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Mittwoch, 17. Mai 2006
Sätze, die man sofort bloggen muss
frau klugscheisser, 16:43h
A: wenn du dir was wünschen dürftest, was wäre das?
B: eine Gummizelle mit so weichen Gummiwänden. Ganz für mich allein...
A: ?
B: eine Gummizelle mit so weichen Gummiwänden. Ganz für mich allein...
A: ?
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Ils n´ont pas d´idée
frau klugscheisser, 15:57h
Vieil océan,
ta forme harmonieusement sphérique,
qui réjouit la face grave
de la géométrie,
ne me rappelle que trop les petits yeux de
l'homme, pareils à
ceux du sanglier pour la petitesse, et à
ceux des oiseaux de nuit pour la perfection
circulaire du contour. Cependant,
I'homme s'est cru beau dans tous les siècles.
Moi, je suppose plutôt
que l'homme ne croit à sa beauté
que par amour-propre; mais,
qu'il n'est pas beau réellement et qu'il s'en doute;
car, pourquoi regarde-t-il la figure
de son semblable, avec tant de mépris ?
Je te salue, vieil océan!
Les chants de Maldoror, Lautréamont
Kann jemand, der sich so viele Gedanken um das Wesen des Menschseins macht, die Menschen verachten? Spätpubertäre Ergüsse, übersteigerte Pathetik? Noch bin ich zu keiner endgültigen Meinung über die Gesänge des Maldoror und ihren Verfasser gelangt.
Zum ersten Mal kam ich mit diesem Buch während meines Studiums in Berührung. Da war dieser Gitarrenstudent, merkwürdig verhalten, ein wenig verwahrlost, schwarze Ränder unter den Nägeln, die Haare strähnig im Gesicht, redete nie viel, doch wenn er etwas sagte, machten mich seine Worte neugierig. Wir belegten ähnliche Seminare, trafen uns gelegentlich in der Mensa und plauderten ein wenig. Dann verlor ich ihn wieder aus den Augen.
Einige Zeit später half er mir, den Zeichentrickfilm eines Freundes zu vertonen. Er hatte das volle Vertrauen des Fachdozenten, mit dem ich telefoniert hatte, und somit einen Schlüssel zum Tonstudio für elektronische Musik. Wir arbeiteten drei Tage an einer Tonspur von drei Minuten. Als der Film endlich fertig war, wollte ich ihn gemeinsam mit ihm ansehen. Er war wie vom Erdboden verschluckt. Ich fragte bei seinem Professor nach, doch der wusste von nichts. Er habe ihn ebenfalls schon einige Zeit nicht mehr gesehen. Ich bat ihn um eine Telefonnummer, die er mir gab. Als ich dort anrief, nahm er irgendwann nach langem Läuten den Hörer ab. Wir plauderten eine Weile und verabredeten uns für den kommenden Tag. Ich hatte ein merkwürdiges Gefühl. Am nächsten Tag sollte er mit der S-Bahn kommen. Ich würde ihn am Bahnsteig abholen. Die S-Bahn kam ohne ihn. Auch in der nächsten saß er nicht. In der Prähandyära fuhr ich nach Hause, um bei ihm anzurufen. Er behauptete, die Bahn verpasst zu haben. Ich schlug die nächste S-Bahn vor, mit der Ahnung, dass er auch die nicht nehmen würde. Am Bahnsteig wurde die Ahnung zur Gewissheit. Ich rief wieder an, ergebnislos. Einige Stunden später nahm er den Hörer ab. Alles was ich sagte war: "Ich komme jetzt vorbei. Wage es nicht, mir die Türe nicht zu öffnen!" Dann fuhr ich los. Es war bereits später Abend. Er öffnete tatsächlich. In seinem Zimmer wüstes Durcheinander, auf dem Plattenteller drehte Joni Mitchell vor sich hin. Er saß auf dem Boden, vor ihm das Buch. Ob ich es kenne? Ich verneinte. Das Buch sei so etwas wie seine persönliche Bibel. Wenn ich ihn verstehen wolle, müsse ich es lesen. Dann las er mir die achte Strophe des ersten Gesanges vollständig vor. Alles was ich begriff, war, dass ich ihn da rausholen musste. Ich schnappte meine Sachen, befahl ihm, sich anzuziehen und mir zu folgen. Wir fuhren los.
Ich schlief auf dem Boden. Meine Schlafcouch überließ ich ihm. Am nächsten Morgen saß er auf dem Boden in Zimmermitte, genau wie ich ihn am Vorabend in seinem Zimmer vorgefunden hatte. Er zitterte stark. Das machte mir Angst. Ich schrie ihn an, er solle zu zittern aufhören. Meine Erbarmungslosigkeit verfehlte nicht ihre Wirkung. Die Flasche Martini aus meinem Kühlschrank, die dort seit einem halben Jahr unberührt gestanden hatte, war genauso leer wie mein Geldbeutel. Letzteres bemerkte ich erst später. Ich fuhr ihn heim und sagte ihm, er könne mich jederzeit anrufen.
Es verging einige Zeit, bis ich ihn wiedersah. Sein Prof erzählte mir, er sei in einer psychiatrischen Klinik. Er sagte noch etwas von sehr intelligent, fast schon genial und deswegen nicht lebensfähig. Begriffen habe ich erst viel später was er damit meinte. In der Klinik besuchte ich ihn. Wir redeten ein wenig. Als ich ging, war das ein Abschied für immer.
Jedes Mal, wenn mir die Maldororgesänge in die Hände fallen, muss ich an diesen komischen Kerl denken. Was macht Menschen so kaputt? Sind es die Umstände/Umwelt oder die Unfähigkeit, für die Umstände Verantwortung zu übernehmen und sie zu beeinflussen?
Erster Gesang, vierte Strophe:
Es gibt Leute, die schreiben, um durch edle Eigenschaften des Herzens, die sie erfinden oder auch wirklich haben, menschlichen Beifall zu suchen. Mir aber dient mein Genie, die Wonnen der Grausamkeit zu schildern! Keine vergänglichen, gekünstelten Wonnen, sondern solche, die mit dem Menschen begonnen haben und die mit ihm enden. Kann sich gemäß der geheimen Beschlüsse der Vorsehung nicht das Genie der Grausamkeit verbinden? oder kann man nicht Genie haben, weil man grausam ist? Den Beweis wird man in meinen Worten finden; es steht euch frei, mir zu lauschen, wenn ihr wollt … Pardon, mir schien, als hätten sich auf meinem Kopf die Haare gesträubt; aber das hat nichts zu sagen, denn es ist mir sehr leicht gelungen, sie mit der Hand in ihre vorherige Lage zurückzubringen. Er, der hier singt, behauptet nicht, daß seine Kavatinen etwas Unbekanntes seien; im Gegenteil, er ist es zufrieden, daß die vermessenen und bösen Gedanken seines Helden in allen Menschen sind.
von hier
ta forme harmonieusement sphérique,
qui réjouit la face grave
de la géométrie,
ne me rappelle que trop les petits yeux de
l'homme, pareils à
ceux du sanglier pour la petitesse, et à
ceux des oiseaux de nuit pour la perfection
circulaire du contour. Cependant,
I'homme s'est cru beau dans tous les siècles.
Moi, je suppose plutôt
que l'homme ne croit à sa beauté
que par amour-propre; mais,
qu'il n'est pas beau réellement et qu'il s'en doute;
car, pourquoi regarde-t-il la figure
de son semblable, avec tant de mépris ?
Je te salue, vieil océan!
Les chants de Maldoror, Lautréamont
Kann jemand, der sich so viele Gedanken um das Wesen des Menschseins macht, die Menschen verachten? Spätpubertäre Ergüsse, übersteigerte Pathetik? Noch bin ich zu keiner endgültigen Meinung über die Gesänge des Maldoror und ihren Verfasser gelangt.
Zum ersten Mal kam ich mit diesem Buch während meines Studiums in Berührung. Da war dieser Gitarrenstudent, merkwürdig verhalten, ein wenig verwahrlost, schwarze Ränder unter den Nägeln, die Haare strähnig im Gesicht, redete nie viel, doch wenn er etwas sagte, machten mich seine Worte neugierig. Wir belegten ähnliche Seminare, trafen uns gelegentlich in der Mensa und plauderten ein wenig. Dann verlor ich ihn wieder aus den Augen.
Einige Zeit später half er mir, den Zeichentrickfilm eines Freundes zu vertonen. Er hatte das volle Vertrauen des Fachdozenten, mit dem ich telefoniert hatte, und somit einen Schlüssel zum Tonstudio für elektronische Musik. Wir arbeiteten drei Tage an einer Tonspur von drei Minuten. Als der Film endlich fertig war, wollte ich ihn gemeinsam mit ihm ansehen. Er war wie vom Erdboden verschluckt. Ich fragte bei seinem Professor nach, doch der wusste von nichts. Er habe ihn ebenfalls schon einige Zeit nicht mehr gesehen. Ich bat ihn um eine Telefonnummer, die er mir gab. Als ich dort anrief, nahm er irgendwann nach langem Läuten den Hörer ab. Wir plauderten eine Weile und verabredeten uns für den kommenden Tag. Ich hatte ein merkwürdiges Gefühl. Am nächsten Tag sollte er mit der S-Bahn kommen. Ich würde ihn am Bahnsteig abholen. Die S-Bahn kam ohne ihn. Auch in der nächsten saß er nicht. In der Prähandyära fuhr ich nach Hause, um bei ihm anzurufen. Er behauptete, die Bahn verpasst zu haben. Ich schlug die nächste S-Bahn vor, mit der Ahnung, dass er auch die nicht nehmen würde. Am Bahnsteig wurde die Ahnung zur Gewissheit. Ich rief wieder an, ergebnislos. Einige Stunden später nahm er den Hörer ab. Alles was ich sagte war: "Ich komme jetzt vorbei. Wage es nicht, mir die Türe nicht zu öffnen!" Dann fuhr ich los. Es war bereits später Abend. Er öffnete tatsächlich. In seinem Zimmer wüstes Durcheinander, auf dem Plattenteller drehte Joni Mitchell vor sich hin. Er saß auf dem Boden, vor ihm das Buch. Ob ich es kenne? Ich verneinte. Das Buch sei so etwas wie seine persönliche Bibel. Wenn ich ihn verstehen wolle, müsse ich es lesen. Dann las er mir die achte Strophe des ersten Gesanges vollständig vor. Alles was ich begriff, war, dass ich ihn da rausholen musste. Ich schnappte meine Sachen, befahl ihm, sich anzuziehen und mir zu folgen. Wir fuhren los.
Ich schlief auf dem Boden. Meine Schlafcouch überließ ich ihm. Am nächsten Morgen saß er auf dem Boden in Zimmermitte, genau wie ich ihn am Vorabend in seinem Zimmer vorgefunden hatte. Er zitterte stark. Das machte mir Angst. Ich schrie ihn an, er solle zu zittern aufhören. Meine Erbarmungslosigkeit verfehlte nicht ihre Wirkung. Die Flasche Martini aus meinem Kühlschrank, die dort seit einem halben Jahr unberührt gestanden hatte, war genauso leer wie mein Geldbeutel. Letzteres bemerkte ich erst später. Ich fuhr ihn heim und sagte ihm, er könne mich jederzeit anrufen.
Es verging einige Zeit, bis ich ihn wiedersah. Sein Prof erzählte mir, er sei in einer psychiatrischen Klinik. Er sagte noch etwas von sehr intelligent, fast schon genial und deswegen nicht lebensfähig. Begriffen habe ich erst viel später was er damit meinte. In der Klinik besuchte ich ihn. Wir redeten ein wenig. Als ich ging, war das ein Abschied für immer.
Jedes Mal, wenn mir die Maldororgesänge in die Hände fallen, muss ich an diesen komischen Kerl denken. Was macht Menschen so kaputt? Sind es die Umstände/Umwelt oder die Unfähigkeit, für die Umstände Verantwortung zu übernehmen und sie zu beeinflussen?
Erster Gesang, vierte Strophe:
Es gibt Leute, die schreiben, um durch edle Eigenschaften des Herzens, die sie erfinden oder auch wirklich haben, menschlichen Beifall zu suchen. Mir aber dient mein Genie, die Wonnen der Grausamkeit zu schildern! Keine vergänglichen, gekünstelten Wonnen, sondern solche, die mit dem Menschen begonnen haben und die mit ihm enden. Kann sich gemäß der geheimen Beschlüsse der Vorsehung nicht das Genie der Grausamkeit verbinden? oder kann man nicht Genie haben, weil man grausam ist? Den Beweis wird man in meinen Worten finden; es steht euch frei, mir zu lauschen, wenn ihr wollt … Pardon, mir schien, als hätten sich auf meinem Kopf die Haare gesträubt; aber das hat nichts zu sagen, denn es ist mir sehr leicht gelungen, sie mit der Hand in ihre vorherige Lage zurückzubringen. Er, der hier singt, behauptet nicht, daß seine Kavatinen etwas Unbekanntes seien; im Gegenteil, er ist es zufrieden, daß die vermessenen und bösen Gedanken seines Helden in allen Menschen sind.
von hier
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Die musikalische Reise - Teil 4
frau klugscheisser, 03:27h
Das Konzert war überraschend gut. Sie hatte das Orchester unterschätzt. Noch kurz nach der Generalprobe im Saal der Ferenc Liszt Hochschule für Musik hätte sie nicht für möglich gehalten, dass der Abend so gut laufen würde. Tempounstimmigkeiten, Intonationsschwierigkeiten in den Bläsergruppen und schwammige Streicher, die der Dirigent jedoch mit seinem Einfühlungsvermögen in die Solostimme überwand und zu einer Einheit zwang. Der neue Tag begann grau. Die Wolken würden heute den ganzen Tag am ungarischen Himmel hängen. Sie war schon morgens abgereist, um einen kostbaren Tag in ihren eigenen vier Wänden zu verbringen. Morgen würde sie nach New York fliegen. Sie brauchte einen Tag, um sich zu sammeln, Gedanken zu sortieren und auch die Schmutzwäsche. Während des Auspackens schweift sie ab. Der junge Kunststudent von damals war nur der Beginn einer inneren Reise zu sich selbst. Sie lernte viele andere Künstler kennen, Musiker, Dirigenten, Professoren aber auch Schreiber und Tänzer. Alle hatten sie eines gemeinsam. Da war diese tiefe Sehnsucht nach Verständnis, nach Heimat, nach Sicherheit und gleichzeitig eine starke Furcht vor Verletzung des so weichen Innersten. Die den Kreativen eigene und notwendige Sensibilität wird erst gehätschelt, dann versteckt und verbarrikadiert. Alle bauen sie dicke Mauern aus Steinen der Intellektualität, Überheblichkeit und Unnahbarkeit um ihre Herzen. Dabei suchen sie alle verzweifelt nach dem Gegenüber, der diese Mauern einzureißen oder wenigstens zu umgehen in der Lage war. Gleichzeitig getrieben von an Selbstzerstörung grenzender Disziplin, entwickeln sie eine Selbstverachtung, die ein Öffnen scheinbar unmöglich machen. Man will die dunklen Stellen vertuschen. Keiner soll sie zu sehen bekommen, außer man selbst. Wie sollte eine Begegnung der Seelen da noch möglich sein? Das Dilemma schien unausweichlich, die Spiralen von eigenem Unvermögen und Sehnsucht begannen sich wie ein Perpetuum mobile zu drehen.
Auch sie spürt diesen Streit in sich. Herz gegen Kopf, Verstand gegen Gefühl, Mensch gegen Seele, es geht nicht mit aber auch nicht ohne einander. Manchmal, wenn das Gefühl zu übermächtig wurde, wenn es sie in Stücke zu reißen drohte, setzte sie sich an ihr Instrument, um der Wut und Trauer Ausdruck zu verleihen. In solchen Momenten spielt sie Bártòk, Schubert oder Brahms, manchmal hämmert sie auch nur unkoordiniert mit den Fingern oder der ganzen Faust auf die Tasten ein. Doch Bártòk, Schubert und Brahms sind lange tot. Sie können nichts gegen diese überwältigenden Emotionen ausrichten. Dieser schwarze Kasten mit den vielen Saiten, an dem sie so viel Zeit verbrachte, ist ihr Sprachrohr und ihr Hassobjekt zugleich. Wie soll sie mit etwas Frieden schließen, das sie um so viel betrogen hat? Manchmal wünschte sie, als eine andere geboren zu sein. Sie stellt sich vor, Tag für Tag in einem Büro zu sitzen, den Gesprächen der Kollegen zu lauschen und unwichtige administrative Aufgaben zu erledigen. Die Pausen wären gewerkschaftlich geregelt, ebenso der Urlaubsanspruch. Sie hätte vielleicht eine Familie, ein, zwei Kinder und einen Mann, mit dem sie sich nachts um die Bettdecke streiten würde. Der Schuh gleitet aus ihrer Hand und fällt mit lautem Gepolter auf das Parkett. Das Geräusch reißt sie aus ihrem Tagtraum. Ihr langes Haar verdeckt die Augen, als sie den Kopf energisch zur Seite dreht, um die Gedanken abzuschütteln. Was nützt es, sich in ein was-wäre-wenn Spiel einzulassen, wo doch alles ganz anders ist. Die Zukunft sieht verheißungsvoll aus. Wer weiß, an welche Orte die sie bringen, wen sie treffen und welcher neue Eindruck sie berühren wird. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil ihres Lebens besteht darin, mit immer neuen Situationen konfrontiert zu sein. Sie ist neugierig auf das Leben, ja verlangt gar mehr von ihm. Durchschnittlichkeit ist ihr verhasst, genau wie der gleichmäßige Strom, in dem die Menschen neben ihr zu schwimmen scheinen. Sie will mehr, will alles.
Morgen Vormittag wird sie in die Maschine nach New York steigen. Eine ihr fremde Welt wartet da draußen. Die Carnegie Hall als Beginn einer internationalen Karriere. Während sie durch die Post blättert spielt Martha Argerich im Hintergrund Schumanns Fantasie op.17. Man sagt der Argerich nach, sie hätte mit all ihren Kammermusikpartnern geschlafen. Keiner - außer sie selbst - weiß, ob das der Wahrheit entspricht. Höchst wahrscheinlich schwingt bei den Verbreitern solcher Geschichten verletzte Eitelkeit oder im weiblichen Fall eine gehörige Portion Neid mit. Sie wäre gerne ein wenig wie Martha. Wild, leidenschaftlich und gleichzeitig berechnend und abweisend. Das zieht Männer an. Es weckt ihren Jagdinstinkt. Aber auch Martha wird einsame Nächte in tristen Hotelzimmern fremder Städte erleben. Im Grunde ist keiner aus ihrem Metier zu beneiden. In den Köpfen derer, die keine Ahnung davon haben, wie es ist, werden Klischees gezüchtet. Nicht immer decken sie sich mit der ernüchternden Wirklichkeit. Mit diesem Gedanken schließt sie das Fenster. Draußen beginnt es zu regnen. Nach einem langen Winter in Süddeutschland endlich einmal wieder Temperaturen, die den Asphalt im Regen riechbar machen. Das Neue hat gerade erst begonnen. Sie muss nur abwarten und die Augen offen halten.
Auch sie spürt diesen Streit in sich. Herz gegen Kopf, Verstand gegen Gefühl, Mensch gegen Seele, es geht nicht mit aber auch nicht ohne einander. Manchmal, wenn das Gefühl zu übermächtig wurde, wenn es sie in Stücke zu reißen drohte, setzte sie sich an ihr Instrument, um der Wut und Trauer Ausdruck zu verleihen. In solchen Momenten spielt sie Bártòk, Schubert oder Brahms, manchmal hämmert sie auch nur unkoordiniert mit den Fingern oder der ganzen Faust auf die Tasten ein. Doch Bártòk, Schubert und Brahms sind lange tot. Sie können nichts gegen diese überwältigenden Emotionen ausrichten. Dieser schwarze Kasten mit den vielen Saiten, an dem sie so viel Zeit verbrachte, ist ihr Sprachrohr und ihr Hassobjekt zugleich. Wie soll sie mit etwas Frieden schließen, das sie um so viel betrogen hat? Manchmal wünschte sie, als eine andere geboren zu sein. Sie stellt sich vor, Tag für Tag in einem Büro zu sitzen, den Gesprächen der Kollegen zu lauschen und unwichtige administrative Aufgaben zu erledigen. Die Pausen wären gewerkschaftlich geregelt, ebenso der Urlaubsanspruch. Sie hätte vielleicht eine Familie, ein, zwei Kinder und einen Mann, mit dem sie sich nachts um die Bettdecke streiten würde. Der Schuh gleitet aus ihrer Hand und fällt mit lautem Gepolter auf das Parkett. Das Geräusch reißt sie aus ihrem Tagtraum. Ihr langes Haar verdeckt die Augen, als sie den Kopf energisch zur Seite dreht, um die Gedanken abzuschütteln. Was nützt es, sich in ein was-wäre-wenn Spiel einzulassen, wo doch alles ganz anders ist. Die Zukunft sieht verheißungsvoll aus. Wer weiß, an welche Orte die sie bringen, wen sie treffen und welcher neue Eindruck sie berühren wird. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil ihres Lebens besteht darin, mit immer neuen Situationen konfrontiert zu sein. Sie ist neugierig auf das Leben, ja verlangt gar mehr von ihm. Durchschnittlichkeit ist ihr verhasst, genau wie der gleichmäßige Strom, in dem die Menschen neben ihr zu schwimmen scheinen. Sie will mehr, will alles.
Morgen Vormittag wird sie in die Maschine nach New York steigen. Eine ihr fremde Welt wartet da draußen. Die Carnegie Hall als Beginn einer internationalen Karriere. Während sie durch die Post blättert spielt Martha Argerich im Hintergrund Schumanns Fantasie op.17. Man sagt der Argerich nach, sie hätte mit all ihren Kammermusikpartnern geschlafen. Keiner - außer sie selbst - weiß, ob das der Wahrheit entspricht. Höchst wahrscheinlich schwingt bei den Verbreitern solcher Geschichten verletzte Eitelkeit oder im weiblichen Fall eine gehörige Portion Neid mit. Sie wäre gerne ein wenig wie Martha. Wild, leidenschaftlich und gleichzeitig berechnend und abweisend. Das zieht Männer an. Es weckt ihren Jagdinstinkt. Aber auch Martha wird einsame Nächte in tristen Hotelzimmern fremder Städte erleben. Im Grunde ist keiner aus ihrem Metier zu beneiden. In den Köpfen derer, die keine Ahnung davon haben, wie es ist, werden Klischees gezüchtet. Nicht immer decken sie sich mit der ernüchternden Wirklichkeit. Mit diesem Gedanken schließt sie das Fenster. Draußen beginnt es zu regnen. Nach einem langen Winter in Süddeutschland endlich einmal wieder Temperaturen, die den Asphalt im Regen riechbar machen. Das Neue hat gerade erst begonnen. Sie muss nur abwarten und die Augen offen halten.
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Dienstag, 16. Mai 2006
What are u lookin´for? (2)
frau klugscheisser, 18:31h
Heute mal kurz herzlich gelacht:
Search request: scheiss mich an
Search request: scheiss bethoven
Search request: sprüche für scheiß typen
Search request: scheiss america
Search request: uschi´s bestrafung
Und? Wie wollen wir Uschi bestrafen? Vorschläge?
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Und? Wie wollen wir Uschi bestrafen? Vorschläge?
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Das Verhalten des Einzelnen in der zähen Masse
frau klugscheisser, 14:07h
Auf diesen Beitrag von Frau eins60 bin ich erst gestern zufällig gestoßen (körperlich eins sechzig, geistig drei Meter zehn). Lesenswert, sehr sogar!
Und dann ist es zu spät. Dann ist die Chance vorbeigelaufen, dann hat sich der andere leise verabschiedet, geht in eine andere Stadt, eine andere Freundschaft oder ins Jenseits. Und der Moment ist verstrichen, in dem man sein Leben hätte ändern können, in dem man jemandem hätte nah sein können. Der Moment, in dem man hätte platzen können vor Glück. Für diese Gefühlsjubelei nehme ich den Fall in die stinkende Brühe der Niederlage in Kauf.
Das mit dem Jenseits passiert leider viel zu häufig. Ist auch menschlich, irgendwie. Aber immerhin bleibt die Zeit, die man sich hier täglich um die Ohren schlägt. Und die kann man ja sinnvoll nutzen, anstatt sich an der Sicherungskopie festzukrallen. Meistens ändert man sein Leben nur, wenn man von ihm gezwungen wird. Wenn überhaupt nichts mehr geht, wird der Krisenstab einberufen, analysiert, diskutiert und neue Strategien entwickelt. Schade, dass es immer erst zu einem Systemzusammenbruch kommen muss. Wer schon die kleinen Bugs im vorfeld sieht und repariert, wird später nicht den ganzen Mist neu konfigurieren müssen. Auf dem Sterbebett ist es nämlich zu spät. Dann kann man nur noch bedauern, was man versäumt hat.
Note to myself: mal wieder die laufenden Prozesse im Taskmanager angucken.
Und dann ist es zu spät. Dann ist die Chance vorbeigelaufen, dann hat sich der andere leise verabschiedet, geht in eine andere Stadt, eine andere Freundschaft oder ins Jenseits. Und der Moment ist verstrichen, in dem man sein Leben hätte ändern können, in dem man jemandem hätte nah sein können. Der Moment, in dem man hätte platzen können vor Glück. Für diese Gefühlsjubelei nehme ich den Fall in die stinkende Brühe der Niederlage in Kauf.
Das mit dem Jenseits passiert leider viel zu häufig. Ist auch menschlich, irgendwie. Aber immerhin bleibt die Zeit, die man sich hier täglich um die Ohren schlägt. Und die kann man ja sinnvoll nutzen, anstatt sich an der Sicherungskopie festzukrallen. Meistens ändert man sein Leben nur, wenn man von ihm gezwungen wird. Wenn überhaupt nichts mehr geht, wird der Krisenstab einberufen, analysiert, diskutiert und neue Strategien entwickelt. Schade, dass es immer erst zu einem Systemzusammenbruch kommen muss. Wer schon die kleinen Bugs im vorfeld sieht und repariert, wird später nicht den ganzen Mist neu konfigurieren müssen. Auf dem Sterbebett ist es nämlich zu spät. Dann kann man nur noch bedauern, was man versäumt hat.
Note to myself: mal wieder die laufenden Prozesse im Taskmanager angucken.
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Die musikalische Reise - Teil 3
frau klugscheisser, 03:07h
Die Konzertagentur schreibt ihr vor, wo sie heute und morgen zu sein hat. Die entscheiden über ihr Leben. Damals, gleich nach ihrem ersten gewonnenen Wettbewerb hat ihr ehrgeiziger Vater diese Agentur über einen Freund engagiert. Man machte Bekanntschaften, knobelte Geschäftsbeziehungen und kleine Gefälligkeiten neben dem kalten Buffet oder einem Glas Wein aus. Zusammenkünfte, bei denen sie regelmäßig durch Abwesenheit glänzte. Nur während der Hausmusikzirkel durfte sie als Hauptattraktion nie fehlen. Sie war das Zirkuspferdchen, das Kunststücke am heimischen Flügel präsentierte. Damals hasste sie diese Treffen der Einflussreichen im elterlichen Haus und liebte es zugleich, Anerkennung in Form von Applaus zu bekommen. Die Konzertagentur war mittlerweile nicht mehr für sie als der verlängerte Arm der Eltern. Wo sie wann zu sein hat, wird ihr per Post übermittelt. Heute soll sie mit einem Orchester unter der Leitung eines unbekannten Dirigenten in Budapest spielen, wo sie zwei Tage bleiben würde. Dann übermorgen Rom, am darauffolgenden Tag heim, um den Koffer umzupacken und sich auf das Debüt in der Carnegie Hall vorzubereiten. All das wächst ihr langsam über den Kopf. Sie hasst es, fremdbestimmt zu sein. Viel lieber würde sie Luft schöpfen, ihren Gedanken nachhängen und in der ihr gewohnten Umgebung sein. Doch die Saat des Ehrgeizes ihrer Eltern scheint Früchte zu tragen. Sie will nicht ohne den Applaus sein, ohne die Anerkennung für ihre Entbehrungen und seelischen Qualen. Da ist etwas in ihr, das sie anzutreiben scheint, immer weiter zu gehen. Weiter und weiter, wie der Wanderer, der ihr aus Schuberts Werk so nah scheint.
Die Altstadt Budapests empfängt sie freundlich. Frühsommerliche Sonne erwärmt den Asphalt. Noch sind die Temperaturen erträglich. Sie erinnert sich an die Hitze des Spätsommers einer Klassenfahrt hierher. Die Blasen an ihren Füssen schmerzten, als sie von Laden zu Laden lief, um Klaviernoten aus den Archivaren aufzutreiben. Vieles wurde in der Zeit, als Budapest noch unter sozialistisch kommunistischem Regime stand, billiger verkauft, als sie es in Deutschland hätte erwerben können. Eines der damals erworbenen Schnäppchen war Bartóks Allegro barbaro. Dieses Kleinod, das ihr in den Stunden der Wut so ans Herz gewachsen war, würde sie heute Abend als Zugabe spielen. Nicht gerade kompatibel mit dem so erhabenen Mozart. Mozart sei leicht, verspielt und dennoch tragisch. Die Worte ihrer langjährigen Lehrerin während der Schulzeit klingen noch in ihrem Ohr. Bartók sei wild, zornig und ursprünglich. Diese Äusserung machte sie neugierig. Sie musste die Noten haben, den Text lernen, die Gefühle durch ihre Finger begreifen. Je öfter sie das Allegro spielte, umso mehr fühlte sie mit der Zeit die Kraft der Aussage in Klängen. Manchmal war sie so wütend auf ihre Eltern, dass sie in ihr Zimmer rannte, die Türe hinter sich zuknallte und mit der Faust auf die Klaviatur hämmerndihren Gefühlen freien Lauf ließ. Klänge wurden zum Befreiungsschlag gegen die elterliche Unterdrückung, jedes Fortissimo ein Aufschrei gegen empfundene Ungerechtigkeit. Obwohl all das lange her ist, spürt sie immer noch die Kraft, die in Bartóks Stück gebannt scheint. Manches Mal wünschte sie, einem Menschen zu begegnen, der die durch ihre Finger hervorgebrachten Aussagen deuten könnte.
Die Kettenbrücke verbindet Búda mit Pest. Alte Autokatalysatoren machen die Luft dort stickig. Sie steht eine Weile auf der Brücke und starrt auf das fließende Donauwasser. Was wäre, wenn sie einfach hinunterspringen würde? Ein durchaus reizvolles Gedankenspiel. Nein, tot wäre sie nicht, dazu braucht es mehr. Was wäre, wenn sie sich das Leben nehmen würde? Wer würde um sie trauern, wer sie vermissen? Natürlich wäre das eine Schande für die Eltern. Sie wären schockiert, wüssten nicht, was sie im Bekanntenkreis sagen sollten. Während sie diesen Gedanken nachhängt, erblickt sie ein Blatt, das auf der Wasseroberfläche dahinschwimmt. Nein, solche Gedanken will sie abschütteln wie der Wind das herbstliche Blatt am Baum. Viel zu sehr ist sie mit dem Leben verwachsen, mit den Tönen und mit dem Augenblick, der sie sich jeden Moment neu kreieren lässt. Sie ist in ihrem Innersten reich, ausgefüllt von Gedanken und Gefühlen, die sie jetzt der Welt zu präsentieren bereit ist. Diese Chance will sie sich nicht entgehen lassen. Während sie langsam das Trottoire neben dem Brückengeländer entlang schlendert, erklingen in ihrem inneren Ohr die ersten Takte des Mozartkonzertes. So oft hat sie sich die Aufnahme von Clara Haskil unter einem nicht namhaften Orchester mit einem noch viel unnamhafteren Dirigenten angehört. Diese Frau, die ihre wichtigsten Lebensjahre in einem Gipskorsett verbrachte, war eine ihrer heimlichen Heldinnen. Nur wenige Aufnahmen zeugen von ihrer schöpferischen Kraft. Dennoch gelangte sie posthum durch einen nach ihr benannten Klavierwettbewerb und einige wenige erhaltene Aufnahmen zu Weltruhm. Die Aufnahme des langsamen Satzes aus dem Mozartklavierkonzert KV 488 birgt so viel von diesem Leiden, von der trotzigen Zärtlichkeit der Interpretin, dass man sie kaum ohne davon berührt zu sein anhören kann. Genau dieses Erbe wird sie heute Abend in die Welt tragen. Wer es nicht begriffen hat, wird spätestens durch ihre heutige Interpretation begreifen, welche Dimensionen solch ein Werk zu eröffnen in der Lage ist. Mit diesen Gedanken im Schlepptau schreitet sie langsam ihrer derzeitigen Unterkunft entgegen. Langsam senkt sich die Abenddämmerung über die Stadt. Hier will sie nicht bleiben, lieber einen Tag früher abreisen, lieber bei sich sein. Noch bevor sie den Konzertsaal betritt, wird sie auch von dieser Stadt Abschied genommen haben.
Die Altstadt Budapests empfängt sie freundlich. Frühsommerliche Sonne erwärmt den Asphalt. Noch sind die Temperaturen erträglich. Sie erinnert sich an die Hitze des Spätsommers einer Klassenfahrt hierher. Die Blasen an ihren Füssen schmerzten, als sie von Laden zu Laden lief, um Klaviernoten aus den Archivaren aufzutreiben. Vieles wurde in der Zeit, als Budapest noch unter sozialistisch kommunistischem Regime stand, billiger verkauft, als sie es in Deutschland hätte erwerben können. Eines der damals erworbenen Schnäppchen war Bartóks Allegro barbaro. Dieses Kleinod, das ihr in den Stunden der Wut so ans Herz gewachsen war, würde sie heute Abend als Zugabe spielen. Nicht gerade kompatibel mit dem so erhabenen Mozart. Mozart sei leicht, verspielt und dennoch tragisch. Die Worte ihrer langjährigen Lehrerin während der Schulzeit klingen noch in ihrem Ohr. Bartók sei wild, zornig und ursprünglich. Diese Äusserung machte sie neugierig. Sie musste die Noten haben, den Text lernen, die Gefühle durch ihre Finger begreifen. Je öfter sie das Allegro spielte, umso mehr fühlte sie mit der Zeit die Kraft der Aussage in Klängen. Manchmal war sie so wütend auf ihre Eltern, dass sie in ihr Zimmer rannte, die Türe hinter sich zuknallte und mit der Faust auf die Klaviatur hämmerndihren Gefühlen freien Lauf ließ. Klänge wurden zum Befreiungsschlag gegen die elterliche Unterdrückung, jedes Fortissimo ein Aufschrei gegen empfundene Ungerechtigkeit. Obwohl all das lange her ist, spürt sie immer noch die Kraft, die in Bartóks Stück gebannt scheint. Manches Mal wünschte sie, einem Menschen zu begegnen, der die durch ihre Finger hervorgebrachten Aussagen deuten könnte.
Die Kettenbrücke verbindet Búda mit Pest. Alte Autokatalysatoren machen die Luft dort stickig. Sie steht eine Weile auf der Brücke und starrt auf das fließende Donauwasser. Was wäre, wenn sie einfach hinunterspringen würde? Ein durchaus reizvolles Gedankenspiel. Nein, tot wäre sie nicht, dazu braucht es mehr. Was wäre, wenn sie sich das Leben nehmen würde? Wer würde um sie trauern, wer sie vermissen? Natürlich wäre das eine Schande für die Eltern. Sie wären schockiert, wüssten nicht, was sie im Bekanntenkreis sagen sollten. Während sie diesen Gedanken nachhängt, erblickt sie ein Blatt, das auf der Wasseroberfläche dahinschwimmt. Nein, solche Gedanken will sie abschütteln wie der Wind das herbstliche Blatt am Baum. Viel zu sehr ist sie mit dem Leben verwachsen, mit den Tönen und mit dem Augenblick, der sie sich jeden Moment neu kreieren lässt. Sie ist in ihrem Innersten reich, ausgefüllt von Gedanken und Gefühlen, die sie jetzt der Welt zu präsentieren bereit ist. Diese Chance will sie sich nicht entgehen lassen. Während sie langsam das Trottoire neben dem Brückengeländer entlang schlendert, erklingen in ihrem inneren Ohr die ersten Takte des Mozartkonzertes. So oft hat sie sich die Aufnahme von Clara Haskil unter einem nicht namhaften Orchester mit einem noch viel unnamhafteren Dirigenten angehört. Diese Frau, die ihre wichtigsten Lebensjahre in einem Gipskorsett verbrachte, war eine ihrer heimlichen Heldinnen. Nur wenige Aufnahmen zeugen von ihrer schöpferischen Kraft. Dennoch gelangte sie posthum durch einen nach ihr benannten Klavierwettbewerb und einige wenige erhaltene Aufnahmen zu Weltruhm. Die Aufnahme des langsamen Satzes aus dem Mozartklavierkonzert KV 488 birgt so viel von diesem Leiden, von der trotzigen Zärtlichkeit der Interpretin, dass man sie kaum ohne davon berührt zu sein anhören kann. Genau dieses Erbe wird sie heute Abend in die Welt tragen. Wer es nicht begriffen hat, wird spätestens durch ihre heutige Interpretation begreifen, welche Dimensionen solch ein Werk zu eröffnen in der Lage ist. Mit diesen Gedanken im Schlepptau schreitet sie langsam ihrer derzeitigen Unterkunft entgegen. Langsam senkt sich die Abenddämmerung über die Stadt. Hier will sie nicht bleiben, lieber einen Tag früher abreisen, lieber bei sich sein. Noch bevor sie den Konzertsaal betritt, wird sie auch von dieser Stadt Abschied genommen haben.
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Montag, 15. Mai 2006
Itchy bitchy steamy beamy
frau klugscheisser, 20:05h
Vor drei Wochen wurde mir die abschraubbare Autoantenne geklaut. Seither renne ich in der Gegend rum und sehe nur noch Autoantennen. Erst dachte ich Schraubst halt eine von einem fremden Auto ab aber das entspricht mir nicht. Allerdings muss ich zugeben, juckt es gewaltig in den Fingern. Folgender Dialog entspannt sich so oder ähnlich seitdem fast täglich in meinem Hirn:
Bitch:Guck mal, da ist ein VW mit Starnberger Kennzeichen.
Moralizer: Ja und?
Bitch: Komm schon, der kann 50 Tacken sicher verkraften. Wohnt nicht umsonst auf dem gehobeneren Land.
Moralizer: Ganz toll. Irgendeiner fängt mit diesem Scheiß an und dann geht´s einmal rundrum. Du musst das unterbrechen. Erst rumnölen, wie schlecht die Welt ist und dass die Leut keinen Respekt vor Privateigentum mehr haben aber selber keinen Deut besser sein oder wie?
Bitch: C´mon, davon wird die Welt auch nicht besser. So eine klitzekleine Antenne von einem klitzekleinen Auto....
Moralizer: NEIN! BASTA!
Bitch: *schmollt*
Moralizer: Hey Spatzl, morgen gehen wir zum Mediamarkt eine Antenne kaufen, hm, was meinst? *knufft mit dem Ellenbogen*
Bitch: grmlgrmlgrml
Moralizer: Gleich morgen früh. Als allererstes, ja?
Bitch: gnagnagna
Moralizer: Jetzt sei halt ned a so! *stubst mit dem Finger in die Rippen*
Bitch: hihi...pfffhmm...mhm. *nickt ganz leicht*
Moralizer: Na also, geht doch. Jetzt gibst ma noch ein Bussi und dann simma wieder gut *hält die Backe hin*
Bitch: Alter Depp! Bis morgen hast es eh wieder vergessen.
*singt leise* S´war immer so, s´war immer so...
Bitch:Guck mal, da ist ein VW mit Starnberger Kennzeichen.
Moralizer: Ja und?
Bitch: Komm schon, der kann 50 Tacken sicher verkraften. Wohnt nicht umsonst auf dem gehobeneren Land.
Moralizer: Ganz toll. Irgendeiner fängt mit diesem Scheiß an und dann geht´s einmal rundrum. Du musst das unterbrechen. Erst rumnölen, wie schlecht die Welt ist und dass die Leut keinen Respekt vor Privateigentum mehr haben aber selber keinen Deut besser sein oder wie?
Bitch: C´mon, davon wird die Welt auch nicht besser. So eine klitzekleine Antenne von einem klitzekleinen Auto....
Moralizer: NEIN! BASTA!
Bitch: *schmollt*
Moralizer: Hey Spatzl, morgen gehen wir zum Mediamarkt eine Antenne kaufen, hm, was meinst? *knufft mit dem Ellenbogen*
Bitch: grmlgrmlgrml
Moralizer: Gleich morgen früh. Als allererstes, ja?
Bitch: gnagnagna
Moralizer: Jetzt sei halt ned a so! *stubst mit dem Finger in die Rippen*
Bitch: hihi...pfffhmm...mhm. *nickt ganz leicht*
Moralizer: Na also, geht doch. Jetzt gibst ma noch ein Bussi und dann simma wieder gut *hält die Backe hin*
Bitch: Alter Depp! Bis morgen hast es eh wieder vergessen.
*singt leise* S´war immer so, s´war immer so...
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What are u lookin´for?
frau klugscheisser, 14:11h
Seit etwa 5 Tagen häufen sich bei mir merkwürdige Suchanfragen:
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und das sind noch lange nicht alle.
Sehr geehrter Sucher,
wie wäre es mit einer Mail an mich mit entsprechender Suchanfrage? Das spart enorm viel Zeit und ich könnte vielleicht die ein oder andere Frage klären.
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wie wäre es mit einer Mail an mich mit entsprechender Suchanfrage? Das spart enorm viel Zeit und ich könnte vielleicht die ein oder andere Frage klären.
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Die musikalische Reise - Teil 2
frau klugscheisser, 13:39h
Die Sonne kitzelt ihre Nase, als sie mit dem Bus vom Flughafen ins Zentrum fährt. Auf den Straßen ist lebhafter Verkehr. Mofas knattern zwischen hupenden Autos. Frauen in engen T-Shirts laufen nebenher, Männer in Anzügen, eine Zeitung unter dem Arm, eilen ihrer täglichen Arbeit entgegen. Der Sommer mit seiner unbarmherzig heißen Luft ist nicht mehr weit. Mit der linken Hand klopft sie die Eingangsakkorde von Ravels Alborada del gracioso auf den Koffer neben ihren Beinen. Heute Abend wird sie es im Palau de la música spielen, ein prachtvolles Konzerthaus in Jugendstilmanier mit hervorragender Akkustik, in dem bereits der junge Rubinstein debutierte. Die Herausforderung lag nicht am schweren Erbe – gab es doch immer wieder große Pianisten, die Meilensteine in der Interpretation verschiedener Kompositionen gesetzt hatten – und auch nicht am Publikum, das gerne Landsmänner feiert, sich jedoch ausländischen Interpreten gegenüber verhalten zeigt. Die größte Herausforderung für einen Pianisten ist, sich immer wieder auf ein fremdes Instrument einstellen zu müssen. Wie wird der Flügel gestimmt sein? Macht dem Instrument die Luftfeuchtigkeit des Meeres bereits zu schaffen? Ist es gut gestimmt? Selbst Namen wie Steinway oder Bechstein garantieren alleine noch lange keine Perfektion. Zu viele Faktoren beeinflussen den Klang des Instrumentes, als dass man von gleichbleibenden Vorraussetzungen sprechen könnte. In die Renovierung der Konzertsäle wird Geld gesteckt, das an Gagen und Instrumentenwartung eingespart wird. Sie spürt Unruhe in sich aufsteigen. Wenn sie in der kleinen Pension ganz in der Nähe der Catedral de Sta. Eulalia angekommen ist, wird sie die Konzertdirektion anrufen und anschließend im Palau Bekanntschaft mit dem schwarzen Ungeheuer zu machen.
Im Palau ist es angenehm kühl. Zwei Putzfrauen schieben ihre Besen zwischen den Reihen vor sich her. Die samtbezogenen Sitze sind wie Kinobestuhlung tagsüber hochgeklappt. Sie sitzt auf der Bühne und lässt ihren Blick über die beiden Emporen schweifen, während ihre Finger über die Tasten gleiten. Abwechselnd erklingen Passagen aus der Schumann Fantasie op. 17, Liszts Sonetto del Petrarca – das Horrowitz in seinem ersten Berliner Konzert nach dem Krieg so unnachahmlich spielte – und diverse Fingerübungen. Sie hat für den Abend ein deutsches Programm gewählt. Stücke aus dem Wettbewerb und solche, die sie schon lange begleiten sind dabei. Für die Zugabe hat sie Ravel und zwei kleine Preludes von Chopin gewählt. Sie ist zu tief in Gedanken, als dass sie das fröhliche Geplapper und Klappern der Putzfrauen beim Aufwärmen stören würde. Heute Abend werden die Emporen mit Menschen gefüllt sein. Der Saal ist nahezu ausverkauft. Schätzungsweise 500 Augenpaare werden dann auf sie gerichtet sein, die in diesem Moment, wenn sie sich vor das schwarze Monster setzt, der einsamste Mensch auf Erden ist. Dann wird sie ihre Fingerspitzen auf die Tasten legen, einmal tief einatmen, um anschließend die Musik aus ihrem Kopf und Körper zu entlassen. Wenn die ersten Klänge den Raum füllen, wird sie in das Zwiegespräch mit ihnen eintreten. Dann existiert kein Bewusstsein von Ich mehr. Die Töne werden mit ihrer Seele verschmelzen und an die Stelle der Worte in ihrem Kopf treten. Diesen Moment liebt sie. Sie ist so süchtig danach, dass sie dafür alle Entbehrungen und Ängste gerne auf sich nimmt. In diesem Moment weiß sie, wer sie ist, obwohl sie gleichzeitig nicht mehr ist.
Die Sonne schneidet in die Augen, als sie aus dem dunklen Eingang des Palau tritt. Für einen kurzen Augenblick ist sie blind. Sie nimmt die Gerüche der Straße wahr, saugt sie in sich ein, hört Stimmen und Vogelzwitschern, das Knattern der Lastwägen, spürt die Wärme auf ihrer Haut. Den ersten Schritt nach draußen macht sie mit geschlossenen Augen. Ihre Füße wissen, wohin das Herz möchte. Andere Menschen, andere Zeit. Wenn sie die Augen geschlossen hält, kann sie seine Schritte hören, seinen Arm spüren. Wie an jedem Nachmittag gehen sie in Richtung Barceloneta ans Wasser. Auf dem Weg dorthin ein kleiner Abstecher in die Catedral Sta. Maria del mar, wo sie eine kleine Weile ganz still nebeneinander sitzen. Als sie die Augen wieder öffnet, ist er verschwunden. Sie ist eine andere und wäre doch gerne die, die sie damals war. Dafür würde sie sogar die Musik eintauschen, mit all ihren grandiosen Momenten. Während sie weitergeht, überfliegt sie das Fax ihrer Agentur. Morgen schon wird sie nicht mehr hier sein. Man hat ein Konzert in Budapest für sie arrangiert. Dort wird sie ihr Mozart Konzert vom Finale mit Orchester spielen. Zeit, um von der Vergangenheit Abschied zu nehmen.
Im Palau ist es angenehm kühl. Zwei Putzfrauen schieben ihre Besen zwischen den Reihen vor sich her. Die samtbezogenen Sitze sind wie Kinobestuhlung tagsüber hochgeklappt. Sie sitzt auf der Bühne und lässt ihren Blick über die beiden Emporen schweifen, während ihre Finger über die Tasten gleiten. Abwechselnd erklingen Passagen aus der Schumann Fantasie op. 17, Liszts Sonetto del Petrarca – das Horrowitz in seinem ersten Berliner Konzert nach dem Krieg so unnachahmlich spielte – und diverse Fingerübungen. Sie hat für den Abend ein deutsches Programm gewählt. Stücke aus dem Wettbewerb und solche, die sie schon lange begleiten sind dabei. Für die Zugabe hat sie Ravel und zwei kleine Preludes von Chopin gewählt. Sie ist zu tief in Gedanken, als dass sie das fröhliche Geplapper und Klappern der Putzfrauen beim Aufwärmen stören würde. Heute Abend werden die Emporen mit Menschen gefüllt sein. Der Saal ist nahezu ausverkauft. Schätzungsweise 500 Augenpaare werden dann auf sie gerichtet sein, die in diesem Moment, wenn sie sich vor das schwarze Monster setzt, der einsamste Mensch auf Erden ist. Dann wird sie ihre Fingerspitzen auf die Tasten legen, einmal tief einatmen, um anschließend die Musik aus ihrem Kopf und Körper zu entlassen. Wenn die ersten Klänge den Raum füllen, wird sie in das Zwiegespräch mit ihnen eintreten. Dann existiert kein Bewusstsein von Ich mehr. Die Töne werden mit ihrer Seele verschmelzen und an die Stelle der Worte in ihrem Kopf treten. Diesen Moment liebt sie. Sie ist so süchtig danach, dass sie dafür alle Entbehrungen und Ängste gerne auf sich nimmt. In diesem Moment weiß sie, wer sie ist, obwohl sie gleichzeitig nicht mehr ist.
Die Sonne schneidet in die Augen, als sie aus dem dunklen Eingang des Palau tritt. Für einen kurzen Augenblick ist sie blind. Sie nimmt die Gerüche der Straße wahr, saugt sie in sich ein, hört Stimmen und Vogelzwitschern, das Knattern der Lastwägen, spürt die Wärme auf ihrer Haut. Den ersten Schritt nach draußen macht sie mit geschlossenen Augen. Ihre Füße wissen, wohin das Herz möchte. Andere Menschen, andere Zeit. Wenn sie die Augen geschlossen hält, kann sie seine Schritte hören, seinen Arm spüren. Wie an jedem Nachmittag gehen sie in Richtung Barceloneta ans Wasser. Auf dem Weg dorthin ein kleiner Abstecher in die Catedral Sta. Maria del mar, wo sie eine kleine Weile ganz still nebeneinander sitzen. Als sie die Augen wieder öffnet, ist er verschwunden. Sie ist eine andere und wäre doch gerne die, die sie damals war. Dafür würde sie sogar die Musik eintauschen, mit all ihren grandiosen Momenten. Während sie weitergeht, überfliegt sie das Fax ihrer Agentur. Morgen schon wird sie nicht mehr hier sein. Man hat ein Konzert in Budapest für sie arrangiert. Dort wird sie ihr Mozart Konzert vom Finale mit Orchester spielen. Zeit, um von der Vergangenheit Abschied zu nehmen.
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