Freitag, 15. November 2019
Coming Home IX
Der Countdown zur 5000 läuft. Dieses Blog gäbe es nicht ohne die, die es lesen und sich manches Mal auch dazu äussern. Zum Jubiläum schreibe ich über meine Gäste, die hier immer mal kommentierten oder es noch tun. Die bisherigen Beiträge: 1, 2, 3, 4, 5, 6 und 7

Meine Personenbeschreibungen sind subjektiv, unvollständig und unwissenschaftlich, quasi homöopathisch aber auch in hoher Dosierung wohlwollend.

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Über die Jahre schrieben hier fliegende Köche, Piloten, Flugbegleiterinnen, Tänzerinnen, Sachbearbeiterinnen, Ingenieurinnen, Wissenschaftlerinnen, Taucherinnen, Journalistinnen, Übersetzerinnen, Musikerinnen, Geistschreiber, Autorinnen, Computernerds und Geschichtenliebhaberinnen Kommentare. Eine ganz bunte Mischung zog dieses Blog an. Die einen wollten lieber mehr Berichte aus dem Flugalltag lesen, die anderen fanden meine Ausflüge in die Tanzwelt interessant und wieder andere konnten sich für meine Geschichte einer musikalischen Reise begeistern. Insgesamt gab es also keinen wirklichen Konsens - alles wollte bedient werden. Keine leichte Aufgabe für so ein kleines Nischenblog. Mit der Zeit trudelten neben Werbe- und Lesungs- auch Verlagsanfragen ein. Man wollte meine Geschichten drucken. Eine Anfrage stellte sich bei Nachforschung als besonders unseriös heraus, denn der ein oder andere war an der Aufhebung meiner Anonymität interessiert, wobei ich nach den öffentlichen Lesungen nicht mehr ganz so anonym unterwegs war. Ich war verständlicherweise vorsichtig, denn meine Arbeitsstelle wollte ich auf keinen Fall für eine dumme Geschichte riskieren, obgleich ich ansonsten meine Großmutter für einen Witz verkauft hätte. Was ich mir jedoch nicht nehmen ließ, war die Freude am Kontaktieren und Besuchen meiner Lesenden, wann immer ich mich in deren Nähe aufhielt.

So lernte ich beispielsweise Bonita Applebum kennen - eine professionelle Ballettänzerin, die mir hier Tipps zum Verbessern meiner Pirouettentechnik gab. Wir absolvierten eine gemeinsame Ballettstunde in Köln, quatschten ein bisschen davor und danach und verblieben beim gegenseitigen Onlinelesen. Als sie nicht mehr bloggte, brach der Kontakt ab. Kürzlich fand ich sie aber auf Igram wieder. Sie macht jetzt irgendwas für's Fernsehen.

Froyline Deville traf ich in Hamburg und mochte sie sehr. Aus ihrem Blog konnte man eine durch Krankheit schwierige familiäre Situation erahnen. Heute hat sie eine neue kleine Familie, die ausser den Katzen auch einen Mann an ihrer Seite beinhaltet. Das weiß ich von FB.

Käthe Feinstrick wohnt ebenfalls in Hamburg. Wenn es zwischen meinen unterschiedlichen Interessenbereichen Überschneidungen gibt, wird die Sache interessant. Einer Kollegin - ebenfalls Autorin - waren ihre Bücher bekannt. Sie plante, Käthe auf der Frankfurter Buchmesse zu treffen. Ich konnte ihr berichten, dass die Hamburger Autorin eine sehr angenehme Gesellschafterin ist.

Die Begegnung mit einer Leserin aus Shanghai und einer anderen aus Sao Paulo kam leider nicht zustande, dafür lernte ich viele in deutschen Cafés kennen. NFF, ein Pilot aus der Schweiz, sendete mir zu meiner großen Freude mal einen Downloadlink für mein damaliges Lieblingsalbum. Das Login wird von mir bis heute benutzt, obwohl ich im Account nie mehr wieder einen etwas gegen Schweizer Franken erwarb. Auf meinem Arbeitsgerät heiße ich deshalb auch Frau Klugscheisser, was schon zur allgemeinen Erheiterung bei Präsentationen führte.

Der Mek hat mich sogar mal in München besucht. Seine Durchreise nutzten wir für eine kleine Stadtführung mit anschließender Brot- und Bierzeit. Zum Glück schreibt er noch gelegentlich, wenn auch sporadisch, derzeit über's Porschefahren oder die Arktis. Er dürfte den meisten bekannt sein, weshalb ich über ihn nichts mehr zur Verlinkung hinzufüge.

Eine weitere Kommentatorin soll hier nicht ungenannt bleiben, denn sie taucht vor allem bei technischen Fragen so zuverlässig wie das Amen in der Kirche auf. Über Arboretum weiß ich eigentlich so gut wie nichts, denn sie verrät ausser der Liebe zu Blumen kaum etwas über sich in ihrem Blog. Allerdings ist sie mir über die Jahre an's Herz gewachsen, genau wie Frau Croco, die sich berufsmäßig in Flora und Fauna auskennt. Letztere habe ich auf dem Rosenfest treffen dürfen.

Den Glam lernte ich zwar nicht persönlich kennen, doch hatten wir einen gemeinsamen Bekannten. Bomec - ein Kollege, dem ich irgendwann zufällig über den Weg lief und ihn sofort erkannte - schrieb vorzüglich, hat sein Blog aber nach einer Weile erst geschlossen und dann gelöscht. Wenn ich mich recht erinnere, wollte er damals ein Buch schreiben. Auch Frau Nessy bin ich zufällig letzten Winter in der Garmischer Partnachklamm über den Weg gelaufen, habe sie aber aus Gründen nicht angesprochen. Jetzt schulde ich ihr eine Stadtführung durch München. Ehrlichkeitshalber muss ich hinzufügen, dass sie hier nie kommentiert hat.

Manche haben nur ein einziges mal in einer ehedem hitzigen Debatte kommentiert. Insgesamt waren es so viele, dass nicht alle erwähnt werden können. Das tut mir auch irgendwie leid, ich merke aber wie die Ideen für diese Serie langsam verebben. Für diese Retrospektive habe ich viel in meinem Blog quergelesen, bin auf Lustiges, Bemerkenswertes und weniger Schönes gestoßen und habe mich gewundert, wie unterhaltsam, teilweise patzig und manchmal strategisch mein Schreibstil war.

Alles in Allem hat's Spaß gemacht. Jetzt sind es noch 8 Tage und danach hoffentlich noch mehr, in denen ich jeden Kommentar lese, nachdenke und etwas dazu äussere. Sollten Sie mich treffen wollen, dann zögern Sie nicht, mich zu kontaktieren, denn ich freue mich immer über neue Gesichter, die ich mit den entsprechenden Zeilen verknüpfen kann.

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Donnerstag, 14. November 2019
Feels like Christmas
Verfrühter Titel, geradezu zukunftsweisend.



Es ist inzwischen schon empfindlich kalt, und vielleicht liegt das nur an mir, das Empfindliche bei Kälte. Ich mag sie genausowenig wie ich Hitze mag. Extreme liegen mir nur bei Stimmungsschwankungen und Chips, von denen ich nie genug bekomme. Weil ich mich nicht sonderlich gut bewegen kann, sitze ich drinnen und der Kreislauf kommt nur schwer in Gang - vorwiegend wenn ich wegen überkochender Suppe zum Herd sprinte - naja langsames Sprinten, quasi Kriechen. Die Heizung läuft seit kurzem auf Hochtouren. Ich hasse kalte Duschen, mich im Kalten umziehen und gehe manchmal sogar mit voller Montur ins Bett, nur um später in der Nacht die Schichten im Schweißausbruch abzuschälen.

Der Herbst hat meines Erachtens nur eine Funktion: er bereitet uns schonend auf niedrige Wintertemperaturen vor, ganz philosophisch betrachtet vielleicht auf noch mehr. Der Wechsel, das Vergehen, Vorbereitung auf die Starre. Früher habe ich mich mit aller Macht gegen das Ende des Sommers gestemmt, habe die Reste der Leichtigkeit gesucht und die letzten Sonnenstrahlen eingefangen, um sie als Erinnerung zu konservieren. Schon mal versucht, sich die Hitze des Sommers vorzustellen, während man friert? Genau, funktioniert nicht. Heute weiß ich nicht nur, dass sich nichts imaginär festhalten lässt, ich erlebe das Loslassen viel direkter.

Lebensphasen werden oft mit Jahreszeiten verglichen. Der Herbst des Lebens, noch nicht ganz kalt aber bereits verblüht, auf einen möglicherweise langen Winter vorbereitend. Wenn mir noch 30 Jahre bis zur völligen Erstarrung bleiben, liege ich mit meinem körperlichen Abbau schon ganz weit vorne. Dass der Körper nicht mehr so reibungslos und selbstverständlich funktioniert, ist eine maßgebliche Komponente des Älterwerdens. Akzeptieren, Abfinden und Kompensieren lernen wir mit jeder schmerzlichen Erfahrung. Der Kopf kann aber immer noch verdrängen. Die ultimative Lernerfahrung geschieht durch physische Einschränkung, da geht nämlich kein Weg dran vorbei.

Wenn der Widerstand gegen Unvermeidliches geringer wird, sind es die unangenehmen Begleiterscheinungen auch. Keine Kämpfe mehr, nur noch gelegentliches Schulterzucken. Aha, so ist das also mit dem Älterwerden, mit dem Versagen in Gewohntem und mit dem neu Sortieren. Das mache ich übrigens andauernd. Erst sortiere ich meine Schränke und dann mein Innerstes. Vieles fliegt raus, was ich nicht mehr brauche, manches wird neu gefaltet und gelegentlich gibt es Neuanschaffungen. Ich habe mir jetzt ein bisschen Gleichmut besorgt und dafür die Tristesse in die Tonne getreten. Wo ich Akzeptanz für schnelleren Zugriff staue, ist noch nicht entschieden. Ausserdem suche ich noch nach einem günstigen Angebot für Geduld. Da darf's auch ein bisschen mehr sein.

Sich der eigenen Endlichkeit bewusst zu sein, wird uns von schlauen Sprüchen um die Ohren geklatscht. Wir sind den ganzen Tag ungeheuer effizient und carpen das letzte Restchen aus dem Diem. Seltsamerweise bleibt die Vorstellung vom eigenen Tod dennoch so lange ein imaginäres Konstrukt, bis er uns auf die ein oder andere Weise keinen Ausweg mehr lässt. Die steigende Wahrscheinlichkeit zwingt uns ganz natürlich zur Auseinandersetzung. Befindlichkeiten werden plötzlich obsolet, weil die Krone der Schöpfung nicht mehr der Mensch an sich, sondern sein Ende ist. So weit sind wir aber noch nicht. Sind wir nicht?

Sich an den Kleinigkeiten erfreuen bedeutet doch auch, nichts Großes mehr zu erwarten, erwarten zu können. Hätte ich das schon früher gekonnt, wäre ich nicht ständig so deprimiert gewesen. Überhaupt die Melancholie, die werthergleich gefeierte, sie macht nur Spaß, wenn danach auch wieder was bombastisch Tolles kommt. Bleibt der Wechsel aus, kriecht Resignation durch die Knochen. Und die ist nur schwer zu ertragen. Man ruft sich gegenseitig Durchhalteparolen zu, um den Alltag zu besänftigen. Wird schon wieder. Und wenn nicht? fragt der Kopf.

Hier endet nicht nur mein kleiner Ausflug in die Endlichkeit, sondern auch der Text. Ich weiß doch auch nicht. So ein Thema hat verständlicherweise keine Pointe, allerhöchstens einen Zirkelschluss. Wenn es nicht gut ist, dann ist es nicht das Ende, so sagt man. Deshalb feiern wir Weihnachten wohl am Ende des Jahres und nicht am Anfang. Mal ehrlich, kein Fest (abgesehen von Silvester) wird mit so gemischten Gefühlen erwartet wie dieses. Dabei komprimiert sich lediglich alles, was das ganze Jahr über eh latent da war. Alles vorhersehbar, alles wiederkehrend, alles vergänglich. Und vom Wetter her könnte es dieses Jahr ziemlich kalt werden.

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Mittwoch, 13. November 2019
Coming Home VIII
Der Countdown läuft . Noch 10 Tage bis zur 5000. Dieses Blog gäbe es nicht ohne die, die es lesen und sich manches Mal auch dazu äussern. Zum Jubiläum schreibe ich über meine Gäste, die hier über die Jahre kommentierten oder es immer noch tun. Bisherige Beiträge: 1, 2, 3, 4, 5 und 6
Meine Personenbeschreibungen sind subjektiv, unvollständig und unwissenschaftlich, quasi homöopathisch aber auch in hoher Dosierung wohlwollend.

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Gestern hatte Mark793 Geburtstag und bekommt nicht nur deswegen einen Eintrag gewidmet, sondern auch weil er zu den ersten Kommentatoren hier gehört. Kennengelernt haben wir uns auf einer Lesung in Frankfurt. Damals noch auf Myblog unterwegs, hatte ich im blogleseverwaisten München ein paar Lesungen organisiert und wurde daraufhin auch überregional zum Vortragen eingeladen. Ich weiß nicht mehr, wie diese Bewegung entstanden ist, denn eigentlich kann die im Internet veröffentlichten Beiträge jeder überall lesen. Wir wollten wohl ein bisschen Rampenluft atmen und gleichzeitig mal die sehen, die sich sonst nicht zu Wort melden. Jedenfalls hatten wir eine Menge Spaß. Dabei waren ausser Mark auch Bandini und Käthe Feinstrick, möglicherweise noch eine weitere Person. Natürlich traf man sich vor dem Ereignis zur Lagebesprechung. Und da passierte das Nackensteak, eine Geschichte, die ich damals zu erzählen versprach, von der ich heute jedoch nur noch ahne, worum es dabei ging. Herr Mark wurde über die Jahre nicht müde, mich bei Erwähnung des damaligen Treffens oder sonstigem Themenkreis an diese verlorene Geschichte zu erinnern.

Ein Nackensteak - so nannte ich früher die bei vollschlanken Herren über dem Hemdkragen entstehenden Wülste, bei denen ich nie sicher war, inwieweit die auch vom Binden der Krawatten zusätzlich geschoppt werden. Jedenfalls sah ich damals sehr viele solche bei meinen Gängen durch die höhere Klasse. Je weiter vorne sitzend, desto Nackensteak. Vor allem im Sommer vom Schweiß glänzend und Blutdruck gerötet, betrachtete ich damals gerne diese Halsregion, wenn sich mal wieder einer wegen einer Lapalie vor mir aufmandelte und ich mir aus Gründen der Contenance bzw. wegen drohendem Verlust derselbigen vergleichbar mit dem imaginären Abbild in Unterhosen, vorstellte, wie die wichtigen Herren aufgespießt und über dem Feuer drehend langsam garen. Die Region am Nacken würde dabei besonders kross. Wie es zur damaligen Erwähnung der Geschichte kam, weiß ich heute leider nicht mehr, hoffe aber, damit meine Erzählschuld abgegolten zu haben.

Mark - und leider habe ich vergessen, wie Du wirklich heißt, da Dein Pseudonym ja aus einem Autokennzeichen entstand - Du hast mit Deiner Krankheit Deinen Lesenden vor einiger Zeit einen ganz schönen Schrecken eingejagt, vor allem denen - wie mir - die Dich nicht so regelmäßig lesen. Na schön, ich habe eine längere Zeit gar nicht mehr bei Dir gelesen, weil Radfahren damals (noch) nicht so meines war und ich andere Themen manchmal ein wenig trocken fand. Jetzt schau' ich ab und zu wieder rein und freue mich, wenn es Dir gut geht. Du darfst auch gerne weiter bei mir klugscheissen kluge, korrigierende Einwände, nette und unterhaltsame Bemerkungen anfügen oder sonstwie kommentieren - ich freue mich, Dich zu lesen. In diesem Sinne auf weitere Jahre und gute Gesundheit. Das hier ist für Dich:

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Donnerstag, 7. November 2019
Coming Home VII
Der Countdown läuft. Dieses Blog gäbe es nicht ohne die, die es lesen und sich manches Mal auch dazu äussern. Im Zuge der 5000 schreibe ich über meine Gäste, die hier über die Jahre kommentierten oder es immer noch tun. Die bisherigen Beiträge 1, 2, 3, 4 und 5 sind hinter den Zahlen zu finden.

Meine Personenbeschreibungen sind subjektiv, unvollständig und unwissenschaftlich, quasi homöopathisch aber auch in hoher Dosierung wohlwollend.

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Wer kennt sie nicht, die zahllosen Blogs, die sich jammernd um sich selbst drehen. Egal ob Depression, Pubertät oder Herzleid, alles wird heutzutage öffentlich zur Schau gestellt. Man möchte ein wenig Mitleid, ein wenig Zuspruch und hofft insgeheim, es würde so leichter zu ertragen sein. Die Versuchung ist groß, in den Sumpf des Selbstmitleids abzugleiten, wäre da nicht insgeheim ein stiller Auftrag - der Auftrag, mit dem Geschriebenen wenigstens ein bisschen zu unterhalten. Die Situation macht es nicht besser aber manchmal führt es dazu, über sich selbst lachen zu können.

Als ich auf Frau Herzbruch stieß, fand ich genau das. Jemand, der das Beste aus einer vertrackten Situation macht und dabei über sich lachen kann. Damals wohnte sie in Holland, der Beebie aka Erbse aka Ona war noch nicht auf der Welt und der Mops lebte noch. Die akademische Karriere sah zwar vielversprechend aus, dümpelte aber gleichzeitig im Watt des Instituts vor sich hin. Sie schrieb über kleine und große Katastrophen, über Schuhe und Schwangerschaft, und das immer mit großem Unterhaltungswert. Der Mann lungerte irgendwo im Hintergrund und es war nicht klar, ob er an Relevanz gewinnen oder sich zur Karriere ins Watt gesellen würde.

Ich weiß nicht mehr, auf welchen Wegen ich über ihr Blog gestolpert war. Jedenfalls war sie im Januar 2008 das erste Mal auf blogger.de, kurz darauf schwanger und später danach in Deutschland. Ich habe gerade nachgesehen, kommentiert hatte ich das erste Mal im Juni 2008. Wir waren damals im Grunde nur zwei (Carschti and me) und paar zufällig über die Homepage angespülte. Ihren Stil mochte ich sofort. Keine Wehleidigkeit, sondern prägnante kurze Sätze, immer auf den Punkt. Eine Beschreibung, wieso man bei sichtbarer Schwangerschaft und Übelkeit keinen Johannisbeersaft trinken sollte, will man kotzend vor dem Supermarkt keine bösen Passantenblicke ernten - so von wegen unverantwortlich, in der Schwangerschaft trinken - oder darüber, wie der Einbruch des Mannes über das Dach wegen verlorenem Schlüssel schief ging. Ganz großes Kino, nur halt selbst erlebtes.

Nach Geburt vom Beebie und Niederlassung im Ruhrgebiet dann der erste richtige Besuch. Es sollte nicht der letzte gewesen sein, denn schnell stellte sich heraus, dass Frau Herzbruch genauso redet wie sie schreibt. Insofern war ihr Blog eigentlich ein Vorläufer von Whatsapp, denn man will die Freunde auf dem Laufenden halten. Freunde hatte ihr Blog damals plötzlich viele. Frau Herzbruch interagierte in den Kommentierenden und konnte alles irgendwie humorvoll formulieren. Bei einem späteren Besuch im Oktober war sie entsetzt über die Tatsache, dass wir nichts an Bord zu essen kriegen und kredenzte spontan ein Weihnachtsessen mit Gans und Knödeln. Die weitere Familie war ebenfalls anwesend, man hatte mich sozusagen kurzerhand adoptiert. An diesem Abend wurde viel über die Geschichte der Gans mit den Hämatomen vom misslungenen Abschuss gelacht, Ona war sehr aus dem Häuschen über seine neuen Spielzeuge und der Mann inzwischen institutionalisiert.

Irgendwann brach ihr Blog ab, das Kommentieren beschränkte sich auf wenige Gelegenheiten und dann war sie ganz aus der Onlinewelt verschwunden. Ich bedauerte das sehr aber was will man machen. Die neue Karriere, das neue Haus und alles andere sowieso brauchten eben viel mehr Zeit. Ganz nebenbei dann Promotion, Heirat und ein neuer Hund. Das Kind blieb pflegeleicht, der Mann - abgesehen von einigen handwerklichen und Urlaubs-Katastrophen - ebenso. Kürzlich hatte ich wieder schriftlichen Kontakt, es stellt sich jedoch als schwierig dar, den aufrechtzuerhalten. Sie wissen schon, Haus, Kind, Mann, Job, Hund und ein paar neue Katastrophen. Wäre nicht Dr. Herzbruch, wenn's glatt laufen würde. Aber das wird sie vielleicht irgendwann ein andermal woanders erzählen.

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Mittwoch, 6. November 2019
Gift for a Friend
Ein Bekannter fragte mich, was er als Adventskalender für seine Freundin machen könne und meine Idee waren Streichholzschachteln, in die er für jeden Tag eine kleine Botschaft stecken könnte. Weil ich momentan mehr Zeit habe als mir lieb ist und oft über's Ziel hinausschieße, habe ich ein wenig zu basteln begonnen. Die Rede war nämlich davon, ob ich da ein wenig helfen könne. Also besorgte ich heute Material und setzte mich an die Umsetzung. Ihm wurde jedoch klar, dass er das wohl selbst machen müsse, weswegen mein Kalender jetzt für eine Freundin vorbereitet wird.

Eigentlich ist Basteln überhaupt nicht mein Ding. Ich hasse Klebstoff an den Fingern und gefrickel beim Zuschneiden von Papier, das am Ende doch nicht exakt gerade wird. Natürlich bleibt der Sekundenkleber nie dort, wo man ihn aufgetragen hat und trocknet - wie der Name schon sagt - in Sekunden an den falschen Stellen. Doch fand ich noch beidseitig haftende Fotokleber in der Schublade, die mir die Aufgabe etwas erleichterten.




Die Schachteln fädle ich auf einen Sternendraht, der dann an beiden Enden aufgehängt werden kann. Sie werden natürlich noch beschriftet und gefüllt. Kleine Botschaften oder ein Teelicht, ein Gummibärchen oder eine Schokolade, die Möglichkeiten sind vielfältig. Gut ist, dass das Werk nachhaltig ist und jedes Jahr auf's Neue benutzt werden kann. Das fertige Ergebnis werde ich selbstverständlich bildlich nachreichen. Für heute ist mein Werk erst mal getan. Und für die Unmengen an Streichhölzern finde ich sicher auch noch Verwendung. Vielleicht was basteln?

Nachtrag: Fertig!

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Dienstag, 5. November 2019
Walk Away
Es ist alles ein bisschen vertrackt. Ich bin müde, sehr müde und kann gleichzeitig nicht schlafen, weil alles in meinem Kopf sehr schnell läuft. Termine koordinieren, abgleichen, recherchieren, entscheiden, neu sortieren. Früher hätte ich ungeachtet der Tageszeit einfach die Schuhe angezogen und wäre losgelaufen - ohne Ziel, ohne Richtung, einfach laufen, wohin die Füße tragen. Heute tragen die Füße aber nicht mehr richtig. Manchmal knicke ich weg, wenn ich zu schnell aufstehe, meistens sind Schritte mit kurzen, scharfen Stichen verbunden, die ich gerne vermeiden möchte, indem ich das Bein anders belaste. Das geht schon eine ganze Weile so, und ich frage mich, wie lange es wohl dauert, bis ich wieder mein altes Gangbild haben werde. Der federnde Schritt, schwungvoll, rund und unbeschwert, der mir eigen war, ich vermisse diese Bewegung so sehr. Mein Körper ist seit einem halben Jahr verkrampft auf Schmerzvermeidung programmiert.

Ich laufe vorsichtig, langsam, ziemlich schwerfällig insgesamt. Manchmal denke ich, das bilde ich mir alles nur ein und zwinge mich, beim Gehen nicht mit dem Körper von einer Seite auf die andere zu schwingen. Dann durchzuckt mich einer dieser elektrisierenden Nervenimpulse. Er erinnert mich daran, dass der Geist eben nicht immer Herr über die Materie ist. Man sagt, das Alter bringe Weisheit, und vielleicht ist diese Weisheit eine direkte Folge von körperlichen Schmerzen. Ich lerne zu akzeptieren, umzulenken und mich zu arrangieren. Als ob ich mich in jeder Phase meines Lebens neu erfinden müsse, neu definieren und anders weitermachen. Hauptsache weiter.

Einer sagte mal, das Leben verlaufe nicht in Phasen und wieso ich das alles so scharf abtrennen müsse. Bei mir gab es immer schon tiefe Einschnitte. Ein Berufswechsel, ein Wohnortwechsel, ein vorher und ein danach. Ich kann das nicht mit sanften Übergängen. Auch so eine Lektion, die angeblich mit dem Älterwerden kommen soll. Vielleicht kommt das aber nur für die, die sich durch den vorgegebenen Alltag mit geringstmöglicher Störung treiben lassen. Möglichst keine Katastrophen und das bisschen Unzufriedenheit wird einfach wegrationalisiert. Das funktioniert bei mir nicht. Ich brauche Abwechslung, Bewegung, im Kopf wie im Körper, laufe dabei schon mal gegen Wände, weil ich Unmögliches als solches nur schwer akzeptiere. Für die einen ist Weisheit sowas wie Abfinden mit dem Unumgänglichen, für die anderen bedeutet es, die eigenen Ressourcen bestmöglich einzusetzen. Ich stehe noch irgendwo dazwischen.

Oft genug möchte ich einfach weglaufen; vor mir selbst oder vor der Situation. Und manchmal träume ich dann, dass ich renne. Im Traum laufe ich ohne Erschöpfung und ohne Schmerzen. Ich laufe mit dem Gefühl, niemals mehr anhalten zu müssen, nicht zum Luftholen und nicht zum Schlafen. Einfach weiterlaufen, bis etwas Schönes meine Aufmerksamkeit fängt. Dann bleibe ich stehen, um es zu betrachten. Ich könnte natürlich jederzeit weiterlaufen, es ist aber schöner zu bleiben. Ich glaube, das ist dann wieder eine dieser Phasen, eine selbstgewählte. Fast kommt es mir vor, als müsse man zur Weisheit erst gezwungen werden. Fürwahr kein besonders begehrenswertes Konzept.

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Samstag, 2. November 2019
Coming Home VI
Der Countdown läuft. Im Zuge der 5000 habe ich bereits ein bisschen über meine Gäste (Kommentierende) geschrieben. Heute und über die nächsten Tage möchte ich ein paar hervorheben und erklären, wieso ich bei ihnen ebenfalls gerne zu Gast bin. Im Hinblick auf Fremdbild/Selbstbild hat's übrigens durchaus Potenzial für ein sogenanntes Bloggerstöckchen. Folge 1, 2, 3 und 4 versteckt sich hinter den Zahlen.

Meine Personenbeschreibungen sind subjektiv, unvollständig und unwissenschaftlich, quasi homöopathisch aber auch in hoher Dosierung wohlwollend.


Ich erinnere mich sehr gerne an die Zeit, als der Neo-Bazi und der Rationalstürmer hier kommentierten. Die gehörten damals fast so zusammen wie Arsch auf Deckel. Wo der eine auftauchte, war der andere nicht weit. Wir hatten nicht nur viel Spaß in den Kommentaren hier und in anderen Blogs, wir waren auch real zumindest fernmündlich verbunden. Der Neo-Bazi hatte damals ein Blog unter selbigem Pseudonym, nannte sich aber als Komentator mal halbtot, mal Opa Edi und gab sich gelegentlich auch irgendwelche anderen bizzarren Namen. In den Sechzigern und Siebzigern fuhr er zur See, kam aber ursprünglich aus dem Allgäu. Die kleinen Super 8 Aufnahmen zeigte er mal in seinem Blog. Auf meine Frage, wieso er sich denn für die Seefahrt entschieden habe - noch dazu als Nichtschwimmer - gab er zu bedenken, das sei damals für ihn die einzige Möglichkeit gewesen, die Welt zu sehen und nebenbei schwimmen zu lernen. Ganz bodenständig pragmatisch, so war sein Stil, gelegentlich auch ein bissl derb. Seine Ambitionen brachten ihn als jungen Mann vom Hamburger Hafen in die Ferne. Als er wegen rheumatischer Beschwerden nicht mehr als Funkoffizier arbeiten konnte, versetzte man ihn in den Reederei-Innendienst. Bald wurde er vorzeitig berentet und verbrachte seine Zeit fortan mit sehr wenig Geld im sogenannten Nuttenturm - einem sozialen Brennpunkt mit Hafenblick. Dort habe ich ihn während eines Kurzaufenthalts mal besucht.

Trotz seiner gesundheitlich misslichen Lage hat Eduard Karl Henn - so sein richtiger Name - nie den Mut verloren, lenkte sich durch Schreiben und Kommentieren ab oder veräppelte seinen Zivi, der ihn bei alltäglichen Dingen unterstützte, sich aber nie für einen Opascherz zu schade war. Die im Allgäu wohnenden Enkelkinder konnte er aus finanziellen und auch ein wenig familiären Gründen nur selten sehen, weswegen seine Blogfamilie aka der Club der halbtoten Dichter an Weihnachten für ein Bahnticket zusammenlegte - hier kam natürlich der Rationalstürmer in's Spiel, mit dem ich mich drahtzieherisch beriet. Sowohl Bandbreite als auch Spendierlaune der Beitragenden war grenzenlos. Von Playlisten bis Lesematerial für die Bahnfahrt war alles dabei. So entstand aus einer kleinen Reisegutscheinidee eine komplette Opa-Landverschickung (von Matt Wagner wurde die Übergabe dokumentiert). Edi freute sich sichtlich und riesig, obwohl es ihm sehr schwer fiel, Geschenke anzunehmen. In Folge schickte er allen Beteiligten Päckchen, um etwas zurückzugeben. Getarnt waren diese Rückgeschenke immer als Rätselgewinne oder andere Zuwendung.



Edikarl ahnte nicht, dass diese Reise seine letzte sein würde, denn einige Zeit nach seiner Ankunft im Allgäu ging es ihm so schlecht, dass er in ein Krankenhaus eingeliefert wurde. Schlaganfall (soweit ich mich erinnere), Reha und nach ein paar Wochen der Genesung plötzlich nicht mehr halb- sondern richtig tot. Wir waren alle verdammt betroffen und traurig. Mich hat vor allem die Tatsache schockiert, dass ich damals zum ersten Mal vom Tod eines vorwiegend aus dem virtuellen Kontakt bekannten Freundes durch eben dieses Medium erfahren musste. Da fiel mir auf, warum es durchaus sinnvoll ist, Todesnachrichten persönlich zu überbringen. In diesem Fall war das nicht möglich, weil wir die Verwandtschaft vom Opa nicht kannten und selbige nichts von seinen Blogmachenschaften wusste. Absichtlich, denn der Neobazi schrieb sich einst dort auch eine Familiengeschichte vom Herzen.

Mit seinem Blog, seinen Kommentaren und seinem verschrobenen Humor fehlt der Edikarl jetzt schon seit 10 Jahren. Seine Geschichten sind inzwischen nicht mehr zugänglich aber mein letzter Satz gilt noch immer:
Weißt du, Opa, du warst schon ein ganz Besonderer. Kein Heiliger und kein Prophet aber einer mit dem Herzen am rechten Fleck. Ich wünschte, es gäbe hier noch viel mehr von deiner Sorte. Und wenn es sie gibt, dann stolpere ich hoffentlich eines Tages über die. Hier oder anderswo.

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Mittwoch, 30. Oktober 2019
Feel The Pain
Liebes Tagebuch, heute geht es mir schlecht. Nein, das stimmt nicht, denn eigentlich geht es mir gut - mal abgesehen von andauernden Schmerzen bei Bewegung, beim Sitzen und im Schlaf. Abgesehen von Rumsitzen und -liegen kann ich nicht viel tun. Zwischendrin dann kurze Exkursionen zum örtlichen Gemüsehändler, zum Keksverkauf oder zur Konservenstation, zum Gelenkmechaniker oder zum Bewegungsklempner. Das sind alles schöne Namen für eher unschöne Notwendigkeiten. Man könne sich die Dinge schönreden, so lauten jedenfalls die Kalendersprüche. Heute allerdings geht da nichts mehr mit schönen Metaphern, denn die niederschmetternde aber zumindest geahnte Diagnose lautet Operation am offenen Gelenk. Routine, wie alle zu berichten wissen, die es hinter sich haben. Eine Kleinigkeit behaupten auch die, die eigentlich keine Ahnung davon haben, dafür aber viel Meinung. Zumindest die Aussicht auf Schmerzfreiheit und zukünftig uneingeschränkte Bewegungsfähigkeit trösten über das Damoklesschwert hinweg.

Eine Frage wäre allerdings noch zu klären, nämlich die, wie man sowas ohne fremde Hilfe bewerkstelligen soll. Ich meine nicht nur die offensichtliche, die körperliche Hilfestellung, sondern auh die seelische. Die Mutter am Telefon lässt mich kurzatmig zurück, denn sie nutzt jede Atempause für einen wichtigen Einwurf. Der Freundeskreis - zwischen Arbeit und Familie zerhetzt - hat auch keinen wirklichen Rat. Man könne ja ein Netzwerk der Alltagshilfe einrichten. So viele Schlüssel besitze ich nicht, und in naher Zukunft wird sich wohl Mr. Minit über einen Großauftrag freuen können. Da hilft nur Zähne zusammenbeißen und auf Krücken über eisige Gehwege balancieren - zumindest das kann ich gut. Das Gute-Nacht-Lied werde ich wohl selbst singen müssen. Gloria Gaynor in der Metalversion I will survive
wäre somit das Trostlied meiner Wahl.




Abgesehen davon, dass ich nun im November irgendwann spülen muss, gibt es bis dahin kaum noch Dringendes zu erledigen. Vielleicht ein, zwei Kekspackungen besorgen und die Pyjamas falten, den Stromablesetermin absagen und Pflegehinweise für die Pflanzen an die Wand pinnen. Damit wäre dann alles gesagt. Frohen Mutes auf zur Demontage, immer ein Lied auf den Lippen.

Einmal ein bisschen so zwischenzeilig schreiben wie Kid37, check

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Samstag, 26. Oktober 2019
Coming Home V
Der Countdown läuft. Im Zuge der 5000 habe ich bereits ein bisschen über meine Gäste (Kommentierende) geschrieben. Heute und über die nächsten Tage möchte ich ein paar hervorheben und erklären, wieso ich bei ihnen ebenfalls gerne zu Gast bin. Im Hinblick auf Fremdbild/Selbstbild hat's übrigens durchaus Potenzial für ein sogenanntes Bloggerstöckchen. Folge 1, 2 und 3 versteckt sich hinter den Zahlen.

Meine Personenbeschreibungen sind subjektiv, unvollständig und unwissenschaftlich, quasi homöopathisch aber auch in hoher Dosierung wohlwollend.


Sein Name ist Cabman, James Cabman. Erst lasen wir uns, dann kommentierten wir uns, schließlich schrieben wir uns. Mehr ist aber nie aus uns geworden, denn obwohl der Cabman viel in der Gegend rumfliegt, haben wir uns noch nie getroffen. Dem wollen wir jetzt Abhilfe schaffen in Form von sehr schönen Erkennungszeichen:



Seinen eigenen Button soll er ruhig selbst in den Kommentaren präsentieren, denn ich darf offiziell keine derartigen am Uniformrevers tragen. Mal sehen, ob wir uns wirklich begegnen, denn die Wahrscheinlichkeit ist nicht sonderlich groß. Sollte es dennoch eintreffen, wird das für andere Mitreisende wohl eine ziemlich merkwürdige Szene geben. Cab als Passagier eines Langstreckenfluges, am Fenster sitzend. Ich begrüße ihn, er sieht mich prüfend an, dann zieht er langsam seinen Button aus der Tasche, heftet ihn an's Revers. Ich, sichtlich erfreut, begrüße ihn als Cabman, stelle mich als Frau Klugscheisser vor, Nebensitzende sind spätestens jetzt etwas verunsichert, schielen verlegen zu uns herüber. Er verlangt nach meinem Erkennungszeichen, weitere Passagiere vermuten einen Geheimbund, Sektenzugehörigkeit oder Undercoveragenten, ein anderer wedelt mit einer Eintrittskarte seiner letzten Swingerparty. So oder ähnlich wird das mit Sicherheit ablaufen.

Cabman schreibt über seine Erlebnisse unterwegs auf durchweg humorige und unterhaltsame Weise - sein Stil erinnert mich an Frau Novemberregen oder andersrum. Damals wusste er die Vorzüge des Bloggens durchaus für seine Zwecke einzusetzen. Man könnte ihn auch als den Bandini von blogger.de bezeichnen. Jedenfalls schien die Liaison mit einer anderen Bloggerin gerade beendet, da erreichte mich eine Mail. Wir schrieben ein bisschen hin und her, er aus dem Norden, ich aus dem Süden. Dann lernte er Cabwoman kennen und es wurde erst mal still im Blog. Als die Cabkids da waren, schrieb er gelegentlich über Ausflüge oder Heimwerkercontent, manchmal über Schweden, immer sehr unterhaltsam und immer ziemlich ausführlich, fügte Bildmaterial ein, kommentierte aber hier fast gar nicht mehr. Schade eigentlich. Ich fand den Austausch immer witzig und geistreich. Aus seinen Texten entnehme ich, dass er ebenfalls die Zufallsbegegnungen schätzt, gelegentlich suchen sie auch ihn. Man erlebt ja so einiges, wenn man ständig unterwegs ist.

Inzwischen ist es in seinen Kommentaren ruhig geworden. Ich vermute, das Bloggen ist unterwegs für ihn Ablenkung und Zeitvertreib, wie es für andere Pokemon oder Candy Crush sind. Man kommt zudem in die Jahre, hat nach Arbeit und Familie nicht mehr so viele Nebenschauplätze. Das ist das Gruselige am Älterwerden.
Damals im Blog war er ein kleiner Revoluzzer, hat mich und andere - entgegen der damals üblichen Etikette - geduzt. Ihm habe ich das verziehen, wofür ich fremde Kommentierende angepampt habe. Er war nämlich sonst sehr höflich und immer für einen kleinen Plausch zu haben. Leider kann ich nicht alle Kommentare eroieren, die Suchmaschine sucht nur im Text verwendete Worte - also Cab oder Cabman - und nicht nach Autorennamen. So bin ich für die letzten zwei Stunden ganz tief in die eigene Vergangenheit getaucht und habe mich wieder über den ein oder anderen Kommentar amüsiert.

Wenn ich mir was wünschen dürfte, dann dass er wieder in höherer Frequenz kürzere Erlebnisberichte bloggt. Die Fee hatte aber gerade nur einen Wunsch dabei, den ich wohl vernünftiger anlegen sollte. Machenses gut Cabman und nicht vergessen: Flugpersonal mag Dich, wenn Du sie gut behandelst (weiterführende Informationen über das idealtypische Verhalten auf Flugreisen sind aus diesem Blog zu beziehen).

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Dienstag, 22. Oktober 2019
Clueless
Liebes Tagebuch, heute wollte ich mal meine alte Wohnung bei myblog besuchen, habe aber leider den Schlüssel verloren. Der Schlüsseldienst versprach, mir Hilfe in Form eines neuen Passwortes zu senden. Leider ist er nie bei mir angekommen, obwohl ich die richtige Adresse angegeben habe. Möglicherweise komme ich jetzt nicht mehr an meine alten Sachen. Vielleicht hat die der Hausherr auch schon verschachert, wer weiß. Ein bisschen melancholisch macht mich das schon. Oder gibt es da noch eine andere Möglichkeit, wie ich wieder Zugang bekomme?

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