Dienstag, 19. Februar 2008
Like she's never danced before
Vor anderthalb Jahren habe ich noch hinter der Scheibe gesessen, zugeschaut und anschließend neidisch in mein Blog kommentiert. Heute war ich zum ersten Mal auf der anderen Seite. Was soll ich sagen? So ungefickt wie die würde ich auch gerne tanzen können.

Maniac

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Montag, 18. Februar 2008
Georgia on my mind
"Tiflis? Liegt das nicht in Libyen?"
Mal abgesehen davon, dass man bei diesem ganzen politischen Durcheinander keine Ahnung mehr hat, wie sich welche Länder derzeit benennen und was zu welchem Territorium gehört, kennt man manche Orte nur noch als Schlagworte aus den Medien. Ich wusste beispielsweise lange nicht, dass man in Castrop-Rauxel auch richtig wohnen kann, statt die meiste Zeit mit dem Auto auf Straßendreiecken zu stehen. Städte-, Länder- und Staatsnamen werden zu geflügelten Worten und der olle Diercke zum Katechismus für Spätsechz'ger. Wohl dem, der ihn nach seiner Schulzeit gegen geringes Entgeld erwarb.

So weiß ich kluges Kind natürlich, dass Eriwan nicht nur eine Radiostation ist und Tiflis die Hauptstadt Georgiens, was nicht über reichlich grundlegendere Geographielücken hinwegtäuschen soll. Selbst wenn sich noch ein dicker Strich durch das Abbild Deutschlands in meinem Diercke Weltatlas zieht, belehrt mich mein Lohnsteuerabzug eines Besseren. Dagegen hielt ich die Schwarzmeerflotte immer für die Bezeichnung eines Chores, dem man beitreten kann, wenn man dem Domspatzenalter entwachsen ist, statt an einen Undergroundclub der Marine zu denken. Seit heute weiß ich aber: das Schwarze Meer gibt es wirklich. Es ist sogar so groß, dass riesige Schiffe hineinpassen.

Ich habe es mit eigenen Augen gesehen, das Schwarze Meer. Von oben. Ziemlich groß ist's und ziemlich schwarz. Es war auch Nacht. Allerdings weiß ich, daß es irgendwann auch zu Ende ist, das Schwarze Meer. Dahinter liegt dann Georgien. Davor übrigens Rumänien und nein, man muss nicht - wie einst eine von mir erfolgreich in die Irre geführte Kollegin - die Bedienung der Schwimmwesten demonstrieren, wenn man nach Bukarest fliegt. Sollten Sie also Georgien suchen, gucken Sie rechts von Bukarest, rechts vom Schwarzen Meer. Wenn Sie Eriwan sehen, sind Sie im Prinzip schon zu weit. Beim Kaspischen Meer auch. Wie gut, dass ich nicht Fluglotse geworden bin.

Die Georgier sprechen übrigens nicht russisch, sondern georgisch. Da sind sie eigen, die Georgier. Fast wie die Brasilianer, die man unter keinen Umständen auf spanisch ansprechen sollte. Jetzt spreche ich weder georgisch noch russisch und kann auch die Schriftzeichen nicht korrekt zuordnen. Da geht es mir ähnlich wie unserem Cateringmitarbeiter, der mir Einreiseformulare hinterlässt. Brav verteile ich die an unsere Gäste, bis mich einer darauf aufmerksam macht, daß es sich hierbei um Einreiseformulare für die Ukraine handelt. Ein marginaler Unterschied für mich, internationaler Konfliktstoff für Georgier. Glücklicherweise sind sie zu müde, um mit mir über Karikaturen Schriftzeichen zu streiten.

Die Georgier haben auch nichts mit den Albanern am Hut. Sie wissen schon, DIE Albaner aus der Verfilmung von Vargas-Llosas Roman der Tante Julia und ihrem Kugel Kunstschreiber. Obwohl, ursprünglich waren die Albaner im Buch Bolivianer. Marginale Unterschiede, sowohl in nautischen Meilen als auch im soziokulturellen Milieu. Meine Georgier haben eines gemeinsam: sie wollen alle nach oder weg von Tiflis. Möglicherweise haben sie letzteres mit Albanern, Ukrainern und Bolivianern gemeinsam. Wer will schon in einem Land bleiben, in dem eine Gehhilfe eher dem Untergestänge eines Leifheit Servierwagens aus den Siebzigern ähnelt, als einem mobilitätsfördernden Gerät, dessen Stabilität nur unwesentlich die der sich damit fortbewegenden Person übertrifft. Kurzum, Georgien ist ein relativ armes Land. Das hat es definitiv mit Albanien, der Ukraine und einigen anderen Ländern gemeinsam.

Eines haben sie auch mit mir gemeinsam, die Georgier: sie stehen nicht gerne mitten in der Nacht auf, um sich anschließend in ein Flugzeug zu begeben. Aber weil das Schwarze Meer groß und die Entfernung zum Rest der Welt noch größer ist, lässt es sich nicht umgehen. Letztlich will sich auch ein Georgier mal davon überzeugen, dass Castrop-Rauxel nicht in Holland liegt und der Begriff 'Nordsee' nicht für Devotionalienaufkleber steht. Ob mit oder ohne Gehhilfe.

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Sonntag, 17. Februar 2008
Wish you were here
Wish you were here

Mit dem Wünschen ist das so eine Sache. Dem Midas gleich zu wünschen, es würde alles berührte zu Gold, lässt einen möglicherweise verdursten. Weniger weitreichende Entscheidungen haben Eselsohren zur Folge. Der König unter den Blinden zu sein, ist zur Abwechslung mal angenehm. Nur bin ich unentschlossen, welches Auge ich zuhalten soll: das Lachende oder das Weinende.

Das Gras ist sowieso da immer grüner, wo man gerade nicht draufscheißen kann und die Sterne heller, wenn's drumrum ganz dunkel ist. Angst ist ein alter Affe und Sehnsucht die Endstation. Jaja, das Glück ist nicht immer lustig. Trotzdem hätte ich jetzt gerne ein Stück davon. Gerne auch geschnitten und ein bisserl mehr. Wo ich mich doch für einigermaßen bescheiden hielt. Hinterherschlauheit knallt wie schlechter Fusel. Bleibt nicht viel mehr als ein Loch zu graben und "Zu spät, zu spät, zu spät!" hineinzurufen. Ach was, ich brauche keine Binsen. Wozu gibt es denn Internet?!

[Rubrik: Pimp my interior Werther]

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Donnerstag, 14. Februar 2008
My funny Valentine
Das Stilhäschen ging bereits letztes Jahr in Vorleistung. Dann brauch ich zu diesem leidigen Thema ja nix mehr schreiben. [Unterschreib' ich übrigens Wort für Wort]

Ausserdem ein weiteres Beispiel für einen gutgekleideten Künstler. Hier allerdings bereits erste Anzeichen von Sittenverfall. Statt dezenter Gestik zum gesungenen Wort ein Glas und eine Zigarette, der Schlips gelockert, haltloses Herumwanken statt gezielt plazierter Schritte. Wenigstens sitzt die Frisur:



Und wieder sind wir einem globalen Irrtum auf der Spur. Der Text des Liedes ist nämlich äußerst zwiespältig. Während alle Welt 'My funny Valentine' für die ultimative Liebeserklärung hält, würde ich mich schön bedanken, wenn jemand mein Aussehen als 'laughable, unphotographable' beschriebe und meine intellektuellen Kapazitäten anzweifelt. Aber jeder wie er mag. Die Musik jedenfalls ist zweifelsfrei klasse.

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Sätze, die man sofort bloggen muss (38)
Wer bis zum Hals in der Scheiße steckt, sollte den Kopf nicht hängen lassen. Unbekannter Autor

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Mittwoch, 13. Februar 2008
Big girls don't cry


Mal ehrlich, bei dem Titel haben Sie doch ganz bestimmt an ein völlig anderes Lied gedacht, eines das irgendwie aktueller ist und von einer gesungen wird, die denselben Namen trägt, wie eine ehemalige Angehörige des Britischen Königshauses. Aber was ist das schon, dieses ewige Rumgejammere von verlorener Liebe und Suhlen im Weltschmerz, von Geräkel auf kahlrasierter Männerbrust und tränenreichen Abschieden hinter riesigen Sonnenbrillen gegen die obige Version. Überhaupt die Lyrik, die Geschichte hinter den Worten. Mit nichts aus der heutigen Zeit zu vergleichen und mindestens ebenso mißverstanden wie Marleys Version der weinenden Frau. Aber hören und sehen Sie selbst.

Haben Sie sich mal die Choreographie genauer angesehen? Diese Choreographie ist meisterhaft, baut den Spannungsbogen langsam aus dem Hintergrund auf, wenn die Herren lässig nach vorne schlendern, dieses wie zufällige Verweilen neben dem Tasteninstrument, bis sie es schließlich hinter sich gelassen haben. Hier dann der Höhepunkt, bis schließlich der Rückzug mit Katarsis angetreten wird. Rückwärts laufend wohlgemerkt! Das schaffte ja nicht mal Britney bei ihrem letzten Auftritt so routiniert wie diese drei Herren. Das waren eben noch Könner.

Und diese Untermalung der Lyrik durch minimalistische Gesten. Allein schon die Mimik des Sängers spricht Bände, begleitet von einem Anheben der Arme hier, einer wippenden Fußspitze da, einem Fingerschnippen dort, während sich in neumodischen Videos verrenkt und ungelenk herumgehüpft wird. Schnell wird dem Beobachter klar, dass weniger eben doch mehr ist. Die Hand lässig in der Tasche flaniert es sich elegant, doch da bleibt sie nur, bis der Refrain mit beiden Händen erneut präsentiert wird. Heutzutage halten Sänger gerne ein Mikrofon, ein Instrument oder eine Dame, weil sie nicht wissen, wohin mit den Händen. Gelegentlich fuchteln sie wild mit abgespreizten Fingern ins Publikum zeigend oder greifen sich ans Gemächt. Undenkbar wäre das damals gewesen. Unser Interpret kündigt das Ende des Liedes durch Schließen der Beine an. Schließlich eine gemeinsame Verbeugung als Ehrerbietung gegenüber dem Publikum, wo heute gepöbelt oder gar gespuckt wird.

Lassen Sie mich ein abschließendes Wort zur Mode verfassen. Was Sie in obigem Beispiel sehen ist die perfekte Bekleidung für den singenden Mann. Die Hosenbeine nicht zu lang, nicht zu kurz und unbedingt erwähnenswert, der korrekte Sitz im Schritt. Dazu ein passender Einreiher, ein weißes Hemd und eine Fliege, dunkle Schuhe und ein akkurater Haarschnitt. So präsentiert sich der Künstler von Welt. All die zerfetzten, schmierigen, feinberippten, adidasbestreiften, schirmbemützten und zotteligen Vertreter der Gilde verdienen diese Bezeichnung nicht. Das sind die Kreaturen, die einen zum Weinen bringen, egal wie groß man ist.

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Dienstag, 12. Februar 2008
Don't know what you've got till it's gone
Die Zweigstelle Süddeutschland der Neigungsgruppe Kummer & Trunk wurde gestern offiziell eröffnet. Zu einem ordentlichen Festakt gehört ein ordentlicher Umtrunk, etwas Musik und kleine Häppchen. Letztere sparte ich mir, damit weniger Flüssigkeit in kürzerer Zeit ihre Wirkung entfaltet. Die Musik wurde, ähnlich wie die Gespräche der Umsitzenden, von Glas Mal zu Mal erträglicher. Gegen Ende ließ ich mich gar zum Schunkeln mitreißen, was sich zur Jazzmusik teils schwierig gestaltet. Es kann auch sein, dass ich aus anderen Gründen schwankte, jedenfalls hielt man mich alsbald fest, steckte mich in meinen Mantel und anschließend in ein Taxi. Mehr weiß ich nicht.

Doch eines noch: während man in New York, Shanghai und Sao Paulo problemlos ein Taxi durch Winken vom Straßenrand anhalten kann, muss man sich in München schon davorwerfen. Nur mit Mühe ließ sich der Fahrer - Sorte studentische Aushilfskraft aus der Gruppe der ewigen Studenten - davon überzeugen, dass es sich nicht um einen mißglückten Suizidversuch meinerseits handelte. Das anschließende Gespräch war jedoch humorvoll und lebensbejahend.

Big Yellow Taxi

Got Till Its Gone

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Montag, 11. Februar 2008
Sätze, die man sofort bloggen muss (37)
Das Kommentarverhalten auf manchen Blogs erinnert mich an Hunde, die sich gegenseitig am Arschloch schnüffeln.

Danke Herr Glamourdick, besser hätte ich es nicht ausdrücken können.

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Sonntag, 10. Februar 2008
Still got the blues
Used to be so easy to fall in love again
But I found out the hard way
It's a road that leads to pain
I found that love was more than just a game
You're playin' to win
But you lose just the same


[Wenn man dann am Ende eines Tages - der auch ein Leben hätte sein können - so dasitzt und resümiert, wie alles schon zu Beginn dagewesen ist und wie man immer wieder Mißtöne anschlug, es aber nicht hat wahrnehmen wollen, weil man im inneren Ohr einem anderen Lied lauschte, welches von Geduld und Wachstum klang, während man die weiche Bauchseite* darbot, fühlt man sich wie eine dieser Gitarren, die durch ein Paar fremde Hände und ein Gerät, das keine andere Aufgabe hat, als deren wechselströmiges Spiel auf den eigenen dünnen Saiten zu verstärken, zum Heulen gebracht wird.]

* ©by Mark


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Smoke get's in your eyes (Forts.)
"Die Zigarette war ein gewöhnliches Utensil auf Musikerfotos." Dr. Martin Hufner

Jazz und Qualm scheinen untrennbar zu sein. Zumindest die musikalische Qualität des einen vom Image des anderen. Für manche Menschen ist Jazz ohne Zigaretten nicht vorstellbar. Die Sendung "Schall und Rauch" aus der Reihe "taktlos" des BR beschäftigt sich mit genau diesem Thema. Einige Zitate daraus:

"Wenn man auf der Bühne ist, dann hat man normalerweise keine Zigarette im Mund und in der Pause geht man raus." Gerwin Eisenhauer, Jazzmusiker & Raucher

"Wenn ich [in einem Club] spielte, wo geraucht wurde, bin ich hinterher körperlich geschafft." Barbara Dennerlein, Jazzorganistin

"Diese extremen Haltungen finde ich schlimm [...] wenn man vor dem Rauchverbot den Leuten freundlich gesagt hat, es wär für die Musiker angenehmer, wenn sie sich ein bisserl zurückhalten könnten mit dem Rauchen, hat das eigentlich auch ganz gut genützt." Barbara Dennerlein, Nichtraucherin

Während Gerwin Eisenhauer in klassischer Verdrängungsmanier eines Süchtigen argumentiert ("Herr Vogler, Sie haben ein Sparbuch, folglich sind sie ebenfalls unfrei"), erwähnen Barbara Dennerlein und Thomas Vogler von der Münchner Jazzbar-Vogler, die angenehmen Seiten des Rauchverbotes.

Die Frage, ob Jazz ohne Qualm vorstellbar sei, wird von der hochkarätigen und international renomierten Musikerin Dennerlein dann auch sehr schnell positiv beantwortet. Zudem gibt sie musikalische Kostproben im rauchfreien Studio, die denen aus verrauchten Clubs nicht nachstehen. Und schließlich bringt's der Hufi auf den Punkt: "Jazz ist heute vielfach zu einer bloßen Marke für eine gewisse Lifestylehaltung geworden."

Nur weil das mal Image war, würden wir nicht auf die Idee kommen, guten Jazz könne man nur in bestimmten Hosen, mit bestimmten Frisuren oder auf bestimmten Instrumenten machen. Und selbst wenn viele lange glaubten, ein guter Jazzer müsse schwarz sein, bezog sich diese Ansicht nie auf die Lunge.

[Drei Wochen rauchfrei and counting!]

Link zur Sendung: "Schall & Rauch"



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Freitag, 8. Februar 2008
Somebody
"Die beiden schlimmsten Erfindungen des Mittelalters waren das Schießpulver und die romantische Liebe."

Keine Ahnung, aus wessen Feder dieser Satz ursprünglich stammt. Für Rationalisten, die den ganzen Tag mit Verdrängen oder Erklären ihrer Gefühlsregung beschäftigt sind, ein willkommenes Zitat. Für alle anderen ein Fundstück aus meiner sentimentalen Kitschkiste:

Somebody

hach!

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Leave in silence
Zeit ist hörbar.

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Blessed are the believers
Seit vorgestern verzichtet die Menschheit. Die Einen verzichten auf Süßkram, die Anderen entsagen dem Alkohol, Dritte wiederum nehmen bis Ostern kein Koffein mehr zu sich. Nur weh tun müsse es ordentlich, so habe ich - als nicht praktizierender und aus der Fassung Übung geratener Kathole - mir sagen lassen. Manch einem tut es sicherlich gut, sich wenigstens einmal im Jahr zu disziplinieren, während er die restliche Zeit über die Stränge schlägt. Insgeheim überlege ich mir ebenfalls, worauf ich verzichten würde. Vielleicht auf den Humor. Dann tut's wenigstens g'scheit weh.

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Donnerstag, 7. Februar 2008
Curly top
[Am siebten Februar um 7.07 Uhr spontan auf die Uhr gesehen. Dabei unbeabsichtigt leise gepupst. Seitdem damit beschäftigt, diesem Ereignis Bedeutung beizumessen.]

Die viel wichtigere Frage, die ich mir gerade stelle, lautet, was zum Henker ich an einem Urlaubstag um sieben in der Früh in vertikaler Stellung zu suchen habe. Das geht jetzt schon seit Wochen so: abends früh müde, morgens früh wach, tagsüber nichts zu tun. Keine plausible Ausrede, von wegen Zeitverschiebung oder Weihnachts- bzw. Geburtstagsvorfreude. Lebensvorfreude im weitesten Sinne halt. Erschwerend kommt hinzu, dass ich bereits in den vergangenen Tagen alles erledigt habe. Alles geputzt, gewaschen, geordnet, geplant und gemacht. Und jetzt fühle ich mich wie Gott am siebten Tage.

Der hatte nämlich in sechs Tagen auch alles erledigt. Blöd halt, dass da ein weiterer Tag war. Geruht soll er damals haben. Also nichts getan. Nur wie soll ich mir das genau vorstellen? Hat er dumm rumgesessen und schwarze Löcher ins Universum gestarrt oder hat er dabei eher gelegen? Hat er sich erst mal eine angezündet und Ringel gepustet? Die Bibel schweigt sich da aus. Meine Theorie ist ja eine andere. Die ist so gewagt, dass sie schon fast das Zeug zu einem neuen Geheimorden hätte: am siebten Tag schuf Gott die Dauerwelle.

Ist eigentlich bisher nur mir aufgefallen, dass alle Engel blondes lockiges Haar haben? Da droben rennt keiner mit glattgeföhntem Bob, mit Seitenscheitel oder straßenköterbraun rum. Das kann kein Zufall sein. Am siebten Tage erschuf Gott Thioglykolsäure und Wasserstoffperoxid. Anschließend machte er den Engeln die Haare. Bei den Fingernägeln bin ich mir nicht so sicher. Im Grunde sind damit Friseure die himmlischen Boten Gottes auf Erden. Am Sonntag schuf Gott wie gesagt die Dauerwelle und den darauffolgenden Tag war Ruhetag. So wird das bis heute gehandhabt. Und jetzt wisst ihr warum.

In weiblichen Bevölkerungsschichten wird die Friseurverehrung stärker als in männlichen praktiziert. Man sagt Frauen ja allgemein eine ausgeprägte Intuition und emotionale Intelligenz nach. Ich jedenfalls zolle heute mein Tribut. Hab' ja sonst nichts zu tun. Auf dass mir der Himmel gnädig sei.

curly top

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