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Samstag, 19. August 2006
Just one dance
frau klugscheisser, 23:11h
Gestern ist er 70 geworden und ich 33 Jahre zu spät dran.
Geht mir weg mit Williams.
Congrats, Robbie!
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Don´t let me be misunderstood
frau klugscheisser, 10:11h
Die Tütenfrage hat man mir beantwortet. Alles muss sorgfältig verpackt sein, um den Anschein von Sauberkeit und Hygiene zu wahren. Nicht einmal von amerikanischen Sauberkeitsfanatikern ist japanische Mysophobie zu toppen. In Tüten abgepackte Scheiße verhindert zumindest die Berührung mit selbiger [sic]. Trotz aller Widersprüche beginne ich, die Japaner zu mögen. Sie wissen, wie sehr uns ihr Verhalten befremdet und sind durchaus in der Lage, über sich zu lachen. Ich erinnere mich gerne an eine japanische Kollegin, mit der ich einst arbeitete. Hinter jeder für Passagiere nicht einsichtigen Ecke riefen wir uns Suntory Whiskey! zu, um sofort in hysterisches Gelächter auszubrechen. Zuvor hatte ich sie gefragt, was denn der Regisseur Bill Murray alias Bob Harris langatmig geschildert hat, das die Übersetzerin auf die Worte more passionate reduzierte. Im Übrigen sind Japaner sehr wohl in der Lage ein R auszusprechen. Lip my stockings, eine Plattitüde der Drehbuchautorin. Allerdings habe auch ich meine liebe Not, gewisse Worte zu verstehen. Ein gepresst deklariertes To-Ma-To bedeutet, der Gast möchte gerne Tomatensaft. Damit ist der Fundus an deutlich Gesprochenem auch schon erschöpft. Eine klare Unterscheidung zwischen Ko-hi (coffee) und Ko-cha (tea) dringt kaum noch durch das Flughintergrundrauschen bis an mein Ohr. Nachfragen ist nicht, denn gutes Servicepersonal weiß, was der Japaner wünscht. Zudem gilt die Faustregel: stelle nie eine Frage, die den Asiaten zur Negierung zwingt. Er wird niemals ablehnen. Also halte ich beide Kannen in die Luft. Dabei bilde ich zwischen meinen Augenbrauen ein sichtbares Fragezeichen und warte geduldig, bis man mit Fingern auf das gewünschte Getränk zeigt. Nach jedem Japanflug spüre ich einen Zuwachs an Gesichts- und Armmuskulatur.
Manchmal sieht sich ein Japaner gezwungen, dem Europäer Ablehnung zu signalisieren. Hierzu nickt er mit dem Kopf und wedelt mit der Hand vor seinem Gesicht herum. Zuvor hat er nur langsam genickt, was soviel wie nein danke bedeutet. Es liegt mir nichts ferner, als einen Japaner zum Gesichtsverlust zu nötigen, doch leider weiß ich nicht, was entschuldigung, ich bin blond auf japanisch heißt. Im Grunde wollen sie gerne blond sein, meine japanischen Kolleginnen. Dabei ist ihr Haar beneidenswert stark und schwarz glänzend. Ich habe ihnen zu erklären versucht, dass Blondsein einer inneren Haltung bedarf, doch bezweifle ich, mich verständlich ausgedrückt zu haben. Die Message kommt sehr oft anders an, als ihre Intention ursprünglich war. Davon können die männlichen Leser sicher ein Lied singen. Mir war diese Form Mißverständlichkeit bisher fremd. Erst heute habe ich mal wieder eine Kollegin fälschlicherweise angeraunzt, weil ich glaubte, sie würde meine Arbeitsanweisung mißachten. Das passiert ab und zu. Was ihnen nicht passt, wird einfach ignoriert oder umgedeutet, bis es passt. Dabei hat sie nur ihrer Kollegin erklärt, was ich auf europäisch formulierte. Gelebte Hierarchie, selbst innerhalb einer Gruppe Gleichgestellter. Man unterscheidet zwischen europäischen und japanischen Kollegen. Obwohl ich ihre Vorgesetzte bin, zählt letztlich die Aussage der dienstältesten Japanerin. Mit der muss ich mich gut stellen, um gehört zu werden. Anstrengender Arbeitsalltag. Und auch spannend.
Ich ertappe mich, wie sich meine Gestik und Intonation anpasst. Geneigte Körperhaltung zu langgezogenen Ahs verwandeln mich in eine schlechte Imitation. Gerne würde ich den Gästen das Glas wie gelernt mit beiden Händen reichen, doch eine brauche ich, um mich wegen der Turbulenzen festzuhalten. So trage ich zu ihrer Erheiterung bei. Im Sitz lässt sich gut lachen, während ich stehend um Balance ringe und gleichzeitig die Flüssigkeit in ihrem vorbestimmten Behältnis zu halten versuche. Schwerkraft wird relativ. Noch nie habe ich mich so leicht gefühlt wie bei unvermuteten Luftlöchern. So könnten selbst Pirouetten gelingen, mit denen ich sonst meine Schwierigkeiten habe. Ausprobieren will ich es dennoch nicht. Selbst als Europäer sollte man gelegentlich sein Gesicht wahren. Bald bin ich wieder zuhause, dann darf ich nach Herzenslust hüpfen und rotieren. Auf festem Boden und ohne Kleckerrisiko.
Manchmal sieht sich ein Japaner gezwungen, dem Europäer Ablehnung zu signalisieren. Hierzu nickt er mit dem Kopf und wedelt mit der Hand vor seinem Gesicht herum. Zuvor hat er nur langsam genickt, was soviel wie nein danke bedeutet. Es liegt mir nichts ferner, als einen Japaner zum Gesichtsverlust zu nötigen, doch leider weiß ich nicht, was entschuldigung, ich bin blond auf japanisch heißt. Im Grunde wollen sie gerne blond sein, meine japanischen Kolleginnen. Dabei ist ihr Haar beneidenswert stark und schwarz glänzend. Ich habe ihnen zu erklären versucht, dass Blondsein einer inneren Haltung bedarf, doch bezweifle ich, mich verständlich ausgedrückt zu haben. Die Message kommt sehr oft anders an, als ihre Intention ursprünglich war. Davon können die männlichen Leser sicher ein Lied singen. Mir war diese Form Mißverständlichkeit bisher fremd. Erst heute habe ich mal wieder eine Kollegin fälschlicherweise angeraunzt, weil ich glaubte, sie würde meine Arbeitsanweisung mißachten. Das passiert ab und zu. Was ihnen nicht passt, wird einfach ignoriert oder umgedeutet, bis es passt. Dabei hat sie nur ihrer Kollegin erklärt, was ich auf europäisch formulierte. Gelebte Hierarchie, selbst innerhalb einer Gruppe Gleichgestellter. Man unterscheidet zwischen europäischen und japanischen Kollegen. Obwohl ich ihre Vorgesetzte bin, zählt letztlich die Aussage der dienstältesten Japanerin. Mit der muss ich mich gut stellen, um gehört zu werden. Anstrengender Arbeitsalltag. Und auch spannend.
Ich ertappe mich, wie sich meine Gestik und Intonation anpasst. Geneigte Körperhaltung zu langgezogenen Ahs verwandeln mich in eine schlechte Imitation. Gerne würde ich den Gästen das Glas wie gelernt mit beiden Händen reichen, doch eine brauche ich, um mich wegen der Turbulenzen festzuhalten. So trage ich zu ihrer Erheiterung bei. Im Sitz lässt sich gut lachen, während ich stehend um Balance ringe und gleichzeitig die Flüssigkeit in ihrem vorbestimmten Behältnis zu halten versuche. Schwerkraft wird relativ. Noch nie habe ich mich so leicht gefühlt wie bei unvermuteten Luftlöchern. So könnten selbst Pirouetten gelingen, mit denen ich sonst meine Schwierigkeiten habe. Ausprobieren will ich es dennoch nicht. Selbst als Europäer sollte man gelegentlich sein Gesicht wahren. Bald bin ich wieder zuhause, dann darf ich nach Herzenslust hüpfen und rotieren. Auf festem Boden und ohne Kleckerrisiko.
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Mittwoch, 16. August 2006
Motivational Music
frau klugscheisser, 01:45h
Zu mehr bin ich heute nicht mehr in der Lage. Niedergeschlagen, ausgelaugt, erschöpft. Erst mal mit Musik aufputschen...
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Montag, 14. August 2006
All that jazz
frau klugscheisser, 22:19h
Extra für Isabo. Bald ist wieder Mittwoch!
Lieblingsszene 3:02 bis 3:12
Ja, auch ich habe damals Stulpen gestrickt und T-Shirts abgeschnitten.
Zu meinem 40ten will ich einen Tangokurs absolviert haben. Bis dahin lerne ich noch was über Leidenschaft.
Carmen light. Sogar mit 60 und dickem Hintern noch wirkungsvoll.
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Sonntag, 13. August 2006
Only the lonely
frau klugscheisser, 11:41h
Keine Ahnung, warum der mich die ganze Zeit anstarrt. Ich hab mir schon die nicht vorhandenen Krümel aus den Mundwinkeln gewischt, bin vorsichtshalber mit der Zunge über die Zähne gefahren und schließlich mit dem Finger unter den Augen entlang. Irgendetwas scheine ich an mir zu haben, das die verzweifelten Sucher mit ihren midlifegebeutelten Bierbäuchen anzieht. Kann mir nicht mal der nette junge Herr da in der Ecke zuzwinkern oder der rassige Südländer einen Stuhl anbieten? Nein, die bleiben lieber unter sich, schauen verschämt zu Boden und hoffen so, den gierigen Blicken der umstehenden Damenwelt zu entgehen. Der mir einen Stuhl anbietet, ist schon mehr als midlifegebeutelt. Mit seinem schnauzbärtigen Freund scheint er heute einen sogenannten Männerabend durchzuziehen. Man fährt in die Stadt, setzt sich an eine Theke und trinkt Whiskey-Cola, gefolgt von einigen Weizenbieren. Vielleicht geht ja noch was. Dass die Beiden aber sowas von außerhalb von Zeit und Raum zu sein scheinen, hat ihnen noch keiner gesagt. Ich kann mich gerade noch zurückhalten, diese Aufgabe zu übernehmen. Als ich die Aufforderung zum Tanzen dankend ablehne, erzählt er mir von seiner Frau. Will er damit andeuten, dass er keiner dieser verzweifelten Übriggebliebenen ist? Seiner Ausstrahlung nach zu urteilen, ist er nicht weit davon entfernt.
Übrigbleiben, das ist ein Charaktermerkmal. Es beginnt bei der Mannschaftswahl zum Völkerball und zieht sich durch das ganze Leben. Die durch körperliche oder andere Merkmale Gezeichneten horten sich zu Zweckgemeinschaften. Anonyme Übriggebliebene. Wer hat sich schon ihre Namen gemerkt? Dabei hört man aus Erzählungen über die Schulzeit fast nur von Aussenseitern. Kann nicht sein, denn dann hätte es nie Cliquen gegeben. Auch Übriggebliebene sind eine Gruppe, die sich gerne mit ihresgleichen anfreundet. So lässt sich der Makel leichter ertragen. Hey, ich bin weniger Übriggeblieben als xy. Die Mitleidsmasche lautet am übriggebliebendsten. Keiner will mit mir spielen. Dann geh doch zu Mutti. Irgendwann findet sich für jeden Übriggebliebendsten so eine Mutti, die aus derselben Gruppe zu stammen scheint. Und wieder bilden sich Zweckgemeinschaften.
Was die alle von mir wollen, entzieht sich meiner Kenntnis. Allerdings vermute ich, bin ich der geborene Demotivationstäter. Die Nahrung des Übriggebliebenen heisst Mitleid. Nach jedem harten Schicksalsschlag bekommt er so viel davon, dass er die nächsten Tage problemlos überlebt. Seine Jagdgründe sind aussichtslose Situationen - je aussichtsloser umso besser. So weint es sich gut im Schoße der Gleichgesinnten. Und ich gebe ihnen die Schläge, nach denen sie lechzen. Nein, ich möchte nicht mit dir vögeln, auch wenn du mein Getränk bezahlst. Deine Lebensgeschichte kannst du der Wand erzählen. Komm mir nicht mit Komplimenten, die aus deinem Munde fettiger als Bierteig triefen und steck dir deine Nettigkeiten sonstwohin.
Zwei hat es diesen Abend erwischt. Wahrscheinlich haben sie sich im Anschluß ein Taxi geteilt. Da sitze ich an der Theke, schaue nach rechts, nach links und befinde mich plötzlich zwischen lauter Pärchen. Mist, die Rolle der Übriggebliebenen steht mir so gar nicht. Ausser mir nur noch einer am anderen Ende der Bar ohne Begleitung. Der konzentriert sich so sehr auf sein Bier, dass er nicht mal Zeit zum herschauen findet. Vielleicht sollte ich mal rüber...
Übrigbleiben, das ist ein Charaktermerkmal. Es beginnt bei der Mannschaftswahl zum Völkerball und zieht sich durch das ganze Leben. Die durch körperliche oder andere Merkmale Gezeichneten horten sich zu Zweckgemeinschaften. Anonyme Übriggebliebene. Wer hat sich schon ihre Namen gemerkt? Dabei hört man aus Erzählungen über die Schulzeit fast nur von Aussenseitern. Kann nicht sein, denn dann hätte es nie Cliquen gegeben. Auch Übriggebliebene sind eine Gruppe, die sich gerne mit ihresgleichen anfreundet. So lässt sich der Makel leichter ertragen. Hey, ich bin weniger Übriggeblieben als xy. Die Mitleidsmasche lautet am übriggebliebendsten. Keiner will mit mir spielen. Dann geh doch zu Mutti. Irgendwann findet sich für jeden Übriggebliebendsten so eine Mutti, die aus derselben Gruppe zu stammen scheint. Und wieder bilden sich Zweckgemeinschaften.
Was die alle von mir wollen, entzieht sich meiner Kenntnis. Allerdings vermute ich, bin ich der geborene Demotivationstäter. Die Nahrung des Übriggebliebenen heisst Mitleid. Nach jedem harten Schicksalsschlag bekommt er so viel davon, dass er die nächsten Tage problemlos überlebt. Seine Jagdgründe sind aussichtslose Situationen - je aussichtsloser umso besser. So weint es sich gut im Schoße der Gleichgesinnten. Und ich gebe ihnen die Schläge, nach denen sie lechzen. Nein, ich möchte nicht mit dir vögeln, auch wenn du mein Getränk bezahlst. Deine Lebensgeschichte kannst du der Wand erzählen. Komm mir nicht mit Komplimenten, die aus deinem Munde fettiger als Bierteig triefen und steck dir deine Nettigkeiten sonstwohin.
Zwei hat es diesen Abend erwischt. Wahrscheinlich haben sie sich im Anschluß ein Taxi geteilt. Da sitze ich an der Theke, schaue nach rechts, nach links und befinde mich plötzlich zwischen lauter Pärchen. Mist, die Rolle der Übriggebliebenen steht mir so gar nicht. Ausser mir nur noch einer am anderen Ende der Bar ohne Begleitung. Der konzentriert sich so sehr auf sein Bier, dass er nicht mal Zeit zum herschauen findet. Vielleicht sollte ich mal rüber...
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Samstag, 12. August 2006
Sweet dreams are made of this
frau klugscheisser, 23:07h
In der Hand die Beckerfaust. Yes! Endlich eine Drehung geschafft, ohne umzufallen oder einzuknicken. Endlich wieder etwas, das Ansatzweise nach Spagat aussieht. Endlich wieder ein wenig Balance auf halber Spitze gefunden. In der Vergangenheit wurde mir nie was erklärt. Klar kannst Du mitmachen, solange Du im Hintergrund bleibst. Bei jeder Übung dachte ich mir Da muss ein Trick dabei sein, einer, der das schwieriger macht, als es aussieht. Und ich suchte sie, die Tricks. Einmal war es die gerade Hüfte, einmal das gestreckte Bein. Ich habe das Meiste durch Beobachtung gelernt. Jetzt ist es anders. Jetzt bezahle ich auch dafür.
Nur mit den Schrittfolgen ist das immer noch so eine Sache. Man erklärt mir den Anfang, zwei bis drei Mittelteile und schließlich das Ende einer kurzen Choreographie. Am Ende habe ich den Anfang vergessen. Ich finde kein System in meinem Kopf. Der Körper spürt nicht von alleine, wie es weitergeht. Ich bräuchte ein Raster für jede neue Schrittkombination, ähnlich dessen was Kopierer alter Meisterwerke benutzen. Zählmuster helfen bedingt. Ich zähle hörbar mit, während ich tanze. Aber das hören auch die Anderen. Plötzlich komme ich mir wie eine debile Alte vor.
Nach Jahren tanze ich wieder im Schlaf. Im Traum funktioniert alles mit Leichtigkeit. Ich schwebe über den Boden, springe wie ein junges Reh durch den Raum und verbiege meinen Körper nach Herzenslust. Nach dem Aufwachen bin ich traurig, dass mir das in Wirklichkeit nicht so recht gelingen mag. There´s a difference between dreams and illusions. Dreams are not bad, they´re important sagte er. Ich weiß, was er meinte. Meine Träume sind Nahrung für die Seele. Nur sie geben mir die Kraft, so lange weiterzumachen, bis ich ein Ziel erreiche. Hoffentlich ist das noch lange hin. Sonst müsste ich mir neue suchen.
Nur mit den Schrittfolgen ist das immer noch so eine Sache. Man erklärt mir den Anfang, zwei bis drei Mittelteile und schließlich das Ende einer kurzen Choreographie. Am Ende habe ich den Anfang vergessen. Ich finde kein System in meinem Kopf. Der Körper spürt nicht von alleine, wie es weitergeht. Ich bräuchte ein Raster für jede neue Schrittkombination, ähnlich dessen was Kopierer alter Meisterwerke benutzen. Zählmuster helfen bedingt. Ich zähle hörbar mit, während ich tanze. Aber das hören auch die Anderen. Plötzlich komme ich mir wie eine debile Alte vor.
Nach Jahren tanze ich wieder im Schlaf. Im Traum funktioniert alles mit Leichtigkeit. Ich schwebe über den Boden, springe wie ein junges Reh durch den Raum und verbiege meinen Körper nach Herzenslust. Nach dem Aufwachen bin ich traurig, dass mir das in Wirklichkeit nicht so recht gelingen mag. There´s a difference between dreams and illusions. Dreams are not bad, they´re important sagte er. Ich weiß, was er meinte. Meine Träume sind Nahrung für die Seele. Nur sie geben mir die Kraft, so lange weiterzumachen, bis ich ein Ziel erreiche. Hoffentlich ist das noch lange hin. Sonst müsste ich mir neue suchen.
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Freitag, 11. August 2006
Who cares (2)
frau klugscheisser, 15:01h
Gestern Fenster geputzt. Heute Fingerabdrücke auf der Scheibe. Ich musste ertasten, ob sie noch da ist.
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... but it's only twenty-five 'til nine (2)
frau klugscheisser, 11:43h
Seit einer Stunde la vida loca hinter der Türe meiner Nachbarin. Das Handy habe ich gestern Abend in den Flur gelegt. Dort liegt es immer noch und klingelt lustig in der Weckfunktion auf und ab. Volle Lautstärke. Erst denke ich jaja, die wird ihren Rausch ausschlafen. Doch ein merkwürdiges Gefühl lässt mich nicht los. Ich postiere mich vor ihrer Türe und beginne, im Rhythmus zum verrückten Leben Sturm zu klingeln. Als nach einer Viertelstunde immer noch keine Reaktion erfolgt, gucke ich durch den Briefschlitz. Das Licht brennt. Kleidung und anderes auf dem Boden verteilt.
Meine Gedanken verselbständigen sich. Immerhin könnte es ja sein, dass da mehr dahintersteckt. Was, wenn sie an Erbrochenem erstickt ist? Was, wenn sie Tabletten geschluckt hat? Ich gehe zur Hausmeisterin.
Die sperrt die Türe auf. Das trällernde Handy verfängt sich darunter und verhindert ein Öffnen. Nach etwas Fingerspitzenarbeit betrete ich die Wohnung und klopfe an die Schlafzimmertüre. Keine Reaktion. Ich öffne sie und rufe Hallo? Immer wieder. Keine Reaktion. Sie liegt vollkommen regungslos unter ihrer Decke. Zu sehen ist nur eine Hand, die über den Rand ragt. Gerade will ich zu ihr gehen, rufe noch einmal. Da bewegt sie sich, setzt sich auf und sieht mich aus großen Augen an. Sie ist komplett bekleidet - gestriger Stil. Ich stammle etwas von alles in Ordnung und Sorgen gemacht und verlasse die Wohnung gemeinsam mit der Hausmeisterin.
Gefühl der Erklärungsnot. Ich bin in eine Privatsphäre eingedrungen. Muss ich mir jetzt blöd vorkommen?
Nachtrag: Das Handy klingelt schon wieder. Ich dachte, ich hätte es ausgeschaltet. Verrücktes Leben.
Immerhin ist sie jetzt - was ich so höre - aufgestanden und hat eben die Wohnung verlassen. Geht ja schnell, wenn man sich schon am Vortag anzieht.
Meine Gedanken verselbständigen sich. Immerhin könnte es ja sein, dass da mehr dahintersteckt. Was, wenn sie an Erbrochenem erstickt ist? Was, wenn sie Tabletten geschluckt hat? Ich gehe zur Hausmeisterin.
Die sperrt die Türe auf. Das trällernde Handy verfängt sich darunter und verhindert ein Öffnen. Nach etwas Fingerspitzenarbeit betrete ich die Wohnung und klopfe an die Schlafzimmertüre. Keine Reaktion. Ich öffne sie und rufe Hallo? Immer wieder. Keine Reaktion. Sie liegt vollkommen regungslos unter ihrer Decke. Zu sehen ist nur eine Hand, die über den Rand ragt. Gerade will ich zu ihr gehen, rufe noch einmal. Da bewegt sie sich, setzt sich auf und sieht mich aus großen Augen an. Sie ist komplett bekleidet - gestriger Stil. Ich stammle etwas von alles in Ordnung und Sorgen gemacht und verlasse die Wohnung gemeinsam mit der Hausmeisterin.
Gefühl der Erklärungsnot. Ich bin in eine Privatsphäre eingedrungen. Muss ich mir jetzt blöd vorkommen?
Nachtrag: Das Handy klingelt schon wieder. Ich dachte, ich hätte es ausgeschaltet. Verrücktes Leben.
Immerhin ist sie jetzt - was ich so höre - aufgestanden und hat eben die Wohnung verlassen. Geht ja schnell, wenn man sich schon am Vortag anzieht.
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Well I bet she's still a virgin but it's only twenty-five 'til nine
frau klugscheisser, 03:30h
Gemütlicher Leseabend. In bed with Augusten Burroughs. Seine Schilderungen über den Alkoholentzug und das Leben danach sind längst nicht so trocken, wie der Titel [Dry] vorgibt. Nach Mitternacht klingelt es an meiner Türe. Einmal, zweimal, dreimal. Dann bei den Nachbarn. Die Gegensprechanlage ist so konzipiert, dass ich nichts höre, wenn mehrere Klingeln hintereinander betätigt werden. Ich schaue aus dem Fenster, höre aber nur, wie jemand gegen die Türe poltert. Einige Zeit später erbarmt sich jemand des nächtlichen Ruhestörers und drückt auf den Türöffner. Der Aufzug hält in jedem Stockwerk. Eines unter mir steigt jemand aus. Der Hausflur ist dunkel. Was auch immer diese Person da treibt, sie scheint ziemlich verloren zu sein. Etwas später erneut der Klang des Aufzuges. Ich ahne, wer das sein wird. Klopfen an der Türe meiner Nachbarin. Immer und immer wieder. Schließlich reißt mir der Geduldsfaden und ich gehe an meine Wohnungstüre. Da sitzt sie zusammengekauert auf ihrem Fußabstreifer. Die Luft ist alkoholgeschwängert.
Was ist los? frage ich, die Antwort bereits ahnend. Ich komm nicht rein. Ich frage sie nach einem Schlüssel. Sie behauptet, die Türe ließe sich nicht öffnen und beginnt, in einer Hand den Schlüssel, in der anderen das Schloß ertastend, erfolglos beide zu vereinen. Ich nehme ihr den Schlüssel aus der Hand. Das Schloß gibt nach. Als ich die Türe öffne, steht sie auf, nur um sofort rückwärts umzufallen. Der Kopf schlägt auf die Kante der Treppe. Sie hat Glück, wie so viele Besoffene. Ich erinnere mich an die Szene auf der Straße. In letzter Zeit ist sie ziemlich oft betrunken. Oder ich bin für das Thema einfach sensibilisiert. Ich packe ihre Sachen und stelle sie in den Flur. Dann helfe ich ihr hinein. Einige Zeit poltert es noch bedenklich hinter der Wand, die uns trennt. Schließlich kehrt Ruhe ein.
Meine Güte, so möchte ich niemals werden. Erbärmlich ist das. Sehr erbärmlich.
Was ist los? frage ich, die Antwort bereits ahnend. Ich komm nicht rein. Ich frage sie nach einem Schlüssel. Sie behauptet, die Türe ließe sich nicht öffnen und beginnt, in einer Hand den Schlüssel, in der anderen das Schloß ertastend, erfolglos beide zu vereinen. Ich nehme ihr den Schlüssel aus der Hand. Das Schloß gibt nach. Als ich die Türe öffne, steht sie auf, nur um sofort rückwärts umzufallen. Der Kopf schlägt auf die Kante der Treppe. Sie hat Glück, wie so viele Besoffene. Ich erinnere mich an die Szene auf der Straße. In letzter Zeit ist sie ziemlich oft betrunken. Oder ich bin für das Thema einfach sensibilisiert. Ich packe ihre Sachen und stelle sie in den Flur. Dann helfe ich ihr hinein. Einige Zeit poltert es noch bedenklich hinter der Wand, die uns trennt. Schließlich kehrt Ruhe ein.
Meine Güte, so möchte ich niemals werden. Erbärmlich ist das. Sehr erbärmlich.
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Donnerstag, 10. August 2006
Dry
frau klugscheisser, 23:22h
So far, mental health sucks.
Augusten Burroughs
Augusten Burroughs
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Donnerstag, 10. August 2006
A beautiful soul
frau klugscheisser, 00:37h
Heute hatte ich die Gelegenheit, mit einem Menschen zu sprechen, dessen Worte so authentisch waren, dass sie mir Schauer über den Rücken jagten. Er sprach von seinem Herzen und seiner Leidenschaft. Diese Liebe durchwirkt sein Tun.
Da wurde mir klar, dass es nicht um erlernte Fähigkeiten geht, sondern um die Haltung, mit der wir die Dinge tun. Allein diese Haltung wird vermittelt.
Ich ging heim und weinte.
Da wurde mir klar, dass es nicht um erlernte Fähigkeiten geht, sondern um die Haltung, mit der wir die Dinge tun. Allein diese Haltung wird vermittelt.
Ich ging heim und weinte.
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Dienstag, 8. August 2006
Xpress yourself
frau klugscheisser, 13:50h
Gestern mal bei einer Profistunde zugeguckt. Man braucht schließlich Ziele im Leben. Hinter Glaswänden wirbeln die Elfchen Grazien umher. Unschwer erkennbar die fundierte Balletttechnik. Doch etwas fehlt. Kaum eine geht wirklich in ihren Bewegungen auf, kaum eine drückt das aus, was ich unter Leidenschaft verstehe. Verhaltenes Technikturnen. In meinem Kopf formt sich langsam eine Frage: ist der Spruch mit dem Sex - ihr wisst schon welchen ich meine - am Ende doch mehr als ein dummdreist männliches Totschlagargument? Heute also Dr. Sommer-Konglomerat.
Um der Sache auf den Grund zu gehen, steht am Anfang die Frage, was guten Sex ausmacht. Eine Definition kann hierfür immer nur subjektiver Natur sein. In meinen Augen sollte Sex ein Wechselspiel aus An- und Entspannung, aus Passivität und Aktivität, aus Hingeben und Fordern sein. Jeder sehnt sich nach Nähe, nach dem Augenblick der Selbstvergessenheit und Extase. Nur wenige sind allerdings dazu in der Lage. Die meisten scheitern an ihren eigenen inneren Grenzen, die sie täglich mit Glaubenssätzen [ich bin hässlich, ich bin nichts wert, ich muss Leistung erbringen, ich muss Abstand wahren, darf mich nicht emotional drauf einlassen] manifestieren. Die Fähigkeit der Selbstvergessenheit ist im Laufe der Zeit verlorengegangen. Man ißt ein schmackhaftes Gericht, betrachtet ein Bild oder sitzt beim Sonnenuntergang und denkt oh wie schön! Noch bevor dieser Satz ausgesprochen ist, hat er uns vom eigentlichen Erleben getrennt. Er poppt einfach im Hirnscreen auf. Dagegen ist schwer etwas auszurichten. Damit hat der Kopf uns klargemacht, dass wir uns ausserhalb des Erlebten befinden, denn sobald ich über etwas nachdenke, befinde ich mich als Betrachtender daneben. Wer einmal Kinder völlig selbstvergessen hat spielen sehen, weiß was ihm in der sogenannten Sozialisation verlorenging.
Grenzen setzen auch schlechte Erfahrungen. Der Kopf speichert alles Erlebte und sortiert es in Schubladen mit der Aufschrift gut, schlecht, schmerzhaft, gefährlich, peinlich, traurig, schön etc. Die Erfahrungsschablone wird auf jedes Ereignis angelegt wie auf biometrische Passfotos. Was nicht passt, wird passend gemacht und so mögen Ereignisse, die ursprünglich nur entfernt miteinander zu tun haben, plötzlich auf dem gleichen Haufen liegen. Nicht dass ich mich gegen die Schablonen ausspreche; es geht vielmehr darum zu entscheiden, wann ich sie anlege und wann nicht. Hier ist die Fähigkeit zu vertrauen gefragt. Meine Güte, heute aber vom Hundertsten ins Tausendste. Vertrauen hat nämlich nichts mit Kontrolle zu tun, auch wenn beide gerne in einem Atemzug genannt werden. Wenn ich beweisen kann, muss ich nicht glauben und wenn ich vertraue, entsage ich der Kontrolle. So einfach ist das. Ich vertraue darauf, dass eben jener Moment nicht genauso schmerzhaft wie ein vergangener sein wird, selbst wenn es dafür Anzeichen gibt. Überhaupt kann ein Moment nicht schmerzhaft sein, sondern nur das, was mein Kopf daraus macht (wohlgemerkt sprechen wir vom seelischen Erleben). Es sind die Konsequenzen, die gefürchtet werden und als Argument für Zurückhaltung dienen. Wer sich aus Angst vor Verletzung zurückhält, wird nie im vollen Umfang erleben und genießen können.
Auch wenn Sex im Kopf stattfindet, hat er bekanntlich mit dem Körper zu tun. Er ist das Instrument. Die Meisterschaft bedeutet, sein Instrument so zu beherrschen, dass kein Gedanke daran verschwendet werden muss. Wenn ich eine Treppe hinuntergehe und mir gleichzeitig überlege, was meine Beine da tun, werde ich stolpern oder zumindest zögern. Wahrscheinlich dreht sich heutzutage alles nur um Sex, weil wir noch so viel üben müssen. Und das Abgetrenntsein des Einzelnen bringt merkwürdige Blüten hervor. Sex aus zweiter Hand. Eigenes Erleben wird ersetzt durch Beobachtung. Ist auch viel ungefährlicher, als sich auf eine andere Person unmittelbar einzulassen. Selbstbefriedigung ist Sex mit dem Menschen, den ich am meisten liebe sagte Woody Allen mal so oder ähnlich. Nichts dagegen einzuwenden, solange das nicht zur Ausrede für mangelnde Risikobereitschaft wird. Substitute gibt es eine ganze Menge. Das große Auto, Haus oder Yacht, Essen oder gerade nicht essen, die meisterliche Beherrschung einer Fertigkeit und andere Auswüchse menschlicher Natur sind bekannte Kompensationsmöglichkeiten. Und immer geht es dabei um Anerkennung und Akzeptanz durch andere, die man sich selbst zu geben nicht in der Lage ist und vor deren Verweigerung durch das Gegenüber man Angst hat.
Dabei wäre alles so einfach. Gib 100% und du bekommst 100% zurück. Wer allerdings eine Rechnung macht, damit er selbst nicht zu kurz kommt oder gar zu seinem Vorteil ausfüllt, wird am Ende auf Null kommen. Der hat noch viel zu lernen. Ich wundere mich immer mal über eine Anmerkung, die ich von Gelegenheitsliebhabern schon oft hörte: und was ist mit dir? Was soll mit mir sein? Nur weil ich nicht in höchsten Tönen jauchzte, muss es noch lange nicht bedeuten, dass ich nicht genossen habe. Wenn ich mich auf jemanden vollkommen einlasse, wird sein Körper, sein Erleben zu meinem. Das bedeutet im Klartext auch, dass ich durchaus in der Lage bin, den Orgasmus des Anderen mitzufühlen. Und dieser Zustand ist durchaus befriedigend. Frag nicht, spüre! Abtrennung findet im Kopf statt, deswegen sollte der tunlichst vor dem Bett bleiben.
Kommen wir zurück zur Ausgangsthese. Wer in der Lage ist, sich mit allem, was ihm eigen ist, jederzeit einzubringen, dessen Ausdruck wird anders sein, als der eines verhaltenen, ängstlichen Menschen. Das beschränkt sich nicht nur auf Sex, sondern auf alles, was wir tun. Nun ist es aber so, dass die meisten Menschen den Zustand der Selbstvergessenheit nur vom Orgasmus kennen, weswegen sie diesen ständig bemühen. Wäre ich ein Mann, würde ich - da meine Gedanken hormonbedingt sowieso andauernd um das Thema Fortpflanzung kreisten - ebenfalls Sex als Allheilmittel für verkrampfte Mitmenschinnen [Anm: vorwiegend sog. Feministinnen] empfehlen. Möglicherweise in galanterer Formulierung, denn durchficken allein ist nicht alles.
Um der Sache auf den Grund zu gehen, steht am Anfang die Frage, was guten Sex ausmacht. Eine Definition kann hierfür immer nur subjektiver Natur sein. In meinen Augen sollte Sex ein Wechselspiel aus An- und Entspannung, aus Passivität und Aktivität, aus Hingeben und Fordern sein. Jeder sehnt sich nach Nähe, nach dem Augenblick der Selbstvergessenheit und Extase. Nur wenige sind allerdings dazu in der Lage. Die meisten scheitern an ihren eigenen inneren Grenzen, die sie täglich mit Glaubenssätzen [ich bin hässlich, ich bin nichts wert, ich muss Leistung erbringen, ich muss Abstand wahren, darf mich nicht emotional drauf einlassen] manifestieren. Die Fähigkeit der Selbstvergessenheit ist im Laufe der Zeit verlorengegangen. Man ißt ein schmackhaftes Gericht, betrachtet ein Bild oder sitzt beim Sonnenuntergang und denkt oh wie schön! Noch bevor dieser Satz ausgesprochen ist, hat er uns vom eigentlichen Erleben getrennt. Er poppt einfach im Hirnscreen auf. Dagegen ist schwer etwas auszurichten. Damit hat der Kopf uns klargemacht, dass wir uns ausserhalb des Erlebten befinden, denn sobald ich über etwas nachdenke, befinde ich mich als Betrachtender daneben. Wer einmal Kinder völlig selbstvergessen hat spielen sehen, weiß was ihm in der sogenannten Sozialisation verlorenging.
Grenzen setzen auch schlechte Erfahrungen. Der Kopf speichert alles Erlebte und sortiert es in Schubladen mit der Aufschrift gut, schlecht, schmerzhaft, gefährlich, peinlich, traurig, schön etc. Die Erfahrungsschablone wird auf jedes Ereignis angelegt wie auf biometrische Passfotos. Was nicht passt, wird passend gemacht und so mögen Ereignisse, die ursprünglich nur entfernt miteinander zu tun haben, plötzlich auf dem gleichen Haufen liegen. Nicht dass ich mich gegen die Schablonen ausspreche; es geht vielmehr darum zu entscheiden, wann ich sie anlege und wann nicht. Hier ist die Fähigkeit zu vertrauen gefragt. Meine Güte, heute aber vom Hundertsten ins Tausendste. Vertrauen hat nämlich nichts mit Kontrolle zu tun, auch wenn beide gerne in einem Atemzug genannt werden. Wenn ich beweisen kann, muss ich nicht glauben und wenn ich vertraue, entsage ich der Kontrolle. So einfach ist das. Ich vertraue darauf, dass eben jener Moment nicht genauso schmerzhaft wie ein vergangener sein wird, selbst wenn es dafür Anzeichen gibt. Überhaupt kann ein Moment nicht schmerzhaft sein, sondern nur das, was mein Kopf daraus macht (wohlgemerkt sprechen wir vom seelischen Erleben). Es sind die Konsequenzen, die gefürchtet werden und als Argument für Zurückhaltung dienen. Wer sich aus Angst vor Verletzung zurückhält, wird nie im vollen Umfang erleben und genießen können.
Auch wenn Sex im Kopf stattfindet, hat er bekanntlich mit dem Körper zu tun. Er ist das Instrument. Die Meisterschaft bedeutet, sein Instrument so zu beherrschen, dass kein Gedanke daran verschwendet werden muss. Wenn ich eine Treppe hinuntergehe und mir gleichzeitig überlege, was meine Beine da tun, werde ich stolpern oder zumindest zögern. Wahrscheinlich dreht sich heutzutage alles nur um Sex, weil wir noch so viel üben müssen. Und das Abgetrenntsein des Einzelnen bringt merkwürdige Blüten hervor. Sex aus zweiter Hand. Eigenes Erleben wird ersetzt durch Beobachtung. Ist auch viel ungefährlicher, als sich auf eine andere Person unmittelbar einzulassen. Selbstbefriedigung ist Sex mit dem Menschen, den ich am meisten liebe sagte Woody Allen mal so oder ähnlich. Nichts dagegen einzuwenden, solange das nicht zur Ausrede für mangelnde Risikobereitschaft wird. Substitute gibt es eine ganze Menge. Das große Auto, Haus oder Yacht, Essen oder gerade nicht essen, die meisterliche Beherrschung einer Fertigkeit und andere Auswüchse menschlicher Natur sind bekannte Kompensationsmöglichkeiten. Und immer geht es dabei um Anerkennung und Akzeptanz durch andere, die man sich selbst zu geben nicht in der Lage ist und vor deren Verweigerung durch das Gegenüber man Angst hat.
Dabei wäre alles so einfach. Gib 100% und du bekommst 100% zurück. Wer allerdings eine Rechnung macht, damit er selbst nicht zu kurz kommt oder gar zu seinem Vorteil ausfüllt, wird am Ende auf Null kommen. Der hat noch viel zu lernen. Ich wundere mich immer mal über eine Anmerkung, die ich von Gelegenheitsliebhabern schon oft hörte: und was ist mit dir? Was soll mit mir sein? Nur weil ich nicht in höchsten Tönen jauchzte, muss es noch lange nicht bedeuten, dass ich nicht genossen habe. Wenn ich mich auf jemanden vollkommen einlasse, wird sein Körper, sein Erleben zu meinem. Das bedeutet im Klartext auch, dass ich durchaus in der Lage bin, den Orgasmus des Anderen mitzufühlen. Und dieser Zustand ist durchaus befriedigend. Frag nicht, spüre! Abtrennung findet im Kopf statt, deswegen sollte der tunlichst vor dem Bett bleiben.
Kommen wir zurück zur Ausgangsthese. Wer in der Lage ist, sich mit allem, was ihm eigen ist, jederzeit einzubringen, dessen Ausdruck wird anders sein, als der eines verhaltenen, ängstlichen Menschen. Das beschränkt sich nicht nur auf Sex, sondern auf alles, was wir tun. Nun ist es aber so, dass die meisten Menschen den Zustand der Selbstvergessenheit nur vom Orgasmus kennen, weswegen sie diesen ständig bemühen. Wäre ich ein Mann, würde ich - da meine Gedanken hormonbedingt sowieso andauernd um das Thema Fortpflanzung kreisten - ebenfalls Sex als Allheilmittel für verkrampfte Mitmenschinnen [Anm: vorwiegend sog. Feministinnen] empfehlen. Möglicherweise in galanterer Formulierung, denn durchficken allein ist nicht alles.
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Montag, 7. August 2006
Who cares (1)
frau klugscheisser, 10:21h
Das Wort referrers lässt sich auf der Tastatur einhändig schreiben, sprichwörtlich mit links. In der rechten Hand die Gabel. Lektüre für Hardcoreblogger während der Nahrungsaufnahme.
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