Samstag, 23. November 2019
Coming Home X


Fünftausend Tage geschrieben, gelesen, gelacht, geweint, gehofft, genossen, geliebt, gehasst, gesessen, gelinkt, gebildert, gezählt, gehört, gesungen, gebastelt, gelaufen, getanzt, getaucht, gedacht, geflogen, gearbeitet, gereist, gelernt, gefeiert, getrunken, gegessen, gesorgt, gemeckert, gefangen, gepasst, gelassen, gelöscht, geärgert, gefreut, gemenschelt.

Fünftausend Tage, das sind hundertvierundsechzig Monate und dreizehneinhalb Jahre. Auf dass die kommenden Tage, Monate und Jahre mit vielen neuen Gedanken, Geschichten und Erlebnissen gefüllt sein mögen, die Ihr hier lest und kommentiert.

Und jetzt Ihr:

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Freitag, 15. November 2019
Coming Home IX
Der Countdown zur 5000 läuft. Dieses Blog gäbe es nicht ohne die, die es lesen und sich manches Mal auch dazu äussern. Zum Jubiläum schreibe ich über meine Gäste, die hier immer mal kommentierten oder es noch tun. Die bisherigen Beiträge: 1, 2, 3, 4, 5, 6 und 7

Meine Personenbeschreibungen sind subjektiv, unvollständig und unwissenschaftlich, quasi homöopathisch aber auch in hoher Dosierung wohlwollend.

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Über die Jahre schrieben hier fliegende Köche, Piloten, Flugbegleiterinnen, Tänzerinnen, Sachbearbeiterinnen, Ingenieurinnen, Wissenschaftlerinnen, Taucherinnen, Journalistinnen, Übersetzerinnen, Musikerinnen, Geistschreiber, Autorinnen, Computernerds und Geschichtenliebhaberinnen Kommentare. Eine ganz bunte Mischung zog dieses Blog an. Die einen wollten lieber mehr Berichte aus dem Flugalltag lesen, die anderen fanden meine Ausflüge in die Tanzwelt interessant und wieder andere konnten sich für meine Geschichte einer musikalischen Reise begeistern. Insgesamt gab es also keinen wirklichen Konsens - alles wollte bedient werden. Keine leichte Aufgabe für so ein kleines Nischenblog. Mit der Zeit trudelten neben Werbe- und Lesungs- auch Verlagsanfragen ein. Man wollte meine Geschichten drucken. Eine Anfrage stellte sich bei Nachforschung als besonders unseriös heraus, denn der ein oder andere war an der Aufhebung meiner Anonymität interessiert, wobei ich nach den öffentlichen Lesungen nicht mehr ganz so anonym unterwegs war. Ich war verständlicherweise vorsichtig, denn meine Arbeitsstelle wollte ich auf keinen Fall für eine dumme Geschichte riskieren, obgleich ich ansonsten meine Großmutter für einen Witz verkauft hätte. Was ich mir jedoch nicht nehmen ließ, war die Freude am Kontaktieren und Besuchen meiner Lesenden, wann immer ich mich in deren Nähe aufhielt.

So lernte ich beispielsweise Bonita Applebum kennen - eine professionelle Ballettänzerin, die mir hier Tipps zum Verbessern meiner Pirouettentechnik gab. Wir absolvierten eine gemeinsame Ballettstunde in Köln, quatschten ein bisschen davor und danach und verblieben beim gegenseitigen Onlinelesen. Als sie nicht mehr bloggte, brach der Kontakt ab. Kürzlich fand ich sie aber auf Igram wieder. Sie macht jetzt irgendwas für's Fernsehen.

Froyline Deville traf ich in Hamburg und mochte sie sehr. Aus ihrem Blog konnte man eine durch Krankheit schwierige familiäre Situation erahnen. Heute hat sie eine neue kleine Familie, die ausser den Katzen auch einen Mann an ihrer Seite beinhaltet. Das weiß ich von FB.

Käthe Feinstrick wohnt ebenfalls in Hamburg. Wenn es zwischen meinen unterschiedlichen Interessenbereichen Überschneidungen gibt, wird die Sache interessant. Einer Kollegin - ebenfalls Autorin - waren ihre Bücher bekannt. Sie plante, Käthe auf der Frankfurter Buchmesse zu treffen. Ich konnte ihr berichten, dass die Hamburger Autorin eine sehr angenehme Gesellschafterin ist.

Die Begegnung mit einer Leserin aus Shanghai und einer anderen aus Sao Paulo kam leider nicht zustande, dafür lernte ich viele in deutschen Cafés kennen. NFF, ein Pilot aus der Schweiz, sendete mir zu meiner großen Freude mal einen Downloadlink für mein damaliges Lieblingsalbum. Das Login wird von mir bis heute benutzt, obwohl ich im Account nie mehr wieder einen etwas gegen Schweizer Franken erwarb. Auf meinem Arbeitsgerät heiße ich deshalb auch Frau Klugscheisser, was schon zur allgemeinen Erheiterung bei Präsentationen führte.

Der Mek hat mich sogar mal in München besucht. Seine Durchreise nutzten wir für eine kleine Stadtführung mit anschließender Brot- und Bierzeit. Zum Glück schreibt er noch gelegentlich, wenn auch sporadisch, derzeit über's Porschefahren oder die Arktis. Er dürfte den meisten bekannt sein, weshalb ich über ihn nichts mehr zur Verlinkung hinzufüge.

Eine weitere Kommentatorin soll hier nicht ungenannt bleiben, denn sie taucht vor allem bei technischen Fragen so zuverlässig wie das Amen in der Kirche auf. Über Arboretum weiß ich eigentlich so gut wie nichts, denn sie verrät ausser der Liebe zu Blumen kaum etwas über sich in ihrem Blog. Allerdings ist sie mir über die Jahre an's Herz gewachsen, genau wie Frau Croco, die sich berufsmäßig in Flora und Fauna auskennt. Letztere habe ich auf dem Rosenfest treffen dürfen.

Den Glam lernte ich zwar nicht persönlich kennen, doch hatten wir einen gemeinsamen Bekannten. Bomec - ein Kollege, dem ich irgendwann zufällig über den Weg lief und ihn sofort erkannte - schrieb vorzüglich, hat sein Blog aber nach einer Weile erst geschlossen und dann gelöscht. Wenn ich mich recht erinnere, wollte er damals ein Buch schreiben. Auch Frau Nessy bin ich zufällig letzten Winter in der Garmischer Partnachklamm über den Weg gelaufen, habe sie aber aus Gründen nicht angesprochen. Jetzt schulde ich ihr eine Stadtführung durch München. Ehrlichkeitshalber muss ich hinzufügen, dass sie hier nie kommentiert hat.

Manche haben nur ein einziges mal in einer ehedem hitzigen Debatte kommentiert. Insgesamt waren es so viele, dass nicht alle erwähnt werden können. Das tut mir auch irgendwie leid, ich merke aber wie die Ideen für diese Serie langsam verebben. Für diese Retrospektive habe ich viel in meinem Blog quergelesen, bin auf Lustiges, Bemerkenswertes und weniger Schönes gestoßen und habe mich gewundert, wie unterhaltsam, teilweise patzig und manchmal strategisch mein Schreibstil war.

Alles in Allem hat's Spaß gemacht. Jetzt sind es noch 8 Tage und danach hoffentlich noch mehr, in denen ich jeden Kommentar lese, nachdenke und etwas dazu äussere. Sollten Sie mich treffen wollen, dann zögern Sie nicht, mich zu kontaktieren, denn ich freue mich immer über neue Gesichter, die ich mit den entsprechenden Zeilen verknüpfen kann.

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Mittwoch, 13. November 2019
Coming Home VIII
Der Countdown läuft . Noch 10 Tage bis zur 5000. Dieses Blog gäbe es nicht ohne die, die es lesen und sich manches Mal auch dazu äussern. Zum Jubiläum schreibe ich über meine Gäste, die hier über die Jahre kommentierten oder es immer noch tun. Bisherige Beiträge: 1, 2, 3, 4, 5 und 6
Meine Personenbeschreibungen sind subjektiv, unvollständig und unwissenschaftlich, quasi homöopathisch aber auch in hoher Dosierung wohlwollend.

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Gestern hatte Mark793 Geburtstag und bekommt nicht nur deswegen einen Eintrag gewidmet, sondern auch weil er zu den ersten Kommentatoren hier gehört. Kennengelernt haben wir uns auf einer Lesung in Frankfurt. Damals noch auf Myblog unterwegs, hatte ich im blogleseverwaisten München ein paar Lesungen organisiert und wurde daraufhin auch überregional zum Vortragen eingeladen. Ich weiß nicht mehr, wie diese Bewegung entstanden ist, denn eigentlich kann die im Internet veröffentlichten Beiträge jeder überall lesen. Wir wollten wohl ein bisschen Rampenluft atmen und gleichzeitig mal die sehen, die sich sonst nicht zu Wort melden. Jedenfalls hatten wir eine Menge Spaß. Dabei waren ausser Mark auch Bandini und Käthe Feinstrick, möglicherweise noch eine weitere Person. Natürlich traf man sich vor dem Ereignis zur Lagebesprechung. Und da passierte das Nackensteak, eine Geschichte, die ich damals zu erzählen versprach, von der ich heute jedoch nur noch ahne, worum es dabei ging. Herr Mark wurde über die Jahre nicht müde, mich bei Erwähnung des damaligen Treffens oder sonstigem Themenkreis an diese verlorene Geschichte zu erinnern.

Ein Nackensteak - so nannte ich früher die bei vollschlanken Herren über dem Hemdkragen entstehenden Wülste, bei denen ich nie sicher war, inwieweit die auch vom Binden der Krawatten zusätzlich geschoppt werden. Jedenfalls sah ich damals sehr viele solche bei meinen Gängen durch die höhere Klasse. Je weiter vorne sitzend, desto Nackensteak. Vor allem im Sommer vom Schweiß glänzend und Blutdruck gerötet, betrachtete ich damals gerne diese Halsregion, wenn sich mal wieder einer wegen einer Lapalie vor mir aufmandelte und ich mir aus Gründen der Contenance bzw. wegen drohendem Verlust derselbigen vergleichbar mit dem imaginären Abbild in Unterhosen, vorstellte, wie die wichtigen Herren aufgespießt und über dem Feuer drehend langsam garen. Die Region am Nacken würde dabei besonders kross. Wie es zur damaligen Erwähnung der Geschichte kam, weiß ich heute leider nicht mehr, hoffe aber, damit meine Erzählschuld abgegolten zu haben.

Mark - und leider habe ich vergessen, wie Du wirklich heißt, da Dein Pseudonym ja aus einem Autokennzeichen entstand - Du hast mit Deiner Krankheit Deinen Lesenden vor einiger Zeit einen ganz schönen Schrecken eingejagt, vor allem denen - wie mir - die Dich nicht so regelmäßig lesen. Na schön, ich habe eine längere Zeit gar nicht mehr bei Dir gelesen, weil Radfahren damals (noch) nicht so meines war und ich andere Themen manchmal ein wenig trocken fand. Jetzt schau' ich ab und zu wieder rein und freue mich, wenn es Dir gut geht. Du darfst auch gerne weiter bei mir klugscheissen kluge, korrigierende Einwände, nette und unterhaltsame Bemerkungen anfügen oder sonstwie kommentieren - ich freue mich, Dich zu lesen. In diesem Sinne auf weitere Jahre und gute Gesundheit. Das hier ist für Dich:

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Donnerstag, 7. November 2019
Coming Home VII
Der Countdown läuft. Dieses Blog gäbe es nicht ohne die, die es lesen und sich manches Mal auch dazu äussern. Im Zuge der 5000 schreibe ich über meine Gäste, die hier über die Jahre kommentierten oder es immer noch tun. Die bisherigen Beiträge 1, 2, 3, 4 und 5 sind hinter den Zahlen zu finden.

Meine Personenbeschreibungen sind subjektiv, unvollständig und unwissenschaftlich, quasi homöopathisch aber auch in hoher Dosierung wohlwollend.

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Wer kennt sie nicht, die zahllosen Blogs, die sich jammernd um sich selbst drehen. Egal ob Depression, Pubertät oder Herzleid, alles wird heutzutage öffentlich zur Schau gestellt. Man möchte ein wenig Mitleid, ein wenig Zuspruch und hofft insgeheim, es würde so leichter zu ertragen sein. Die Versuchung ist groß, in den Sumpf des Selbstmitleids abzugleiten, wäre da nicht insgeheim ein stiller Auftrag - der Auftrag, mit dem Geschriebenen wenigstens ein bisschen zu unterhalten. Die Situation macht es nicht besser aber manchmal führt es dazu, über sich selbst lachen zu können.

Als ich auf Frau Herzbruch stieß, fand ich genau das. Jemand, der das Beste aus einer vertrackten Situation macht und dabei über sich lachen kann. Damals wohnte sie in Holland, der Beebie aka Erbse aka Ona war noch nicht auf der Welt und der Mops lebte noch. Die akademische Karriere sah zwar vielversprechend aus, dümpelte aber gleichzeitig im Watt des Instituts vor sich hin. Sie schrieb über kleine und große Katastrophen, über Schuhe und Schwangerschaft, und das immer mit großem Unterhaltungswert. Der Mann lungerte irgendwo im Hintergrund und es war nicht klar, ob er an Relevanz gewinnen oder sich zur Karriere ins Watt gesellen würde.

Ich weiß nicht mehr, auf welchen Wegen ich über ihr Blog gestolpert war. Jedenfalls war sie im Januar 2008 das erste Mal auf blogger.de, kurz darauf schwanger und später danach in Deutschland. Ich habe gerade nachgesehen, kommentiert hatte ich das erste Mal im Juni 2008. Wir waren damals im Grunde nur zwei (Carschti and me) und paar zufällig über die Homepage angespülte. Ihren Stil mochte ich sofort. Keine Wehleidigkeit, sondern prägnante kurze Sätze, immer auf den Punkt. Eine Beschreibung, wieso man bei sichtbarer Schwangerschaft und Übelkeit keinen Johannisbeersaft trinken sollte, will man kotzend vor dem Supermarkt keine bösen Passantenblicke ernten - so von wegen unverantwortlich, in der Schwangerschaft trinken - oder darüber, wie der Einbruch des Mannes über das Dach wegen verlorenem Schlüssel schief ging. Ganz großes Kino, nur halt selbst erlebtes.

Nach Geburt vom Beebie und Niederlassung im Ruhrgebiet dann der erste richtige Besuch. Es sollte nicht der letzte gewesen sein, denn schnell stellte sich heraus, dass Frau Herzbruch genauso redet wie sie schreibt. Insofern war ihr Blog eigentlich ein Vorläufer von Whatsapp, denn man will die Freunde auf dem Laufenden halten. Freunde hatte ihr Blog damals plötzlich viele. Frau Herzbruch interagierte in den Kommentierenden und konnte alles irgendwie humorvoll formulieren. Bei einem späteren Besuch im Oktober war sie entsetzt über die Tatsache, dass wir nichts an Bord zu essen kriegen und kredenzte spontan ein Weihnachtsessen mit Gans und Knödeln. Die weitere Familie war ebenfalls anwesend, man hatte mich sozusagen kurzerhand adoptiert. An diesem Abend wurde viel über die Geschichte der Gans mit den Hämatomen vom misslungenen Abschuss gelacht, Ona war sehr aus dem Häuschen über seine neuen Spielzeuge und der Mann inzwischen institutionalisiert.

Irgendwann brach ihr Blog ab, das Kommentieren beschränkte sich auf wenige Gelegenheiten und dann war sie ganz aus der Onlinewelt verschwunden. Ich bedauerte das sehr aber was will man machen. Die neue Karriere, das neue Haus und alles andere sowieso brauchten eben viel mehr Zeit. Ganz nebenbei dann Promotion, Heirat und ein neuer Hund. Das Kind blieb pflegeleicht, der Mann - abgesehen von einigen handwerklichen und Urlaubs-Katastrophen - ebenso. Kürzlich hatte ich wieder schriftlichen Kontakt, es stellt sich jedoch als schwierig dar, den aufrechtzuerhalten. Sie wissen schon, Haus, Kind, Mann, Job, Hund und ein paar neue Katastrophen. Wäre nicht Dr. Herzbruch, wenn's glatt laufen würde. Aber das wird sie vielleicht irgendwann ein andermal woanders erzählen.

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Samstag, 2. November 2019
Coming Home VI
Der Countdown läuft. Im Zuge der 5000 habe ich bereits ein bisschen über meine Gäste (Kommentierende) geschrieben. Heute und über die nächsten Tage möchte ich ein paar hervorheben und erklären, wieso ich bei ihnen ebenfalls gerne zu Gast bin. Im Hinblick auf Fremdbild/Selbstbild hat's übrigens durchaus Potenzial für ein sogenanntes Bloggerstöckchen. Folge 1, 2, 3 und 4 versteckt sich hinter den Zahlen.

Meine Personenbeschreibungen sind subjektiv, unvollständig und unwissenschaftlich, quasi homöopathisch aber auch in hoher Dosierung wohlwollend.


Ich erinnere mich sehr gerne an die Zeit, als der Neo-Bazi und der Rationalstürmer hier kommentierten. Die gehörten damals fast so zusammen wie Arsch auf Deckel. Wo der eine auftauchte, war der andere nicht weit. Wir hatten nicht nur viel Spaß in den Kommentaren hier und in anderen Blogs, wir waren auch real zumindest fernmündlich verbunden. Der Neo-Bazi hatte damals ein Blog unter selbigem Pseudonym, nannte sich aber als Komentator mal halbtot, mal Opa Edi und gab sich gelegentlich auch irgendwelche anderen bizzarren Namen. In den Sechzigern und Siebzigern fuhr er zur See, kam aber ursprünglich aus dem Allgäu. Die kleinen Super 8 Aufnahmen zeigte er mal in seinem Blog. Auf meine Frage, wieso er sich denn für die Seefahrt entschieden habe - noch dazu als Nichtschwimmer - gab er zu bedenken, das sei damals für ihn die einzige Möglichkeit gewesen, die Welt zu sehen und nebenbei schwimmen zu lernen. Ganz bodenständig pragmatisch, so war sein Stil, gelegentlich auch ein bissl derb. Seine Ambitionen brachten ihn als jungen Mann vom Hamburger Hafen in die Ferne. Als er wegen rheumatischer Beschwerden nicht mehr als Funkoffizier arbeiten konnte, versetzte man ihn in den Reederei-Innendienst. Bald wurde er vorzeitig berentet und verbrachte seine Zeit fortan mit sehr wenig Geld im sogenannten Nuttenturm - einem sozialen Brennpunkt mit Hafenblick. Dort habe ich ihn während eines Kurzaufenthalts mal besucht.

Trotz seiner gesundheitlich misslichen Lage hat Eduard Karl Henn - so sein richtiger Name - nie den Mut verloren, lenkte sich durch Schreiben und Kommentieren ab oder veräppelte seinen Zivi, der ihn bei alltäglichen Dingen unterstützte, sich aber nie für einen Opascherz zu schade war. Die im Allgäu wohnenden Enkelkinder konnte er aus finanziellen und auch ein wenig familiären Gründen nur selten sehen, weswegen seine Blogfamilie aka der Club der halbtoten Dichter an Weihnachten für ein Bahnticket zusammenlegte - hier kam natürlich der Rationalstürmer in's Spiel, mit dem ich mich drahtzieherisch beriet. Sowohl Bandbreite als auch Spendierlaune der Beitragenden war grenzenlos. Von Playlisten bis Lesematerial für die Bahnfahrt war alles dabei. So entstand aus einer kleinen Reisegutscheinidee eine komplette Opa-Landverschickung (von Matt Wagner wurde die Übergabe dokumentiert). Edi freute sich sichtlich und riesig, obwohl es ihm sehr schwer fiel, Geschenke anzunehmen. In Folge schickte er allen Beteiligten Päckchen, um etwas zurückzugeben. Getarnt waren diese Rückgeschenke immer als Rätselgewinne oder andere Zuwendung.



Edikarl ahnte nicht, dass diese Reise seine letzte sein würde, denn einige Zeit nach seiner Ankunft im Allgäu ging es ihm so schlecht, dass er in ein Krankenhaus eingeliefert wurde. Schlaganfall (soweit ich mich erinnere), Reha und nach ein paar Wochen der Genesung plötzlich nicht mehr halb- sondern richtig tot. Wir waren alle verdammt betroffen und traurig. Mich hat vor allem die Tatsache schockiert, dass ich damals zum ersten Mal vom Tod eines vorwiegend aus dem virtuellen Kontakt bekannten Freundes durch eben dieses Medium erfahren musste. Da fiel mir auf, warum es durchaus sinnvoll ist, Todesnachrichten persönlich zu überbringen. In diesem Fall war das nicht möglich, weil wir die Verwandtschaft vom Opa nicht kannten und selbige nichts von seinen Blogmachenschaften wusste. Absichtlich, denn der Neobazi schrieb sich einst dort auch eine Familiengeschichte vom Herzen.

Mit seinem Blog, seinen Kommentaren und seinem verschrobenen Humor fehlt der Edikarl jetzt schon seit 10 Jahren. Seine Geschichten sind inzwischen nicht mehr zugänglich aber mein letzter Satz gilt noch immer:
Weißt du, Opa, du warst schon ein ganz Besonderer. Kein Heiliger und kein Prophet aber einer mit dem Herzen am rechten Fleck. Ich wünschte, es gäbe hier noch viel mehr von deiner Sorte. Und wenn es sie gibt, dann stolpere ich hoffentlich eines Tages über die. Hier oder anderswo.

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Samstag, 26. Oktober 2019
Coming Home V
Der Countdown läuft. Im Zuge der 5000 habe ich bereits ein bisschen über meine Gäste (Kommentierende) geschrieben. Heute und über die nächsten Tage möchte ich ein paar hervorheben und erklären, wieso ich bei ihnen ebenfalls gerne zu Gast bin. Im Hinblick auf Fremdbild/Selbstbild hat's übrigens durchaus Potenzial für ein sogenanntes Bloggerstöckchen. Folge 1, 2 und 3 versteckt sich hinter den Zahlen.

Meine Personenbeschreibungen sind subjektiv, unvollständig und unwissenschaftlich, quasi homöopathisch aber auch in hoher Dosierung wohlwollend.


Sein Name ist Cabman, James Cabman. Erst lasen wir uns, dann kommentierten wir uns, schließlich schrieben wir uns. Mehr ist aber nie aus uns geworden, denn obwohl der Cabman viel in der Gegend rumfliegt, haben wir uns noch nie getroffen. Dem wollen wir jetzt Abhilfe schaffen in Form von sehr schönen Erkennungszeichen:



Seinen eigenen Button soll er ruhig selbst in den Kommentaren präsentieren, denn ich darf offiziell keine derartigen am Uniformrevers tragen. Mal sehen, ob wir uns wirklich begegnen, denn die Wahrscheinlichkeit ist nicht sonderlich groß. Sollte es dennoch eintreffen, wird das für andere Mitreisende wohl eine ziemlich merkwürdige Szene geben. Cab als Passagier eines Langstreckenfluges, am Fenster sitzend. Ich begrüße ihn, er sieht mich prüfend an, dann zieht er langsam seinen Button aus der Tasche, heftet ihn an's Revers. Ich, sichtlich erfreut, begrüße ihn als Cabman, stelle mich als Frau Klugscheisser vor, Nebensitzende sind spätestens jetzt etwas verunsichert, schielen verlegen zu uns herüber. Er verlangt nach meinem Erkennungszeichen, weitere Passagiere vermuten einen Geheimbund, Sektenzugehörigkeit oder Undercoveragenten, ein anderer wedelt mit einer Eintrittskarte seiner letzten Swingerparty. So oder ähnlich wird das mit Sicherheit ablaufen.

Cabman schreibt über seine Erlebnisse unterwegs auf durchweg humorige und unterhaltsame Weise - sein Stil erinnert mich an Frau Novemberregen oder andersrum. Damals wusste er die Vorzüge des Bloggens durchaus für seine Zwecke einzusetzen. Man könnte ihn auch als den Bandini von blogger.de bezeichnen. Jedenfalls schien die Liaison mit einer anderen Bloggerin gerade beendet, da erreichte mich eine Mail. Wir schrieben ein bisschen hin und her, er aus dem Norden, ich aus dem Süden. Dann lernte er Cabwoman kennen und es wurde erst mal still im Blog. Als die Cabkids da waren, schrieb er gelegentlich über Ausflüge oder Heimwerkercontent, manchmal über Schweden, immer sehr unterhaltsam und immer ziemlich ausführlich, fügte Bildmaterial ein, kommentierte aber hier fast gar nicht mehr. Schade eigentlich. Ich fand den Austausch immer witzig und geistreich. Aus seinen Texten entnehme ich, dass er ebenfalls die Zufallsbegegnungen schätzt, gelegentlich suchen sie auch ihn. Man erlebt ja so einiges, wenn man ständig unterwegs ist.

Inzwischen ist es in seinen Kommentaren ruhig geworden. Ich vermute, das Bloggen ist unterwegs für ihn Ablenkung und Zeitvertreib, wie es für andere Pokemon oder Candy Crush sind. Man kommt zudem in die Jahre, hat nach Arbeit und Familie nicht mehr so viele Nebenschauplätze. Das ist das Gruselige am Älterwerden.
Damals im Blog war er ein kleiner Revoluzzer, hat mich und andere - entgegen der damals üblichen Etikette - geduzt. Ihm habe ich das verziehen, wofür ich fremde Kommentierende angepampt habe. Er war nämlich sonst sehr höflich und immer für einen kleinen Plausch zu haben. Leider kann ich nicht alle Kommentare eroieren, die Suchmaschine sucht nur im Text verwendete Worte - also Cab oder Cabman - und nicht nach Autorennamen. So bin ich für die letzten zwei Stunden ganz tief in die eigene Vergangenheit getaucht und habe mich wieder über den ein oder anderen Kommentar amüsiert.

Wenn ich mir was wünschen dürfte, dann dass er wieder in höherer Frequenz kürzere Erlebnisberichte bloggt. Die Fee hatte aber gerade nur einen Wunsch dabei, den ich wohl vernünftiger anlegen sollte. Machenses gut Cabman und nicht vergessen: Flugpersonal mag Dich, wenn Du sie gut behandelst (weiterführende Informationen über das idealtypische Verhalten auf Flugreisen sind aus diesem Blog zu beziehen).

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Montag, 21. Oktober 2019
Coming Home IV
Der Countdown läuft.
Folge 1 war Gaga gewidmet, 2 für die Kaltmamsell und Herrn Rau. Die neue Folge meiner Bloggeraudatio kommt hier.
Meine Personenbeschreibungen sind dabei hochgradig subjektiv, unvollständig und von meinem Erleben geprägt, was zwar unter Subjektivität läuft aber noch einmal deutlich hervorgehoben werden soll.

Kennen Sie den Herrn Kid? Nein, nicht den Sundance, den vom Clouddance. Also den vom Hermetischen Café.



Da oben ist ihm gerade Technisches in's Auge gefallen. Ausserdem interessiert er sich noch für Ringelstrümpfe, tote Tiere, Wrestling und Feinkunst. Kürzlich war er in New York. Das ist aber eine Ausnahme, denn sonst verbringt er seine Urlaube gerne in Wien, Berlin oder am Fenster seiner Wohnung am Kanal. Die Bilder davon sind meistens ein bisschen düster, melancholisch, wie überhaupt alles in seinem Café. Fast könnte man meinen, der Herr sei etwas arg missmutig, wenn da nicht gleichzeitig eine Prise Humor in Form von Selbstironie mitschwänge. Kleine Seitenhiebe sind immer in feine Worte verpackt, ganz so, als ob man jemanden mit einer Schwimmnudel haut. Aus der Reserve locken ihn indes spezielle Kunstmagazine und Bücher, auch Musik von Siouxsie and the Banshees oder Florence+The Machine etc. und Fotografien - eben vieles aus längst vergangenen Tagen.

Die wohlgeformten Sätze, die Wortwahl, sie verraten einen Ästheten, einen Freund der schönen Künste generell, der vom Destruktiven, Demolierten angezogen scheint. Ich kann vieles nur schwer nachvollziehen, manches stößt ab, manches macht neugierig. Insgesamt haben wir nur eine geringe Schnittmenge, was die Interessen anbelangt. Umso erstaunlicher ist es, dass wir uns schon so lange lesen. Ich hab's bereits erwähnt - er war einer der ersten bekannten Blogger, der in meinem damalig bei myblog frisch angelegten Blog kommentierte. Schon alleine deswegen blieb ich ihm treu. Einmal sind wir sogar für ein paar Tage gemeinsam nach Wien gereist. Eine denkwürdige Reise, in jeglicher Hinsicht.

Was mir immer wieder an Kid auffällt, ist die Angewohnheit, sich selbst zu degradieren, sich als minderwertig darzustellen und sein Licht unter den Scheffel zu stellen. Ich weiß nicht, ob das nur eine Masche ist, befürchte aber, es bleibt bei aller Selbstironie innendrin was hängen. Das hat er weder verdient noch nötig. Der Kid, das ist einer von den Guten, der würde eine Eintagsfliege zwei Wochen pflegen, nur um sie am Leben zu halten und sie nach ihrem Tod präparieren und katalogisieren, damit sie nicht in Vergessenheit gerät. Vielleicht ist es die eigene Sterblichkeit, die seine Faszination am Vergänglichen antreibt, vielleicht auch eine andere Erfahrung aus seinem reichen Leben. Obwohl er ab und an (Fake!)Bilder der Verwandtschaft in seinem Blog zeigt oder über sein Leben fabuliert, kann man ihn grundsätzlich als hermetisch bezeichnen. Die Frage aller Frage lautet: wieso um alles in der Welt 37? Wir werden es wohl nie erfahren.



So lange wir noch leben schreiben, freue ich mich über seine Kommentare - hier und anderswo.

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Samstag, 19. Oktober 2019
Coming Home III
Der Countdown läuft.
Folge 1 war Gaga gewidmet, die nächste Folge meiner Laudatio auf Blogger lesen sie hier. Als Warnung weise ich darauf hin, dass meine Personenbeschreibungen hochgradig subjektiv, unvollständig und von meinem Erleben geprägt sind, was zwar unter Subjektivität läuft aber noch einmal deutlich hervorgehoben werden soll.

Wenn ich an einem freien Tag morgens aufstehe - das ist für andere zu nachtschlafender Zeit - und meine gewohnten Internetpfade absurfe, schaue ich immer als erstes, ob die Kaltmamsell bereits gebloggt hat. Manchmal muss ich noch ein bisschen warten aber spätestens um 7 hat sie verlässlich in ihr Tagebuch geschrieben. Sie berichtet von ihrem Tag, von Vorkommnissen aber auch den Gedanken, die hiervon angestoßen wurden. Viele Links zu Artikeln oder anderen Schreibenden führen mich auf neue Pfade und in neue Gedankenwelten. Das mag ich sehr, denn mein Hirn verlangt ständig nach Futter, am liebsten aussergewöhnliches, interessantes, gut geschriebenes und unübliches Futter. Man wird sich selbst auf Dauer gern ein bisserl fad. Noch lieber als die Hinweise sind mir aber die ganz persönlichen Gedanken, die kleinen Begebenheiten, die bei einem Treffen unter den Tisch fallen würden, weil man sich oft nur auf das Denkwürdige, Andersartige oder Erlebnisreiche konzentriert und meint, so Alltag hätte doch jeder, das bräuchte man nicht erwähnen. Dabei sind's genau diese Alltäglichkeiten - aufstehen, arbeiten, kleine oder große Hindernisse bewältigen, Gedanken dazu haben, Routine verfolgen, essen und schlafen - die uns zeigen, dass sich bei anderen alles genauso abspielt, dass so Leben stattfindet und dass wir uns sehr gleichen. Manchmal finden dann doch Ereignisse statt, die aus der Reihe des Gewöhnlichen fallen und die Routine ein bisschen durcheinanderwirbeln - sozusagen die Schneekugeln des Lebens.


©Smilla Dankert

Solch ein schönes Ereignis war die Feier des Rosentages im Mai. Ich denke immer wieder an das Fest, schaue mir Fotos an oder lese ein paar Einträge. Es war natürlich nicht das erste Mal, dass ich die Kaltmamsell und Herrn Rau persönlich traf. Wir kannten uns schon von der Ersten Münchner Bloglesung. Auch bei der zweiten und dritten waren beide - lesend oder unterstützend aber immer voll - dabei. Beide fand ich immer schon sympathisch bodenständig und wollte den Kontakt gerne aufrechterhalten. Gelungen ist uns das dann erst später. Am Anfang wusste ich nicht, dass die Zwei miteinander verbandelt sind, denn die Kaltmamsell schrieb immer von ihrem Mitbewohner oder dem Herrn Kaltmamsell und Herr Rau von Frau Rau. Auf ihn bin ich aber erst später gestoßen.

In Natura ist die Kaltmamsell sehr lebendig temperamentvoll, fröhlich und wohlwollend offen Fremden gegenüber - ein bisschen im Gegensatz zu ihren Texten, in denen sie sich selbst oft negativer darstellt und einen Einblick in gelegentlich gar nicht so fröhliche Tiefen gewährt. Manchmal wünschte ich, sie wäre sich selbst gegenüber so verzeihend und gütig wie sie es bei anderen ist. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass das nicht so leicht ist und dadurch der Alltag um so vieles schwerer wird. Ihr stärkste Trigger ist alles was mit Esoterik im weitesten Sinne zu tun hat. Kommentierende können sie mit einer homöopathischen Bemerkung oder einem Hinweis auf wissenschaftlich unbewiesene Zusammenhänge in ungeahnte Gegenwehr katapultieren. Geneigte Leser wissen genau, welche Themen in ihrem Blog tunlichst zu vermeiden sind, und der ein oder andere Unwissende fängt sich da schon mal eine verbale Watschn ein. Dafür hat sie bei anderen Themen stets ein offenes Ohr.

Sie berichtet über Literatur, Kino, Restaurants, Kochen & Backen, wobei auch Diäten ein sensibles Thema sind. Wer bei Beschreibungen vom Wandern oder Joggen erwähnt, diese Wege selbst als Radfahrer zu benutzen, hat bei ihr verloren. Rücksichtslosigkeit mag sie genauso wenig wie Regelverstöße im Straßenverkehr. Als Radfahrerin steigt sie nämlich auf Gehwegen ab. Dass ihr Temperament manchmal mit ihr durchgeht, macht sie greifbar und menschlich, obwohl sie sich dafür selbst stark verurteilt. Durch polnisch-spanische Wurzeln geprägt, kennt sie die Probleme, mit denen Einwanderungskinder zu kämpfen haben und liefert Einblicke in das Leben anderer Kulturkreise oder Gesellschaftsschichten. Als Frau liefert die Kaltmamsell owohl interessante Beobachtungen zur Geschlechterrolle als auch Gedanken zu deren natürlichen Implikationen. Vorsicht ist beim Thema Weiblichkeit geboten, wenn der schmale Grad in Richtung Reduzierung auf Äusserlichkeiten und Instrumentalisierung überschritten wird. Sie hat mir durch so viele Impulse den Feminismus näher gebracht.

Die Reizthemen und Reaktionen der Kaltmamsell zeigen im Grunde genommen nur, dass sie sich ein Miteinander wünscht, bei dem jeder - auch sie selbst - sein darf und alles nebeneinander existiern kann. Die Regeln müssen dazu natürlich eingehalten werden. Und Regel Nummer eins lautet nunmal keinen Anderen mit dem eigenen Verhalten einzuschränken oder ungefragte Ratschläge zu geben. Dass dann Diskussionen gelegentlich aus dem Ruder laufen, ist normal. Wer lässt sich schon widerspruchslos vor die Wohnungstüre kacken? Tief innen aber ist sie ein Lamm, das sich vom Wolf der Selbstkritik regelmäßig reissen lässt. Eine ganz wunderbare und seltene unter vielen Gaben der einstigen Gewinnerin des Goldenen Blogawards, ist, dass sie anderen ihr Glück nicht nur gönnen kann, sie feiert es auch und empfindet gleichzeitig tief das Leid ihrer Mitmenschen.


Foto @Smilla Dankert

Herr Rau ist die technische Fee der Vorspeisenplatte und wird oft als gute Seele dort erwähnt. Er selbst schreibt im Lehrerzimmer über seinen Alltag, Rollenspiele, Informatik und beruflich Fachliches. Manches ist mir ein bisschen zu speziell, zu informatiklastig, wobei er aber so erklären kann, dass es auch ein Laie versteht. Herr Rau ist ein sehr feiner Mensch, der sich gerne - wie oben zu sehen - ungewöhnlich kleidet und möge es mir verzeihen, hier in einem Eintrag zusammen mit seiner Frau genannt zu werden. Über 25 Jahre sind sie zusammengewachsen, ohne jedoch ihre Eigen-
ständigkeit zu vernachlässigen und gehen sehr umsichtig und fürsorgend miteinander um. Im Hintergrund gefällt's ihm ganz gut, dem Herrn, und manchmal braucht er einen Stups, damit er im echten Leben von sich erzählt oder was macht, das ihn in's Zentrum des Geschehens rückt. Dabei hat er durchaus was zu erzählen, denn seine Worte und Schilderungen sind durchdacht, seine Ausführungen mit einer Prise Humor untermalt und nie langweilig. Als Chefkoch im Hause Kaltmamsell experimentiert er mit Zutaten, kümmert sich um die Einkäufe und organisiert auch mal eine Minibloggerverköstigung vom Ernteanteil. Eigentlich weiß ich viel zu wenig vom Herrn Rau, der bei extrovertierten Gegenüber sehr schnell in die Zuhörerrolle tritt. Vielleicht bräuchte es ein bisschen mehr Geduld meinerseits, vielleicht mehr Vertrauen oder Zeit von seiner Seite. Jedenfalls weiß ich nichts über seine Sorgen und Nöte, die er bestimmt auch hat. Da müsste man schon Sherlock Holmes heißen, um die ganzen kleinen Anmerkungen zwischen den Zeilen zu einem schlüssigen Gebilde zu formen.

Ich wünsche mir, beide noch oft und lange zu lesen. Meine Türe steht ihnen immer offen. Hoffentlich habe ich die Beiden jetzt nicht vergrault.

©Smilla Dankert

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Mittwoch, 16. Oktober 2019
Coming Home II
Der Countdown läuft. Im Zuge der 5000 habe ich bereits ein bisschen über meine Gäste (Kommentierende) geschrieben. Heute und über die nächsten 38 Tage möchte ich ein paar hervorheben und - natürlich sehr subjektiv - erklären, wieso ich bei ihnen ebenfalls gerne zu Gast bin. Das hat übrigens durchaus Potenzial für ein sogenanntes Bloggerstöckchen.


Foto: Gaga 2008

Gaga ist nicht nur eine hervorragende Fotografin, sie versteht es auch wie keine andere, sich selbst mit Wort & Bild in Szene zu setzen. Doch der virtuelle Eindruck täuscht. Sie ist keine Egozentrikerin, keine Selbstdarstellerin im herkömmlichen Sinne. Gaga drückt einfach nur aus, was sie denkt und fühlt. In echt wirkt sie zurückhaltend, fast ein wenig schüchtern und beherrscht die hohe Kunst der Hintergrunddominanz - eine Fertigkeit, die guten Fotografierenden gemein ist.

So Gaga wie ihr Name prophezeit, ist sie gar nicht. Ab und zu macht sie lustige Sachen, wie beispielsweise Stummfilme drehen oder in einer Radiosendung auftreten, Literarisches vortragen oder MRT Selfies veröffentlichen. Sie hat - wie ich - einen Faible für Grande Dames. So ehrte Sie Brigitte Bardot zu deren Geburtstag oder schrieb über Hildegard Knef und die, die sie persönlich kennengelernt hat. Es gibt aber auch andere Serien, in denen sie nur über alltägliche Begebenheiten schreibt - so im Goldenen Notizbuch.

Ich schätze die offene und ehrliche Weise in der sie schreibt. Manchmal entstehen daraus längere Unterhaltungen, in denen wir meist stark vom Thema abschweifen. Dann sitze ich daheim und warte auf eine Antwort hier oder bei ihr drüben, die nie lange auf sich warten lässt. Das ist ein bisschen wie zeitverzögertes Telefonieren, bei dem wir öffentlich abgehört werden, weil sich nie jemand anderer beteiligt. Und manchmal denke ich, wir sollten wirklich richtig miteinander sprechen, denn ich mag auch ihre dunkle, warme Stimme.

Seit gestern weiß ich nicht, ob da ein naher Verwandter gestorben ist oder die Ankündigung von Nick Caves Requiem nur dem Künstler huldigt. Ich möchte ungern stören, zumal ich keine Kontaktdaten mehr habe. Irgendwann werden wir aber unsere Unterhaltung fortsetzen, da bin ich sicher.

tbc.

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Sonntag, 29. September 2019
Coming Home
Noch 55 Tage bis 5000. So lange wohne ich schon hier (davor geschätzte 730 auf myblog.de). Das sind um die 13 und paar zerquetschte Jahre (insgesamt also knapp 16 bloggend).



Inzwischen komme ich gerne wieder in mein virtuelles Zuause. Ich freue mich über jeden Kommentar hier und jede Anmerkung woanders - mache halt auch ein bisschen Werbung bei Zwitscher für jene, die mein Blog nicht auf dem Schirm haben. Was wäre ein Blog ohne Lesende? Ich mag die Leute, die mich hier besuchen. Ehrlich, sonst würde ich sie nicht reinlassen. Das ist der Vorteil eines kleinen Nischenblogs: die Zugriffszahlen sind niedrig und es gibt keine Trolle, was vor etwa 13 Jahren für kurze Zeit auch mal anders war. Viele von Ihnen kenne ich sogar persönlich. Es gab nämlich Zeiten, da habe ich mich bemüht, den ein oder anderen Blogger kennenzulernen. Gelegentlich melde ich mich noch kurzfristig bei denen, wenn ich mich an ihren Wohnorten aufhalte. Seit diesem Jahr fallen für mich berufsbedingt leider die europäischen Städte weg. Zum Glück kenne ich auch Menschen auf anderen Kontinenten.



Dieser Eintrag ist also meinen Gästen gewidmet, die hier netterweise lesen, mir Zustimmung oder -spruch spenden, mich zum Nachdenken oder Lachen bringen oder einfach nur vermelden, dass sie da waren. Alle Links zu Erwähnten finden sich übrigens in der Blogrolle unter Nachbarn und Minga.

Da wäre zu meiner Rechten die liebe Gaga, die mir über viele Jahre treu geblieben ist. Sie kommentiert eifrig und lang, weswegen man nicht über ihre Ausführungen hinwegfliegen darf. Wäre auch zu schade, denn es gibt in ihren Kommentaren immer wieder Gedankengänge, die aufzugreifen wert ist.
Zu meiner Linken sind Herr und Frau Rau, Feedleser, deren Blogs ich ebenfalls verfolge. Die tauchen vor allem dann auf, wenn's was Bayerisches, was Kurioses gibt oder für Erbauliches.
Herr Kid war einer der Ersten, der in meinem alten Blog kommentierte. Ich weiß noch genau, dass ich damals dachte: "Welch hoher Besuch", er hätte aber bestimmt nicht zu mir gefunden, wenn ich nicht vorher schonmal bei ihm angeklopft hätte. Er folgte mir hierher.
Arboretum war auch seit der ersten Stunde dabei. Wir trafen uns nie, und leider bloggt sie selbst nur noch sporadisch. Ich muss gestehen, auf Mails nicht zuverlässig geantwortet zu haben, weil mir wohl dazu nichts Kluges einfiel und ich es dann wieder vergessen habe.
Frau Croco und andere konnte ich beim Rosenfest persönlich kennenlernen. Joel, Nathalie und Hauptschulblues sind erst seit besagtem Tag hier anwesend.
Herr Cab zu meiner Rechten hat sich unlängst mal wieder blicken lassen. Es besteht also Hoffnung und die Möglichkeit, dass wir uns auch mal draussen begegnen. Er trägt nämlich jetzt ein Erkennungszeichen.
Es gab von mir organisierte Münchner Bloglesungen, bei denen ich die Bekanntschaft von Lyssa, Lisa9, Martina Kink und Don Alphonso machte. Manche davon haben mich besucht, manche verlinkt, andere mir sogar Einträge gewidmet. In Frankfurt hat sich Mark793 dazugesellt (da besteht er drauf) aber nie die Geschichte mit dem Nackensteak zu lesen bekommen.

Es gab über die Jahre viele Kommentierende, die inzwischen entweder nicht mehr in der Blogwelt aktiv sind, wie beispielsweise der Rationalstürmer, das Stilhäschen und Frau Herzbruch, mit der ich aber immer noch sporadisch Kontakt pflege, oder solche, die nie selbst Blog geschrieben haben, wie der fliegende Koch. Zu Gast waren auch ein Copilot der Swiss, Kolleginnen von Alitalia und Emirates, sowie viele andere, die sich für den Fliegeralltag interessierten. Der Neobazi ist verstorben, was damals das erste derartige Ereignisse war, das ich rein virtuell erlebte. Er kommentierte zu Lebzeiten fast alles und wir fühlten uns sehr verbunden. Ich habe ihn seinerzeit im Hamburger Nuttenturm besucht - die Taxifahrerin kannte das Haus, obwohl ich davon ausging, es handelte sich um die Erfindung vom Bazi. Andere sind komplett verschwunden, ohne dass ich von ihrem Verbleib wüsste. Und noch Andere, nicht Genannte, werde ich aus Gründen nicht mehr einladen.

Ich erhebe also das Glas auf diese illustre Gästerunde. Mögen Sie mir wohlgesonnen sein und immer mal wieder vorbeischauen. Bis zum nächsten Kommentar!



Das obligatorische Gruppenfoto mit Platzhaltern - aus Gründen

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