Montag, 26. Juni 2006
At the bottom of a glass
Wenn du wissen willst, was für ein Scheißtyp ich bin, kannst du das im Blog meiner Ex nachlesen.

Im Nachhinein verstanden. Zum einen, dass Gedanken in Blogs einfließen, die einen sehr beschäftigen und man keine Möglichkeit hat, sich mit der betreffenden Person auszutauschen. Zum anderen, dass es Menschen gibt, die so oberflächlich zu sein scheinen, dass Begegnungen keine Eindrücke hinterlassen. Eine Person wird ausgemerzt, die Begegnung verleugnet und Geschehnisse verdrängt. Das ist bequem und lässt sich auf alle Lebensbereiche ausdehnen. Falls es nicht funktioniert, hilft man einfach mit Alkohol nach. Erst ein paar Tage. Aus den Tagen werden Monate und schließlich Jahre. Irgendwann ist einem egal, wie man aussieht, ob man Akne im Gesicht hat oder nicht, ob man Begabungen brachliegen lässt oder Interessen nachgeht oder ob die Wohnung aufgeräumt ist oder nicht. Irgendwann vergisst man das alles einfach, weil man auch sonst Gedächtnislücken hat. Man muss nur genügend trinken. Ausserdem lebt es sich in der selbstgebastelten Illusion viel schöner als in der Realität. Wenn man nur lange genug trinkt, sieht man von der Illusion eine ganze Menge, mit Glück sogar Dinge, die nicht existieren. Aber was ist schon Wirklichkeit. Die lässt sich ja ganz individuell interpretieren.

Nur die Menschen um einen herum, die stören ein wenig dabei. Die kommen einem gefährlich nahe und erhaschen möglicherweise eine Blick hinter die Fassade. Dem muss man sich unter allen Umständen schnell genug entziehen. Die Anderen haben keine Ahnung. Man kommt ja mit sich alleine so gut klar und seit man trinkt noch viel besser. Immerhin koordiniert der Alkohol die Verbindung zwischen Sprachzentrum und Gedankenfluß hervorragend. Wer braucht schon Frauen, wenn es so tolle Pornos gibt? In echt sind die Frauen doch viel zu reell. Mit genügend Promille kann man sich sogar einbilden, die Hand am Schwanz wäre eine fremde. Überhaupt wird Sex überbewertet. Löffeln ist da viel ergiebiger und nicht so schweißtreibend. Wenn auch nichts anderes mehr geht, das geht immer.
Die wenigen Freunde, die man hat, haben entweder ein noch viel schwierigeres Leben als man selbst - da kann man sich hinterher wenigstens gut fühlen - oder man macht was mit denen. Stangensaufen ist so ein Spiel, das viel Spaß macht, wenn man 15 ist oder älter und gefühlsmäßig retardiert.

Der sitzenden Tätigkeit geht man aus Ermangelung an Alternativen schon seit zehn Jahren nach. Blöde Alternativen, bei anderen kommen die wie Werbeblättchenausträger vorbei. Bei einem selbst hat noch nie eine Alternative an der Türe geklingelt. Nicht schlimm, weil das Gehalt passt ja und die Kollegen größtenteils auch. Und wenn der Montag vor der Türe steht, kann man sonntags notfalls so lange trinken, bis man den Wochentag vergessen hat. Schlafen hat übrigens dieselbe Funktion. Man kann einfach länger schlafen und hat zwei Stunden länger seine Ruhe vor der Arbeit. Wer arbeitet schon gerne? So ist das eben. Da muss man sich mit abfinden. Nur mit dem allmorgendlichen Stau ist sich schwer abzufinden. Man sitzt Zeit im Auto ab, die man besser vor dem Bildschirm absitzen sollte. Dafür muss man abends länger bleiben. In dieser Zeit kann man aber seine Bloggeschichten schreiben. So hat die Firma sogar was Gutes. Wenn die nur nicht diesen blöden Filter eingebaut hätten.

Und wenn die komplette Sinnlosigkeit des eigenen Lebens mit voller Wucht zuschlägt, dann könnte man, nein, dann muss man erst recht trinken. Verdrängung ist, was uns am Leben hält. Kluger Satz, der in der Praxis gut funktioniert, zumindest in der eigenen. Oder man versetzt sich in die glücklichen Tage der Kindheit, als alles noch groß und schön zu sein schien. Nie erwachsen werden, das wäre die Lösung. Ob das jemals einer geschafft hat? Du wirst ganz bestimmt der Erste sein.

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Bücherweitwurf
Oder zehn Bücher, die ich nicht, bzw. nur teilweise gelesen habe und die seitdem im Regal vor sich hin stauben.

Don fragt, welche Titel das bei mir sind. Im Allgemeinen besitze ich nur Bücher, die ich mag. Alle anderen fliegen bei mir in regelmäßigen Abständen, spätestens jedoch beim nächsten Umzug, raus. Trotzdem gibt es ein paar, die eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung zu haben scheinen. Hier meine Liste:

1. Wolfgang Iser, der implizite Leser
Ein Buch, das ich 91 gekauft – zu einer Zeit, in der ich meine Bücher auf der ersten Seite noch mit Namen und Datum versah – und nur ausschnittweise gelesen habe. Hat mich damals interessiert. Weggelegt, weil zu viele Beispiele aus der Literatur angeführt wurden, die ich nicht kannte. Gehört eindeutig in die Kategorie wird gelesen, wenn ich mal viel Zeit und keinen neuen Stoff mehr habe.

2. Matt Ruff, Fool on the hill
Geschenk eines Freundes. Sprechende Hunde sind mir suspekt, es sei denn, sie tauchen in Kinderbüchern auf. Mag es nicht aussortieren, weil es ja trotzdem ganz nett sein könnte. Kategorie Bücher, die ich spätestens nach Lesen der Widmung zuklappe (das Verfallsdatum des geschriebenen Kusses war bereits kurz nach dem Geschenk abgelaufen).

3. Robert Kunzig, der unsichtbare Kontinent
Buch über die Erforschung der Weltmeere. Im ersten Kapitel sehr theoretisch, obwohl die Begründung der Jury für einen Wissenschaftspreis lautet: „dieses Buch eröffnet uns leidenschaftlich, überraschend und wissenschaftlich fundiert eine völlig neue Welt. Noch nie wurde so spannend von den Geheimnissen der Tiefsee erzählt“. Kategorie Bücher, die die Leidenschaft eines Neunzigjährigen nach erfolgreicher Lobotomie ausstrahlen.

4. William Boyd, Armadillo
Ich habe beim besten Willen keinen blassen Schimmer, warum ich dieses Buch nie gelesen habe. Gekauft, abgestellt, vergessen. Letzteres ist kaum vorstellbar, denn der giftgrüne Umschlag macht mir nach jedem Umzug das Einsortieren besonders schwer (ja, ich sortiere teilweise nach Farbe). Kategorie das wird ganz bestimmt meine nächste Lektüre nach dem neuen Hornby und dem neuen Irving und dem neuen Sedaris und dem neuen....

5. Réjean Ducharme, L´avalée des avalés
Must have nach dem Film „Leolo“, in dem daraus permanent zitiert wird. Letztes Exemplar bei Amazon Frankreich ergattert. Kategorie Bücher, die auf französisch unheimlich mysteriös erscheinen, weil man der Sprache nur unzureichend mächtig ist. Was uns zu

6. führt: Theophile Gautier, Récits fantastiques
In einer Zeit erworben, in der mein französisch noch besser war, ich aber lieber auf englisch gelesen habe. Das Umschlagbild zeigt den Schrei von Edvard Munch. Allein deshalb musste ich es einfach haben. Kategorie was man nicht alles für die Bildung auf sich nimmt. In unmittelbarem Zusammenhang stehend mit

7. Francoise Sagan, Bonjour tristesse
Schätzungsweise zehnmal begonnen, schätzungsweise zehnmal nach der Hälfte zur Seite gelegt. Gelesen, um in Übung zu bleiben. Inhalt nie gemocht. Kategorie Bücher, an die man sich notgedrungen gewöhnt hat.

8. James Joyce, Ulysses
1991 mit den allerbesten Vorsätzen begonnen, nach etwa der Hälfte schwach geworden. Geht mir weg mit Allgemeinbildung, das Buch ist sterbenslangweilig. Kategorie wenn ich groß bin, möchte ich mitreden können.

9. Golo Mann, deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts
Anfangs sehr interessant. Nach einigen Kapiteln wegen Wissensoverkill beendet. Seitdem nur noch drin geblättert. Kategorie Bücher, die bei Besuchern unheimlich Eindruck schinden.

10. Die Bibel, Verfasser unbekannt
Mit zehn meine erste Bibel bekommen. Am Anfang begonnen, nach den ersten fünf (echt jetzt!) Büchern Moses weggelegt. Später selektiv gelesen. Passagen mit exakter Quellenangabe auswendig gelernt. Kategorie Bücher, aus denen man in ernsthaften Diskussionen nicht zitieren sollte, ohne einen Imageverlust zu riskieren.

Welche Titel verstauben denn bei
Herrn Rationalstürmer
Herrn Bandini (was krieg ich jetzt dafür? ;-)
und Herrn Huflaikhan
so im Regal?

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Das ist die Berliner Luft
Einladung von der geschätzten Frau Lyssa zur Lesung in der Beeindruckend-Bösen-Brause-WG. War ein gelungener Anlaß für einen Sonntagsausflug nach Berlin. Beiindruckendes Getränkesortiment im Kühlschrank. Hab gleich alles ausprobiert. Beeindruckende Dachterasse. Hab ziemlich unter meinem neuen Hut geschwitzt (absetzen ging nicht. Wer Hutträger ist, weiß wieso). Beeindruckendes Publikum. Trotz des rattenscharfen Wetters keine Mühen gescheut und in den vierten Stock (?) gestiegen. Beeindruckende Texte der anderen Chicks. Meine Wenigkeit beeindruckte mehr durch outfit.

Gelesen:
Balla balla und Vom Feeling her...

Sehr freute mich, endlich einmal Frau Gaga kennenzulernen und bin schon ziemlich gespannt auf ihre Fotos. Sind bestimmt beeindruckend.. Kostproben ihrer geschossenen Tore Fotos hier und in den Kommentaren.


Chicks with balls.

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Samstag, 24. Juni 2006
In the middle of nowhere
Schefferville ist ein kleiner gemütlicher Ort in Labrador, Neufundland. Viel ist da nicht los. Es gibt zwar einige Kneipen, ein paar Läden und einen Bahnhof aber am Abend werden die Bürgersteige hochgeklappt. Man kehrt müde von der täglichen Karibujagd zurück und will im Grunde lieber gemütlich vor dem Kaminfeuer einen letzten Whiskey genießen, als zu wilder Musik abtanzen. Im Sommer sieht man viele Mücken, im Winter einen Haufen Schnee. Die wichtigste Einrichtung Scheffervilles ist ein Flughafen. Man mag es kaum glauben aber es ist möglich, ein Flugticket nach Schefferville zu erwerben.

Es könnte allerdings auch sein, dass man diesen idyllischen Ort eher unfreiwillig aufsucht, dann nämlich, wenn der Pilot eines Großraumflugzeuges durch einen medizinischen oder technischen Notfall zu landen gezwungen ist. Immerhin hat man dann Glück, denn in Schefferville kann man shoppen oder wenigstens eine gemütliche Schlafstätte finden. Auf der Nordatlantikroute gibt es Orte, die so ungastlich zu sein scheinen, dass da nicht mal ein Hund tot überm Zaun hängen möchte. Da möchte ein Pilot auch nur ungern landen, nicht weil er die Annehmlichkeiten eines Vier-Sterne-Hotels nicht missen möchte, sondern weil er seinen Riesenbrummer nicht mehr ohne weiteres hochkriegt. So was verhagelt einem 340 Kapitän gehörig die Suppe, schließlich will er unbedingt im Anschluss den langen Bangkokumlauf antreten, den er requestet hat. Die Crew kommt ebenfalls ganz schlecht drauf, setzt man sie im Nirgendwo aus. Für Kabinenpersonal gehört zu einem ordentlichen Layover wenn schon kein Pool, so doch wenigstens die Möglichkeit einer gepflegten Massage oder Maniküre. Das ist das Mindeste, was man von einem ordentlichen Layover erwarten kann. Unschwer vorzustellen, dass auch bei Passagieren keine Urlaubsstimmung so richtig aufkommen mag.

Von diesen kleinen Orten gibt es unzählige. Ihre Erwähnung in der Literatur beschränkt sich auf Einträge der Kartographie und kleinen Punkten von Flugkarten, auf denen die Orte mit Zahlen versehen und durch Linien verbunden sind. Solche Flugkarten erinnern mich stark an die Burda Schnittmuster meiner Mutter. Eine Lieblingsbeschäftigung der Piloten scheint zu sein, bestimmte Linien mit Leuchtstiften nachzuzeichnen und so entstehende Figuren herauszuarbeiten. Anschließend könnte man abgetrennte Felder je nach Zahl mit gleicher Farbe ausfüllen. Ein derart beschäftigter Pilot müsste wenigstens nicht alle zwei Stunden von der Kabine gefüttert werden, doch spart die Firma mit verfügbaren Farben und somit mal wieder am falschen Ort.

Kommen wir zurück zum Nirgendwo. Hätten Sie gedacht, dass an der Westküste Grönlands unzählige kleine Punkte kartographiert sind, die bequem sowohl angeflogen als auch wieder verlassen werden können, in einem riesigen Land wie Neufundland allerdings nur Placebopunkte eingetragen sind? Eine dortige Notlandung wäre nur von Vorteil, müsste man aufgrund eines Feuers an Bord oder sonstiger lebensbedrohlicher Vorkommnisse das Flugzeug verlassen. Sollten Sie einmal in den Genuss kommen, diese Gegenden überraschend zu besuchen (sie sind z.B. Raucher und frönen Ihrem Laster auf Flugzeugtoiletten?), mag das zunächst unangenehm sein. Tröstend kann ich hinzufügen, dass ich viel davon beim Überfliegen gesehen habe. Es existieren dort zwar keine Siedlungen aber landschaftlich ist es sehr schön.

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Freitag, 23. Juni 2006
Zugriffsverletzung
Schmerzhafte Konsequenz für einen Mann, den ich bei den Eiern kriege.

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Donnerstag, 22. Juni 2006
Beim Wort genommen
Und dann war da die Amerikanerin im Flugzeug mit Internetzugang, die ganz vorsichtig das Schild mit der Aufschrift Hotspot beruehrte und sofort die Hand wieder zurueckzog.

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Leaving a short message


the fabulous Lyssa feat. Elle, Kaltmamsell, Schwadroneuse and me.

Hey guys folks, hope to see you there on sunday. Watch out for the Coke sign on the door...

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Dienstag, 20. Juni 2006
Like a rolling stone
Draußen ist Gewitter. Falsch, draußen regnet´s mit ein wenig Grollen aus der Ferne und vereinzelten Blitzen. Ich hasse Gewitter. Und ich bin ein fürchterlicher Angsthase. Am Tag als Boris Becker das Wimbledonfinale zum ersten Mal gewann, saß ich gebannt vor dem Fernseher. Draußen tobte gerade ein Gewitter. Erst haderte ich mit mir, weil man bei Gewitter nicht fernsehen sollte. Dann habe ich mich daran erinnert, dass mir noch nie was passiert ist. Das Finale war aber auch zu spannend. Also ignorierte ich alle Warnhinweise. Plötzlich ließ mich ein lauter Knall zusammenzucken. Mein Herz raste, Adrenalin schwappte kübelweise in meiner Blutbahn herum und meine Hände zitterten. Ich sah aus dem Fenster und stellte fest, dass das Haus am Ende unserer Straße brannte. In dem Moment vergaß ich meine Angst, kündigte Boris Becker kurzzeitig meine Anhängerschaft und rannte zum brennenden Haus. Der Blitz hatte dort eingeschlagen und das Haus innerhalb kürzester Zeit ausbrennen lassen. Zum Glück kamen keine Menschen zu Schaden. Dieses Ereignis schmälerte meine Angst vor Gewitter in keinster Weise. Ich unterbrach bei folgenden Unwettern sofort jegliche elektronischen Aktivitäten. Was beim Bügeln noch eine angenehme Ausrede war, stellte sich alsbald beim Dauertelefonieren als lästiges Hindernis heraus. Also überlegte ich mir eine Strategie. Was liegt einem christlich infiltrierten Kind näher als das Konzept von Schuld und Strafe? Wenn ich demnach etwas Verwerfliches getan hatte, musste ich sofort zu telefonieren aufhören. War ich aber folgsam, durfte ich weitersprechen. Mit der Einordnung von Masturbation hatte ich allerdings so meine Schwierigkeiten. War das nun gut oder schlecht? Ich entschied, dass solch körperliche Freuden nicht verwerflich sein konnten, würde sich die Häufigkeit dabei in Grenzen halten. Somit konnte ich während eines Gewitters ohne schlechtes Gewissen weiter telefonieren und Musik hören, bis ich schließlich über der Gewohnheit meinen überholten Denkansatz vergaß.

Heute ist das was anderes. Heute habe ich wieder Angst. Also überlege ich mir, was ich Schlechtes getan habe. Dabei bin ich ein durch und durch guter Mensch. Ich habe mir nie etwas zu Schulden kommen lassen. Na ja, bis auf die Postkarte, die ich der eifersüchtigen Ehefrau meines Liebhabers schickte, als ich stinkwütend auf ihn war. Und die Sache mit der Lüge, als ich gefragt wurde, ob ich etwas mir Anvertrautes verraten hätte, die war auch nicht so ganz okay. Und dann war da noch die Geschichte mit der Steuer, wo ich ein wenig geflunkert habe. Und als Babysitter hätte ich auch nicht in fremden Schubladen herumstöbern sollen. Aber das war nur ein einziges Mal. Auch einen nicht an mich adressierten Brief habe ich nur ein einziges Mal gelesen. Das war eine Ausnahmesituation. Und den Hund meines Ex hätte ich vielleicht auch nicht so quälen sollen. Das war nicht okay, das sehe ich ein. Und die Pornos im Wohnzimmerschrank eines Onkels hätte ich vielleicht auch nicht durchblättern sollen. Dass ich die Jeansjacke eines fremden Besitzers in der Kneipe mitgenommen habe, lag auch nur daran, weil meine eigene verschwunden war. Schließlich wäre es ohne Jacke zu kühl gewesen. Aber sonst bin ich eine ehrliche Haut. Echt jetzt. Ich bin ein richtig guter Mensch. Nicht mal eine läppische Antenne kann ich von fremdem Auto abschrauben, obwohl die Versuchung riesig ist [wir erinnern uns]. Mir kann einfach nix Schlechtes passieren. Mal ganz abgesehen davon, hat vor nicht allzu langer Zeit ein kluges Kerlchen zu mir gesagt, dass man immer vom Guten im Menschen ausgehen sollte. Die Leute tun nicht Dinge, um anderen zu schaden. Sie tun es in guter Absicht oder so. Für diese Einstellung habe ich ihn bewundert und hoffe sehr, dass er es auch leben kann. Übrigens hat er heute einen wunderbarenText geschrieben, den ich hiermit zu lesen empfehle. Das gibt bestimmt Karmapunkte und wenn nicht, dann wenigstens Traffic. Meine Güte, dass ich aber auch immer so lange brauche, um auf den Punkt zu kommen.

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Montag, 19. Juni 2006
Baby baby balla balla
Unsere Flieger haben jetzt Fußballnasen. Natürlich nicht im derzeitigen Damenbindendesign, sondern im alten. Komisch, dass der Mehrheit diese Assoziation erst jetzt kommt. Bei Tennisbällen hat noch nie ein Hahn nach Design gekräht, obwohl die schon seit ich denken kann zwei aneinanderliegende Binden eingearbeitet haben. Und jetzt findet alle Welt solche Formen merkwürdig. Mir ist egal, ob alle Welt auf Sechsecke oder Damenbindendesign schaut. Aber ich bin auch kein Fußballfan. Was Flugzeuge mit Fußball zu tun haben, ist mir allerdings schleierhaft. Sieht ganz so aus, als würden die Maschinen den Ball durch die Luft vor sich herschieben. Hoffentlich trifft er nicht gerade in das Himmelstor, wenn ich an Bord bin. Seit dem Tag des Eröffnungsspieles war kaum ein männlicher Angestellter mehr fähig, seine normalen Aufgaben zu erledigen. Einziges Thema des Rampagenten sind seine geschenkten VIP Karten. Der Brückenfahrer ruft ständig Viva Italia und der Loader hat dieses runde Leuchten im Auge. Selbst die Gäste sind völlig verändert. Wird sonst nach Anschlussflügen gefragt, so stehen jetzt Fragen nach Spielergebnissen im Vordergrund. Die Krawatten wurden gegen Fahnen eingetauscht und die Laptoptaschen gegen Rucksäcke in Deutschlandfarben. Sie bringen Girlanden und überdimensionale Hüte, Fahnenstangen und Banner statt Anzugtaschen zum Verstauen. Auch die Laune scheint merklich besser als sonst. Zeitgleich hielt babylonisches Sprachgewirr an innerdeutschen Destinationen Einzug. Überhaupt sprechen die Menschen mehr miteinander. Man weiß ja, man ist zu Gast bei Freunden. Das läuft zwischen starrsinnig englisch negierenden Nationen folgendermaßen ab: man nimmt Augenkontakt auf, ruft der anderen Partei eine den Ländernamen implizierende Phrase in seiner Muttersprache entgegen und gestikuliert anschließend individuell. Der weitere Gesprächsverlauf wird wesentlich vom derzeitigen Spielstand beeinflusst. Da fließt schon mal die ein oder andere Drohgebärde mit ein. Selbst Japaner, die sonst sehr zurückhaltend auftreten, lassen sich zu emotionalen Ausbrüchen hinreißen. Gestern beobachtete ich einen ganzen Gefühlsticker durch die Mimik eines japanischen Geschäftsreisenden ziehen, als er vom Unentschieden erfuhr.

Wird eine Destination angeflogen, deren Nation gerade verloren hat, muss die Crew speziell gebrieft werden. Das ist wie bei einem Staatstrauerakt. Passagiere bewegen sich mit hängenden Schultern und Köpfen durch die Gegend, die Belader fragen verschämt nach Taschentüchern oder seufzen leise vor sich hin. Unklar ist mir noch, ob und in welcher Form ich mein Beileid aussprechen oder es lieber für mich behalten soll. Was sagt man in solch einem Fall? Mein Beileid zum verlorenen Spiel/Unentschieden? Ich denke an sie in dieser Zeit des schweren Verlustes? Da werden Hoffnungen zu Grabe getragen und Träume verabschiedet. So was ist nicht zu unterschätzen. Trotzdem habe ich noch nicht die richtigen Worte gefunden. Vielleicht überreiche ich einfach eine Kondolenzkarte in Form einer schwarz umrandeten Damenbinde, in die Fußballanstecknadeln eingearbeitet sind. Wenn wir die Pins nämlich austeilen, werden erwachsene Männer zu kleinen Jungs, greifen gierig in die Körbe und tragen heim, soviel die Hände halten können. Ehrlich, da entbrennt der Ballneid. Hat der Sitznachbar zufällig zwei davon erwischt, was seinen Augen strahlenden Glanz verleiht, will der nächste auch zwei. Erkläre ich, es gäbe für jeden nur eines, kann ich bis zum einsetzenden Trotzgeschrei die Sekunden zählen. Selbst wenn ich wollte, hätte ich nicht für jeden zwei. Ich bin schließlich kein Fußballpinscheißer. Kleine Jungs werden beim Einsteigen von ihren Vätern vorgeschoben, um Fußballzeitschriften abzugreifen. Wahrscheinlich werden die lieben Kleinen keinen auch noch so kurzen Blick hineinwerfen können, da das Druckwerk sofort von Papi in Beschlag genommen wird. Passagiere der Businessklasse wollen plötzlich nicht mehr essen, sobald sie ein Geduldsspiel ergattern, bei dem man einen Schokoladenball in ein Papptor befördern muss und statt Tomatensaft trinkt man jetzt Cola. Selbst der Flughafen ist vom Fußballfieber nicht verschont geblieben. Ich meine damit nicht die grünen Matten vor den Checkin Schaltern und nicht die vielen Werbeplakate, von denen Spieler herablächeln. Seit neuestem steht an fast jedem Gate ein Kickertisch. Es finden sich immer zwei bis vier Spieler, die darüber ihre Abflugszeit vergessen. Manche vergessen die auch, weil sie wie hypnotisierte Häschen auf den Monitoren laufende Spiele verfolgen. Leute, ich werde Euch daran erinnern, wenn dieser Wahnsinn endlich ein Ende gefunden hat. Dann fliegt ihr verspätet ab, weil ich vor lauter bloggen vergesse, meinen Dienst pünktlich anzutreten. Oder ich lasse meiner Trauer über den Verlust eines künstlichen Fingernagels verbal freien Lauf. Oder ich erzähle stundenlang über meine neuesten Konzertkarten und versäume nicht, hinterher im Detail über jede Bewegung des Dirigenten zu berichten. Dann will ich mal sehen, wie weit es mit eurer Toleranz her ist. Hab ich schon erwähnt, dass ich Fußball hasse? Nein? Macht nichts. Da gibt es nämlich den Spruch eines klugen Mannes, in dem jener bei höheren Mächten bezüglich der Dinge, die er nicht ändern kann, um Gelassenheit bittet. Daran werde ich euch erinnern, wenn euer Land von der WM ausscheidet. Und jetzt entschuldigt mich bitte. Ich muss für meinen nächsten Einsatz noch eine gelbe und eine rote Karte basteln. Das ist die einzige Form der Kommunikation, die derzeit international verstanden wird.

Der Song im Titel stammt übrigens von einem Herrn namens Chubby Checker. Da ist doch Name beinahe Programm.

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Samstag, 17. Juni 2006
Only the lonely
Gestern der Supergau. Firewall upgedatet und Computer neu gestartet. Das fand der kleine Kerl wohl putzig, jedenfalls hat der das Spielchen selbständig noch eine ganze Weile fortgesetzt. Immer rauf und wieder runter. Natürlich nicht ganz, sondern nur bis zu einer Bluescreenanzeige, auf der in einigen Sätzen erklärt war, was kaputt ist. Die Anzeige war lange genug zu sehen, um sie als Fehlermeldung zu identifizieren aber zu kurz, um sie richtig durchzulesen. Robin eilte dann zur Hilfe und hatte die glorreiche Idee, die Anzeige zu fotografieren, um sie zu lesen. Ging nicht, weil sie zu schnell wieder weg war. Filmen funktionierte, wenngleich die Einstellung im Film ähnlich der Echtzeiteinstellung an Länge war. Also zu zweit vorm Bildschirm und die Äuglein gekniffen. Half aber nix. Um das Thema hier mal abzukürzen: war ein Hardwarefehler. Wir mussten leider amputieren. Der Patient ist wohlauf und befindet sich noch bis Sonntag in der Reha.

So kam´s, dass ich mein Leben gestern und heute ohne Internetverbindung fristen muss. Am Anfang fühlte ich mich gleich ein wenig einsamer, so ganz ohne Verbindung zur Aussenwelt. Dann habe ich mich daran erinnert, dass man auch telefonieren und Leute treffen kann. So ganz in echt und ohne Bildschirm dazwischen. Dumm nur, dass alle meine Adressen und Telefonkontakte auf dem Computer gespeichert sind. Unter der einzigen Telefonnummer, die ich auswendig weiß, war keiner zu erreichen. Es rief auch keiner von sich aus an. Das ist meistens so, weil meine Bekannten glauben, ich sei sowieso nicht daheim. Im Grunde unlogisch, weil ich ja ab und zu doch daheim bin. Immerhin zahle ich die monatliche Miete nicht, damit meine Möbel sich wohl fühlen. Schließlich hab ich mich dann für DVD gucken entschieden. Draußen läuft sowieso nur Fußball. Erst der alte Klassiker Le grand bleu. Völlig weltfremd und zum dreissigsten Mal gesehen. Mann glaubt, er sei ein Fisch, Frau verliebt sich in Mann, Mann verliebt sich in Delphin, das alte Spiel eben. Man kennt das ja. Gleich Audrey Hepburn in Breakfast at Tiffany´s hinterhergeschoben. War sehr frustrierend. Die Frau sieht nach einer durchzechten Nacht noch phantastisch aus. Wie unrealistisch. Immerhin festgestellt, dass George Peppart einem Bekannten von mir ähnlich sieht. Sofort gewechselt zu Les choses de la vie mit uns Sissi Romy. Mann (Michel Piccoli) hat einen Autounfall. Kurz vor seinem Tod zieht sein Leben an ihm vorbei. Konnte sich nie zwischen zwei Frauen entscheiden, zwischen Freiheit und Bindung, zwischen Vergangenheit und Zukunft. Sowas frustriert extrem. Ausserdem will man nach diesem Film nicht unbedingt in ein Auto steigen. Also bin ich ins Bett gestiegen, meinen eigenen Film träumen. Der war aber auch nicht viel besser. Morgen kommt mein Sorgenkind wieder heim. Dann gibt´s neue Geschichten. Wo ich momentan schreibe? Naja, man hat ja so seine Beziehungen...

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Freitag, 16. Juni 2006
Die musikalische Reise - Teil 21
Sie steht vor dem Theatro de Rosalia in la Coruña. Die Zigeuner sind längst weitergezogen. Sie hat sich von Kolya, Laika und den anderen, nicht ohne einen aufsteigende Emotionen blockierenden Kloß im Hals verabschiedet. Neben guten Wünschen hält sie ein Amulett in Händen, das sie beschützen und an Kolya erinnern soll. Von Laika hat sie eine kleine Figur aus Holz bekommen. Es ähnelt einem Hund, doch genau kann sie es nicht identifizieren. In ihrem Kopf hämmern die ersten Takte des Scherzos aus Bruckners siebenter Sinfonie. Sie ist wieder alleine, so alleine, wie es Bruckner war, als er stundenlang auf der Orgel des Stiftes St. Florian nur einen einzigen Akkord anschlug. So ist es überliefert. Sie ahnt, was er dabei empfunden haben mag. Vielleicht wollte er dem Klang hinterher lauschen, sein Ende abwarten und ergründen. Vielleicht waren die Klänge sein geistiges Zuhause. Der Nebeneingang des Theaters lässt sich öffnen. Wahrscheinlich probt das ortsansässige Orchester gerade. Sie tritt in das Dunkel. Die kühle Luft schlägt ihr entgegen. Ein wenig unsicher tastet sie sich in den Gängen vor, bis ihre Augen sich an die Lichtverhältnisse gewöhnt haben. Vor einiger Zeit war sie bereits einmal hier für ein Rezital. Sie weiß, dass im Keller ein Flügel steht, auf dem sie sich damals für das Konzert eingespielt hat. Als sie die Treppen begleitet von Klängen einer Schuberstsinfonie des probenden Orchesters hinuntersteigt, erinnert sie sich an den zurückliegenden Auftritt. Sie spielte ein Klavierkonzert von Brahms mit dem mittelmäßigen Orchester unter einem noch mittelmäßigerem Dirigenten. Die Konzertagentur hatte ihr diesen Auftritt vermittelt, doch am Ende war sie froh, dass es vorbei war. Sie war und ist auf diese kleinen Auftritte angewiesen, wenn sie eine internationale Karriere aufbauen will. Dabei waren es meist die fernen Orte, die sie lockten, nicht die musikalischen Gelegenheiten.

Die ersten Akkorde, die sie anschlägt, klingen verstimmt. Der nahegelegene Atlantik fordert sein Attribut in Form von verstimmten Klaviersaiten. Die Partitur hat sie so oft gespielt, sie hat sie im Kopf. Erst der Anfang des ersten Satzes, dieses Öffnen eines ganzen Universums mittels Sprüngen über mehrere Oktaven. Mischas Celloklang läuft über ihre Finger in die Tasten des alten Flügels. Sie kann den überwältigenden Orgelklang aus den Noten förmlich spüren. Dann das zweite Thema, übergeben von einem zu Ende gelaufenen ersten Klangkonglomerat, so zart und zögerlich, als ob es keine Daseinsberechtigung hätte, und dennoch durch Umkehrung aus dem allumfassenden ersten entstanden, wie nach schwerer Geburt. Die Pizzicati der Streicher mögen auf dem Klavier nicht so recht zur Geltung kommen. Sie hadert ein wenig mit ihren Fingern, die im Laufe der Reise steif geworden zu sein scheinen. Die Themen vereinen sich im Laufe der Durchführung bis zu einem ersten Höhepunkt, den sie in die Tasten schmettert. Während der ganzen Zeit hat sie die Aufnahmen von Celibidache – dem einzigen Dirigenten, der Bruckners Höhepunkte adäquat zur Geltung bringt – vor ihrem inneren Ohr. Sie erinnert sich an eine Probe mit dem Stuttgarter Rundfunksinfonieorchester, in der sie als Zuhörer saß. Es wurde eine Aufführung der siebten von Schubert geprobt. Die ganze Zeit war sie fassungslos und mit offenem Mund Zeugin eines Entstehungsprozesses von Musik, die vor Jahrzehnten niedergeschrieben, nun in neuem Glanz erstrahlte. Es war nicht die Musik, die sie erstarren ließ, sondern der unvergleichliche Sog, der sie zu anderen Ufern fortzutragen schien. Celibidache verstand es wie kein anderer, die Musik zu dem Leben zu erwecken, die ihr angemessen war. Seine Musiker waren für ihn nicht Personen, sondern Instrumente, die er unter seiner Regie erklingen ließ. So manches verschnupfte Ego nahm er im Dienste des Ganzen geflissentlich in Kauf. Nur so konnte Einzigartiges im Moment des Erklingens entstehen.

Die ersten Bassisten betreten den Kellerraum, in dem sie gedankenversunken Bruckners Tönen am Flügel folgt. Man spricht sie an, doch versteht sie die spanischen Worte nicht. Sie entschuldigt sich auf englisch für ihre Anwesenheit, greift nach ihren Habseligkeiten und flüchtet von diesem Ort. Draußen lässt sie sich in der Sonne nieder, die den Asphalt des Hafens erhitzt. Sie weiß nicht, wie es weitergehen soll, mit ihr, mit der Musik, mit dem Klavier. Morgen wird sie sich ein Ticket nach Deutschland holen und von dort Kontakt zur Agentur aufnehmen. Ihr Leben hat sie wieder. Es lässt nicht los, solange sie nicht im Stande ist loszulassen.

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Freitag, 16. Juni 2006
Running gag


Als ehemaliger Testbeifahrer eines alten Kifferbusses muss ich gestehen, dass die Ablagefläche - zumindest was Füße betrifft - sehr geräumig war.

Danke Herr Kid37. Ich habe herzlich gelacht.

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Mittwoch, 14. Juni 2006
Sätze, die man sofort bloggen muss (3)
"Und wenn dir nix mehr einfällt, lässt du einfach die Protagonisten ficken."

O-Ton Robin Ätsch!

Das mit den römischen Zahlen konnt ich noch nie.

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Sätze, die man sofort bloggen muss (2)
"Als ich gestern zufällig in so einen schwulen Flickraccount mit lauter Bildchen von nackten Männerkörpern geraten bin, wusste ich auf einmal, ich bin durch und durch schwul."

weiblicher O-Ton

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Le Nu perdu
De même qu' il y a plusieurs nuits différentes dans l'espace, il y a plusieurs dieux sur les plages du jour. Mais ils sont si étalés qu'entre souffle et ressaut une vie s'est passée.

Les dieux ne déclinent ni ne meurent, mais par un mouvoir impérieux et cyclique, comme l'océan, se retirent. On ne les approche, parmi les trous d'eau, qu'ensevelis.

Meilleur fils du vieux disque solaire et au plus près de sa céleste lenteur. Cette envie substantielle se répéta, puis sa tache se perdit.

Nuit à loisir recerclée, qui nous joue ?

René Char

***
Mets-toi à la place des dieux et regarde-toi. Une seule fois en naissant échangé, corps sarclé où l'usure échoue, tu es plus invisible qu´eux. Et tu te répètes moins.

La terre a des mains, la lune n'en a pas. La terre est meurtrière, la lune désolée.

René Char

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Die musikalische Reise - Teil 20
Das Holz knistert in den Flammen. Sie sitzt am Rand des Lagers mit Blick auf den Atlantik. Kolya hat ihr eine Decke um ihre Schultern gelegt. Während der Aufenthalte in San Sébastien und Oviedo hat sie ihn beobachtet. Umhüllt von geheimnisvollem Schweigen hält er sich stets ein wenig abseits vom Rest der Gruppe. An diesem Abend siegte die Neugier, sie sprach ihn an. Erst wortkarg, später etwas mitteilsamer beginnen sie eine Unterhaltung. Sie sitzen schon eine ganze Weile so nebeneinander, nur er und sie. Die Anderen haben sich längst in ihre Träume zurückgezogen. Der Himmel erhellt sich langsam gen Osten. Erste Vogelstimmen werden hörbar. Es dauert nicht mehr lange, bis die Grillen ihren täglichen Balzgesang anstimmen werden. Die Luft ist angenehm kühl und klar. Wer ist dieser Mensch, der sich so sehr in sich zurückgezogen hat? Was hat ihn dazu veranlasst? Sie weiß es nicht. Offenbar scheint er ihre Anwesenheit zu genießen. Vielleicht muss sie es nicht wissen, es genügt, die innere Einsamkeit schweigend zu teilen. Ein leichtes Zittern überzieht die Oberfläche ihres Körpers. Die Müdigkeit lässt sie schaudern. Dennoch möchte sie diesen Augenblick noch ein wenig halten, noch ein wenig ausharren, in sich aufsaugen. Kolya legt einen Arm um sie, in den sie sich bereitwillig einschmiegt. Ihr Kopf liegt auf seiner Schulter. Gemeinsam lauschen sie den Wellen, die kontinuierlich gegen Felsen rollen. Mit der freien Hand streicht er über ihr Haar. Sie weiß, was jetzt kommen wird und doch ist alles anders. Er ist anders. Nicht so fordernd wie Mischa, sondern verhaltener, fast ängstlich. Morgen werden sie in La Coruña und damit am Ziel ihrer Reise sein. Dann werden sich ihre Wege trennen, jeder den seinen weitergehen. Morgen wird er nur noch eine Erinnerung sein. Trotzdem möchte sie sich einlassen. Sie betrachtet seine schwarzen Augen. Wenn Augen das Tor zur Seele sind, ist dieses Tor für sie verschlossen, der Schlüssel unerreichbar. Mit dem Finger streicht er über ihre Lippen, bevor sie sich mit den seinen treffen. Der Kuss, erst zögerlich, wird intensiver. Sie spürt seine Hände auf ihrem Körper. Ganz sachte verfolgen sie unsichtbare Linien, erst über ihren Rücken, nahe dem Grat bis zu seinem Ende, über die Schenkel an den Flanken entlang bis unter die Achseln, dann am Arm entlang, das Schlüsselbein nachzeichnend zum Hals, vom Kiefer zu den Wangenknochen und wieder hinab. Ihr Körper signalisiert sein Einverständnis. Sie lässt sich in die Berührungen fallen wie in eine weiche Matratze. Die Hände ziehen sich zurück, um sie mit kräftigem Griff aufzuheben und zum Zelt zu tragen, wo sie unter Decken und Matten ihren Weg weiter verfolgen werden. Stück für Stück öffnen sie Knöpfe und Verschlüsse, schieben Stoff beiseite, entblößen ihre Haut. Sie spürt den drahtigen Körper, seine Wärme, seine Haut ganz nah. Ihre Hände gehen auf Entdeckungsreise über seinen Rücken, seine Brust, seine Beine, gleiten über Unebenheiten und feste Muskeln, über die raue Oberfläche seiner Hände und die weichen Stellen in seiner Leiste. Seine Fingerspitzen entlang ihrer inneren Schenkel und den Pobacken jagen ihr einen Schauer der Lust durch den Körper. Es ist eine unendliche Steigerung, die sie an die langen Phrasen aus Bruckners Sinfonien erinnern. Nur einer konnte diesen Spannungsbogen halten, indem er immer wieder zurücknahm, von vorne begann und so die Illusion eines unendlichen Crescendos erschuf. Während Celibidache durch ihren Kopf spukt, bewegt sich Kolya mit ihr. Sie streckt sich seinen Händen und seinem Körper entgegen, wo er zurückweicht und zögert dort, wo er sich annähert. Die Bewegungen beginnen sich zu harmonisieren, finden den Weg miteinander zu einem Höhepunkt und sacken schließlich erschöpft ineinander. Ein Schluchzen durchzuckt ihre Kehle. Sie spürt die Tränen wie Wellen in sich aufsteigen und gegen den Damm der Beherrschung schlagen. Als sich die Schleusen öffnen, fließen sie ungehindert über ihre Wangen, seine Hände und seine Brust. Kolya hält sie ganz fest, flüstert leise Worte in einer Sprache, die sie nicht versteht und gibt ihren verdrängten Schmerzen einen Ort des Schutzes, der Geborgenheit. Er hält das Kind in seinem Arm, bis es erschöpft eingeschlafen ist.

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