Mittwoch, 31. Mai 2006
And the gift is what you get by givin' more than you receive
Ich bringe ihn um. Ganz langsam. Schließlich soll er Schmerzen haben, wenn ich ihn töte. Gut hat mir die Szene aus Leolo gefallen, als der seinem Opa über ein Dachfenster eine Schlinge um den Kopf legt und anschließend die Gewichte in einen Schacht stößt. Hat leider nicht geklappt. Der Alte überlebt und Leolo kommt mit Brüchen ins Krankenhaus. Vielleicht sollte ich mir eine Pistole kaufen. Dabei wäre zu bedenken, dass ich als Frau schon gewaltige Koordinationsprobleme beim Ballwurf habe und ihn mit einem Schuß aus der Distanz höchstens ins Knie treffen würde. Ausserdem macht das Krach. Dann stehen gleich die Nachbarn vor der Türe. Ich glaube, wenn ich jemanden umbringe, wäre das Letzte was ich in dieser Situation brauchen könnte, eine Diskussion mit den Nachbarn über Ruhezeiten. Von einer Brücke oder auf Gleise stoßen käme ebenfalls nicht in Frage. Bei dem miesen Wetter habe ich keine Lust, stundenlang draußen rumzulungern. Bleibt nur Gift. Die Frage ist, welches Gift schnell und effektiv wirkt. Rattengift wäre seiner Person angemessen, wird allerdings wohl nicht reichen. Strychnin ist ausserdem noch in hoher Auflösung herauszuschmecken. Atropin wäre geeignet, weil es einen uncharakteristischen Befund hinterlässt. Tollkirschen gibts aber erst wieder in zwei bis drei Monaten und so lange kann ich nicht warten. Zyankali enthält Blausäure, das nach Bittermandeln riecht. Etwa die Hälfte aller Menschen kann diesen Geruch genetisch bedingt nicht wahrnehmen. Muss ich noch rausfinden, zu welcher Hälfte er gehört. Bei Blausäure reichen schon eingeatmete 60mg. In der Regel tritt der Tod (z.B. bei Todesstrafen in USA) nach etwa 10 Minuten ein. Und so lange soll ich mit ihm plaudern? Dann lieber was anderes. Sarin vielleicht? Bei geringer Konzentration führt das Einatmen zu Atemnot, Speichelfluss, Muskelzucken und Krämpfe, Schweißausbrüche, Erbrechen, unkontrollierbarer Stuhlabgang, Bewusstlosigkeit, Atemstillstand. Klingt nicht gerade appetitlich. Ein freundlicher Zeitgenosse hat mir mal ein Buch über Todesstrafe geschenkt. Kürzlich fiel es mir wieder aus dem Bücherregal in die Hände. Vielleicht finde ich da was Passendes. Oder ich frage meinen Arzt oder Apotheker.

Wen ich umbringen will? Ach so ja, hab ich ganz vergessen zu erwähnen. Den Typen, der mit Hilfe einer einzigen Samenspende mein Leben in Gang gesetzt hat. Anschließend tat er alles, was in seiner Macht stand, um es zur Hölle werden zu lassen. Das darf ich jetzt ausbaden. Jedes geschissene verdammte Mal, wenn ich mit irgendwelchen Scheißtypen zu tun habe. Dachte erst, kann ich irgendwie umbiegen, scheint aber eine Lebensaufgabe zu sein. Geht schon besser als früher. Zumindest bilde ich mir das ein. Immerhin hab ich´s schon in mein blondes Köpfchen gehämmert. Leider steckt es da fest. Der Brocken ist zu groß, um ihn im Ganzen zu schlucken. Muss noch ein wenig kauen. Tut ganz schön weh zwischen den Kiemen. In meinem nächsten Leben komme ich als Mann auf die Welt. Da könnt Ihr aber Gift drauf nehmen. Aber sowas von.

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Donnerstag, 18. Mai 2006
Bad hair day
0.03 Teil 5 der Geschichte ist fertig und online. Wieso tu ich mir das überhaupt an? Interessiert doch eh keinen. Erste leichte Spuren von Sinnfragen im Kopf.

0.33 Unheimlich wichtigen Sinnspruch unheimlich spontan formuliert und gebloggt. Fühle mich unheimlich weise und intelligent. Computer ausgeschaltet.

0.45 Duschen. Haare waschen. Damit Zeit gespart. Wecker eine halbe Stunde später gestellt.

1.10 Computer wieder an, da unheimlich wichtiger Sinnspruch unheimlich falsch formuliert. Leo sagt your english is to run away. Komme mir unheimlich blöd vor. Sich stark verdichtende Anzeichen einer ersten Sinnkrise.

1.17 Breton mit Baudelaire verwechselt. Drei Haare ausgerissen.Dabei mit der Maus rhythmisch gegen die Stirn geschlagen. Anklicken hilft. Manchmal. Kommentar verbessert.

1.30 Blick auf die Uhr. Zeitersparnis als Selbsttäuschung entlarvt. Duschen nur drei Stunden vorverlegt. Dauer der Dusche immer gleich lang. Bis kein heisses Wasser mehr kommt. Mit der Faust gegen die Stirn geschlagen.

1.50 Beginn der schweren Sinnkrise ins Bett verlegt.

3.45 Wecker klingelt. Aufstehen. Mit Zahnbürste im Mund Teewasser kochen. Leichte Koordinationsschwierigkeiten. Mit Zahnbürste umrühren. Neue Erkenntnis: Zahnpasta schwimmt oben.Tee weggeschüttet.

3.55 Schwere Sinnkrise steuert auf ersten dramatischen Höhepunkt zu. Erster klarer Gedanke: was tue ich um diese Zeit in meiner Küche? Analyse eingeleitet. Hat was mit Broterwerb zu tun. Zu einem Ergebnis mittels Ausschlussverfahren gelangt: bin kein Bäcker, keine Zeitungsfrau, kein Postbeamter. Bleibt nur Saftschubse. Während des Milchtrinkens mit dem Kopf auf Tischplatte aufgeschlagen. Dabei von Intelligenz geträumt.

4.00 Uniform passt noch. Freue mich. Erinnerungsvermögen setzt ein. Letztens Uniform eine Größe größer bestellt und erhalten. Frustration setzt ein.

4.15 Neben der Sinnsuche Autosuche. Sehe lauter VWs ohne Antennen. Setze Brille auf. Sehe plötzlich Mülltonnen statt Autos. Macht donnerstags irgendwie Sinn.

4.18 Schalte das Autoradio ein. Keine Antenne, kein Empfang. Macht nix. Rauschen wirkt beruhigend. Stelle mir vor, ich bin am Meer.

4.26 Leere vierspurige Autobahn. Ein Taxi auf der linken Spur. Überhole rechts. Taxi schlägt Haken nach rechts und ordnet sich hinter mir ein. Haben wir Nebel? Kann nix sehen, weil Halogenscheinwerfer vom Taxi im Rückspiegel blenden. Sinnkrise verstärkt sich.

4.35 Treffe Kollegin im Einsatzzentrum. Ist seit 2.00 da. Frage sie, ob sie kein Zuhause hat. Sie sagt schon aber keine Schlüssel. Denke lange darüber nach.

4.45 Einsatzleiterin teilt uns mit, wir fliegen statt 4 legs (Flüge) nur diesen einen und anschließend deadhead (nicht arbeitend) heim. Eruptiv-kollektiver Ausbruch von tiefer Sinnkrise. Schlagen zu dritt rhythmisch mit dem Kopf gegen die Wand. Klingt fast wie Rap. Einsatzleiterin sagt, Fliegerarzt sei erst ab 9.00 im Haus.

10.00 Rückkehr an die Homebase. Vom Flugzeug in den Crewbus. Fahrer wartet noch.

10.12 Frage Busfahrer, worauf wir warten. Fahrer zuckt mit den Schultern. Vermute mal, hat heute ebenfalls Sinnkrise. Ermutige ihn, darüber zu sprechen. Er deutet auf das Schild Während der Fahrt den Fahrer bitte nicht ansprechen. Spekuliere über philosophische Doppeldeutigkeit des Wortes Fahrt. Kopf schlägt mehrmals von alleine gegen Scheibe.

10.30 Sitze im Auto. Sonnenbrille vergessen. Fahre nach Gehör. Wenn ich nix höre, ist alles in Ordnung. Trainiert die Sinne ungemein.

10.54 Höre auffällig lautes Motorengeräusch von einem Daimler vor mir. Scharfes Bremsen. Schlage mit dem Kopf auf den Lenker.

11.00 Parkplatz gefunden. Ziehe wegen morgiger Frühtour mit Kreide den Weg zur Haustüre nach. Beginn eines starken Platzregens. Fühle mich dennoch sehr intelligent. Da steh ich doch drüber.

11.10 Uniform ausgezogen. Will ins Bett. Höre Türglocke. Hausmeisterin will mit Elektriker in mein Bad. Keinen Bock auf Orgie. Hausmeisterin sagt, es geht um den Luftabzug. Mit der Hand gegen die Stirn geschlagen. Inzwischen repariert Elektriker den Lichtschalter, damit er was sieht. Fragt, ob ich nie Licht auf dem Weg ins Bad brauche. Sage, bin blind und orientiere mich nach Geruch. Elektriker zögert leicht, bevor er die Türe öffnet.

11.30 Alles fertig. Bettschwere erreicht. Leichte Kopfschmerzen von zu viel Sinnsuche. Frisur ist im Arsch vom vielen Schlagen und Schütteln.

Tag dauert noch etwa 12 Stunden.
AAAAAAAAAAAAAHH!!!

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Mittwoch, 17. Mai 2006
Sätze, die man sofort bloggen muss
A: wenn du dir was wünschen dürftest, was wäre das?
B: eine Gummizelle mit so weichen Gummiwänden. Ganz für mich allein...
A: ?

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Donnerstag, 11. Mai 2006
Living in the past
Manchmal wacht man morgens auf und denkt, es war alles nur ein Traum.

Und immer schön das Kleingedruckte lesen:

Was ist Vergangenheit? Ein Abbild in unserem Kopf. Sie lässt sich nicht anfassen, genauso wenig wie Zeit. Sie ist vom eigenen Denken geprägt. Sowas wie absolute Vergangenheit gibt es nicht. Ob ich mich an eine Begebenheit im Wachzustand oder einen Traum erinnere, macht prinzipiell keinen Unterschied. Folglich unterscheidet sich die Erinnerung an Vergangenes nicht von der Erinnerung an einen Traum.

Manchmal wache ich morgens auf und denke, ich hätte mein Leben nur geträumt. Aus diesem Traum möchte ich aufwachen. Ich möchte mich selbst schütteln und mich anschreien WACH AUF. SIEHST DU NICHT, WAS DU DA TUST? Dann aber verliert alles die übermächtige Bedeutung, die ich den Begebenheiten beigemessen habe. Alles wird undeutlich, verschwimmt,verlischt, genau wie man einen Traum der vergangenen Nacht im Laufe des Tages vergisst, wenn man ihn nicht in Worten festhält.

Die Vergangenheit ist nicht wichtiger als ein Traum. Wieso sollte ich sie festhalten? Schon im nächsten Moment wird die Gegenwart zur Vergangenheit, ist vorbei, kann nicht mehr geändert werden. Manche Menschen wünschen, die Vergangenheit ungeschehen machen zu können. Warum, wo sie doch so flüchtig wie der Moment ist? Sie ist nicht wichtiger als man sie selbst macht. Wer unter Vergangenem leidet, wird nie in der Gegenwart genießen können. Er wird die Gegenwart zur Vergangenheit machen und die Vergangenheit zur Gegenwart.

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Dienstag, 9. Mai 2006
Spülen nicht vergessen
Meistens passiert es, wenn das Wetter schlechter wird. Ich meine nicht, wenn man schon in der Elvira oder dem Klaus steckt. Nicht, was Ihr schon wieder denkt. Seit einiger Zeit werden Tiefdruckgebiete durch Namensgebung vermenschlicht. Gut finde ich das nicht. Erst gab´s einen Aufschrei aus feministischen Reihen, weil die Tiefs immer Frauennamen trugen und die Hochs immer Männernamen, bis das geändert wurde. Die heutigen Feministinnen haben sowieso nix kapiert aber das führt jetzt zu weit. Jedenfalls ist das so ein komisches Ding der Menschen, alles und jedes zu vermenschlichen. Gott ist der mit dem langen Bart, die Spülbürste bekommt lustige Augen aufgedrückt und das Haustier wird zum Partnerersatz. Ob so eine Schlechtwetterfront auch personifiziert wird, damit man sie noch liebhaben kann, selbst wenn sie rumgrollt, weiß ich nicht so genau. Ich vermute mal, die Menschen versuchen einfach alles ihrer Kontrolle zu unterwerfen. Dazu geben Sie so unkontrollierbaren Ereignissen einfach blöde Namen. Da kann man sich leichter drüber lustig machen. Und dann ist das Tief nicht mehr so tief und das Hoch nicht mehr zu hoch.

Ein Wetterumschwung begünstigt pathetische Stimmung. Plötzlich findet man sich beim alte Kinderbilder anschauen oder Liebesbriefe lesen wieder. Das Verlangen, Gedichte zu schreiben wird auf einmal unbezwingbar. Schließlich hat man schon verdrängt, dass das damals auch schon gewaltig schief ging, weil man es ja immer noch mit dem Alter und der fehlenden Reife vor sich entschuldigen kann. Unentschuldbar sind allerdings die mickrigen Versuche, die man jetzt zu Papier bringt und nicht sofort danach vernichtet. Da hilft auch nicht die Rechtfertigung, dass Hesse sein ganzes Leben lang spätpubertäre Ejakulate zu Büchern verwandelte. Man ist keine 15 mehr und auch kein Hesse.

Was man ist, weiß man oft nicht so genau. Man kann vielleicht ein wenig zeichnen, fotographieren oder schreiben, ein wenig Klavier spielen und etwas stricken. Zu mehr hat es jedoch nie gereicht. Im Bekanntenkreis stoßen die selbstgetöpferten Aschenbecher auch nicht auf die erwartete Resonanz. Wo soll man denn jetzt hin mit all der aufgestauten Kreativität? Man könnte sich ablenken, indem man masturbiert oder Pickel ausdrückt. Das ist allerdings durch gesellschaftliche Beschränkungen nicht immer und überall möglich. Der Ausdrucksdrang wird irgendwann mal so übermächtig, dass man beginnt, verzärtelte Worte wie Blütenblätter über das Internet zu verstreuen. Gefährlich, gefährlich, sag ich da nur. Manchmal wird man nämlich noch nach Jahren verlinkt und dann ist gute Ausrede teuer. Deswegen mein Rat: bei unüberwindbaren Pathetikanflügen unbedingt den Stecker ziehen, die Tinte verstecken und in der Mitte des Wohnzimmers nach Tanztheatermanier Worte in Bewegung verwandeln. Das ganze betrachtet man währenddessen im Spiegel oder - noch besser - nimmt es auf Video auf. Wer sich spätestens beim Betrachten seiner Verrenkungen noch nicht lächerlich vorkommt, dem ist nicht mehr zu helfen. Wahrscheinlich wurde der auch in der Szene aus Gottes vergessene Kinder von Rührung ergriffen und fortgetragen, als William Hurt der Gehörlosen Marlee Matlin gehörte Musik mit Bewegungen darzustellen versucht. Ich wurde damals von einem Lachanfall ergriffen, da für mich diese Szene eine der großen Peinlichkeiten in der Filmgeschichte war (nein, nicht der Versuch, einem Gehörlosen seine Hörerfahrungen näherzubringen, sondern die linkischen Bewegungen vom Willi Schmerz).

Leute, ihr müsst keine Gedichte schreiben und nicht tanzen. Ihr müsst auch nicht besser zeichnen oder kochen können als andere. Ihr müsst Euch überhaupt nicht vergleichen. Seid einfach. Dann wisst Ihr ziemlich schnell, wer ihr seid.

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Montag, 8. Mai 2006
Mitten in die Fresse
Ich bin sauer. Nein, ich bin stinkig. Nein, ich bin richtig wütend. Aber sowas von. Hab ich mich doch selbst dabei ertappt, wie ich etwas getan habe, das ich nicht mehr tun wollte. Hab gedacht Ist doch ganz einfach: tu´s halt nicht mehr. Hab damit aufgehört. Einfach so. Aber das Unterbewusstsein ist nicht so doof, wie man meint. Och, dieses komische Ding, das schwachsinnige Träume produziert und alles schön in Beamtenmanier registriert, einordnet und archiviert, was reinkommt, dieses Ding ist so blöd, das muss man nicht beachten. Hab mich selbst für unheimlich schlau gehalten, viel schlauer als die Angestellten der Zentralverwaltung von Scheiße. Aber wie das halt so ist, Dumme unterschätzt man leicht. Gibt so einen Spruch Streite Dich nicht mit Dummen. Sie ziehen dich auf ihr Niveau runter und schlagen dich dann aufgrund ihrer Erfahrung. Jo, die zentrale Scheißverwaltung hat sich dann vor paar Tagen gemeldet. Hat mir einige Protokolle unter die Nase gehalten und gesagt, dass ich jetzt bezahlen soll. Keine Ahnung, wo die das Zeug rausgekramt haben. Dachte immer, ich hätte es durch den Aktenvernichter gejagt, bevor ich gegangen bin. Die haben aber eine Zweitschrift davon und nicht nur das, die haben das ganze Protokoll sogar hundertfach vervielfältigt. Als ich das gecheckt hab, bin ich erst mal auf Tauchstation. Türen und Fenster verrammelt, Telefon nicht beantwortet und Türklingel ignoriert. Doch die finden immer einen Weg. War diesmal wohl die Hundeklappe. Jedenfalls standen sie ganz wichtig mit dem Wisch vor meiner Nase rumwedelnd vor mir. Erst mal wollte ich nichts ohne meinen Anwalt sagen. Der ist aber zur Zeit im Urlaub. Also musste ich mitkommen in die miefige Zentralverwaltung. Eine Stellungnahme soll ich verfassen, eher lassen die mich nicht wieder raus aus dem Bunker.

Und da sitze ich jetzt und denke darüber nach, wie ich mein Verhalten rechtfertigen soll. Täuschen kann ich sie nicht mehr. Muss ich halt ehrlich sein. So Sätze wie ich konnte halt nicht anders und ich wollte doch nur helfen ziehen bei denen nicht. Auch nicht ich bekenne mich schuldig und akzeptiere jede Strafe, weil dann sagen die, das hätte ich schon letztens zu Protokoll gegeben. Überhaupt ist das mit Strafe so eine Sache. Hey, wir sind ja nicht mehr im Mittelalter, wo die Kirche im Namen Gottes Schuld und Sühne ausrufen lässt, weil sich damit besser unterdrücken lässt. Ich bin schon groß, kann selbständig denken und glaube nicht an Sachen wie Strafe und Sünde. Ich glaube an Konsequenzen und Eigenverantwortung. Also das Ganze noch mal überdacht. Sage einfach, ich passe nächstes Mal besser auf mich auf. Das akzeptieren die. Denen geht es auch nicht um Bestrafung, weil die genau wissen, dass es Strafe genug ist, in der miefigen Zentralverwaltung zu sitzen und Protokolle vorgelesen zu bekommen. Sage ich einfach Aha, so ist das also!. Ist auch so. Nicht mehr und nicht weniger. Im Grunde wollen die mir nix Böses. Sind zwar lästig aber nicht schlecht. Manchmal passen die richtig gut auf mich auf. Muss halt nur regelmäßig die Newsletter lesen, dann brauch ich mich auch nicht vor denen fürchten. Wir kennen uns schon länger. Mal sehen, vielleicht gehen die mit mir mal einen O-Saft trinken. Falls nicht, bin ich nicht böse. Die melden sich schon wieder. Bald bestimmt.

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Freitag, 5. Mai 2006
It´s time to play the music (Gonzo blows his trumpet)
Mit der Musik ist das ja so eine Sache. Da muss man schon früh anfangen, wenn man berühmt werden will. Ein Kind orientiert sich am Vorbild (so will ich auch sein, wenn ich groß bin) der Eltern oder anderen Bezugspersonen. Sind die Eltern Musiker, äußert das Kind meist diesen Berufswunsch. Fragte man mich, was ich werden wollte, war ich meist ziemlich ratlos. Ich wusste nicht, was meine Eltern beruflich machen. Zumindest war mir schon früh klar, dass Biertrinker kein Berufsbild sein kann. Und das war auch noch vor der Zeit, als es schick war, auf die Frage nach dem Berufswunsch mit Entwicklungshelfer oder Arzt zu antworten. Als ich mit 6 Jahren das erste Mal vom Haus meiner damaligen Freundin zurückkehrte, berichtete ich ganz aufgeregt meiner Mutter
Mama, stell Dir vor, der Papa von der C. ist Komiker!
Wie, Komiker?
Naja, der malt so Comics.
Irgendetwas hatte ich da verwechselt. Oder auch nicht.

Was mich nachdenklich stimmt, ist die Tatsache, dass immer mehr Kinder ihre Kindheit vor dem Fernseher verbringen. Was wollen solche Kinder mal werden? Talkmaster? Waschmittelanpreiser? Sind sich Eltern über die traumatischen Auswirkungen auf das Leben der Kinder bewußt, wenn sie sie der unzensierten Faltencremewerbung mit Uschi Glas aussetzen?
Früher da gab es wenigstens noch pädagogisch wertvolles Programm für Kinder z.B. Sesamstrasse und Muppet Show. Während meines Studiums fragte ich einen Kommilitonen, wieso er gerade dieses Instrument gewählt hatte und er erzählte mir die Geschichte von Gonzo mit der Trompete. Damals glaubte ich noch an einen Einzelfall, während mir im Laufe der Jahre sämtliche Illusionen geraubt wurden.

Inzwischen glaube ich, Musiker werden nur noch Menschen, die in ihrer Kindheit nicht wussten, was sie werden wollen. Ausserdem ist Musiker genauso wenig wie Biertrinker ein Beruf. Auch hier wieder ein griffiges Beispiel aus abgespeicherten Konversationsfetzen, die diese These untermauert: Ach, sie machen Musik? Wie schön. Und was machen sie beruflich?
Und meine Mutter sagte bereits Kind, wenn Du unbedingt Musik studieren willst, ist das schon in Ordnung. Schließlich heiratest Du mal und dann kann man das schön nebenher machen. Sie hat mir bis heute nicht verraten, neben was ich Musik machen kann. Neben Kindern? Neben Kochen? Neben Sex? Ausserdem war das mit dem Heiraten eine Fehlkalkulation, wie sich später herausstellen sollte. Die Börse meldete Verluste, als meine Aktien auf den Markt kamen.

Eine Pointe gibt´s heute keine, weil ich weg muss. Tschüss.

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Dienstag, 2. Mai 2006
Sprich zu deiner Hand!
Wer kennt sie nicht, die widerlichen kleinen Wurzelgnome aus der Arschlochfraktion? Sie laufen überall herum, verteilen emsig ihre vorgefertigten Meinungen, die meist auf Vorurteilen beruhen und halten sich für die Größten. Eine erste Begegnung hat bereits stattgefunden. Es ist der Ex Partner, der lügt, weil er zu feige ist, seine Fehler einzugestehen und sie lieber kaschiert, die Kollegin, die einem durch ihre Intrigen das Leben schwer macht oder der Kunde, der sich nie zufrieden stellen lässt, obwohl man alles für ihn tut. Es ist die Zufallsbekanntschaft, die zu einem Monster mutiert, der Nachbar, der Kleinkrieg gegen einen führt und der Beamte, der einem den Paragraphenknüppel zwischen die Beine wirft. Während dieser ersten Begegnung war man nahezu sprachlos ob dieser Willkür, die sich bei näherer Betrachtung als Machtspiel eines kindlichen Egos herausstellt. Man denkt weiter und plötzlich fallen einem unzählige Argumente und Erwiderungen ein, doch jetzt ist es zu spät. Das Spiel ist gelaufen. Rien ne va plus. Man tritt im Kreislaufmarathon die Teppichflusen platt, wirbelt bei jeder Kehrtwende am Ende des Zimmers ein klein wenig Staub auf und schleudert seine schlagfertigen Argumente und Flüche dem Usambaraveilchen am Fenster entgegen. Das lauscht geduldig und ohne Widerworte. Einzig ein bräunlich herabhängendes Blatt zeugt am nächsten Tag von der Verletzung der introvertierten Pflanzenseele.

Es vergeht einige Zeit. Langsam vergisst man die Sprüche, die man sich geschworen hat, bei der nächsten Begegnung an den entsprechenden Mann zu bringen. Und die Wurzelgnome der Arschlochfraktion lassen auf sich warten. Jetzt, wo man sich nicht von Verbalschlägen hätte umhauen lassen, jetzt sitzen sie in ihren kleinen dunklen Ecken und lauern. Sie beobachten uns aus ihren Augenschlitzen. Manchmal schnüffeln sie ein wenig wie Hunde, denn Selbstbewusstsein und Stärke lassen sich erriechen. Die Wurzelgnome warten, bis man wieder ganz unten ist, sich ein wenig selbst bemitleidet und zögerlichen Schrittes vorbeigeht. Dann springen sie aus ihren Verstecken und stehen plötzlich vor uns. Der Exfreund, die Zufallsbekanntschaft und der ehemalige Kollege, man trifft sie in der Schlange der Supermarktkasse, beim Friseur, auf Behörden oder im Restaurant. Man würde gerne verschwinden, sich unsichtbar machen, denn gerade jetzt fühlt man sich für eine Auseinandersetzung zu schwach, das Loch zwischen den Bodendielen ist zu klein und man selbst zu groß. Natürlich kann man einer Begegnung nicht ausweichen, das haben die Wurzelgnome schon so vorbereitet. Sie erwischen einen kalt von vorne, während sich hinter einem die Wände zur Ecke treffen. Das Hirn beginnt schlagartig in Turbogeschwindigkeit die Windungen nach passenden Worten abzufahren. Einzig das Usambaraveilchen könnte jetzt helfen, doch das hat noch nie auf Telefonläuten reagiert. Man stammelt ein paar Belanglosigkeiten und will sich an den Wurzelgnomen vorbeidrücken, doch die blasen sich vor einem zu wabbeligen Jabbas auf und lassen erkennen, dass auch sie die letzte Begegnung irgendwo in ihren verschrumpelten Gehirnen abgespeichert haben. An einem beleidigten Jabba kommt keiner vorbei, selbst wenn man sich noch so klein macht. Sie saugen die gesamte Raumluft in sich ein und entlassen sie wieder in stinkenden Worten. Man fühlt sich ein wenig schwindelig, beginnt zu rudern und tritt von einem Bein auf das andere. Im Grunde möchte man lieber auf dem abgetretenen Teppich daheim laufen, der ist immer wieder eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration. Weil man aber keinen fliegenden Teppich und keine Tarnkappe zur Hand hat, und auch die Ritter auf den weißen Pferden schon seit längerem beurlaubt sind, lässt man die gruseligen Jabbaworte mit gesenktem Haupt und hängenden Schultern über sich prasseln wie einen strahlenden Regenschauer aus einer Atompilzwolke. So plötzlich die Jabbas auftauchten, so schlagartig sind sie auch wieder weg. Sie schnurren zusammen, ähnlich einem aufgeblasenen Luftballon, den man loslässt und verschwinden als Wurzelgnome wieder nach Arschlochhausen, ein Ort, an dem kein liberal denkender Mensch je gewesen sein möchte. Man selbst sammelt seine Habseligkeiten, sowie die geschundenen Knochen zusammen und macht sich auf zum Usambaraveilchen, das daheim schon wartet.

Im Grunde glaube ich nicht an den Satz Man trifft sich immer zwei Mal, denn es sind viele Male, die man sich trifft. Nur die schrumpeligen Gesichter der Wurzelgnome unterscheiden sich ein wenig voneinander. Der Typ ist immer der Gleiche. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich noch in diesem Monat mit dem Kapitän fliegen muss, der vor zwei Jahren an mir seinen übersteigerten Männlichkeitshabitus in Form von Dienstvorschriften und willkürlichen Unterstellungen ausließ und ich nur knapp die Tränen der Wut und Verletztheit zurückhalten konnte. Arschlochhausen hat seine Pforten geöffnet, und ich gehe jetzt vorsorglich duschen.

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Freitag, 28. April 2006
Die Nebensonnen
Ist es nicht so, dass wir alle auf der Suche nach Verständnis sind? Der Wunsch nach einer Person, die tiefe Empfindungen versteht, nachvollziehen kann und ohne Worte mit uns teilt. Eine Sehnsucht, der wir uns gerne hingeben, obwohl sie als das, was sie ist, nämlich der Sehnsucht nach einer Illusion, nie eintreffen wird. Und die Hoffnung auf Erfüllung hält uns am Leben. Paradoxe Welt.

Ist es nicht so, dass nachts, wenn alles um uns still wird, die Gedanken umso lauter sind? Dann ist der Grat zwischen Selbstmitleid und klaren Gedanken über das eigene Treiben schmal. Ich balanciere, torkle, gewinne Gleichgewicht, schaue in den Abgrund, der mich in seiner Tiefe genauso fasziniert wie magisch anzieht. Ich möchte alles loslassen und mich hineinstürzen. Nie wieder denken müssen. Alles hinter mir lassen. Verantwortung abgeben. Im Eisbad vegetieren. Doch die leise Stimme im Hintergrund warnt, lässt nicht locker, insistiert. Wäre sie nicht, die Stimme der Vernunft, wie lange läge ich schon dort drunten im Dunkel? Ein Jahr oder zehn oder zwanzig? Selbstmitleid mag verwerflich sein, doch genau das ist es, was mich dem Leben näher bringt. Ich habe Mitleid mit mir. Deswegen lasse ich mich nicht fallen, sondern halte mich fest, lass die anderen sich an mir halten, auch wenn ich noch so schwach bin. Ich leide mit ihnen genau wie mit mir. Nur wenn ich mich verstehe, kann ich auch andere verstehen. Nur das, was ich für mich tue, kann ich auch für andere tun.

Ist es nicht merkwürdig, dass ich Rufe höre, Mitleid sei nicht dasselbe wie Mitgefühl? Könnte von mir selbst sein, dieser Ruf. Das einzige, was Mitleid von Mitgefühl unterscheidet, ist die Abgrenzung der eigenen Person vom Leid der anderen. Wie jedoch sollte ich mich vom eigenen Leid abgrenzen? Dementsprechend bin ich nur fähig zu verstehen, wenn ich Selbstmitleid kenne. Mitleidig sein hat auch was von Überheblichkeit. Ich schaue von meinem hohen Sockel herab auf all die, die sich leidend im eigenen Elend winden. So oder ähnlich gehe ich mit mir selbst um. Ego1 schaut auf Ego2 mitleidig herab und kommentiert:
Sieh Dich an, wie schäbig Du bist. Hör auf damit! Ich ertrage Dich so nicht.
Dann beginnt Ego2 sich langsam zu berappeln, zu schnäuzen und zusammenzureißen.
Hast ja recht murmelt es kleinlaut.
Doch Ego1 ist streng. Sehr streng sogar.
Mensch, musst Du Dich so gehenlassen? Ist ja nicht zum Aushalten mit Dir.
Und Ego2 beginnt, sich ein wenig zu schämen.

Dieser innere Dialog wird dann willkürlich auf andere Menschen in anderen Situationen projiziert. Wer streng mit sich umspringt...
Alles schon gehabt, alles dagewesen.
Lernen ist ein langer, schwieriger Weg.

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Montag, 17. April 2006
Sinnsucht
Der Baum vor meinem Fenster ist über Nacht grün geworden. In wenigen Wochen wird er blühen, dann Früchte tragen, schließlich fallen die Blätter und der Herbst hält Einzug. Ewiger Kreislauf von Geburt und Tod.
Jedes Jahr mache ich meine Steuererklärung. Jedes Jahr wieder. Es ist kein Ende in Sicht. Ich sauge den Staub in meiner Wohnung, der nach zwei Wochen wieder genauso daliegt, als wäre er nie entfernt worden. Meine Fenster sehen unmittelbar nach dem Putzen beim nächsten Regenschauer aus, als wären sie nie gereinigt worden.

Und plötzlich taucht da die Frage nach dem Sinn des menschlichen Treibens auf. Manch einer bemüht in diesem Zusammenhang Begriffe wie göttlicher Plan oder Fügung, wenn nicht gar Schicksal. Nun ist es aber so, dass das menschliche Gehirn auf der Basis der Vergangenheit arbeitet. Wir glauben, etwas das in der Vergangenheit so war, wird sich in der Zukunft wiederholen. Selbst jene, die ihre Umwelt distanziert intellektuell zu erfassen in der Lage sind, neigen ab und an dazu, bestimmte Ereignisse ihres Lebens im Nachhinein zu verknüpfen und daraus einen Sinn abzuleiten. Wenn dies nicht gewesen wäre, hätte ich das nicht erlebt. Für die Zukunft wird der Satz wer weiß wofür das gut ist? herangezogen. Der lässt sich allerdings nur in kausalem Zusammenhang beantworten, wobei die Kausalität wiederum nur ein Abfallprodukt unseres Denkschemas ist. Wäre es denn so schlimm, wenn es keinen Sinn gäbe? Seit Generationen versucht die Menschheit, sich mit der Sinnlüge über vieles hinwegzutrösten. Doch genau betrachtet ist sie nicht viel mehr als eine Ersatzdroge, ähnlich der Religion. Im Grunde genommen ist das auch nicht das Schlechteste. Wenn es hilft, ist nahezu jedes Mittel legitim.

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