Samstag, 2. September 2006
Living wreck
Bei jedem Schritt geben die Beine nach. Wenn ich mich hinsetze, finde ich keine bequeme Position. Die Muskeln, Sehnen und Bänder beschweren sich lautstark über das, was ich gerade mit ihnen angestellt habe. Um einen Gegenstand vom Boden aufzuheben, gehe ich ganz vorsichtig in die Knie, die Hand im Kreuz beim Aufrichten. Dabei hatte ich noch vor einer Stunde die Handflächen bei durchgestreckten Knien auf dem Boden. Tangofusion findet heute ohne mich statt. Ich kann mich beim besten Willen nicht mehr grazil bewegen, geschweige denn mit dem Fahrrad die halbe Stadt durchqueren. Auf Schmerzlinderung in liegender Position hoffend, begebe ich mich in die Horizontale. Auch das entpuppt sich als Herausforderung ganz besonderer Art.

Mein Plan ist, mich auf den Bettrand zu setzen und dann auf allen vieren zur Matratzenmitte zu robben. Geht nicht, weil das linke Knie blau leuchtet. Da habe ich mich vorgestern saublöd drauffallen lassen und vergessen, dass ich keine Knieschoner anhabe. Die vierbeinige Variante fällt flach. Ich könnte über die Matratze rollen. Da meldet sich die rechte Schulter, die sich seit einer Woche anfühlt, als wäre sie aus ihrer vorgesehenen Verankerung gerutscht. Heute also keine Rolle. Ich lasse mich nach hinten fallen. Das war einfach. Blöd nur, dass die Beine immer noch aus dem Bett hängen. So kann kein Mensch einschlafen. Ausser mir vielleicht. Aber bequem ist was anderes. Um die Beine anzuziehen, müsste ich meine Bauchmuskulatur aktivieren, die sich seit der neuen Situptechnik verabschiedet hat. Irgendwie schaffe ich es durch Wippen und Schieben bis zur Matratzenmitte.

Es folgt eine schwierige Entscheidung über die endgültige Schlafposition. Ich beginne auf dem Rücken. Nach einigen Minuten ist der Hintern eingeschlafen, nicht aber der Rest des Körpers und schon gar nicht mein Kopf. Ich rolle mich zur Seite. Meine Beine liegen jetzt angewinkelt aufeinander. Klingt unbequem, ist es auch. Ausserdem meldet die noch intakte Schulter Einspruch. Schließlich quäle ich meinen geschundenen Körper um seine Achse. Auf dem Bauch geht einigermaßen. Nur mit den Beinen weiß ich nicht so recht, was ich anstellen soll. Im Moment wünsche ich mir solche, die ich abnehmen und neben das Bett stellen könnte. Ich drehe sie in der Hüfte nach aussen. So könnte es gehen. Endlich. Hätte nicht gedacht, dass es so schwierig sein könnte, mich flachzulegen. Wurde aber auch Zeit, denn in zwölf Stunden soll ich wieder den Schlangenmenschen geben und wie ein junges Reh durch den Raum springen.

Will the pain ever stop? Ich habe da so eine Ahnung, die ich lieber nicht vertiefe. Wenn in einem gesunden Körper ein gesunder Geist stecken soll, möchte ich auch nicht über meinen derzeitigen Geisteszustand nachdenken. Momentan wünsche ich mir nichts sehnlicher als ein Gipskorsett. Tanzen ist vollendete Perversion. Aber eine durchaus spaßige.

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Mein Kumpel Nietzsche meint ja "Mit freuen, nicht mit leiden, macht den Freund."

Also halte ich mal besser das Maul 'ne Weile. Lachen tut auch weh, gell?

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Ooch, Lachen geht schon. Zumindest bin ich so guter Schauspieler, dass ich während der Situps meine Mundwinkel nach oben ziehen kann. Wenn das weh tut, hab ich definitiv mit der falschen Muskelpartie gearbeitet.

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