaugummis mit Minze. Die Zuckerfreien sind auch nicht besser, denn mit denen kann man keine großen Blasen machen. Während man andere bis zu einem Durchmesser des eigenen Kopfes aufblasen kann (liebe Kinder, bitte nicht nachmachen), bringt man mit zuckerfreien Sorten maximal eine Blase mit dem Durchmesser eines Maiskornes zustande und das auch nur mit viel Übung. Unklar ist mir bis heute auch, wie man Kaugummi mit geschlossenem Mund kauen kann. Früher dachte ich immer, Kaugummis kaue man hauptsächlich, um damit Schmatzgeräusche zu erzeugen. Später war ich der Meinung, man kaue Kaugummis, um unliebsame Speisereste aus den Zahnzwischenräumen zu entfernen. Der Siegeszug der Zahnseide über den Globus war erst am Anfang. Wenn sich solch ein Partikel in den Kaugummi einmal eingearbeitet hatte, musste man den unweigerlich schlucken, da das Speiseüberbleibsel eine ordentliche Blasenbildung verhinderte. Blasenbildung ist für eine gesunde Entwicklung in der Sozialisation sehr wichtig. Die primären (oder auch sekundären) Geschlechtsorgane sind noch ziemlich unterentwickelt, folglich vergleichen Schüler, wer die größeren Blasen machen kann. Nach dem Platzen zieht man dann die Reste vom Gesicht und hofft, dass die Haare verschont blieben. Wer einmal Kaugummi im langen Haar hatte, weiß was ich meine. Kürzlich sah ich ein Bild von Giulia Siegel (nein, die muss man nicht kennen), deren Gesicht vollständig von den Fetzen einer Kaugummiblase verklebt war. Schon blöd so was, zumal auch Kosmetika die Qualität des Kaugummis nicht unbedingt verbessern. Wahrscheinlich hat sie ihn hinterher schlucken müssen. Ob so ein Kaugummi die Peelingmaske ersetzen kann?
Gerne erinnere ich mich auch noch an die Kaugummiautomaten, die man mit fünf Pfennig Stücken fütterte und die farbige Kaugummikugeln ausspuckten. Die wurden später von Zigarettenautomaten an den Straßenecken abgelöst. Die Kugeln konnten mit dem Bügeleisen sehr schön in Kleidertaschen eingearbeitet werden. Die Farbe war noch von außen zu erkennen. Nicht unbedingt ein Quell der Freude für unkreative Mütter. Nach einigen Versuchen wurde kurzerhand das Taschengeld gestrichen. Inzwischen esse ich kaum noch Kaugummis. Beim Versuch mit einer Nicotinelle wurde ich den Geschmack einen ganzen Tag nicht mehr los. Wenn es wenigstens ein angenehmer Geschmack wäre, hätte ich dagegen auch nichts einzuwenden. Tatsächlich kratzt dieser Inhaltsstoff aber im Hals und bedeckt die Geschmacksknospen mit einem dauerhaften Schleier. Möglicherweise werden dadurch auch Synapsen blockiert. Nicotinellen als geschmackliche Beta-Blocker, das käme den Menschen zugute, die gezwungen sind, sich in Ländern mit gewöhnungsbedürftiger regionaler Küche für längere Zeit aufzuhalten. Man könnte beispielsweise die Dinger bei der Einreise nach Großbritannien gewinnbringend verkaufen. Oder man füttert damit Kinder, bei denen – wie bei mir – Brechreiz beim Verzehr von Grießbrei ausgelöst wird. Manche Eltern tauchen Schnuller ja auch in Bier, damit die Kleinen besser schlafen.
Übrigens habe ich mir vor nicht allzu langer Zeit ein Schweizer Worldadapter gekauft. Das ist so ein zylinderförmiges Ding, wo die einzelnen Steckkombinationen durch einen Schiebemechanismus gewählt und ausgefahren werden können. Ein hochmodernes Teil also. Das Epiliergerät passt auch ganz hervorragend in die Ausgangsbuchse, nicht aber das Netzteil meines Laptopakkus. Der Rückschluss, Schweizer fänden demnach wichtiger, haarbefreit zu sein, als mit dem Rest der Welt in Verbindung zu treten, liegt nahe. Na ja, die Schweizer haben schon immer ihr eigenes Ding gemacht. Gibt es in der Schweiz eigentlich Kaugummi mit Schokigeschmack? Oder behelfen die sich mit Tobleroneresten? Diese Honigrudimente in Toblerone lassen sich nämlich ganz hervorragend zu Kaubonbons verarbeiten. Man nehme eine Tafel Toblerone und lutsche jedes einzelne Dreieck so lange, bis die einzelnen Honigteilchen übrig bleiben. Dann sammle man die und kaut sie zu einem großen Batzen zusammen. Blasen kann man damit allerdings nicht machen, es scheint jedoch ebenfalls verdauungsresistent zu sein. Will man nun Kaugummis wie Pflanzen klassifizieren, ist diese Eigenschaft sicherlich von großer Bedeutung, ebenso wie die Eignung zur Blasenbildung. Kaugummis und –bonbons gehören demnach derselben Gattung an. Nur in der Unterkategorie unterscheiden sie sich ein wenig. Kaugummis wachsen nicht auf Bäumen, sie wachsen auch nicht unterirdisch und werden nicht von Sträuchern geerntet. Meine Schlussfolgerung, dass Kaugummis dann wohl gelegt oder geboren werden, wurde leider zu Schulzeiten widerlegt. Die Erkenntnis dämmerte bei mir in etwa zeitgleich mit der Entdeckung des Christkind- und Osterhasenschwindels. Die einzigen Pflanzen, die ich danach noch züchtete, waren Orangen- und Zitronenbäumchen. Wenn man nämlich Orangenkerne schluckte, waren die ebenfalls verdauungsresistent. Die Kerne, die ich anpflanzte, entfernte ich jedoch schon vor dem Verzehr. Meine Fensterbankplantagen trugen leider nie Früchte. Deshalb setzte ich sie irgendwann enttäuscht auf einer Autobahnraststätte aus. Orangenbäumchenklappen gab es nämlich nicht und auch keine Orangenbäumchenheime. Hoffentlich hat sich eine gutherzige Familie ihrer angenommen.
Ich schluckte auch weiterhin Kaugummis. Meistens brauchte ich durchschnittlich so zehn Minuten, um ein ganzes Päckchen Kaugummis zu essen. Meine Lieblingssorte war Hubba Bubba. Nach etwa zwei Minuten schmeckten die aber nicht mehr nach Erdbeere oder Zitrone, also schob ich einen zweiten nach. Beim dritten schmerzte bereits die Kiefermuskulatur. Ich schluckte den Bollen und steckte mir einen neuen hinterher und so fort. Blöd war nur, dass ich trotzdem nach kurzer Zeit schon wieder Hunger hatte. Wenn man Kaugummis mit Minzgeschmack kaut, hat alles, was man hinterher isst oder trinkt einen Minzegeschmack, selbst wenn der Kaugummi schon lange im Verdauungstrakt gelandet ist. Deswegen mag ich keine Kaugummis mit Minze. Die Zuckerfreien sind auch nicht besser, denn mit denen kann man keine großen Blasen machen. Während man andere bis zu einem Durchmesser des eigenen Kopfes aufblasen kann (liebe Kinder, bitte nicht nachmachen), bringt man mit zuckerfreien Sorten maximal eine Blase mit dem Durchmesser eines Maiskornes zustande und das auch nur mit viel Übung. Unklar ist mir bis heute auch, wie man Kaugummi mit geschlossenem Mund kauen kann. Früher dachte ich immer, Kaugummis kaue man hauptsächlich, um damit Schmatzgeräusche zu erzeugen. Später war ich der Meinung, man kaue Kaugummis, um unliebsame Speisereste aus den Zahnzwischenräumen zu entfernen. Der Siegeszug der Zahnseide über den Globus war erst am Anfang. Wenn sich solch ein Partikel in den Kaugummi einmal eingearbeitet hatte, musste man den unweigerlich schlucken, da das Speiseüberbleibsel eine ordentliche Blasenbildung verhinderte. Blasenbildung ist für eine gesunde Entwicklung in der Sozialisation sehr wichtig. Die primären (oder auch sekundären) Geschlechtsorgane sind noch ziemlich unterentwickelt, folglich vergleichen Schüler, wer die größeren Blasen machen kann. Nach dem Platzen zieht man dann die Reste vom Gesicht und hofft, dass die Haare verschont blieben. Wer einmal Kaugummi im langen Haar hatte, weiß was ich meine. Kürzlich sah ich ein Bild von Giulia Siegel (nein, die muss man nicht kennen), deren Gesicht vollständig von den Fetzen einer Kaugummiblase verklebt war. Schon blöd so was, zumal auch Kosmetika die Qualität des Kaugummis nicht unbedingt verbessern. Wahrscheinlich hat sie ihn hinterher schlucken müssen. Ob so ein Kaugummi die Peelingmaske ersetzen kann?
Gerne erinnere ich mich auch noch an die Kaugummiautomaten, die man mit fünf Pfennig Stücken fütterte und die farbige Kaugummikugeln ausspuckten. Die wurden später von Zigarettenautomaten an den Straßenecken abgelöst. Die Kugeln konnten mit dem Bügeleisen sehr schön in Kleidertaschen eingearbeitet werden. Die Farbe war noch von außen zu erkennen. Nicht unbedingt ein Quell der Freude für unkreative Mütter. Nach einigen Versuchen wurde kurzerhand das Taschengeld gestrichen. Inzwischen esse ich kaum noch Kaugummis. Beim Versuch mit einer Nicotinelle wurde ich den Geschmack einen ganzen Tag nicht mehr los. Wenn es wenigstens ein angenehmer Geschmack wäre, hätte ich dagegen auch nichts einzuwenden. Tatsächlich kratzt dieser Inhaltsstoff aber im Hals und bedeckt die Geschmacksknospen mit einem dauerhaften Schleier. Möglicherweise werden dadurch auch Synapsen blockiert. Nicotinellen als geschmackliche Beta-Blocker, das käme den Menschen zugute, die gezwungen sind, sich in Ländern mit gewöhnungsbedürftiger regionaler Küche für längere Zeit aufzuhalten. Man könnte beispielsweise die Dinger bei der Einreise nach Großbritannien gewinnbringend verkaufen. Oder man füttert damit Kinder, bei denen – wie bei mir – Brechreiz beim Verzehr von Grießbrei ausgelöst wird. Manche Eltern tauchen Schnuller ja auch in Bier, damit die Kleinen besser schlafen.
Übrigens habe ich mir vor nicht allzu langer Zeit ein Schweizer Worldadapter gekauft. Das ist so ein zylinderförmiges Ding, wo die einzelnen Steckkombinationen durch einen Schiebemechanismus gewählt und ausgefahren werden können. Ein hochmodernes Teil also. Das Epiliergerät passt auch ganz hervorragend in die Ausgangsbuchse, nicht aber das Netzteil meines Laptopakkus. Der Rückschluss, Schweizer fänden demnach wichtiger, haarbefreit zu sein, als mit dem Rest der Welt in Verbindung zu treten, liegt nahe. Na ja, die Schweizer haben schon immer ihr eigenes Ding gemacht. Gibt es in der Schweiz eigentlich Kaugummi mit Schokigeschmack? Oder behelfen die sich mit Tobleroneresten? Diese Honigrudimente in Toblerone lassen sich nämlich ganz hervorragend zu Kaubonbons verarbeiten. Man nehme eine Tafel Toblerone und lutsche jedes einzelne Dreieck so lange, bis die einzelnen Honigteilchen übrig bleiben. Dann sammle man die und kaut sie zu einem großen Batzen zusammen. Blasen kann man damit allerdings nicht machen, es scheint jedoch ebenfalls verdauungsresistent zu sein. Will man nun Kaugummis wie Pflanzen klassifizieren, ist diese Eigenschaft sicherlich von großer Bedeutung, ebenso wie die Eignung zur Blasenbildung. Kaugummis und –bonbons gehören demnach derselben Gattung an. Nur in der Unterkategorie unterscheiden sie sich ein wenig. Kaugummis wachsen nicht auf Bäumen, sie wachsen auch nicht unterirdisch und werden nicht von Sträuchern geerntet. Meine Schlussfolgerung, dass Kaugummis dann wohl gelegt oder geboren werden, wurde leider zu Schulzeiten widerlegt. Die Erkenntnis dämmerte bei mir in etwa zeitgleich mit der Entdeckung des Christkind- und Osterhasenschwindels. Die einzigen Pflanzen, die ich danach noch züchtete, waren Orangen- und Zitronenbäumchen. Wenn man nämlich Orangenkerne schluckte, waren die ebenfalls verdauungsresistent. Die Kerne, die ich anpflanzte, entfernte ich jedoch schon vor dem Verzehr. Meine Fensterbankplantagen trugen leider nie Früchte. Deshalb setzte ich sie irgendwann enttäuscht auf einer Autobahnraststätte aus. Orangenbäumchenklappen gab es nämlich nicht und auch keine Orangenbäumchenheime. Hoffentlich hat sich eine gutherzige Familie ihrer angenommen.