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Sonntag, 28. September 2008
Sun Is Shining
frau klugscheisser, 11:37h
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Dienstag, 23. September 2008
Gimme A Break
frau klugscheisser, 11:03h
In Kürze hier wieder Bilder von Sonne, Meer und Strand. Bis dahin lautet das Motto:
Bitte gehen Sie weiter, es gibt hier nichts zu sehen!
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Freitag, 19. September 2008
Women In Uniform
frau klugscheisser, 23:21h
Iron Maiden
Kaum gebloggt, ist schon wieder 'ne Woche vorbei. Dabei hatte ich so gute Vorsätze. Von den kleinen Erlebnissen im Alltag wollte ich erzählen. Wie ich beispielsweise in Uniform bei Ikea war und erkennen musste, dass man nicht "eben schnell mal bei Ikea" vorbeigeht und schon gar nicht in Uniform und vor dem Dienst. Auch dann nicht, wenn man meint, man hätte noch genügend Zeit. Auch dann nicht, wenn man genau weiß, was man braucht. Ikea ist nämlich ein Laden wie ein schwarzes Loch. Man wird angezogen und unweigerlich verschluckt. Dann irrt man bei der verzweifelten Suche nach dem Ausgang durch die Abteilungen und wenn man wieder draußen ist, befindet man sich in einer anderen Zeitzone. Zumindest aber in einem Paralleluniversum.
Dieses schwarze Loch befindet sich in München ganz in der Nähe des Flughafens. Dazu muss man wissen, dass der Flughafen in einem ehemaligen Moorgebiet liegt (den Kalauer von wegen versumpfen bei Ikea spare ich mir an dieser Stelle). Es bietet sich also an, vor oder nach dem Dienst noch schnell nach Brunkrissla, Thisted und Ektorb zu suchen, im Vorbeigehen Lenda, Lisbet und weitere Kleinigkeiten mitzunehmen, um an der Kasse dann auf eine horrende Summe auf dem Display zu starren. Kann man machen, muss man aber nicht machen. Vor allem nicht in Uniform.
Das Thema 'in Uniform in der Öffentlichkeit außerhalb meines Arbeitsplatzes bewegen' ist ein ganz eigenes. Am Revers meines Sakkos steht nämlich nicht nur mein Name, sondern auch ein unsichtbares Schild mit der Aufschrift Auskunft. Kollegen, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Dienst fahren, können davon ein Lied singen. Wann fährt der nächste Zug nach Hinterdupfing? Wo muss ich umsteigen nach Schildburga? Was kostet eine Fahrkarte nach Irgendwo? Wo ist die nächste Toilette? Bei Ikea dann nur marginale Unterschiede in der Fragestellung: Wo gibt es Regale? Kann man diese Haken mit einem anderen System kombinieren? Wo kann ich das umtauschen? Wie komme ich am schnellsten zum Ausgang? Meine Antwort auf die letzte Frage lautete: "Das würde ich auch gerne wissen. Bitte sagen Sie mir Bescheid, sobald Sie was Neues herausgefunden haben."
Mir ist bewußt, dass so eine Uniform etwas Offizielles darstellt und somit die Hemmschwelle sinkt, sich an diese Person zu wenden. Selbst wenn zwischen Uniform und Umgebung kein erkennbarer Bezug besteht, fragt es sich leichter. Ob nun Politesse, Bahnangestellter oder Flugpersonal, man traut ihnen einfach mehr Wissen zu als einem in Anzug oder Strickjacke. Und ich darf nicht mal unfreundlich sein. Das fiele dann nämlich negativ auf meine Firma zurück. Ausserdem läßt es sich ohne Namensschild viel leichter unfreundlich sein.
Deswegen wird so ein Gang in Uniform außerhalb des Flugzeuges für mich regelmäßig zum Spießrutenlauf. Trifft man gelegentlich andere Uniformierte, dann findet eine Art Fraternisierung statt. Man muss sich das wie beim Motorradfahren vorstellen: Motorradfahrer grüßen sich beim Vorbeifahren gegenseitig mit Handsignal. Nur die Vespafahrer werden geschnitten. So nickt ein Uniformträger dem anderen wissend zu, es sei denn, es handelt sich um Straßenkehrer oder Müllabfuhr. In Straßenkontrollen werde ich uniformiert schon mal durchgewunken und Absperrungen sind auch nur noch reine Attrappe. Schließlich kann so eine Uniform auch ihre Vorzüge haben. Und wenn ich jemanden privat kennenlerne, ist der Spruch: "Hey, hast du 'nen Fetisch? Ich hab' nämlich 'ne Uniform" immer noch für einen Lacher gut.
Kaum gebloggt, ist schon wieder 'ne Woche vorbei. Dabei hatte ich so gute Vorsätze. Von den kleinen Erlebnissen im Alltag wollte ich erzählen. Wie ich beispielsweise in Uniform bei Ikea war und erkennen musste, dass man nicht "eben schnell mal bei Ikea" vorbeigeht und schon gar nicht in Uniform und vor dem Dienst. Auch dann nicht, wenn man meint, man hätte noch genügend Zeit. Auch dann nicht, wenn man genau weiß, was man braucht. Ikea ist nämlich ein Laden wie ein schwarzes Loch. Man wird angezogen und unweigerlich verschluckt. Dann irrt man bei der verzweifelten Suche nach dem Ausgang durch die Abteilungen und wenn man wieder draußen ist, befindet man sich in einer anderen Zeitzone. Zumindest aber in einem Paralleluniversum.
Dieses schwarze Loch befindet sich in München ganz in der Nähe des Flughafens. Dazu muss man wissen, dass der Flughafen in einem ehemaligen Moorgebiet liegt (den Kalauer von wegen versumpfen bei Ikea spare ich mir an dieser Stelle). Es bietet sich also an, vor oder nach dem Dienst noch schnell nach Brunkrissla, Thisted und Ektorb zu suchen, im Vorbeigehen Lenda, Lisbet und weitere Kleinigkeiten mitzunehmen, um an der Kasse dann auf eine horrende Summe auf dem Display zu starren. Kann man machen, muss man aber nicht machen. Vor allem nicht in Uniform.
Das Thema 'in Uniform in der Öffentlichkeit außerhalb meines Arbeitsplatzes bewegen' ist ein ganz eigenes. Am Revers meines Sakkos steht nämlich nicht nur mein Name, sondern auch ein unsichtbares Schild mit der Aufschrift Auskunft. Kollegen, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Dienst fahren, können davon ein Lied singen. Wann fährt der nächste Zug nach Hinterdupfing? Wo muss ich umsteigen nach Schildburga? Was kostet eine Fahrkarte nach Irgendwo? Wo ist die nächste Toilette? Bei Ikea dann nur marginale Unterschiede in der Fragestellung: Wo gibt es Regale? Kann man diese Haken mit einem anderen System kombinieren? Wo kann ich das umtauschen? Wie komme ich am schnellsten zum Ausgang? Meine Antwort auf die letzte Frage lautete: "Das würde ich auch gerne wissen. Bitte sagen Sie mir Bescheid, sobald Sie was Neues herausgefunden haben."
Mir ist bewußt, dass so eine Uniform etwas Offizielles darstellt und somit die Hemmschwelle sinkt, sich an diese Person zu wenden. Selbst wenn zwischen Uniform und Umgebung kein erkennbarer Bezug besteht, fragt es sich leichter. Ob nun Politesse, Bahnangestellter oder Flugpersonal, man traut ihnen einfach mehr Wissen zu als einem in Anzug oder Strickjacke. Und ich darf nicht mal unfreundlich sein. Das fiele dann nämlich negativ auf meine Firma zurück. Ausserdem läßt es sich ohne Namensschild viel leichter unfreundlich sein.
Deswegen wird so ein Gang in Uniform außerhalb des Flugzeuges für mich regelmäßig zum Spießrutenlauf. Trifft man gelegentlich andere Uniformierte, dann findet eine Art Fraternisierung statt. Man muss sich das wie beim Motorradfahren vorstellen: Motorradfahrer grüßen sich beim Vorbeifahren gegenseitig mit Handsignal. Nur die Vespafahrer werden geschnitten. So nickt ein Uniformträger dem anderen wissend zu, es sei denn, es handelt sich um Straßenkehrer oder Müllabfuhr. In Straßenkontrollen werde ich uniformiert schon mal durchgewunken und Absperrungen sind auch nur noch reine Attrappe. Schließlich kann so eine Uniform auch ihre Vorzüge haben. Und wenn ich jemanden privat kennenlerne, ist der Spruch: "Hey, hast du 'nen Fetisch? Ich hab' nämlich 'ne Uniform" immer noch für einen Lacher gut.
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Dienstag, 16. September 2008
Ring of fire
frau klugscheisser, 20:46h
Sollte das Haus, in dem ich wohne, jemals abbrennen, dann ist das mit Sicherheit meine Schuld. Soviel vorab, weil hinterher wollen es wieder alle vorher gewußt haben. Diese Erkenntnis ist auch nicht ganz neu, sondern eher sowas wie ein Erfahrungswert. Ob Würstl, Kartoffel oder Reis, eine Hitzequelle und genügend vergangene Zeit verwandeln alles in Briketts, weswegen ich auch diesen ganzen Hype um die Braunkohlereserven nicht ganz nachvollziehen kann. Ich erzeuge davon jede Woche einen Topf voll. Und obwohl man mir rät, nicht alles so schwarz zu sehen, tue ich genau das beim Blick unter den Deckel.
Neueste Erkenntnis ist, dass man mit etwas Geduld sogar Suppe anbrennen lassen kann. Während ich nämlich über meine moralische Integrität nachdenke oder einfach mal eben die Probleme der Welt im Kopf löse, verwandelt sich meine Küche regelmäßig wahlweise in ein Dampfbad oder eine Räucherstube. Letztlich kann man bei Gedanken zum Rentenproblem schon mal was auf der Platte vergessen. Damit läge die Lösung quasi am heimischen Herd. Hat ja Frau Herman auch so ähnlich gesagt. Wie dem auch sei, in nächster Zeit gibt's Rohkost. Nicht weil ich Angst vor Feuer hätte, sondern schlichtweg keinen Topf mehr besitze.
Meine heutige Erkenntnis während der Kartoffelmetamorphose lautete:
so ist das halt im Leben; die einen können kochen und die anderen besser denken. Ganz wenige können beides zur selben Zeit. Der Rest ist obdachlos.
Neueste Erkenntnis ist, dass man mit etwas Geduld sogar Suppe anbrennen lassen kann. Während ich nämlich über meine moralische Integrität nachdenke oder einfach mal eben die Probleme der Welt im Kopf löse, verwandelt sich meine Küche regelmäßig wahlweise in ein Dampfbad oder eine Räucherstube. Letztlich kann man bei Gedanken zum Rentenproblem schon mal was auf der Platte vergessen. Damit läge die Lösung quasi am heimischen Herd. Hat ja Frau Herman auch so ähnlich gesagt. Wie dem auch sei, in nächster Zeit gibt's Rohkost. Nicht weil ich Angst vor Feuer hätte, sondern schlichtweg keinen Topf mehr besitze.
Meine heutige Erkenntnis während der Kartoffelmetamorphose lautete:
so ist das halt im Leben; die einen können kochen und die anderen besser denken. Ganz wenige können beides zur selben Zeit. Der Rest ist obdachlos.
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Sonntag, 14. September 2008
c minor
frau klugscheisser, 07:49h
Französ. Suite Nr.2
Wissenschaftler haben festgestellt, dass die klare und symmetrische Struktur von Barockmusik eine beruhigende Wirkung auf das menschliche Gemüt hat. Um das festzustellen brauche ich keine Wissenschaft, sondern nur meine Stereoanlage. Wenn es ganz schlimm kam, hat mir der olle Bach immer wieder den Kopf zurechtgerückt. Muß man sich nur drauf einlassen können.
Wissenschaftler haben festgestellt, dass die klare und symmetrische Struktur von Barockmusik eine beruhigende Wirkung auf das menschliche Gemüt hat. Um das festzustellen brauche ich keine Wissenschaft, sondern nur meine Stereoanlage. Wenn es ganz schlimm kam, hat mir der olle Bach immer wieder den Kopf zurechtgerückt. Muß man sich nur drauf einlassen können.
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Freitag, 12. September 2008
Insomnia
frau klugscheisser, 06:29h
... mehr (Text), wenn ich geschlafen habe...
Nachtrag: So ist das mit den Goldbergvariationen. Einst für einen schlaflosen Grafen auf Cembalo gespielt, heute für schlaflose Mittelständler auf ordinären Beschallungsanlagen.
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Donnerstag, 11. September 2008
C sharp minor
frau klugscheisser, 20:28h
Glenn Gould, Beethoven Sonate op. 27,2
Der Unterschied zwischen Glenn Gould und mir ist, dass Gould sein Leben lang tat, was er am besten konnte. Ich mache meistens Dinge, die ich (noch) nicht kann. Das allerdings mit einer gewissen Hartnäckigkeit und Ausdauer.
Kürzlich fragte mich einer, ob ich Johnny Depp mag. Nein, ich mag ihn nicht. Ich mag auch Jude Law nicht und muss beim Anblick von Matthew McConaughey nicht hyperventilieren. Na schön, wenn der Clooney neben mir stünde, würde ich vielleicht ein wenig schneller atmen aber auch nur noch die nächsten drei bis vier Jahre. Dann hat er seinen Zenit überschritten und verbringt den Rest seines Lebens am Pool mit einem Hausschwein. Der einzige Schauspieler, für den ich je schwärmte, war Robert Redford und das auch nur, weil man als Adoleszierende ja quasi gezwungen ist, für irgendwen zu schwärmen, der unter Gleichaltrigen bekannt ist. Insgeheim aber gehörte mein Herz Männern wie Glenn Gould und Klaus Kinski.
Es ist das kleine - oder auch große - Quentchen Wahnsinn, das mich immer schon faszinierte. Die steile Klippe am Rande des Abgrundes, an der sie alle so nonchalant entlangschlendern diese Genies. Der Kitzel, ohne Absicherung einen Grat entlangzubalancieren, welcher zwischen Himmel und Hölle liegt. Ich kann mich heute noch stundenlang damit beschäftigen, was in einem Gustav Mahler vorgegangen sein mag, der sein kleines Mädchen zu Grabe trägt, nachdem er drei Jahre zuvor die Kindertotenlieder Rückerts vertonte. Und was bewegt einen, der fröhliche Tanzstücke komponierte, dabei aber - von seinen sogenannten Freunden gar als 'Schwammerl' tituliert - der einsamste Bursche war, den man sich vorstellen kann? Und wie hat einer gelebt, dessen einzig tiefe Bindung die zu Werken toter Komponisten war, dessen brilliante Intelligenz in messerscharfer Analyse durch tonale Zusammenhänge schnitt, der aber keine Ahnung von der Stabilität des kanadischen Dollars hatte? Es interessierte ihn einfach nicht.
Glenn Gould und ich, wir waren zu verschieden. Und obwohl ich die Sache mit dem Wahnsinn mehrmals ausprobierte, wollte es einfach nicht gelingen. Vielleicht fehlte mir die nötige Intelligenz, vielleicht eine gewisse Genialität. Jedenfalls ist nie was aus uns geworden. Bereut habe ich es aber nicht. Echter Wahnsinn kann im Alltag nämlich ganz schön anstrengend sein. Und ich bin inzwischen schon um einiges ruhiger geworden.
Der Unterschied zwischen Glenn Gould und mir ist, dass Gould sein Leben lang tat, was er am besten konnte. Ich mache meistens Dinge, die ich (noch) nicht kann. Das allerdings mit einer gewissen Hartnäckigkeit und Ausdauer.
Kürzlich fragte mich einer, ob ich Johnny Depp mag. Nein, ich mag ihn nicht. Ich mag auch Jude Law nicht und muss beim Anblick von Matthew McConaughey nicht hyperventilieren. Na schön, wenn der Clooney neben mir stünde, würde ich vielleicht ein wenig schneller atmen aber auch nur noch die nächsten drei bis vier Jahre. Dann hat er seinen Zenit überschritten und verbringt den Rest seines Lebens am Pool mit einem Hausschwein. Der einzige Schauspieler, für den ich je schwärmte, war Robert Redford und das auch nur, weil man als Adoleszierende ja quasi gezwungen ist, für irgendwen zu schwärmen, der unter Gleichaltrigen bekannt ist. Insgeheim aber gehörte mein Herz Männern wie Glenn Gould und Klaus Kinski.
Es ist das kleine - oder auch große - Quentchen Wahnsinn, das mich immer schon faszinierte. Die steile Klippe am Rande des Abgrundes, an der sie alle so nonchalant entlangschlendern diese Genies. Der Kitzel, ohne Absicherung einen Grat entlangzubalancieren, welcher zwischen Himmel und Hölle liegt. Ich kann mich heute noch stundenlang damit beschäftigen, was in einem Gustav Mahler vorgegangen sein mag, der sein kleines Mädchen zu Grabe trägt, nachdem er drei Jahre zuvor die Kindertotenlieder Rückerts vertonte. Und was bewegt einen, der fröhliche Tanzstücke komponierte, dabei aber - von seinen sogenannten Freunden gar als 'Schwammerl' tituliert - der einsamste Bursche war, den man sich vorstellen kann? Und wie hat einer gelebt, dessen einzig tiefe Bindung die zu Werken toter Komponisten war, dessen brilliante Intelligenz in messerscharfer Analyse durch tonale Zusammenhänge schnitt, der aber keine Ahnung von der Stabilität des kanadischen Dollars hatte? Es interessierte ihn einfach nicht.
Glenn Gould und ich, wir waren zu verschieden. Und obwohl ich die Sache mit dem Wahnsinn mehrmals ausprobierte, wollte es einfach nicht gelingen. Vielleicht fehlte mir die nötige Intelligenz, vielleicht eine gewisse Genialität. Jedenfalls ist nie was aus uns geworden. Bereut habe ich es aber nicht. Echter Wahnsinn kann im Alltag nämlich ganz schön anstrengend sein. Und ich bin inzwischen schon um einiges ruhiger geworden.
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Donnerstag, 11. September 2008
We sail tonight for Singapore (4)
frau klugscheisser, 01:27h

Angeblich bekommt man immer das, was man verdient und ich verdiene ein paar warme Tage am Wasser. Aber muss es denn ausgerechnet in Singapur sein? Der geneigte Leser wird unschwer aus vorangegangenen Berichten herauslesen, das diese Stadt nicht zu meinen Lieblingsaufenthaltsorten gehört.
Heute im Test: Natur und Strand.
Na gut, Singapur und Natur sind zwei Begriffe, die sich gegenseitig relativieren, wenn nicht gar neutralisieren. Nehmen wir beispielsweise Sentosa, eine vorgelagerte Insel, künstliches Naherholungsgebiet und Touristenattraktion mit Showeinlage. Am Strand liegen und den plätschernden Wellen zuhören? Die Gezeiten beobachten während im Hintergrund Vögel zwitschern? Fehlanzeige. Sentosa ist nicht leise, Sentosa ist laut, stinkend und quillt über vom menschlichen Wochenendbefall. Nur mit Glück findet am Abend die Sonne eine Lücke zwischen den Kränen und Tankern, um ins Meer zu sinken. Die Strände ein einziges großes
Selbst ein phantasieloser Geist ist sich in Anbetracht der umliegenden Industrie bzw. der Schiffe über die Zusammensetzung des Meerwassers klar. Ins Wasser wollen sowieso nur Hunde und Kinder (was wiederum der Wasserqualität innerhalb einer Lagune auch nicht gerade zuträglich ist). Alles was größer ist, verfängt sich auf dem Weg dorthin sowieso in einem der zahlreichen Beachvolleyballnetze. Man rennt gerne irgendwelchen fliegenden Objekten hinterher. Wer nicht fängt hat Pech. Der nächste Hund steht immer parat, um die fliegende Beute zu verschleppen. Einige Männer suchen mit Metalldetektoren im Sand. Der Kollege vermutet, gesucht wird ein Hund, der sich gemeinsam mit einem fliegenden Objekt verbuddelte. Ich vermute eher, die suchen ein Sixpack vom letzten Wochenende.
Wir haben keine Wahl, wir harren einfach aus. Mit einem Krug frischen Ananassaft läßt sich auch das bewerkstelligen. Zu Beginn sind Himmel und Körper noch weiß. Später wechselt beides die Schattierung. Obwohl mir rot ausgesprochen gut steht, bekomme ich diesmal im Gegensatz zur Kollegin davon nicht viel ab. Ja, wir Flugpersonal sind in mancher Hinsicht einfach unbelehrbar. Sonnencreme ist nur für Weicheier und Socken sehen scheiße aus; Wasser sammelt sich gerne in Blasen an den Füßen und auch die wechseln gerne mal die Farbe von klar nach rot. Bis zum Bus, der alle Besucher im Kreis um die Insel chauffiert, weil Laufen hier sowieso völlig out ist, schaffe ich es auch ohne Schuhe.
Am Abend schieben wir uns durch Touristenschwärme in Richtung Gondel. Unser Copilot wählt wegen akuter Höhenangst(!) lieber die eingleisige Bahn für den Rückweg. Und wieder neigt sich ein Layover dem Ende entgegen. Mir scheint, ich bin die Einzige, die darüber nicht traurig ist. Singapur ist nicht meine Stadt, nicht meine Welt und nicht mal meine dritte Wahl. Lieber bin ich schlaflos in Tokio, verbrenne mir die Haut in Sao Paulo und die Haare in Hongkong. Überhaupt Hongkong, da wäre mal wieder eine neue Sonnenbrille fällig. Eine, mit der der Himmel blauer wird, während wir uns auf den langen Schmuddelwinter vorbereiten. Zum Glück gibt es dann für mich irgendwo auf der Welt immer ein wärmeres Fleckchen als daheim. Nur bitte nicht Singapur.

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Mittwoch, 3. September 2008
Seize The Day
frau klugscheisser, 19:04h
und das und das und vor allem das da.
Wer hat nochmal gesagt, man solle aus dem Vollen schöpfen und jeden Tag so leben, als wäre es der letzte?
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Dienstag, 2. September 2008
We sail tonight for Singapore (3)
frau klugscheisser, 19:45h

Was gibt es in einer Stadt zu tun, die vor Luxus und Hightec nur so strotzt? Eine Stadt, die radikal vom Altbaucharme gesäubert wurde und in der Chinatown eher wie eine schwäbische Kleinstadt anmutet als ein asiatischer Schmelztiegel. In einer Stadt, in der es keine dunklen Häuserecken und schmutzigen Straßenkinder, keine Bettler und kein natürliches Wachstum gibt, gleitet das Interesse schnell vom Profanen hinüber zum Sakralen.
Und Gebetshäuser gibt es derlei viele, wenn manche auch eher an ein Toyota-Autohaus erinnern, als an eine heilige Stätte.

Gott ist bekanntlich überregional, was wiederum die buddhistischen Tempel in Little India und die Hindugebetsstätten in Chinatown erklärt. Auch gegen Moscheen neben Kirchen hat keiner was einzuwenden. Man sucht sich einfach aus dem breiten Angebotsspektrum das richtige aus und bedient sich des individuellen Segens.
So auch ich an diesem einen Sonntag in Singapur. Ich suche zunächst den Tempel der tausend Lichter. Stattdessen treffe ich eine riesige Plastikbuddhastatue an, die von Ikeateelichtern umrahmt wird. Woher ich weiß, dass die Teelichter von Ikea sein müssen? Sie brennen nicht ordentlich. Natürlich bin ich enttäuscht. Das habe ich mir imposanter vorgestellt. Etwa so, wie den liegenden Buddha in Bangkok oder zumindest beeindruckender. Ich flüchte in einen kleinen Tempel gegenüber, wo gerade vier Mönche die Messe vorbereiten.

Während sie ihre Klangschalen und Schlaghölzer zurechtrücken, stelle ich mich kurzerhand dazu. Die Mönche beginnen ihr endloses Mantra zu rezitieren, während ich mich darauf konzentriere, möglichst zum richtigen Zeitpunkt zu knien oder mich zu verneigen, stets den Chinesen neben mir imitierend - den einzigen weiteren Gottesdienstbesucher, mit dem ich mir ein kleines Kniebänkchen teile. Ich habe Angst, mich daneben zu benehmen, vor einem Faux-pas oder gar mit meiner reinen Existenz dem Ereignis etwas von seiner Heiligkeit zu nehmen, bis plötzlich aus der Hosentasche des Nachbarn lautstark asiatische Melodien erklingen. Auf dem Pfad der Gleichgültigkeit hat dieser Herr bereits einen weiten Weg zurückgelegt, jedenfalls ignoriert er das Geträllere und starrt noch ein wenig angestrengter als zuvor in sein Gebetbuch.

das da oben sind modernere Mönche mit Notenständer...
Als die Mönche gefolgt von meinem chinesischen Gebetsnachbarn polonaiseartig den Altar umrunden, stelle ich mich seitlich an die Wand. Erst als der Obermönch mich mit den Worten 'you can follow' einlädt, folge ich der Prozession Runde um Runde durch die heilige Halle. Ein merkwürdiges Bild muss das für die drei, vier Touristen abgeben, die gerade den Tempel betreten. Einer zückt gar eine Kamera. Nächstes Mal wähle ich auch das orangefarbene Kleid. Am Ende fühle ich mich sehr gesegnet und auch die Füße schmerzen nicht mehr, weil ich jetzt schwebe. Sogar an den Schmerz vom knien kann man sich gewöhnen, was sicher jeder gute Katholik bestätigen wird.

Danach besichtige ich ein paar Hindutempel ganz in der Nähe. Mal abgesehen davon, dass man hier seine Schuhe ausziehen muss, die Böden aber von Dreck überzogen sind und für Fotos prophylaktisch am Eingang eine Gebühr zu entrichten ist, mögen meine indischen Freunde auch keine andersartigen Gottesdienstbesucher. So steht es auf einem Schild an der Absperrung vor dem Altarraum zu lesen. Somit haben sie mich als potentielles Schäflein auf Krishnas großer Weide verloren. Und das in einer Zeit, in der jede Vereinigung um Mitgliedszahlen kämpft. Aber das einzige was Indien reichlich besitzt, sind Kinder und Kühe.

Fazit meines ersten Aufenthaltes in der Stadt:
Singapur kann man angucken, muss es aber nicht. Nur ich, ich muss die Tage wieder hin. So Buddha will und Kali unser Flugzeug heil läßt.
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