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Montag, 10. April 2006
Play it, Sam!
frau klugscheisser, 03:01h
Dass Musik Emotionen transportiert ist nicht neu. Dass mit bestimmten Titeln jeder Mensch ganz eigene Assoziationen verbindet, auch nicht. Nur sind wir selbst für derartige Assoziationen verantwortlich. Das darf nicht vergessen werden.
Ich hatte mal eine Lieblings CD, die Tag und Nacht lief. Das ist nicht ungewöhnlich. Meine temporären Lieblings CDs laufen so lange, bis ich mich entweder sattgehört habe oder aber sie von der nächsten abgelöst werden. Das ist sehr praktisch, denn wenn Besuch kommt, muss ich nicht lange nach passender Musik suchen, die steckt schon in der Anlage. So begab es sich einst, dass ich Übernachtungsbesuch hatte. Dieser One-night-stand entwickelte sich jedoch so unvorhergesehen zu einem ganzheitlichen Desaster, dass ich an dieser Stelle lieber nicht davon berichten möchte. An der Musik kann es nicht gelegen haben. Damals lief De Phazz auf Repeat. Der Besuch verließ meine Wohnung freiwillig nach angemessener Zeit und ich war dafür unendlich dankbar. Am nächsten Morgen stellte sich heraus, dass ich die besagte CD nicht mehr hören konnte, ohne an die traumatischen Ereignisse der vergangenen Nacht erinnert zu werden. An diesem Zustand hat sich auch nach Jahren nichts geändert. Jedesmal wenn ich Ausschnitte der CD höre, macht sich in mir ein Unwohlsein breit, das erst aufhört, nachdem ich andere Musik aufgelegt habe. Somit habe ich mich selbst unbewußt zum Opfer in Clockwork Orange Manier konditioniert. Dabei finde ich die Neunte von Beethoven so schlecht nicht.
Ich hatte mal eine Lieblings CD, die Tag und Nacht lief. Das ist nicht ungewöhnlich. Meine temporären Lieblings CDs laufen so lange, bis ich mich entweder sattgehört habe oder aber sie von der nächsten abgelöst werden. Das ist sehr praktisch, denn wenn Besuch kommt, muss ich nicht lange nach passender Musik suchen, die steckt schon in der Anlage. So begab es sich einst, dass ich Übernachtungsbesuch hatte. Dieser One-night-stand entwickelte sich jedoch so unvorhergesehen zu einem ganzheitlichen Desaster, dass ich an dieser Stelle lieber nicht davon berichten möchte. An der Musik kann es nicht gelegen haben. Damals lief De Phazz auf Repeat. Der Besuch verließ meine Wohnung freiwillig nach angemessener Zeit und ich war dafür unendlich dankbar. Am nächsten Morgen stellte sich heraus, dass ich die besagte CD nicht mehr hören konnte, ohne an die traumatischen Ereignisse der vergangenen Nacht erinnert zu werden. An diesem Zustand hat sich auch nach Jahren nichts geändert. Jedesmal wenn ich Ausschnitte der CD höre, macht sich in mir ein Unwohlsein breit, das erst aufhört, nachdem ich andere Musik aufgelegt habe. Somit habe ich mich selbst unbewußt zum Opfer in Clockwork Orange Manier konditioniert. Dabei finde ich die Neunte von Beethoven so schlecht nicht.
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Sonntag, 9. April 2006
Incidental solar radiation
frau klugscheisser, 15:52h
Gerade habe ich mir ein Strahlungsschild aus mit Alufolie bezogener Pappe für meine Fenster gebastelt. Wer jetzt an meinem mentalen Zustand zweifelt, dem sei erklärt, dass ich mich dadurch gegen die intensive Sommersonneneinstrahlung zur Wehr setze. Durch die Morgensonne wird sich mein Zimmer dermaßen aufheizen, dass nicht nur meine Schweißdrüsen, sondern auch meine CD Sammlung und die Pflanzen darunter zu leiden haben. Ausserdem wehrt das Schutzschild in Zukunft neugierige Blicke der Nachbarschaft ab. Vielleicht hätte ich die Pillen nicht absetzen sollen. Naja, wer für alles offen ist, kann nicht ganz dicht sein.
Der Sommer kann kommen, ich bin gewappnet.
Der Sommer kann kommen, ich bin gewappnet.
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Here comes the neighbourhood
frau klugscheisser, 13:31h
Seit Dezember bin ich im Genuss eines Fensters zur Straße. Während ich vorher im Hinterhof mit Blick auf ein Bürogebäude wenig vom Leben da draußen mitbekam, bin ich jetzt mittendrin. Morgens mit einer Tasse Tee und einer Zigarette beobachte ich, wie im Haus gegenüber Frühsport betrieben wird. Der mittelalterliche Herr ist stolzer Besitzer eines Steppergerätes, auf dem er – meist leicht bekleidet, wenn überhaupt – seinen hüpfenden Bierbauch in Wallung bringt. Im Stock drüber lüftet eine Mutter die Kinderdecken und im ersten Stock schnuppert ein Rentner auf dem Balkon vorsichtig Morgenluft. Richtig interessant wird die Szenerie erst nach Einbruch der Dunkelheit. Dann werden die Wohnungen von innen beleuchtet und somit vollständig einsehbar. Es passiert dort nicht viel beobachtenswertes aber immer wieder interessant zu sehen sind diverse Einrichtungen. Manchmal beneide ich Handwerker, deren Beruf eine Eintrittskarte zu fremden Wohnungen ist. Höchst wahrscheinlich haben die auch bemerkenswerte Dinge zu berichten. Für Eigeninspiration brauchen sie nicht einmal Möbelkataloge blättern und sind stets auf dem neuesten Stand was Möbeldesign angeht. Zumindest in München scheint mir das sehr wahrscheinlich zu sein.
Noch interessanter als das Leben hinter den Fenstern ist das Leben auf der Straße. Da ist der Mann, der – vermutlich durch einen Schlaganfall hinkend – morgens und mittags seine kleine Tochter zum Kindergarten bringt. Er trägt immer denselben Trainingsanzug oder sein Kleiderschrank beherbergt zig ähnliche Modelle. Da ist der Typ, der ab und zu Post aus dem überfüllten Briefkasten fischt, diese fein säuberlich in den Fahrradkorb staut und eigenhändig zum Postamt bringt. Vor der Bäckerei warten angeleinte Hunde, die ihre aus dem Laden kommenden Halter so freudig begrüßen, als wären sie wochenlang dort drin gewesen. Schön zu beöbachten sind die aufgeregten Schüler einer Fahrschule, die zitternd in das Auto steigen, um als erstes den Motor abzuwürgen. Da gibt es eine Mai Ling Zentrale und deren Kundschaft. Vermutlich werden in dem auf Asien spezialisierten Reisebüro aber weniger Reisen gebucht, als vielmehr die Räumlichkeiten durch die hiesige asiatische Bevölkerung für gesellschaftliche Zusammenkünfte genutzt. Vor dem Schönheitssalon stehen dickliche Zwanzigjährige in ihrer Zigarettenpause. Neben dem türkischen Feinkostladen treffen sich junge Türken in ihrer Mittagspause. Manchmal vermischen sich die letzten beiden ethnischen Gruppen, um gemeinsam zu Mittag zu essen. Ab und zu schlendert der an der Kasse arbeitende und mit einer Schürze bekleidete junge Türke auf die Straßenseite gegenüber des Schönheitssalons und raucht dort eine Zigarette. Dabei starrt er sehr angestrengt auf das Schaufenster gegenüber. Wenn er damit fertig ist, macht er einen kleinen Abstecher in die Apotheke.
Die Apotheke ist vor allem bei Notfalldienst nachts schön zu beobachten. In zehnminütigem Abstand halten dort Taxis und warten, bis der Fahrgast seine Medikamente abgeholt hat. Erst sucht der Leidende eine Klingel. Hat er die gefunden und betätigt, wartet er auf Antwort, indem er vor der Glastüre ins Innere des Ladens starrt. Der Apothekenangestellte kommt aber meist nicht für den Klingler einsehbar von links und meldet sich über eine Sprechanlage. Dann springt der Klingler hektisch zur Anlage, um dort konzentriert hineinzusprechen. Der Apotheker entfernt sich, um die gewünschten Medikamente zu holen, während der Sprecher immer noch wie gebannt an der Anlage hängt. Er lauscht in die Schlitze hinein, als würde jedes verpasste Geräusch eine Verschlechterung seines Gesundheitszustands bedeuten. Irgendwann steht der Apotheker dann auch wieder dahinter, um hineinzusprechen, was den Abholer erschrecken lässt. Dabei hat er doch die ganze Zeit auf diese Stimme gewartet. Nun, bei körperlichem Leid sind wir wohl alle ein wenig empfindlicher.
Schön zu beobachten sind auch modische Verfehlungen der Passanten. Während sich übergewichtige Frauen gerne in pink kleiden, tragen die großen Dürren eher schwarz oder gedeckte Farben. Ich versuche mich dem natürlich anzupassen. Leider fehlen meiner Kollektion noch Kleidungsstücke in pink. Dafür kenne ich mich seit meinem Umzug in Fragen der Hutmode aus. Baseballmützen sind nämlich out. Man trägt jetzt wieder traditionell, am liebsten den Lodenhut mit Gamsbart.
Leider geschieht nichts wirklich weltbewegendes hinter den Fenstern von gegenüber. So sehr ich darauf hoffe, es lassen sich dort keine Orgien und keine Nacktshows beobachten. Kürzlich sah ich zufällig einen Bewohner des gegenüberliegenden Gebäudes direkt in meine Wohnung starrend. Unverschämtheit so was! Das tut man nicht. Vielleicht gehe ich mal demnächst rüber und erzähle ihm was über Privatsphäre und gute Kinderstube. Wenn ihm langweilig ist, soll er halt seine Steuer machen oder stricken lernen aber bitte nicht in fremde Wohnungen spannen.
Noch interessanter als das Leben hinter den Fenstern ist das Leben auf der Straße. Da ist der Mann, der – vermutlich durch einen Schlaganfall hinkend – morgens und mittags seine kleine Tochter zum Kindergarten bringt. Er trägt immer denselben Trainingsanzug oder sein Kleiderschrank beherbergt zig ähnliche Modelle. Da ist der Typ, der ab und zu Post aus dem überfüllten Briefkasten fischt, diese fein säuberlich in den Fahrradkorb staut und eigenhändig zum Postamt bringt. Vor der Bäckerei warten angeleinte Hunde, die ihre aus dem Laden kommenden Halter so freudig begrüßen, als wären sie wochenlang dort drin gewesen. Schön zu beöbachten sind die aufgeregten Schüler einer Fahrschule, die zitternd in das Auto steigen, um als erstes den Motor abzuwürgen. Da gibt es eine Mai Ling Zentrale und deren Kundschaft. Vermutlich werden in dem auf Asien spezialisierten Reisebüro aber weniger Reisen gebucht, als vielmehr die Räumlichkeiten durch die hiesige asiatische Bevölkerung für gesellschaftliche Zusammenkünfte genutzt. Vor dem Schönheitssalon stehen dickliche Zwanzigjährige in ihrer Zigarettenpause. Neben dem türkischen Feinkostladen treffen sich junge Türken in ihrer Mittagspause. Manchmal vermischen sich die letzten beiden ethnischen Gruppen, um gemeinsam zu Mittag zu essen. Ab und zu schlendert der an der Kasse arbeitende und mit einer Schürze bekleidete junge Türke auf die Straßenseite gegenüber des Schönheitssalons und raucht dort eine Zigarette. Dabei starrt er sehr angestrengt auf das Schaufenster gegenüber. Wenn er damit fertig ist, macht er einen kleinen Abstecher in die Apotheke.
Die Apotheke ist vor allem bei Notfalldienst nachts schön zu beobachten. In zehnminütigem Abstand halten dort Taxis und warten, bis der Fahrgast seine Medikamente abgeholt hat. Erst sucht der Leidende eine Klingel. Hat er die gefunden und betätigt, wartet er auf Antwort, indem er vor der Glastüre ins Innere des Ladens starrt. Der Apothekenangestellte kommt aber meist nicht für den Klingler einsehbar von links und meldet sich über eine Sprechanlage. Dann springt der Klingler hektisch zur Anlage, um dort konzentriert hineinzusprechen. Der Apotheker entfernt sich, um die gewünschten Medikamente zu holen, während der Sprecher immer noch wie gebannt an der Anlage hängt. Er lauscht in die Schlitze hinein, als würde jedes verpasste Geräusch eine Verschlechterung seines Gesundheitszustands bedeuten. Irgendwann steht der Apotheker dann auch wieder dahinter, um hineinzusprechen, was den Abholer erschrecken lässt. Dabei hat er doch die ganze Zeit auf diese Stimme gewartet. Nun, bei körperlichem Leid sind wir wohl alle ein wenig empfindlicher.
Schön zu beobachten sind auch modische Verfehlungen der Passanten. Während sich übergewichtige Frauen gerne in pink kleiden, tragen die großen Dürren eher schwarz oder gedeckte Farben. Ich versuche mich dem natürlich anzupassen. Leider fehlen meiner Kollektion noch Kleidungsstücke in pink. Dafür kenne ich mich seit meinem Umzug in Fragen der Hutmode aus. Baseballmützen sind nämlich out. Man trägt jetzt wieder traditionell, am liebsten den Lodenhut mit Gamsbart.
Leider geschieht nichts wirklich weltbewegendes hinter den Fenstern von gegenüber. So sehr ich darauf hoffe, es lassen sich dort keine Orgien und keine Nacktshows beobachten. Kürzlich sah ich zufällig einen Bewohner des gegenüberliegenden Gebäudes direkt in meine Wohnung starrend. Unverschämtheit so was! Das tut man nicht. Vielleicht gehe ich mal demnächst rüber und erzähle ihm was über Privatsphäre und gute Kinderstube. Wenn ihm langweilig ist, soll er halt seine Steuer machen oder stricken lernen aber bitte nicht in fremde Wohnungen spannen.
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Freitag, 7. April 2006
Squeeze me
frau klugscheisser, 17:42h
Wo bekommt man eigentlich diese tollen Buttons her, auf denen E-mail me oder anders Nützliches steht? Gibts die auch farblich angepasst?
So ein Erscheinungsbild ist schon enorm wichtig. Gestern zum Beispiel war wieder ein Fremder eifrig am Werk. Meine Seite sei designtechnisch nicht sehr ausgereift (ach?) und das Bild müsse farblich integriert werden. Die Mail schickte er zur Sicherheit gleich 5x ab, damit sie auch ankommt. Rührend, wie sich Menschen, die ich nicht einmal kenne, um meine Seite Gedanken machen. Und so selbstlos [sic].
So ein Erscheinungsbild ist schon enorm wichtig. Gestern zum Beispiel war wieder ein Fremder eifrig am Werk. Meine Seite sei designtechnisch nicht sehr ausgereift (ach?) und das Bild müsse farblich integriert werden. Die Mail schickte er zur Sicherheit gleich 5x ab, damit sie auch ankommt. Rührend, wie sich Menschen, die ich nicht einmal kenne, um meine Seite Gedanken machen. Und so selbstlos [sic].
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Donnerstag, 6. April 2006
Monster AG
frau klugscheisser, 22:52h
Als Kind fürchtete ich mich am meisten vor den Monstern unter meinem Bett. An denen zweifelte ich nicht, denn ich war Schlafwandler und erinnere mich noch genau daran, wie ich einmal an der Wohnzimmertüre stehend aufwachte. Im Fernseher lief der Exorzist, und ich sah die Szene mit der über dem Bett schwebenden Frau. Das konnte ich mir wiederum nur durch die Existenz von bösen Geistern unter dem Bett erklären. Ihr Übriges fügte meine katholische Großmutter mit den Geschichten über Gott und den Teufel meiner lebhaften Phantasie bei. Fortan wurde aus dem Zubettgehen ein eigenartiges Ritual, denn die Geister schnappten mit Vorliebe nach kleinen Beinchen. Um dies zu vermeiden, musste man schon aus gebührendem Abstand ins Bett springen und auf dieselbe Art aufstehen.
Nun waren die Monster unter dem Bett sehr schlau. Sie verstanden es hervorragend, sich zu verstecken. Einmal nahm ich all meinen Mut zusammen und tat so, als würde ich mich gemütlich in mein Bett legen, wirbelte dann aber blitzschnell über die Bettkante und spähte darunter. Nichts zu sehen. Klar, denn sie kommen auch erst aus ihrem Versteck, wenn man das Licht löscht. Ich knipste das Licht aus, wartete eine Weile und schaltete es wieder an, hing mit dem Kopf über die Bettkante und spähte abermals. Wieder nichts. Jetzt wurde mir so richtig mulmig. Foppen lassen sich die Monster nämlich ungern. Also löschte ich das Licht und zog die Decke bis kurz unter meine Nase. In dieser Nacht ließen sie sich jedoch nicht mehr blicken.
Am nächsten Tag erwachte ich vom Geräusch eines herabfallenden Kleiderbügels. Jetzt war es passiert. Ich hatte die Monster unter dem Bett verscheucht und nun hielten sie sich im Schrank und hinter geöffneten Türen auf. Fortan war es mir unmöglich, meine Spielsachen aufzuräumen, geschweige denn eine Türe zu schließen. Natürlich stieß ich mit diesem Verhalten auf viel erzieherischen Widerstand bei meiner Mutter. Ich musste eine Lösung finden, wie ich von den Monstern unbehelligt meinen Pflichten nachkommen könnte. Das war aber alles andere als einfach. Als man mein Zimmer nicht mehr auf herkömmlichem Weg betreten konnte und auch die raffinierte Wegführung zwischen Puppen, Buntstiften, Murmeln und Legos immer enger wurde, beschloß ich, die Monster herauszufordern. Ich nahm meinen Lieblingsteddy und setzte ihn als Ablenkung vor den Schrank. Dann öffnete ich ganz langsam die Türe, indem ich mich hinter ihr in Deckung hielt. Ich wusste, das war unfair und grausam gegenüber meinem Teddy aber manchmal muss man für ein höheres Ziel Opfer bringen. Ausserdem hatte ich ihn vorher gefragt, ob er damit einverstanden wäre und er hatte keine Einwände. Im Grunde hätte ich mir gar nicht so viele Gedanken um ihn zu machen brauchen, denn statt wild schreiender Monster, die sich auf meinen Teddy stürzen, blieb alles ruhig.
Dieses Mysterium machte mir noch einige Zeit zu schaffen. Wo war ihr Versteck? Könnte ich sie mit Opfergaben besänftigen? Wie könnte ich sie vertreiben? So sehr ich auch darüber nachdachte, kam ich auf keine Lösung. Die Verlagerung meines Interessengebietes verdrängte schließlich die tägliche Sorge um die Existenz der Monster. Jungs waren auch viel interessanter, die konnte man nämlich anfassen.
Nun waren die Monster unter dem Bett sehr schlau. Sie verstanden es hervorragend, sich zu verstecken. Einmal nahm ich all meinen Mut zusammen und tat so, als würde ich mich gemütlich in mein Bett legen, wirbelte dann aber blitzschnell über die Bettkante und spähte darunter. Nichts zu sehen. Klar, denn sie kommen auch erst aus ihrem Versteck, wenn man das Licht löscht. Ich knipste das Licht aus, wartete eine Weile und schaltete es wieder an, hing mit dem Kopf über die Bettkante und spähte abermals. Wieder nichts. Jetzt wurde mir so richtig mulmig. Foppen lassen sich die Monster nämlich ungern. Also löschte ich das Licht und zog die Decke bis kurz unter meine Nase. In dieser Nacht ließen sie sich jedoch nicht mehr blicken.
Am nächsten Tag erwachte ich vom Geräusch eines herabfallenden Kleiderbügels. Jetzt war es passiert. Ich hatte die Monster unter dem Bett verscheucht und nun hielten sie sich im Schrank und hinter geöffneten Türen auf. Fortan war es mir unmöglich, meine Spielsachen aufzuräumen, geschweige denn eine Türe zu schließen. Natürlich stieß ich mit diesem Verhalten auf viel erzieherischen Widerstand bei meiner Mutter. Ich musste eine Lösung finden, wie ich von den Monstern unbehelligt meinen Pflichten nachkommen könnte. Das war aber alles andere als einfach. Als man mein Zimmer nicht mehr auf herkömmlichem Weg betreten konnte und auch die raffinierte Wegführung zwischen Puppen, Buntstiften, Murmeln und Legos immer enger wurde, beschloß ich, die Monster herauszufordern. Ich nahm meinen Lieblingsteddy und setzte ihn als Ablenkung vor den Schrank. Dann öffnete ich ganz langsam die Türe, indem ich mich hinter ihr in Deckung hielt. Ich wusste, das war unfair und grausam gegenüber meinem Teddy aber manchmal muss man für ein höheres Ziel Opfer bringen. Ausserdem hatte ich ihn vorher gefragt, ob er damit einverstanden wäre und er hatte keine Einwände. Im Grunde hätte ich mir gar nicht so viele Gedanken um ihn zu machen brauchen, denn statt wild schreiender Monster, die sich auf meinen Teddy stürzen, blieb alles ruhig.
Dieses Mysterium machte mir noch einige Zeit zu schaffen. Wo war ihr Versteck? Könnte ich sie mit Opfergaben besänftigen? Wie könnte ich sie vertreiben? So sehr ich auch darüber nachdachte, kam ich auf keine Lösung. Die Verlagerung meines Interessengebietes verdrängte schließlich die tägliche Sorge um die Existenz der Monster. Jungs waren auch viel interessanter, die konnte man nämlich anfassen.
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Alltagsstöckchen
frau klugscheisser, 05:30h
Wenn einem nichts einfällt, dann wirft man einfach einige Gedanken auf den leeren Bildschirm und bastelt ein Stöckchen draus. Ausserdem möchte ich gerne einen kleinen Blick in die Gewohnheiten der Anderen werfen. Nicht aus Neugier, sondern weil ich wissen will, ob ich schon sonderlich werde.
1.Das erste, was Du kurz nach dem Aufwachen tust?
Ich versuche, mich an die Träume der vergangenen Nacht zu erinnern.
Der zweite Gedanke ist, warum ich den Traum unterbrechen musste.
2.Der erste Impuls nach dem Aufstehen?
Kommt drauf an, ob ich arbeite oder der Tag frei ist. Wenn ich arbeite, ist der dringende Impuls, wieder ins Bett zurückzusteigen nahezu unbezwingbar. Falls der Tag frei von Terminen ist, sitze ich in der Küche und überlege mir, wie ich meine Zeit totschlage.
3.Frühstück oder kein Frühstück?
Nuttenfrühstück: Tee und Zigarette (okay, ist eine alternative Nutte)
4.Nach welchen Kriterien wählst Du jeden Morgen Deine Kleidung aus?
Ich stehe im Genuss von Berufskleidung. Das verkürzt den Entscheidungsprozess enorm. Ansonsten wähle ich nach Bequemlichkeit aus.
5.Ein persönlicher Gegenstand ohne Funktion, den Du mitnimmst, wenn Du die Wohnung verlässt?
Einige Zeit hatte ich mal einen Stein in der Tasche. In letzter Zeit war die Jeanshosentasche dafür zu eng, weshalb ich auf ein Bild umgestiegen bin. Das passt immer noch in die Gesäßtasche.
6.Das erste, was Du tust, wenn Du wieder Deine Wohnung betrittst?
Schuhe aus, Jogginghose und Computer an.
7.Darauf hast Du Dich den ganzen Tag gefreut:
You´ve got mail
8.Das letzte, was Du vor dem Zubettgehen tust?
Zigarette rauchen, Wecker stellen, Computer ausschalten.
Manchmal auch in umgekehrter Reihenfolge.
9.Dein letzter Gedanke vor dem Einschlafen?
Was steht morgen an? Worauf freue ich mich in nächster Zeit? Wann kann ich wieder mit dem Jäger und Sammler kuscheln?
10.Träumst Du in Farbe oder schwarz-weiß?
Lebhaft in Farbe. Meine Träume sind so echt, die gehen als Science-Fiction durch.
Ich werfe das Stöckchen mal weiter an:
Isabo, die Kaltmamsell und Lu, in der Hoffnung, dass wenigstens eine fängt. Vielleicht springt aber auch eine versierte Brautstraußfängerin dazwischen.
1.Das erste, was Du kurz nach dem Aufwachen tust?
Ich versuche, mich an die Träume der vergangenen Nacht zu erinnern.
Der zweite Gedanke ist, warum ich den Traum unterbrechen musste.
2.Der erste Impuls nach dem Aufstehen?
Kommt drauf an, ob ich arbeite oder der Tag frei ist. Wenn ich arbeite, ist der dringende Impuls, wieder ins Bett zurückzusteigen nahezu unbezwingbar. Falls der Tag frei von Terminen ist, sitze ich in der Küche und überlege mir, wie ich meine Zeit totschlage.
3.Frühstück oder kein Frühstück?
Nuttenfrühstück: Tee und Zigarette (okay, ist eine alternative Nutte)
4.Nach welchen Kriterien wählst Du jeden Morgen Deine Kleidung aus?
Ich stehe im Genuss von Berufskleidung. Das verkürzt den Entscheidungsprozess enorm. Ansonsten wähle ich nach Bequemlichkeit aus.
5.Ein persönlicher Gegenstand ohne Funktion, den Du mitnimmst, wenn Du die Wohnung verlässt?
Einige Zeit hatte ich mal einen Stein in der Tasche. In letzter Zeit war die Jeanshosentasche dafür zu eng, weshalb ich auf ein Bild umgestiegen bin. Das passt immer noch in die Gesäßtasche.
6.Das erste, was Du tust, wenn Du wieder Deine Wohnung betrittst?
Schuhe aus, Jogginghose und Computer an.
7.Darauf hast Du Dich den ganzen Tag gefreut:
You´ve got mail
8.Das letzte, was Du vor dem Zubettgehen tust?
Zigarette rauchen, Wecker stellen, Computer ausschalten.
Manchmal auch in umgekehrter Reihenfolge.
9.Dein letzter Gedanke vor dem Einschlafen?
Was steht morgen an? Worauf freue ich mich in nächster Zeit? Wann kann ich wieder mit dem Jäger und Sammler kuscheln?
10.Träumst Du in Farbe oder schwarz-weiß?
Lebhaft in Farbe. Meine Träume sind so echt, die gehen als Science-Fiction durch.
Ich werfe das Stöckchen mal weiter an:
Isabo, die Kaltmamsell und Lu, in der Hoffnung, dass wenigstens eine fängt. Vielleicht springt aber auch eine versierte Brautstraußfängerin dazwischen.
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Dienstag, 4. April 2006
Wait a minute Mr. Postman
frau klugscheisser, 21:58h
Die Hausmeisterin nimmt Pakete entgegen, wenn der Empfänger nicht da ist. Kürzlich kam eines für Frau Klugscheisser. Die kennt sie nicht. Das Päckchen ging zurück.
FK: Also wenn mal wieder was für Frau Klugscheisser...
HM: Ja, stell´ns eana vor, da war a Packerl für eine Frau Klugscheisser. Des is scho komisch wia de Leid heizudag hoassn.
FK: Ja, äh, also das bin ich.
HM: Wos?
FK: Naja, das ist ein Pseudonym.
HM: Wos?
FK: Also ein Name, den ich mir gegeben habe und da kommt auch Post für mich unter diesem Namen.
HM: Ja, wohnt da no wer?
FK: Nein, das ist MEIN Name.
HM: Is de O´gmeldt?
FK: Nein, hier wohne nur ich und manchmal schicken mir nette Menschen Geschenke unter diesem Namen.
HM: ?
FK: Ja also falls mal wieder...
HM: Ah SIE san des! Mei, da wär I jetzad nicht draufkommen, gell. Haha. Ja mei, des is wos.
FK: Richtig. Und falls mal wieder...
HM: Ja mei, des kann I ned wissn. Aber sie san doch de Frau ***** oda ned?
FK: Ja schon und der andere Name ist ein Künstlername.
HM: ?
Ich geb´s auf. Wer mir eine Freude über die Wunschliste machen möchte, schicke mir bitte zusätzlich eine Mail. So können Sie sicherstellen, dass alles ankommt. Denn mein Schriftverkehr mit Amazon verlief ähnlich dem Gespräch mit der Hausmeisterin.
FK: Also wenn mal wieder was für Frau Klugscheisser...
HM: Ja, stell´ns eana vor, da war a Packerl für eine Frau Klugscheisser. Des is scho komisch wia de Leid heizudag hoassn.
FK: Ja, äh, also das bin ich.
HM: Wos?
FK: Naja, das ist ein Pseudonym.
HM: Wos?
FK: Also ein Name, den ich mir gegeben habe und da kommt auch Post für mich unter diesem Namen.
HM: Ja, wohnt da no wer?
FK: Nein, das ist MEIN Name.
HM: Is de O´gmeldt?
FK: Nein, hier wohne nur ich und manchmal schicken mir nette Menschen Geschenke unter diesem Namen.
HM: ?
FK: Ja also falls mal wieder...
HM: Ah SIE san des! Mei, da wär I jetzad nicht draufkommen, gell. Haha. Ja mei, des is wos.
FK: Richtig. Und falls mal wieder...
HM: Ja mei, des kann I ned wissn. Aber sie san doch de Frau ***** oda ned?
FK: Ja schon und der andere Name ist ein Künstlername.
HM: ?
Ich geb´s auf. Wer mir eine Freude über die Wunschliste machen möchte, schicke mir bitte zusätzlich eine Mail. So können Sie sicherstellen, dass alles ankommt. Denn mein Schriftverkehr mit Amazon verlief ähnlich dem Gespräch mit der Hausmeisterin.
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Needles&Pins
frau klugscheisser, 08:12h
Mädels, das war ein netter Abend [die übrigen Damen lassen sich nicht verlinken]. Vielleicht hätte ich allerdings nicht mit dem Fahrrad durch den Regen fahren sollen. Dann wäre mein Fieber jetzt nicht schon wieder gestiegen und ich würde nicht völlig sinnbefreit morgens um 5.00 fiktive Spielkarten auf meinem Bildschirm von einem Stapel auf den anderen schieben. Hätte ich einen Fernseher, würde ich jetzt vermutlich auf Deutschlands Bahnstrecken Querverstrebungen zählen. So aber meditiere ich seit drei Stunden über die wahre Bedeutung der microsoft´schen Sanduhr. Warum dreht sie sich nur in eine Richtung? Dreht sie in Australien andersrum? Wieso ist da kein Sand drin? Wieviel Sand müsste drin sein, damit er bei dieser Drehgeschwindigkeit vollständig durchgelaufen ist? Wird sie eines Tages wegrationalisiert? Ist ihr Erscheinen ein Zeichen für die Existenz Gottes?
Und während ich mit glasigem Blick die Sanduhr fixierend vor mich hinstarre, schießt sie in meinen Kopf, die Frage aller Fragen, die seit Angedenken die Menschheit bewegt: Was zum Teufel tust du hier? Die Antwort erscheint wie das belsazar´sche Menetekel Lichtjahre später auf meiner Großhirnrinde: Gewogen und für zu schwer befunden. Ich bin hier, weil es mir schlecht geht. Es geht mir schlecht, weil ich hier bin. Aber wie sagte einst der berühmte Denker Banana? So richtig gut geht´s uns doch erst wenn es uns schlecht geht.
In diesem Sinne wünschte ich, eine geruhsame Nacht gehabt zu haben.
Und während ich mit glasigem Blick die Sanduhr fixierend vor mich hinstarre, schießt sie in meinen Kopf, die Frage aller Fragen, die seit Angedenken die Menschheit bewegt: Was zum Teufel tust du hier? Die Antwort erscheint wie das belsazar´sche Menetekel Lichtjahre später auf meiner Großhirnrinde: Gewogen und für zu schwer befunden. Ich bin hier, weil es mir schlecht geht. Es geht mir schlecht, weil ich hier bin. Aber wie sagte einst der berühmte Denker Banana? So richtig gut geht´s uns doch erst wenn es uns schlecht geht.
In diesem Sinne wünsch
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Sonntag, 2. April 2006
Outside is America II
frau klugscheisser, 22:17h
Das Kind neben ihm ist seine Tochter. Im Grunde weiß er nicht, was er mit ihr anfangen soll. Mit einem Jungen wüsste er das. Jungs sind wild und stark, nicht so schwach und weinerlich. Sie sitzt ganz still auf einem Stuhl neben ihm in der Kneipe. Es ist noch ziemlich früh. Er hat sie mitgenommen, weil er nicht weiß, was er mit ihr anfangen soll. Wenigstens ist sie still. Wenn man schon keinen Jungen haben kann, sollen alle wenigstens sehen, dass sie gut erzogen ist. Erst hat sie ein wenig gequengelt und ist herumgelaufen. Er hat ihr gesagt, sie solle still sein. Dann hat er eine Fanta für sie bestellt. Jetzt ist sie still. So kann er wenigstens ungestört sein Bier trinken. Ab und zu kommt einer vorbei, den er hier schon gesehen hat. Der streicht ihr über den Kopf und sagt ihm, wie gut sie erzogen ist.
Eigentlich wollte er immer einen Hund, so einen richtigen Jagdhund. Einen, den man abrichten kann und der auf Zuruf die erlegte Beute holt. Wenn er auf die Jagd geht, fühlt er sich wie ein echter Mann. Er hat Gewehre und schießt damit auf Wild. Nur aufbrechen mag er das Wild nicht. Das überlässt er den Anderen. Ihm wird übel vom Geruch. Das Geweih schneidet er aber mit seinem Messer ab und bringt es heim zu seiner Frau, die es dann auskochen muss. Sie sagt, sie will keinen Hund, weil sie keine Zeit hat, sich um das Tier zu kümmern. Irgendwann wird er einfach einen kaufen. Da kann sie nichts mehr sagen.
Wenn das Mädchen alt genug ist, wird er sie auf die Jagd mitnehmen. Bis jetzt kann man nicht viel mit ihr anfangen. Meist will sie bei der Mutter bleiben oder bei der Oma. Die verweichlichen das Kind. Wenn er nachts nach der Kneipe mit der Frau streitet, holt er das Kind aus dem Bett. Sie soll früh genug sehen, wie das Leben ist. Das ist anders als in den Büchern, die die Frau ihr abends vorliest. Das Leben ist hart und ungerecht. Ab und zu rauft er mit dem Mädchen, um sie abzuhärten. Dann schlägt er zu, erst leicht und dann immer ein wenig stärker. Sie weint nicht, selbst wenn er stark zuschlägt. Das macht ihn stolz. Die Frau geht manchmal dazwischen. Doch die kann sich ja nicht einmal selbst verteidigen, wie will sie dann das Kind schützen?
Letztens war er mit dem Mädchen auf einem Trimm-Dich-Pfad. Es war noch ganz früh und er ließ sie Tarzanseil für Erwachsene fahren. Am Drahtseil, das abschüssig zwischen zwei Bäumen gespannt ist, hängt ein Triangelgriff. Er hat sie hochgehoben, damit sie sich dort festhalten kann. Danach ist er schnell von der Plattform geklettert, um sie am Ende des Seils herunterzuheben. Nach dem dritten Mal wollte sie nicht mehr. Er meinte es gut, als er sie noch zweimal zum fahren zwang. Schließlich wird es später voll und er wusste nicht, was er sonst mit ihr anstellen soll. Als er sie vom Boden aufhob, blutete sie aus dem Mund. Die vorderen Milchzähne waren ausgeschlagen. Aber geweint hat sie nicht. Da war er ein kleines Bisschen stolz auf sie.
Nur Lügen mag er nicht. Einmal hat sie ihn angelogen. Sie sagte, die Kinder im Kindergarten bekämen eine Schleife an ihre Kleiderhaken, sobald sie sich selbständig die Schuhe binden könnten und sie hätte auch eine. Er wusste, dass sie log. Deshalb brachte er sie in den Kindergarten. Da war keine Schleife an ihrem Haken. Als sie wieder zuhause war, hat er sie verdroschen. Er hat das Lügen aus ihr herausgeprügelt. Jetzt lügt sie nicht mehr. Das hat er ihr beigebracht.
Kinder und Hunde müssen gut abgerichtet werden, sonst hat man nur Ärger. Sie müssen früh lernen, dass es im Leben nicht nach ihrem Willen geht. Sie müssen lernen sich unterzuordnen. Und man muss ihnen klarmachen, wer der Herr ist. Manchmal sieht er sie auf der Straße spielen. Dann holt er sie heim und schlägt sie, damit sie es kapiert. Sie soll gefälligst in der Wohnung sein, wenn er heimkommt. Beim nächsten Mal wird die Strafe noch härter. So lange, bis sie es gelernt hat. Wenn ihm die Hand weh tut, nimmt er einen Kochlöffel oder ein Stück Holz, das tuts auch.
Manchmal wäscht er ihr die Haare. Gut, dass ihre Haare immer kurz sind. Darauf achtet er. Werden sie zu lang, schneidet er sie selbst mit der Schere ab. Das Geheule hat er so langsam satt. Lange Haare verfilzen und machen Dreck. Jungs haben keine langen Haare. Den Schaum spült er mit der Dusche herunter. Zwischendurch lässt er ihr Wasser über das Gesicht laufen. Dann verschluckt sie sich und schreit. Sowas macht sie härter. Im Schwimmbad hat er sie so lange unter Wasser getunkt, bis sie keine Luft mehr bekan. Sie soll gefälligst schwimmen lernen. Und sie soll hart werden. So hart wie er.
Das Leben hat ihn hart gemacht. Er hatte keinen Vater, der ihm alles Wichtige hätte beibringen können. Schläge hat er einstecken müssen, mal von Kumpels und mal von Fremden. Und als er damals in Chile Heimweh hatte, war da keiner, den er hätte anbetteln können. Seine Mutter hat er damals angefleht, ihm Geld für die Heimfahrt zu schicken. Nach Monaten erst kam der ersehnte Scheck. Er war auf der Flucht. Das hat aber keiner begriffen. Seitdem sucht er Amerika. Er sucht es in seinen Träumen und in sich selbst. Selten, sehr selten sieht er es vor sich. Doch meist ist er zu betrunken, um die Erscheinung halten zu können.
Eines Tages wird er ihr davon erzählen. Wenn sie alt genug ist, wird sie es verstehen, weil sie ähnliches erlebt hat. Er weiß das, denn er sorgt dafür. Bis es soweit ist, sitzt sie still neben ihm und trinkt Fanta. Sie ist so still, fast hätte er vergessen, dass sie da ist. Das macht ihn ein klein wenig stolz.
Eigentlich wollte er immer einen Hund, so einen richtigen Jagdhund. Einen, den man abrichten kann und der auf Zuruf die erlegte Beute holt. Wenn er auf die Jagd geht, fühlt er sich wie ein echter Mann. Er hat Gewehre und schießt damit auf Wild. Nur aufbrechen mag er das Wild nicht. Das überlässt er den Anderen. Ihm wird übel vom Geruch. Das Geweih schneidet er aber mit seinem Messer ab und bringt es heim zu seiner Frau, die es dann auskochen muss. Sie sagt, sie will keinen Hund, weil sie keine Zeit hat, sich um das Tier zu kümmern. Irgendwann wird er einfach einen kaufen. Da kann sie nichts mehr sagen.
Wenn das Mädchen alt genug ist, wird er sie auf die Jagd mitnehmen. Bis jetzt kann man nicht viel mit ihr anfangen. Meist will sie bei der Mutter bleiben oder bei der Oma. Die verweichlichen das Kind. Wenn er nachts nach der Kneipe mit der Frau streitet, holt er das Kind aus dem Bett. Sie soll früh genug sehen, wie das Leben ist. Das ist anders als in den Büchern, die die Frau ihr abends vorliest. Das Leben ist hart und ungerecht. Ab und zu rauft er mit dem Mädchen, um sie abzuhärten. Dann schlägt er zu, erst leicht und dann immer ein wenig stärker. Sie weint nicht, selbst wenn er stark zuschlägt. Das macht ihn stolz. Die Frau geht manchmal dazwischen. Doch die kann sich ja nicht einmal selbst verteidigen, wie will sie dann das Kind schützen?
Letztens war er mit dem Mädchen auf einem Trimm-Dich-Pfad. Es war noch ganz früh und er ließ sie Tarzanseil für Erwachsene fahren. Am Drahtseil, das abschüssig zwischen zwei Bäumen gespannt ist, hängt ein Triangelgriff. Er hat sie hochgehoben, damit sie sich dort festhalten kann. Danach ist er schnell von der Plattform geklettert, um sie am Ende des Seils herunterzuheben. Nach dem dritten Mal wollte sie nicht mehr. Er meinte es gut, als er sie noch zweimal zum fahren zwang. Schließlich wird es später voll und er wusste nicht, was er sonst mit ihr anstellen soll. Als er sie vom Boden aufhob, blutete sie aus dem Mund. Die vorderen Milchzähne waren ausgeschlagen. Aber geweint hat sie nicht. Da war er ein kleines Bisschen stolz auf sie.
Nur Lügen mag er nicht. Einmal hat sie ihn angelogen. Sie sagte, die Kinder im Kindergarten bekämen eine Schleife an ihre Kleiderhaken, sobald sie sich selbständig die Schuhe binden könnten und sie hätte auch eine. Er wusste, dass sie log. Deshalb brachte er sie in den Kindergarten. Da war keine Schleife an ihrem Haken. Als sie wieder zuhause war, hat er sie verdroschen. Er hat das Lügen aus ihr herausgeprügelt. Jetzt lügt sie nicht mehr. Das hat er ihr beigebracht.
Kinder und Hunde müssen gut abgerichtet werden, sonst hat man nur Ärger. Sie müssen früh lernen, dass es im Leben nicht nach ihrem Willen geht. Sie müssen lernen sich unterzuordnen. Und man muss ihnen klarmachen, wer der Herr ist. Manchmal sieht er sie auf der Straße spielen. Dann holt er sie heim und schlägt sie, damit sie es kapiert. Sie soll gefälligst in der Wohnung sein, wenn er heimkommt. Beim nächsten Mal wird die Strafe noch härter. So lange, bis sie es gelernt hat. Wenn ihm die Hand weh tut, nimmt er einen Kochlöffel oder ein Stück Holz, das tuts auch.
Manchmal wäscht er ihr die Haare. Gut, dass ihre Haare immer kurz sind. Darauf achtet er. Werden sie zu lang, schneidet er sie selbst mit der Schere ab. Das Geheule hat er so langsam satt. Lange Haare verfilzen und machen Dreck. Jungs haben keine langen Haare. Den Schaum spült er mit der Dusche herunter. Zwischendurch lässt er ihr Wasser über das Gesicht laufen. Dann verschluckt sie sich und schreit. Sowas macht sie härter. Im Schwimmbad hat er sie so lange unter Wasser getunkt, bis sie keine Luft mehr bekan. Sie soll gefälligst schwimmen lernen. Und sie soll hart werden. So hart wie er.
Das Leben hat ihn hart gemacht. Er hatte keinen Vater, der ihm alles Wichtige hätte beibringen können. Schläge hat er einstecken müssen, mal von Kumpels und mal von Fremden. Und als er damals in Chile Heimweh hatte, war da keiner, den er hätte anbetteln können. Seine Mutter hat er damals angefleht, ihm Geld für die Heimfahrt zu schicken. Nach Monaten erst kam der ersehnte Scheck. Er war auf der Flucht. Das hat aber keiner begriffen. Seitdem sucht er Amerika. Er sucht es in seinen Träumen und in sich selbst. Selten, sehr selten sieht er es vor sich. Doch meist ist er zu betrunken, um die Erscheinung halten zu können.
Eines Tages wird er ihr davon erzählen. Wenn sie alt genug ist, wird sie es verstehen, weil sie ähnliches erlebt hat. Er weiß das, denn er sorgt dafür. Bis es soweit ist, sitzt sie still neben ihm und trinkt Fanta. Sie ist so still, fast hätte er vergessen, dass sie da ist. Das macht ihn ein klein wenig stolz.
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frau klugscheisser, 16:27h
Einige Kommentatoren haben im Beitrag "Outside is America" ihre Kommentare gelöscht. Damit verschwinden auch Unterkommentare, die sich darauf beziehen. Schade, denn es existierte der ein oder andere Eintrag, den ich gerne behalten hätte (z.B. fand ich die Beiträge von neuro und ar sehr lesenswert) und das macht mich sauer.
Solange ich die Kommentarfunktion freigebe, steht jedem offen, seine Meinung über das Thema kundzutun, sofern dies in angemessener Form und Respekt gegenüber meinen Einträgen und denen diverser Kommentatoren geschieht. Wie bereits hier erläutert, findet unter normalen Umständen von mir keine Löschung diverser Kommentare statt (es sei denn, es handelt sich um rechtsradikale, sonstige verletzende Äusserungen oder Spam).
Wenn nun jeder Schreiber wohlweislich formuliert und schließlich noch einen kleinen Moment nachdenkt, bevor er seinen Kommentar losschickt, werden in Zukunft - so hoffe ich - hier keine Löschorgien mehr stattfinden.
Ich bitte auch, den Kommentar von kid37 diesbezüglich zu beachten und zu befolgen.
Nachtrag: Was ich überhaupt nicht mag, sind Links, die zu einem selbständigen Download führen. Bitte solche Links nur in URL Form schreiben. Ansonsten lösche ich.
Solange ich die Kommentarfunktion freigebe, steht jedem offen, seine Meinung über das Thema kundzutun, sofern dies in angemessener Form und Respekt gegenüber meinen Einträgen und denen diverser Kommentatoren geschieht. Wie bereits hier erläutert, findet unter normalen Umständen von mir keine Löschung diverser Kommentare statt (es sei denn, es handelt sich um rechtsradikale, sonstige verletzende Äusserungen oder Spam).
Wenn nun jeder Schreiber wohlweislich formuliert und schließlich noch einen kleinen Moment nachdenkt, bevor er seinen Kommentar losschickt, werden in Zukunft - so hoffe ich - hier keine Löschorgien mehr stattfinden.
Ich bitte auch, den Kommentar von kid37 diesbezüglich zu beachten und zu befolgen.
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Samstag, 1. April 2006
Sick chick
frau klugscheisser, 12:25h

Schon seit einiger Zeit nimmt sich diese verf*ckte amerikanische Einwanderungsbehörde das Recht heraus, Besatzungsmitgliedern bei erhöhter Temperatur - welche unbedingt mit Seuchengefahr gleichzusetzen ist - bei der Einreise ein Thermometer in den Hintern zu stecken*. Nun ist es aber so, dass ich vor drei Tagen noch vollkommen gesund in die USA einreiste, seit meiner gestrigen Heimkehr jedoch mit einem Grippeausläufer zu kämpfen habe. Zunächst vermutete ich eine abgeschwächte Form der tödlichen Männergrippe. Die Beschaffenheit meiner Chromosome lässt mich jedoch diese Krankheitsform nahezu ausschließen. Des Weiteren verbrachte ich mehrere Stunden fliegend und erinnerte mich an den Spruch einer Kollegin. Als sich ein Gast über die Beschaffenheit seiner Mahlzeit mit den Worten "this chicken is bad" beklagte, ermahnte diese das Hühnchen mit erhobenem Zeigefinger: "You bad, bad chicken. Be a nice chicken!"
Es kann sich nur um Vogelgrippe handeln.
*Wie gerne würde ich dem Amerikanischen Präsidenten eigenhändig ein Fieberthermometer dieser Größenordnung bei seinem nächsten Europabesuch einführen.
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Mittwoch, 29. März 2006
Outside is America
frau klugscheisser, 04:23h
Er wollte das nicht. Die blauen Flecken waren ein Versehen. Sie bekommt aber auch bei jedem härteren Griff blaue Stellen am Körper. Da kann er nichts dafür. Er ist ein kräftiger Mann und packt manchmal kräftig zu. Sie kochte für ihn als er von der Arbeit heimkam. Die Arbeit ist schlecht bezahlt und bietet ihm keine Herausforderung. Der Chef, dieses Arschloch, hat einfach nicht eingesehen, dass er dem Kunden mal die Meinung geigen musste. Gekündigt hat der ihn kurzerhand. Zuhause wollte das Kind mit ihm spielen aber er war nicht in Stimmung. Es ließ nicht ab. So lange quengelte und zerrte es an ihm herum bis er es anbrüllte und ihm einen Klaps verpasste. Dass es gefallen ist, war nicht seine Schuld, denn er ist bekanntlich ein kräftiger Mann. Was konnte er dafür, dass so ein kleiner Schlag mal kräftiger ausfällt. Das müssten sie langsam wissen, schließlich hat er es sie immer wieder spüren lassen. Nur so kann man sich Respekt verschaffen. Es ist gefährlich, ihn zu reizen.
Jetzt sitzt er in der Kneipe im Dorf. Er ist mit dem Auto gekommen, obwohl er weiß, dass er das Lokal nicht nüchtern verlassen wird. Egal, das Auto ist alt und er hat noch immer heim gefunden. Vorgestern waren sie nicht da, als er heimkam. Da hatte er einen über den Durst getrunken. Er schaute im Schlaf- und im Kinderzimmer aber sie waren weg, obwohl es schon so spät war. Einen kurzen Moment bekam er es mit der Angst zu tun. Schließlich sind sie seine Familie. Er liebt seine Frau und das Kind. Nur reizen, reizen dürfen sie ihn nicht, denn dann wird er wütend. Am nächsten Tag waren sie wieder da. Seine Frau hat das Kind angezogen, während er sich noch einmal im Bett umdrehte und weiterschlief. Als er aufstand, war es schon Mittag. Auf der Arbeit rief er an, um sich krank zu melden. Dann schlief er weiter. Die Frau war ja da, die kümmert sich um alles. Am frühen Abend wachte er auf. Der Kopf tat weh und die Frau hat das Kind herumtoben lassen. Dabei weiß sie sehr genau, dass er das nicht verträgt. Nicht wenn er Kopfschmerzen hat. Da hat er sie angebrüllt, sie solle das Kind besser erziehen, sonst würde er das tun. Die Frau weiß, was das bedeutet. Nach einer Weile war es still.
Seine Frau ist nicht wirklich schön. Da gäbe es schon bessere aber sie tut wenigstens, was er sagt. Nur schlafen will sie nicht mit ihm. Sie ziert sich immer ein wenig und er muss dann eben ein wenig fester zupacken. Im Grunde gefällt ihr das, da ist er sich ganz sicher. So sind sie, die Frauen. Jammern ständig herum und sind zu nichts zu gebrauchen. Ist kein Wunder, dass er so oft wütend wird. Heiraten wollte er noch nicht. Er wollte nur ein wenig Spaß. Die Dreckschlampe hat ihn hereingelegt. Schwanger sei sie, heiraten müsse er sie. Damals mochte er sie mehr als jetzt. Ja, er war ein richtiger Mann. Ein richtiger Mann heiratet und gründet eine Familie. Dann muss er sich nicht mehr um den ganzen Kleinkram kümmern. Ein richtiger Mann hat nichts mit Haushalt am Hut. Das macht die Frau. Sie kann froh sein, so einen Kerl wie ihn abbekommen zu haben. Nach der Schwangerschaft hätte sie eh keiner mehr genommen. Schade, dass das Kind ein Mädchen ist. Im Grunde hätte er sich einen Sohn gewünscht, einen richtigen Stammhalter. Manches kann man sich halt nicht aussuchen. Frauen sind für die Drecksarbeit zuständig. Die Männer halten die Welt zusammen. Männer stehen an der Front und kämpfen, wie sein Vater. Frauen machen nur Probleme, wenn man sie mal geheiratet hat. Die sind viel zu weich und ängstlich für die Welt.
Der Wirt kündigt die letzte Runde an. Er trinkt sein Bier in großen Schlücken. Während er in seiner Hosentasche nach dem Geldbeutel fischt, fällt ihm der Autoschlüssel aus der Hand. Er bückt sich danach. Schwindelig ist ihm. Das war ein Scheißtag. Hunger hat er auch. Die Frau wird ihm zuhause etwas kochen. Das macht sie immer, wenn er sie nachts weckt. Wenn sie nur nicht wieder zu streiten beginnt. Sie kann einfach ihr dummes Maul nicht halten. Dabei weiß sie sehr genau, dass er abends oft gereizt ist. Dann bricht es aus ihm heraus. Er kann nichts dafür. Wenn sie sich weigert, muss er ihr zeigen, wo es langgeht. Schließlich ist sie zum Kochen da. Sie soll einfach still sein und kochen, wenn er nachts von der Kneipe heimkommt. Schließlich ist er ein richtiger Kerl. Ein echter Kerl braucht auch Sex. Aber seit der Heirat stellt sie sich immer so an. Dann muss er eben ein wenig fester anpacken. Sie soll sich nicht so anstellen und einfach ihr dummes Maul halten. Braucht ihr ja keinen Spaß machen. Sie soll nur ruhig daliegen, den Rest macht er schon alleine. Letzte Woche musste er ihr den Hals zudrücken, weil sie geschrieen hat. Erst drückte er ihr das Kissen aufs Gesicht aber das reichte nicht. Das Kind ist davon aufgewacht und stand in der Türe. Er hat die Türe zugeschlagen und abgesperrt. Er wollte sie nicht würgen. Sie ist selbst schuld. Hätte sie nicht fast die ganze Nachbarschaft zusammengeschrieen, hätte er ihr nicht den Hals zudrücken müssen. Am nächsten Morgen sagte er ihr, dass sie nichts erzählen soll. Er sagte, er würde sie lieben. Geht ja auch niemanden was an.
Die wissen nicht, wie das ist, mit so einer Frau und einem Kind. Ein hartes Leben ist das. Dabei wollte er mal nach Amerika, damals als er jung war. Er hatte Träume. Geld war keines da. Immerhin war er einmal in Chile. Verliebt hat er sich dort. Doch die Familie der Frau wollte ihn nicht. Geheiratet hat er sie aber trotzdem. Dann musste er weg. Keine Ahnung, was aus ihr geworden ist. Wahrscheinlich ist sie heute auch so eine dumme Gans wie seine Frau daheim. Die wartet jetzt sicher schon auf ihn. Morgen wird er nicht arbeiten gehen. Dann beginnt wieder diese blöde Fragerei. Er ist keinem Rechenschaft schuldig, denn er ist ein richtiger Kerl. Sie soll nur kochen und zusehen, dass das Kind ruhig ist.
Langsam erhebt er sich von seinem Stuhl und schwankt in Richtung der Türe. Draußen steht sein Auto. Er steigt ein und fährt in die Dunkelheit.
Jetzt sitzt er in der Kneipe im Dorf. Er ist mit dem Auto gekommen, obwohl er weiß, dass er das Lokal nicht nüchtern verlassen wird. Egal, das Auto ist alt und er hat noch immer heim gefunden. Vorgestern waren sie nicht da, als er heimkam. Da hatte er einen über den Durst getrunken. Er schaute im Schlaf- und im Kinderzimmer aber sie waren weg, obwohl es schon so spät war. Einen kurzen Moment bekam er es mit der Angst zu tun. Schließlich sind sie seine Familie. Er liebt seine Frau und das Kind. Nur reizen, reizen dürfen sie ihn nicht, denn dann wird er wütend. Am nächsten Tag waren sie wieder da. Seine Frau hat das Kind angezogen, während er sich noch einmal im Bett umdrehte und weiterschlief. Als er aufstand, war es schon Mittag. Auf der Arbeit rief er an, um sich krank zu melden. Dann schlief er weiter. Die Frau war ja da, die kümmert sich um alles. Am frühen Abend wachte er auf. Der Kopf tat weh und die Frau hat das Kind herumtoben lassen. Dabei weiß sie sehr genau, dass er das nicht verträgt. Nicht wenn er Kopfschmerzen hat. Da hat er sie angebrüllt, sie solle das Kind besser erziehen, sonst würde er das tun. Die Frau weiß, was das bedeutet. Nach einer Weile war es still.
Seine Frau ist nicht wirklich schön. Da gäbe es schon bessere aber sie tut wenigstens, was er sagt. Nur schlafen will sie nicht mit ihm. Sie ziert sich immer ein wenig und er muss dann eben ein wenig fester zupacken. Im Grunde gefällt ihr das, da ist er sich ganz sicher. So sind sie, die Frauen. Jammern ständig herum und sind zu nichts zu gebrauchen. Ist kein Wunder, dass er so oft wütend wird. Heiraten wollte er noch nicht. Er wollte nur ein wenig Spaß. Die Dreckschlampe hat ihn hereingelegt. Schwanger sei sie, heiraten müsse er sie. Damals mochte er sie mehr als jetzt. Ja, er war ein richtiger Mann. Ein richtiger Mann heiratet und gründet eine Familie. Dann muss er sich nicht mehr um den ganzen Kleinkram kümmern. Ein richtiger Mann hat nichts mit Haushalt am Hut. Das macht die Frau. Sie kann froh sein, so einen Kerl wie ihn abbekommen zu haben. Nach der Schwangerschaft hätte sie eh keiner mehr genommen. Schade, dass das Kind ein Mädchen ist. Im Grunde hätte er sich einen Sohn gewünscht, einen richtigen Stammhalter. Manches kann man sich halt nicht aussuchen. Frauen sind für die Drecksarbeit zuständig. Die Männer halten die Welt zusammen. Männer stehen an der Front und kämpfen, wie sein Vater. Frauen machen nur Probleme, wenn man sie mal geheiratet hat. Die sind viel zu weich und ängstlich für die Welt.
Der Wirt kündigt die letzte Runde an. Er trinkt sein Bier in großen Schlücken. Während er in seiner Hosentasche nach dem Geldbeutel fischt, fällt ihm der Autoschlüssel aus der Hand. Er bückt sich danach. Schwindelig ist ihm. Das war ein Scheißtag. Hunger hat er auch. Die Frau wird ihm zuhause etwas kochen. Das macht sie immer, wenn er sie nachts weckt. Wenn sie nur nicht wieder zu streiten beginnt. Sie kann einfach ihr dummes Maul nicht halten. Dabei weiß sie sehr genau, dass er abends oft gereizt ist. Dann bricht es aus ihm heraus. Er kann nichts dafür. Wenn sie sich weigert, muss er ihr zeigen, wo es langgeht. Schließlich ist sie zum Kochen da. Sie soll einfach still sein und kochen, wenn er nachts von der Kneipe heimkommt. Schließlich ist er ein richtiger Kerl. Ein echter Kerl braucht auch Sex. Aber seit der Heirat stellt sie sich immer so an. Dann muss er eben ein wenig fester anpacken. Sie soll sich nicht so anstellen und einfach ihr dummes Maul halten. Braucht ihr ja keinen Spaß machen. Sie soll nur ruhig daliegen, den Rest macht er schon alleine. Letzte Woche musste er ihr den Hals zudrücken, weil sie geschrieen hat. Erst drückte er ihr das Kissen aufs Gesicht aber das reichte nicht. Das Kind ist davon aufgewacht und stand in der Türe. Er hat die Türe zugeschlagen und abgesperrt. Er wollte sie nicht würgen. Sie ist selbst schuld. Hätte sie nicht fast die ganze Nachbarschaft zusammengeschrieen, hätte er ihr nicht den Hals zudrücken müssen. Am nächsten Morgen sagte er ihr, dass sie nichts erzählen soll. Er sagte, er würde sie lieben. Geht ja auch niemanden was an.
Die wissen nicht, wie das ist, mit so einer Frau und einem Kind. Ein hartes Leben ist das. Dabei wollte er mal nach Amerika, damals als er jung war. Er hatte Träume. Geld war keines da. Immerhin war er einmal in Chile. Verliebt hat er sich dort. Doch die Familie der Frau wollte ihn nicht. Geheiratet hat er sie aber trotzdem. Dann musste er weg. Keine Ahnung, was aus ihr geworden ist. Wahrscheinlich ist sie heute auch so eine dumme Gans wie seine Frau daheim. Die wartet jetzt sicher schon auf ihn. Morgen wird er nicht arbeiten gehen. Dann beginnt wieder diese blöde Fragerei. Er ist keinem Rechenschaft schuldig, denn er ist ein richtiger Kerl. Sie soll nur kochen und zusehen, dass das Kind ruhig ist.
Langsam erhebt er sich von seinem Stuhl und schwankt in Richtung der Türe. Draußen steht sein Auto. Er steigt ein und fährt in die Dunkelheit.
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Dienstag, 28. März 2006
Nebelkerzen
frau klugscheisser, 20:38h
Wozu brauchen Menschen Wettervorhersagen? Die braucht keiner, vor allem dann nicht, wenn sie sowieso nicht zutreffen. Deswegen habe ich in meinem Mikrokosmos die Wettervorhersagen genau wie den Fernseher und die Zeitung abgeschafft. Es will sich keiner rund um die Uhr mit negativen Berichten beschäftigen. Sonst wären die Zugriffszahlen auf Befindlichkeitsblogs viel größer. Manche Menschen brauchen Wettervorhersagen, um dann hinterher sagen zu können „ich hab´s doch gesagt“ Dann fühlen sie sich sehr omnipotent. Überhaupt fühlen sich Menschen nur dann gut, wenn sie bestätigt werden. Gut, manchmal tut so ein klein wenig Bestätigung schon gut, vor allem, wenn sie unvorhergesehen kommt. Genau da liegt aber die Krux der Wettervorhersagen, denn – wie der Name schon sagt – sind die vorhergesagt. Und dann kommt so ein Schlaumeier daher und will dafür noch auf die Schulter geklopft werden. Dabei hat er nichts anderes getan wie Millionen Anderer, nämlich das Ende der Tagesschau abgewartet und aufmerksam zugehört. Wenn das Tief Edda oder das Hoch Rüdiger über sein Häuschen zieht, dann kann er sagen „ich hab´s doch gesagt“. Dann nickt die Frau Meier von nebenan, die noch ein klein wenig am Wahrheitsgehalt der Ansage vergangenen Abend zweifelte. Dann nickt auch der Heinzi, der den Unkenrufen zum Trotz mit offenem Cabrioverdeck in die Edda fährt oder der Manni, der die Grillfete abblies, weil er nichts vom Rüdiger hörte. Überhaupt macht der Schlaumeier das nur aus Bosheit, denn er hat kein Cabrio und ist auch nicht auf die Grillfete eingeladen. Das macht ihn unheimlich sauer. Noch viel saurer macht ihn, dass keiner außer ihm selbst seiner Weisheit und Omnipotenz Glauben schenkt. Deswegen nutzt er jede Gelegenheit, um die Anderen davon zu überzeugen. Und wenn das Wetter dafür herhalten muss. Dass aber auch nur Ignoranten auf dieser Welt existieren. Nun, so sind sie, die Leute. Es gibt keine anderen. Deswegen nicke ich, wenn mir einer vom Wetter erzählt. Nur manchmal, da schmunzle ich dabei ein wenig, weil ich es ja gesagt habe.
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Sedarism
frau klugscheisser, 14:44h
If you´re looking for sympathy,
you can find it between shit and syphilis in the dictionary.
[…]What did Trish´s mother say when her daughter, heartbroken over her breakup with Randy, came to her in search of love and understanding? […]
David Sedaris, Barrel fever „The last you´ll hear from me”
you can find it between shit and syphilis in the dictionary.
[…]What did Trish´s mother say when her daughter, heartbroken over her breakup with Randy, came to her in search of love and understanding? […]
David Sedaris, Barrel fever „The last you´ll hear from me”
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You ain´t know nuttin´
frau klugscheisser, 04:36h
Du bist wie dein Vater haben sie gesagt. Immer dann, wenn ich nicht brav bitte und danke gesagt habe, weil mir nicht danach war. Oder wenn ich wütend war, weil die mich ungerecht behandelt haben. Dabei wussten sie überhaupt nicht, wie mein Vater war. Sie wussten genauso wenig wie ich war. Wenn ich gefragt habe wie war er denn, mein Vater, haben sie alle negativen Eigenschaften aufgezählt, die ihnen auf die Schnelle eingefallen sind. Dann habe ich gefragt, warum war der denn so? Das wussten sie nicht. Sie haben mit den Schultern gezuckt und geschwiegen. Ich wusste schon wie mein Vater war. Ich wusste, er war wütend, ungerecht und brutal. Wenn ich gefragt habe, bin ich wütend und ungerecht und brutal, haben sie gesagt nein. Da war ich verwirrt. Dann habe ich gefragt, warum sagt ihr dann, dass ich so bin? Sie haben mit den Schultern gezuckt und gesagt, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Toll, habe ich gedacht, ihr seid fein raus, weil ich nämlich die Einzige bin, die Monsterblut in sich hat. Und ihr seid gut und gerecht und sanftmütig. Weil ich aber nicht gewusst habe wie ich bin, habe ich Bücher gelesen. Da waren viele Worte drin, die ich nicht verstanden habe. Um die zu verstehen, habe ich mehr Bücher gelesen. Aber danach habe ich nicht mehr verstanden. Nur neue Wörter gelesen, die ich nicht verstanden habe. Dann habe ich gefragt, bin ich verrückt? Und sie haben gesagt, nein, du bist nur launisch. Das Wort habe ich nicht gefunden. Nicht in Romanen und nicht in Psychologiebüchern. Ich habe gefragt, war mein Vater launisch? Und sie haben geschwiegen.
In den Büchern habe ich viel gelesen von Menschen, die andere ausnutzen. Emotionale Erpressung. Das habe ich verstanden. Wenn sie wollen, dass ich was tue und ich es nicht mache und sie sagen, du bist wie dein Vater, das ist emotionale Erpressung. Weil sie wissen, dass ich nicht sein will wie mein Vater. Weil ich noch nicht gewusst habe wer ich bin. Sie waren nicht sanftmütig und schon gar nicht gut und gerecht. Ich habe ihnen gesagt, ihr seid nicht gerecht und gut. Da haben sie gesagt, wir wollten immer nur dein Bestes. Wir haben uns Sorgen um dich gemacht. Ich habe gefragt, warum habt ihr dann gesagt, dass ich schlecht bin? Sie haben gesagt, das ist Erziehung.
Ich habe Bücher über Erziehung gelesen. Da stand nirgends drin, dass man Kindern sagen soll, dass sie schlecht sind. Da habe ich gelesen, dass Kinder sterben, wenn sie nicht gestreichelt und geliebt werden. Ich habe gefragt, warum habt ihr mich nicht gestreichelt? Und sie haben gesagt, du warst so ungezogen. Ungezogene Kinder muss man strafen, nicht streicheln. Das habe ich in einem Buch über Pferdedressur gelesen. Man muss das Tier schlagen, wenn es ungezogen war und streicheln, wenn es gut war und dann macht es alles, was man selber will. Ich habe gefragt, bin ich ein Tier? Und sie haben gesagt, du verstehst das nicht. Ich habe gefragt, wie war mein Vater? Warum war er so? Und sie haben geschwiegen. Sehr lange. Da habe ich nicht mehr gefragt.
Wenn ein Mensch in absehbarer Zeit stirbt, ist es dann besser, Fragen zu stellen oder lieber für immer zu schweigen? Wo beginnt Rücksichtnahme auf Andere und wo hört sie auf?
In den Büchern habe ich viel gelesen von Menschen, die andere ausnutzen. Emotionale Erpressung. Das habe ich verstanden. Wenn sie wollen, dass ich was tue und ich es nicht mache und sie sagen, du bist wie dein Vater, das ist emotionale Erpressung. Weil sie wissen, dass ich nicht sein will wie mein Vater. Weil ich noch nicht gewusst habe wer ich bin. Sie waren nicht sanftmütig und schon gar nicht gut und gerecht. Ich habe ihnen gesagt, ihr seid nicht gerecht und gut. Da haben sie gesagt, wir wollten immer nur dein Bestes. Wir haben uns Sorgen um dich gemacht. Ich habe gefragt, warum habt ihr dann gesagt, dass ich schlecht bin? Sie haben gesagt, das ist Erziehung.
Ich habe Bücher über Erziehung gelesen. Da stand nirgends drin, dass man Kindern sagen soll, dass sie schlecht sind. Da habe ich gelesen, dass Kinder sterben, wenn sie nicht gestreichelt und geliebt werden. Ich habe gefragt, warum habt ihr mich nicht gestreichelt? Und sie haben gesagt, du warst so ungezogen. Ungezogene Kinder muss man strafen, nicht streicheln. Das habe ich in einem Buch über Pferdedressur gelesen. Man muss das Tier schlagen, wenn es ungezogen war und streicheln, wenn es gut war und dann macht es alles, was man selber will. Ich habe gefragt, bin ich ein Tier? Und sie haben gesagt, du verstehst das nicht. Ich habe gefragt, wie war mein Vater? Warum war er so? Und sie haben geschwiegen. Sehr lange. Da habe ich nicht mehr gefragt.
Wenn ein Mensch in absehbarer Zeit stirbt, ist es dann besser, Fragen zu stellen oder lieber für immer zu schweigen? Wo beginnt Rücksichtnahme auf Andere und wo hört sie auf?
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Montag, 27. März 2006
Verleumdung
frau klugscheisser, 21:44h
Hey! So nicht, meine Damen und Herren! Nicht mit mir!
Das habe ich niemals geschrieben. Und jetzt werden mir Worte in den Mund gelegt. So Worte wie:
search request: scheiss frühling
Ich bin mir ganz sicher, dass das auch keiner von blogger.de war. Und bei Antville brauchen Sie auch nicht zu suchen. Überhaupt war das keiner aus dem de-Bereich, weil die haben die Schnauze voll vom Winter.
Das habe ich niemals geschrieben. Und jetzt werden mir Worte in den Mund gelegt. So Worte wie:
search request: scheiss frühling
Ich bin mir ganz sicher, dass das auch keiner von blogger.de war. Und bei Antville brauchen Sie auch nicht zu suchen. Überhaupt war das keiner aus dem de-Bereich, weil die haben die Schnauze voll vom Winter.
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Alter Hut
frau klugscheisser, 15:46h
Notebooks, jeder braucht eines, jeder hat eines. Erfindung des 20.Jahrhunderts? Nein und das kann ich beweisen: Anna Magdalena Bach hat bereits im 18.Jh eines von ihrem Gatten Johann Sebastian bekommen.
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