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Donnerstag, 6. Juli 2006
Move your body
frau klugscheisser, 14:42h
Heute ein typisches Frauenthema. Nicht weil Frauen alleine davon betroffen wären, sondern weil sie es ständig thematisieren. Das hängt natürlich auch mit dem gängigen Schönheitsideal zusammen, das einem permanent unterschwellig als Maßstab suggeriert wird. Das Thema heisst: mein Körper und ich unter besonderer Berücksichtigung des Fettanteils.
Seit diesem Beitrag hat die Kaltmamsell bei mir unbegrenzte Respektcredits. Aber wie es eben so ist, sieht man sich selbst meist mit viel kritischeren Augen als andere. Warum das so ist, darüber habe ich mir immer wieder Gedanken gemacht und soll ein andermal besprochen werden. Da helfen auch keine Dementi oder Komplimente von außen, wenn man sich in seinem Körper nicht wohl fühlt. Und so ist es seit etwa zwei Jahren bei mir: DAS ist nicht mehr MEIN Körper. Ich habe mich immer gegen Ist-sos gesträubt, genau wie ich den Jammerern die Luft mit einem harschen „dann tu was dagegen“ abschneide. Der Körper verändere sich im Laufe des Lebens, ab 30 würde man eben nicht mehr so leicht abnehmen. Für mich schien diese Regel lange nicht zu gelten. Dann wurde ich faul. Ich bewegte mich nicht mehr so viel, hielt Sport für Zeitverschwendung und aß trotzdem mit Genuss. Das leidige Thema Diät habe ich in meinen Zwanzigern beendet, weil es auf Dauer schlichtweg langweilte. Zart und fragil war ich noch nie. Mein Körperbau zählt eher zur stabilen Sorte: breite Schultern, breite Fesseln, dicke Oberarme und ausgeprägte Weiblichkeitsmerkmale, dafür mehr Muskelmasse als Fett. In den letzten Jahren hat sich das nun geändert. Erst unmerklich, dann an diversen Kleidungsstücken feststellbar, stieg mein Körpergewicht beständig an. Während meines Umzuges sortierte ich die inzwischen zu klein gewordenen Teile konsequent aus und bestellte meine Uniform eine Nummer größer. Immer noch war ich der Ansicht, dass ich die Gewichtszunahme mit Ausstrahlung wettmachen würde. Seit einigen Wochen merke ich, wie meine Ausstrahlung aufgrund von Übellaunigkeit flöten geht, sobald ich in den Spiegel einer Umkleidekabine schaue oder mich daheim entkleide. Diese Röllchen zwischen Gesäß und Brustkorb stören massiv bei Drehungen in der Taille, der Bauch stülpt sich beim Sitzen über den Hosenbund und Knopfleisten scheinen erheblich angespannter als früher.
Keine Frage, ich sollte mich wieder mehr bewegen (um mal das unbeliebte Wort „Sport“ zu vermeiden). Damals als ich noch sehr viel tanzte (Jazz, Modern, Step, Ballett) und die Gelegenheit hatte, jeden Tag mit Profis zu trainieren, war meine Welt noch in Ordnung. Heute machen mir meine Knie, die ich in jungen Jahren wohl zu stark belastete, einen Strich durch die Rechnung. Joggen habe ich immer gehasst, ebenso das übliche Angebot im Fitnessstudio. Und hier möchte ich mal in die Runde meiner Leser fragen, was die so empfehlen. Ich suche nämlich eine Sportart, die so viel Spaß macht, dass man die Anstrengung darüber vergisst (so war das damals mit dem Tanztraining bei mir). Die Betätigung sollte zudem knieschonend sein und trotzdem ein wenig Kondition und Muskeln aufbauend. Alles, was monotone Bewegungen beinhaltet oder Mannschaftssportarten scheidet aus. Das mag ich nicht. Bleibt da überhaupt noch was übrig oder muss ich mich damit abfinden, ab jetzt nicht nur alt, sondern auch fett zu werden? Und bitte keine gut gemeinten Kommentare bezüglich meines Aussehens. Die bleiben in meinem selektiven Wahrnehmungsfilter hängen.
Seit diesem Beitrag hat die Kaltmamsell bei mir unbegrenzte Respektcredits. Aber wie es eben so ist, sieht man sich selbst meist mit viel kritischeren Augen als andere. Warum das so ist, darüber habe ich mir immer wieder Gedanken gemacht und soll ein andermal besprochen werden. Da helfen auch keine Dementi oder Komplimente von außen, wenn man sich in seinem Körper nicht wohl fühlt. Und so ist es seit etwa zwei Jahren bei mir: DAS ist nicht mehr MEIN Körper. Ich habe mich immer gegen Ist-sos gesträubt, genau wie ich den Jammerern die Luft mit einem harschen „dann tu was dagegen“ abschneide. Der Körper verändere sich im Laufe des Lebens, ab 30 würde man eben nicht mehr so leicht abnehmen. Für mich schien diese Regel lange nicht zu gelten. Dann wurde ich faul. Ich bewegte mich nicht mehr so viel, hielt Sport für Zeitverschwendung und aß trotzdem mit Genuss. Das leidige Thema Diät habe ich in meinen Zwanzigern beendet, weil es auf Dauer schlichtweg langweilte. Zart und fragil war ich noch nie. Mein Körperbau zählt eher zur stabilen Sorte: breite Schultern, breite Fesseln, dicke Oberarme und ausgeprägte Weiblichkeitsmerkmale, dafür mehr Muskelmasse als Fett. In den letzten Jahren hat sich das nun geändert. Erst unmerklich, dann an diversen Kleidungsstücken feststellbar, stieg mein Körpergewicht beständig an. Während meines Umzuges sortierte ich die inzwischen zu klein gewordenen Teile konsequent aus und bestellte meine Uniform eine Nummer größer. Immer noch war ich der Ansicht, dass ich die Gewichtszunahme mit Ausstrahlung wettmachen würde. Seit einigen Wochen merke ich, wie meine Ausstrahlung aufgrund von Übellaunigkeit flöten geht, sobald ich in den Spiegel einer Umkleidekabine schaue oder mich daheim entkleide. Diese Röllchen zwischen Gesäß und Brustkorb stören massiv bei Drehungen in der Taille, der Bauch stülpt sich beim Sitzen über den Hosenbund und Knopfleisten scheinen erheblich angespannter als früher.
Keine Frage, ich sollte mich wieder mehr bewegen (um mal das unbeliebte Wort „Sport“ zu vermeiden). Damals als ich noch sehr viel tanzte (Jazz, Modern, Step, Ballett) und die Gelegenheit hatte, jeden Tag mit Profis zu trainieren, war meine Welt noch in Ordnung. Heute machen mir meine Knie, die ich in jungen Jahren wohl zu stark belastete, einen Strich durch die Rechnung. Joggen habe ich immer gehasst, ebenso das übliche Angebot im Fitnessstudio. Und hier möchte ich mal in die Runde meiner Leser fragen, was die so empfehlen. Ich suche nämlich eine Sportart, die so viel Spaß macht, dass man die Anstrengung darüber vergisst (so war das damals mit dem Tanztraining bei mir). Die Betätigung sollte zudem knieschonend sein und trotzdem ein wenig Kondition und Muskeln aufbauend. Alles, was monotone Bewegungen beinhaltet oder Mannschaftssportarten scheidet aus. Das mag ich nicht. Bleibt da überhaupt noch was übrig oder muss ich mich damit abfinden, ab jetzt nicht nur alt, sondern auch fett zu werden? Und bitte keine gut gemeinten Kommentare bezüglich meines Aussehens. Die bleiben in meinem selektiven Wahrnehmungsfilter hängen.
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Mittwoch, 5. Juli 2006
Sport sells
frau klugscheisser, 14:56h
Das is ja mal´n Ding. Da hatte ein Herr Stefan Kuzmany in der taz dieselbe Idee wie ich, nämlich aus den zwei kleinen Italienern elf zu machen. Merkwürdig, dass zwei Zeilen daraus tupfengleich sind:
Eine Reise in den Norden Ist für andre schick und fein
Doch elf kleine Italiener Werden bald zu Hause sein
Ist bestimmt Zufall, denn seine Zeilen singen sich bei Weitem nicht so geschmeidig wie meine.
Eine Reise in den Norden Ist für andre schick und fein
Doch elf kleine Italiener Werden bald zu Hause sein
Ist bestimmt Zufall, denn seine Zeilen singen sich bei Weitem nicht so geschmeidig wie meine.
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Wenn die Referrer Trauer tragen
frau klugscheisser, 13:44h
Jetzt ist aber mal gut Leute! Das Spiel ist vorbei. Rien ne va plus. Ihr braucht nicht noch in meinen Wunden rühren.
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Wer hupt da so spät durch Nacht und Wind?
frau klugscheisser, 02:24h
Die deutsche WM - aus und vorbei!
Dabei hatten die Italiener mehr Glück als Verstand. Und mich hatte er gepackt, der Fussballvirus. Noch beim Erklingen der deutschen Nationalhymne lief mir ein Schauer über den Rücken, die Stimmung sensationell bis zur zweiten Halbzeit. Dann leichte Konzentrationsstörungen im Publikum. Die deutsche Nationalelf stark wie noch selten zuvor, während die Italiener liefen, schwitzten, Verletzungen markierten. Gute Schauspieler sind sie ja, die Azzuri, das muss man ihnen lassen. Einmal gelb für Borowski. Und dann in die Verlängerung. Ich muss gestehen, der Harndrang war wichtiger als das Spiel im zweiten Teil der Verlängerung. Aber verpasst habe ich nicht viel (Schnellpinkelweltmeister). Wenn nur, ach wenn nur dieses 0:1 durch Grosso nicht gewesen wäre. Da stand ich von meinem Platz vor der Großleinwand auf, um das Glas und die Pfandmarke gegen einen Euro einzutauschen, was beinahe so schwierig war, wie ein Tor für die deutsche Mannschaft zu erzielen. Das 0:2 habe ich nicht mehr mitbekommen, radelte ich doch bereits gen Schwabing. Beerdigungsstimmung ist nicht mein Ding. Ich hätte gerne gejubelt, wie ich zuvor der deutschen Mannschaft immer und immer wieder Applaus bei vereitelten italienischen Chancen gespendet habe. Heute sollte einfach nicht mein Tag sein. Die Weltmeisterschaft ist für mich beendet, der kleine Exkurs in die fremde Fußballwelt gescheitert. Schade, denn ich habe gerade erst begonnen.
Dabei hatten die Italiener mehr Glück als Verstand. Und mich hatte er gepackt, der Fussballvirus. Noch beim Erklingen der deutschen Nationalhymne lief mir ein Schauer über den Rücken, die Stimmung sensationell bis zur zweiten Halbzeit. Dann leichte Konzentrationsstörungen im Publikum. Die deutsche Nationalelf stark wie noch selten zuvor, während die Italiener liefen, schwitzten, Verletzungen markierten. Gute Schauspieler sind sie ja, die Azzuri, das muss man ihnen lassen. Einmal gelb für Borowski. Und dann in die Verlängerung. Ich muss gestehen, der Harndrang war wichtiger als das Spiel im zweiten Teil der Verlängerung. Aber verpasst habe ich nicht viel (Schnellpinkelweltmeister). Wenn nur, ach wenn nur dieses 0:1 durch Grosso nicht gewesen wäre. Da stand ich von meinem Platz vor der Großleinwand auf, um das Glas und die Pfandmarke gegen einen Euro einzutauschen, was beinahe so schwierig war, wie ein Tor für die deutsche Mannschaft zu erzielen. Das 0:2 habe ich nicht mehr mitbekommen, radelte ich doch bereits gen Schwabing. Beerdigungsstimmung ist nicht mein Ding. Ich hätte gerne gejubelt, wie ich zuvor der deutschen Mannschaft immer und immer wieder Applaus bei vereitelten italienischen Chancen gespendet habe. Heute sollte einfach nicht mein Tag sein. Die Weltmeisterschaft ist für mich beendet, der kleine Exkurs in die fremde Fußballwelt gescheitert. Schade, denn ich habe gerade erst begonnen.
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Dienstag, 4. Juli 2006
Die Wand Gottes*
frau klugscheisser, 16:36h
Meine Referrer sind verheerend, seit ich das Lied mit den zwei kleinen Italienern von Conny Froebess umgedichtet habe. Hunderte - ach was sage ich - tausende neuer Anfragen landen täglich auf meiner Seite. Um meine Mitfiebernden auf den heutigen Abend gut vorzubereiten, werde ich den Text noch einmal hier präsentieren. Wie ich nämlich zu meinem Leidwesen feststellen musste, haperts bei einigen noch gewaltig. Da wird nach scheiss Italiener, nach zwölf kleine Italiener oder gar nach zwei kleine Italiener sind jetzt 11 gesucht. Von Bayern 3 oder gar Video war hier nie die Rede. Also nochmal langsam zum mitschreiben:
Es handelt sich hier um 11 (in Worten elf) durch ihre italienische Abstammung nicht gerade hochgewachsenen Herren, welche sich gerne im Endspiel in Berlin sähen. Da die Reise nach Deutschland ging, begeben Sie sich zunächst, von Italien aus gesehen, nach Norden. Diese Herren beginnen nun, ihren Traum vom Pokal durch teilweise miese Tricks (s. Spiel vor dem Viertelfinale , Frings etc.) Wirklichkeit werden zu lassen. Der Text entstand noch vor dem heutigen Halbfinalspiel, weswegen wir dem italienischen Nationaltrainer und unserer Begegnung schon mal im Vorfeld mit den Worten "Marcello, oh Marcello, wir werden uns bald (also heute) wiedersehn" entgegensehen, nicht ohne ihn darauf hinzuweisen, dass diese Begegnung unter Umständen nicht in seinem Interesse ablaufen wird.
Und hier nun die gültige Fassung [und jetzt ALLE]:
Eine Reise in den Norden ist für andre schick und fein,
doch elf kleine Italiener werden bald zuhause sein.
Elf kleine Italiener, die sehnten sich nach Berlin
nach Toren und Pokalen, die lockten von Anbeginn
Elf kleine Italiener, manch Foul mit Fuß und Bein
Eine Reise in den Norden ist für andre schick und fein,
doch elf kleine Italiener werden bald zuhause sein.
Marcello, oh Marcello, wir werden uns bald wiedersehn
Marcello, oh Marcello, das wird für Dich nicht schön.
©Frau Klugscheisser
Bitte beachten Sie das Zeichen am Ende des Textes. Falls Deutschland heute gewinnt, möchte ich gerne in etwaigen Berichten lobend erwähnt werden. Falls nicht, zerstört sich dieser Text automatisch nach Spielende. Die Laolawelle ist unbekannter Herkunft.
Ausserdem hätte ich noch einen Text zur moralischen Unterstützung für Jens Lehmann anzubieten. Dieser wird auf die Melodie von "Theodor im Fussballtor" gesungen:
Der Lehmann Jens, der Lehmann Jens,
wird nicht enttäuschen seine Fans,
wie der Ball auch kommt,
wie der Schuss auch fällt,
der Lehmann Jens, der kennts.
Dabei zu beachten ist, dieses Lied leise, also so "mehr nach innen" zu singen. Schließlich fühlen wir alle mit Kahn, dem armen Kerl, der da untätig auf der Bank rumsitzen muss, während die Hand (*oder "Wand" wie er von der Hamburger Morgenpost nach dem Sieg gegen Argentinien tituliert wurde) Gottes im Jubel badet. Und jetzt muss ich noch schnell ein Deutschlandfähnchen für heute Abend häkeln. Sie entschuldigen mich.
Und hier nun die gültige Fassung [und jetzt ALLE]:
Eine Reise in den Norden ist für andre schick und fein,
doch elf kleine Italiener werden bald zuhause sein.
Elf kleine Italiener, die sehnten sich nach Berlin
nach Toren und Pokalen, die lockten von Anbeginn
Elf kleine Italiener, manch Foul mit Fuß und Bein
Eine Reise in den Norden ist für andre schick und fein,
doch elf kleine Italiener werden bald zuhause sein.
Marcello, oh Marcello, wir werden uns bald wiedersehn
Marcello, oh Marcello, das wird für Dich nicht schön.
©Frau Klugscheisser
Bitte beachten Sie das Zeichen am Ende des Textes. Falls Deutschland heute gewinnt, möchte ich gerne in etwaigen Berichten lobend erwähnt werden. Falls nicht, zerstört sich dieser Text automatisch nach Spielende. Die Laolawelle ist unbekannter Herkunft.
Ausserdem hätte ich noch einen Text zur moralischen Unterstützung für Jens Lehmann anzubieten. Dieser wird auf die Melodie von "Theodor im Fussballtor" gesungen:
Der Lehmann Jens, der Lehmann Jens,
wird nicht enttäuschen seine Fans,
wie der Ball auch kommt,
wie der Schuss auch fällt,
der Lehmann Jens, der kennts.
Dabei zu beachten ist, dieses Lied leise, also so "mehr nach innen" zu singen. Schließlich fühlen wir alle mit Kahn, dem armen Kerl, der da untätig auf der Bank rumsitzen muss, während die Hand (*oder "Wand" wie er von der Hamburger Morgenpost nach dem Sieg gegen Argentinien tituliert wurde) Gottes im Jubel badet. Und jetzt muss ich noch schnell ein Deutschlandfähnchen für heute Abend häkeln. Sie entschuldigen mich.
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Montag, 3. Juli 2006
She´s got it
frau klugscheisser, 17:00h
Jahrelang gegrübelt, jahrelang rastlos gesucht nach Gründen, nach Erklärungen, nach einem Strohhalm, an den sich der Kopf klammern kann, wenn die Seele schreit, wenn das Messer der Ungerechtigkeit sich tief ins Fleisch schneidet und Teile des Herzens durchtrennt.
"Warum ist er so?"
"Er ist krank."
"Was fehlt ihm denn?"
"Das weiß ich nicht."
"Wenn ihm was fehlt, muss er zum Arzt."
"Nein, das ist nicht körperlich."
"Dann ist es psychisch?"
"Ja"
"Was fehlt ihm denn?"
"Ich weiß es nicht."
"Und warum müssen wir drunter leiden?"
"Das meint er nicht so."
"Aber es tut weh."
"Das müssen wir aushalten."
"Ich will nicht, dass er so ist."
"Ich auch nicht. Vielleicht bin ich schuld."
"Oder ich."
"Er kann das nicht kontrollieren."
"Ich will aber nicht so einen Vater."
"Ich schäme mich für diesen Sohn."
"Hat er mich denn nicht lieb?"
"Doch bestimmt."
"Warum tut er das dann?"
Jahrelang gegrübelt und Bücher gelesen, Bücher über Schizophrenie, über Borderline und Psychosen, solange bis die Augen vor Müdigkeit zufielen. Ergebnislos. Und dann kommt einer daher, der auf den ersten Blick völlig anders ist und der mein Herz gewinnt. Aber auch er hat ein Problem. Sein Problem lässt mich nicht los, lässt mich grübeln, nach Gründen suchen und Erklärungen. Ergebnislos, zunächst. Doch dann beginnen alte Gefühle aufzubrechen, die ich in ihrer Intensität von längst vergessenen Tagen nur kenne. Wiederholung von alten Geschichten. Ich bohre weiter, denn der Himmel ist nicht grün, er ist blau. Und plötzlich wird mir klar, was vor vielen Jahren gewesen ist. Für diese Erkenntnis bin ich ihm, der erst vor kurzem mein Leben streifte fast ein wenig dankbar. Durch sein Verhalten hat er Licht in mein Dunkel gebracht. Den Scheinwerfer justiert habe ich allerdings selbst. Endlich, endlich kann ich die Fragen loslassen.
"Warum ist er so?"
"Er ist krank."
"Was fehlt ihm denn?"
"Das weiß ich nicht."
"Wenn ihm was fehlt, muss er zum Arzt."
"Nein, das ist nicht körperlich."
"Dann ist es psychisch?"
"Ja"
"Was fehlt ihm denn?"
"Ich weiß es nicht."
"Und warum müssen wir drunter leiden?"
"Das meint er nicht so."
"Aber es tut weh."
"Das müssen wir aushalten."
"Ich will nicht, dass er so ist."
"Ich auch nicht. Vielleicht bin ich schuld."
"Oder ich."
"Er kann das nicht kontrollieren."
"Ich will aber nicht so einen Vater."
"Ich schäme mich für diesen Sohn."
"Hat er mich denn nicht lieb?"
"Doch bestimmt."
"Warum tut er das dann?"
Jahrelang gegrübelt und Bücher gelesen, Bücher über Schizophrenie, über Borderline und Psychosen, solange bis die Augen vor Müdigkeit zufielen. Ergebnislos. Und dann kommt einer daher, der auf den ersten Blick völlig anders ist und der mein Herz gewinnt. Aber auch er hat ein Problem. Sein Problem lässt mich nicht los, lässt mich grübeln, nach Gründen suchen und Erklärungen. Ergebnislos, zunächst. Doch dann beginnen alte Gefühle aufzubrechen, die ich in ihrer Intensität von längst vergessenen Tagen nur kenne. Wiederholung von alten Geschichten. Ich bohre weiter, denn der Himmel ist nicht grün, er ist blau. Und plötzlich wird mir klar, was vor vielen Jahren gewesen ist. Für diese Erkenntnis bin ich ihm, der erst vor kurzem mein Leben streifte fast ein wenig dankbar. Durch sein Verhalten hat er Licht in mein Dunkel gebracht. Den Scheinwerfer justiert habe ich allerdings selbst. Endlich, endlich kann ich die Fragen loslassen.
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frau klugscheisser, 12:08h
Soeben alte Festplatte vernichtet. Wenn das doch mit Gehirnen auch ginge.
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Ich Ich Ich
frau klugscheisser, 03:15h
Der bislang schönste Nachruf im Bloggerland. Da geh ich doch mit:
Es ist Freitag nachmittag. Hamburg - sonnig - die Frisur hält. Wir besteigen den Crewbus. Der Fahrer hat das Radio auf volle Dröhnung. Der Copi bittet den Fahrer, das Radio leiser zu stellen. WM-Pläne werden geschmiedet. Die Herren vom Cockpit wollen gerne auf eine Schlägerei. Wer geht mit? Die Kollegin sagt, sie kann nicht, weil sie sich grade die Zähne neu hat machen lassen. Ich höre im Hintergrund die Nachricht von Gernhardts Tod. "Gernhardt ist tot!" rufe ich laut. Verständnislose Blicke. "Robert Gernhardt?" frage ich leise und rhetorisch nach. Das Thema wird schnell gewechselt.
Der Ligeti ist auch vor Kurzem gestorben, fällt mir ein. Die breite Öffentlichkeit kennt Lux Aeterna, Atmosphéres und das Kyrie aus dem Film 2001 - Odysee im Weltraum. Damals ist Kubrick mit einer Urheberrechtsklage billiger weggekommen, als wenn er sich die Rechte an dem Stück gekauft hätte. Bei Ligeti kann ich verstehen, dass den kaum einer kennt. Bei Gernhardt nicht. Das einzige Buch, das ich von ihm besitze, steht neben einem von Henscheid. Ist keine böse Absicht, nur derselbe Verlag. Dabei habe ich mehr als nur ein Werk von ihm gelesen. Ich habe Gernhardt für mich entdeckt, als Gleichaltrige sich noch bei Frisch, Hesse und Dürrenmatt, bei Golding und Salinger einen runterholten. Dafür wusste ich bis vor kurzem nicht, was gothic ist und auch die Musik dieser Epoche ist nahezu spurlos an mir vorrübergegangen. Ich mochte seinen scharfsinnigen Humor. Während andere noch die Gesellschaft anprangerten, schaute er nach innen. Ich glaube, von ihm habe ich gelernt, mit mir selbst nachsichtiger zu sein und über Fehler zu lachen. Wenn einer mit seinen Büchern das schafft, was oft nicht einmal durch langjährige Therapie erreicht wird, dann muss er ein ganz Großer gewesen sein.
Ich Ich Ich von Robert Gernhardt. Das einzige Buch von ihm in meinem Regal, gleich neben Henscheidts "Wie man eine Dame verräumt".
Es ist Freitag nachmittag. Hamburg - sonnig - die Frisur hält. Wir besteigen den Crewbus. Der Fahrer hat das Radio auf volle Dröhnung. Der Copi bittet den Fahrer, das Radio leiser zu stellen. WM-Pläne werden geschmiedet. Die Herren vom Cockpit wollen gerne auf eine Schlägerei. Wer geht mit? Die Kollegin sagt, sie kann nicht, weil sie sich grade die Zähne neu hat machen lassen. Ich höre im Hintergrund die Nachricht von Gernhardts Tod. "Gernhardt ist tot!" rufe ich laut. Verständnislose Blicke. "Robert Gernhardt?" frage ich leise und rhetorisch nach. Das Thema wird schnell gewechselt.
Der Ligeti ist auch vor Kurzem gestorben, fällt mir ein. Die breite Öffentlichkeit kennt Lux Aeterna, Atmosphéres und das Kyrie aus dem Film 2001 - Odysee im Weltraum. Damals ist Kubrick mit einer Urheberrechtsklage billiger weggekommen, als wenn er sich die Rechte an dem Stück gekauft hätte. Bei Ligeti kann ich verstehen, dass den kaum einer kennt. Bei Gernhardt nicht. Das einzige Buch, das ich von ihm besitze, steht neben einem von Henscheid. Ist keine böse Absicht, nur derselbe Verlag. Dabei habe ich mehr als nur ein Werk von ihm gelesen. Ich habe Gernhardt für mich entdeckt, als Gleichaltrige sich noch bei Frisch, Hesse und Dürrenmatt, bei Golding und Salinger einen runterholten. Dafür wusste ich bis vor kurzem nicht, was gothic ist und auch die Musik dieser Epoche ist nahezu spurlos an mir vorrübergegangen. Ich mochte seinen scharfsinnigen Humor. Während andere noch die Gesellschaft anprangerten, schaute er nach innen. Ich glaube, von ihm habe ich gelernt, mit mir selbst nachsichtiger zu sein und über Fehler zu lachen. Wenn einer mit seinen Büchern das schafft, was oft nicht einmal durch langjährige Therapie erreicht wird, dann muss er ein ganz Großer gewesen sein.
Ich Ich Ich von Robert Gernhardt. Das einzige Buch von ihm in meinem Regal, gleich neben Henscheidts "Wie man eine Dame verräumt".
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Montag, 3. Juli 2006
ALK
frau klugscheisser, 01:49h
Ein Buch von Simon Borowiak für alle Säufer, die sich in lichten Momenten schon mal Gedanken über ihr Trinkverhalten gemacht haben, denen aber die Fachbücher zu fachlich und Betroffenenberichte zu betroffen sind (Zitat aus dem Vorwort). Ein Buch für Betroffene, die Intelligenz und Humor noch nicht ganz versoffen haben. Ein Buch für Angehörige, denen mal die Betroffenheitskeule zum Zwecke der Ernüchterung über den Schädel gezogen wird. Kurz: ein durchaus amüsantes Buch mit Informationsgehalt, das in keinem Haushalt fehlen sollte (sind wir nicht alle ein bisschen blau?)
Soeben gelesen und restlos begeistert. Mehr dazu hier.
Soeben gelesen und restlos begeistert. Mehr dazu hier.
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Samstag, 1. Juli 2006
Du bist elf
frau klugscheisser, 16:16h
Wenn mir das einer erzählt hätte, ich hätte es nicht geglaubt. Ich trau mich kaum, das hier zu schreiben, ohne Angst zu haben, gleich wieder eine Glaubwürdigkeitsdebatte loszutreten. Weil mir aber scheißegal ist, wer mich mag und wer nicht (neudeutsche Definition von Authentizität), mach ich es trotzdem. Gestern haben mich elf Kerle glücklich gemacht. Genau genommen waren es sogar zwölf und eine Frau aber das tut nichts zur Sache. Zum ersten Mal seit meiner Fußballdesensibilisierungstherapie habe ich gestern in Hamburg das Viertelfinale partiell verfolgt, wobei verfolgt nicht ganz den Tatsachen entspricht. Bei jedem Aufschrei der Menge musste ich schnell in die Nähe eines Übertragungsgerätes, um einen Beobachter nach dem Spielstand zu fragen. Und dann ist es passiert: Deutschland gewinnt beim Elfmeterschießen gegen Argentinien und ich ertappte mich dabei, die Arme jubelnd gen Himmel zu strecken. Gejubelt habe ich nicht alleine, denn hier kommen der zwölfte Mann und die Frau mit ins Spiel, die mir hilfreich zur Seite standen. Noch nie in meinem Leben habe ich Menschen auf der Straße so glücklich gesehen. Eine sagenhafte Stimmung. Ausserdem bin ich sehr gespannt auf die ersten Statistiken über die Geburtenrate im nächsten Jahr. Ein sprunghafter Anstieg würde mich nach der gestrigen Ausgelassenheit nicht wundern. Für den Genpool ist die WM ein wahrer Glücksfall, denn endlich pfeift mal frischer Wind durch rezessive und dominante Merkmale.
Eine halbe Stunde nach Ende des Spieles trat der Argentinische Nationaltrainer zurück. Selbst wenn die Entscheidung an sich merkwürdig ist, frage ich mich, warum der dazu eine halbe Stunde brauchte. Der japanische Nationaltrainer hätte schon auf dem Spielfeld Harakiri begangen. Die Japaner können froh sein, dass sie schon so früh ausgeschieden sind. Ab Dienstag ist Schluss mit lustig. Da heißt es dann Farbe bekennen. Während gestern noch undifferenziert gejubelt wurde, trennt sich im Halbfinale die Spreu vom Weizen. Hey Italien, zieht Euch warm an. Ab Dienstag seid Ihr nicht mehr zu Gast bei Freunden, da machen wir Euch fertig. Ihr habt die Mafia aber wir haben elf starke Jungs. Da hilft auch kein Heulen und Zähneklappern. Im Land der Betonschuhe wird ab Mittwoch Staatstrauer ausgerufen werden und die Pizzerias und Eisdielen hierzulande machen für eine Woche dicht. Falls nicht, verlieren sie zumindest ihre einheimische Kundschaft. So oder so werdet Ihr verlieren, denn man muss sich im Leben entscheiden: entweder Geld oder Idealismus. Das nennt man psychologische Kriegsführung.
Zur Unterstützung unserer Jungs fand ich den Text für das Spiel gegen Schweden mit dem Möbellieferanten nicht schlecht. Deswegen für Dienstag ein exklusiver Text zum Mitgrölen. Ich hab da schon mal was vorbereitet:
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Marcello, oh Marcello, wir werden uns bald wiedersehn
Marcello, oh Marcello, das wird für Dich nicht schön
Eine halbe Stunde nach Ende des Spieles trat der Argentinische Nationaltrainer zurück. Selbst wenn die Entscheidung an sich merkwürdig ist, frage ich mich, warum der dazu eine halbe Stunde brauchte. Der japanische Nationaltrainer hätte schon auf dem Spielfeld Harakiri begangen. Die Japaner können froh sein, dass sie schon so früh ausgeschieden sind. Ab Dienstag ist Schluss mit lustig. Da heißt es dann Farbe bekennen. Während gestern noch undifferenziert gejubelt wurde, trennt sich im Halbfinale die Spreu vom Weizen. Hey Italien, zieht Euch warm an. Ab Dienstag seid Ihr nicht mehr zu Gast bei Freunden, da machen wir Euch fertig. Ihr habt die Mafia aber wir haben elf starke Jungs. Da hilft auch kein Heulen und Zähneklappern. Im Land der Betonschuhe wird ab Mittwoch Staatstrauer ausgerufen werden und die Pizzerias und Eisdielen hierzulande machen für eine Woche dicht. Falls nicht, verlieren sie zumindest ihre einheimische Kundschaft. So oder so werdet Ihr verlieren, denn man muss sich im Leben entscheiden: entweder Geld oder Idealismus. Das nennt man psychologische Kriegsführung.
Zur Unterstützung unserer Jungs fand ich den Text für das Spiel gegen Schweden mit dem Möbellieferanten nicht schlecht. Deswegen für Dienstag ein exklusiver Text zum Mitgrölen. Ich hab da schon mal was vorbereitet:
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Freitag, 30. Juni 2006
Ein offener Brief
frau klugscheisser, 00:47h
Liebe Nachbarin,
im Grunde hab ich wirklich nicht viel an Dir auszusetzen. Du bist ja auch den ganzen Tag nicht da, weil Du arbeiten musst und deswegen kriege ich kaum etwas von Dir mit. Am Wochenende bist Du meistens bei Deinem Typen, wofür ich Dir auch unheimlich dankbar bin. In Zeiten sexueller Abstinenz würde es mir nämlich unheimlich schwer fallen, ungewollt zum Auditivspanner zu werden. Ich meine, nicht dass ich mit dem Ohr an der Wand kleben würde. Es ist nur einfach ziemlich schwierig, lautmalerisch umschriebenen Ausdruck an Lebensfreude unterlegt mit rhythmischem Quietschen bewusst zu ignorieren.
Jetzt wo alle Dübel ihren vorbestimmten Platz in unserer gemeinsamen Wand gefunden haben und selbst die neue Einbauküche nicht mehr expandiert, ist es schon viel leiser geworden. Ich fand es auch nicht schlimm, als Du mit einer Horde Wilder morgens um 3.00 das gesamte Stockwerk mit Nirvana beschallt hast. Du hättest Dich echt nicht dafür entschuldigen müssen. Euer Gesang war exorbitant. Wahrgenommen habe ich ihn allerdings erst, als der wunderbare Teilzeitliebhaber und ich endlich auf dem Rücken zu liegen kamen. Im Grunde war ich sogar froh um diese Form des Akustikfilters, sonst hätte nämlich ich mich entschuldigen müssen.
Auch dass Du nachts schreiend aus dem Taxi gefallen bist, als Deine männliche Begleitung die hintere Türe öffnete, hat mich nicht im Geringsten gestört. Ehrlich, ich hätte auch nicht aus dem Küchenfenster gestarrt, wenn das, was sich, mitten auf der Straße liegend, als ungelenker Blasversuch enttarnte, nicht so sehr nach Wiederbelebung ausgesehen hätte. Das konnte ich natürlich nur aus dem Fenster gelehnt erkennen, denn der Typ stand ja direkt über Dir, während Du es Dir auf dem Asphalt bequem gemacht hattest. Und wäre ich nicht wirklich in Sorge gewesen, hätte ich auch nicht gewartet bis ihr endlich vor der Haustüre fertig seid. Ich ahnte bereits, dass keiner von euch Beiden mit dem Schlüssel das Schloss treffen würde. Ja, das war ich, die den Türöffner drückte. Das Echo eures Sturzes in den Hausflur konnte man bis in den dritten Stock hören. So bin ich eben, stets hilfsbereit. Als ihr endlich die lange Irrfahrt mit dem Aufzug hinter euch gebracht hattet – beim Drücken des Aufzugknopfes habe ich mich ganz bewusst zurückgehalten – wart ihr so erschöpft, dass ihr auch ziemlich bald eingeschlafen seid. Na ja, erst bist Du noch zweimal über diverse Einrichtungsgegenstände gestolpert, während der Typ zehn Minuten ohne Unterbrechung der Kanalisation körpereigenes Wasser zuführte. Aber das war alles nicht so schlimm, denn ich bin danach sofort eingeschlafen.
Nur heute, heute bin ich echt ausgerastet, als Du wie jeden Abend heimkamst. Nicht dass etwas anders als sonst gewesen wäre. Nein, ich bin nur heute etwas empfindlicher. Genau genommen fiel mir das gestern schon auf und vorgestern und alle Tage davor, aber heute ist das Maß endgültig voll. Das ist so ähnlich als ob man an der Autobahn wohnt oder an einer Bahnstrecke oder unter der Einflugschneise, nur umgekehrt. Während man sich an diesen Geräuschpegel langsam gewöhnt, bis man ihn nicht mehr wahrnimmt, ist das Geräusch Deiner Heimkehr etwas, das ich von Tag zu Tag deutlicher wahrnehme. Im Grunde ist es auch nur ein einziges Geräusch, nämlich das lautstarke Türenschlagen, das mich aus meiner Versunkenheit gewaltsam hochschrecken lässt. Liebe Nachbarin, ich habe keine Ahnung, wo Du herkommst und ob es dort so was wie Türen gibt oder ob ihr euch durch vorgehängte Pfannenkuchen fressen müsst, wie man in Bayern so schön sagt. Jedenfalls verrate ich Dir jetzt ein Geheimnis: jede Türe hat so ein Ding, an dem sie sich festhalten lässt. Falls es Dir irgend möglich ist, wäre ich sehr dankbar, wenn auch Du dieses Ritual in Deine Gewohnheiten einfließen lässt. Auf unserem Stock wohnen außer uns noch zwei Parteien - abgesehen von der alten Nachbarin, aus deren Wohnung schon seit Wochen kein Laut mehr dringt und ich mich beim Vorbeigehen an ihrer Türe meist beim Schnuppern ertappe. Außer Dir schaffen es alle, die Türen nahezu geräuschlos zu schließen. Vielleicht stellt das noch keinen Anreiz zur Verhaltensänderung dar, ganz bestimmt aber mein Vorhaben, Dir die Hausmeisterin auf den Hals zu schicken, sobald ich die Türe wieder ins Schloss fallen höre. Diese reizende Dame beherrscht nämlich die Kunst des stundenlangen Plauderns über Nichtigkeiten ganz hervorragend. Und dann wollen wir doch mal sehen, ob Du nicht in Zukunft nach der Arbeit lieber ganz leise in Deinen vier Wänden verschwindest.
Aber mal abgesehen davon bist Du eine super Nachbarin. Echt jetzt. Sollte ich jemals Salz ausleihen müssen, würde ich ohne zu zögern bei Dir klingeln, genauso wenn ich morgens um 4.00 meine Schlüssel nicht finde, ich aber sehr dringend pinkeln muss. Glaub mir, Du wärst auf jeden Fall meine erste Adresse, sollte ich mal Hilfe brauchen. Und ich find´s einfach riesig, dass Dir meine Musikauswahl so gut gefällt. Zumindest habe ich noch nichts Gegenteiliges von Dir gehört. Du erträgst meinen musikalischen Powerpush zur Frühtour am Wochenende ebenso gelassen wie meine Lieblingsmelodien abends live auf dem Saxophon, womit Dein guter Geschmack bewiesen wäre. Wir werden sicherlich noch ganz dicke Freunde.
Bis dahin beste Grüße,
Deine fürsorgliche Nachbarin
im Grunde hab ich wirklich nicht viel an Dir auszusetzen. Du bist ja auch den ganzen Tag nicht da, weil Du arbeiten musst und deswegen kriege ich kaum etwas von Dir mit. Am Wochenende bist Du meistens bei Deinem Typen, wofür ich Dir auch unheimlich dankbar bin. In Zeiten sexueller Abstinenz würde es mir nämlich unheimlich schwer fallen, ungewollt zum Auditivspanner zu werden. Ich meine, nicht dass ich mit dem Ohr an der Wand kleben würde. Es ist nur einfach ziemlich schwierig, lautmalerisch umschriebenen Ausdruck an Lebensfreude unterlegt mit rhythmischem Quietschen bewusst zu ignorieren.
Jetzt wo alle Dübel ihren vorbestimmten Platz in unserer gemeinsamen Wand gefunden haben und selbst die neue Einbauküche nicht mehr expandiert, ist es schon viel leiser geworden. Ich fand es auch nicht schlimm, als Du mit einer Horde Wilder morgens um 3.00 das gesamte Stockwerk mit Nirvana beschallt hast. Du hättest Dich echt nicht dafür entschuldigen müssen. Euer Gesang war exorbitant. Wahrgenommen habe ich ihn allerdings erst, als der wunderbare Teilzeitliebhaber und ich endlich auf dem Rücken zu liegen kamen. Im Grunde war ich sogar froh um diese Form des Akustikfilters, sonst hätte nämlich ich mich entschuldigen müssen.
Auch dass Du nachts schreiend aus dem Taxi gefallen bist, als Deine männliche Begleitung die hintere Türe öffnete, hat mich nicht im Geringsten gestört. Ehrlich, ich hätte auch nicht aus dem Küchenfenster gestarrt, wenn das, was sich, mitten auf der Straße liegend, als ungelenker Blasversuch enttarnte, nicht so sehr nach Wiederbelebung ausgesehen hätte. Das konnte ich natürlich nur aus dem Fenster gelehnt erkennen, denn der Typ stand ja direkt über Dir, während Du es Dir auf dem Asphalt bequem gemacht hattest. Und wäre ich nicht wirklich in Sorge gewesen, hätte ich auch nicht gewartet bis ihr endlich vor der Haustüre fertig seid. Ich ahnte bereits, dass keiner von euch Beiden mit dem Schlüssel das Schloss treffen würde. Ja, das war ich, die den Türöffner drückte. Das Echo eures Sturzes in den Hausflur konnte man bis in den dritten Stock hören. So bin ich eben, stets hilfsbereit. Als ihr endlich die lange Irrfahrt mit dem Aufzug hinter euch gebracht hattet – beim Drücken des Aufzugknopfes habe ich mich ganz bewusst zurückgehalten – wart ihr so erschöpft, dass ihr auch ziemlich bald eingeschlafen seid. Na ja, erst bist Du noch zweimal über diverse Einrichtungsgegenstände gestolpert, während der Typ zehn Minuten ohne Unterbrechung der Kanalisation körpereigenes Wasser zuführte. Aber das war alles nicht so schlimm, denn ich bin danach sofort eingeschlafen.
Nur heute, heute bin ich echt ausgerastet, als Du wie jeden Abend heimkamst. Nicht dass etwas anders als sonst gewesen wäre. Nein, ich bin nur heute etwas empfindlicher. Genau genommen fiel mir das gestern schon auf und vorgestern und alle Tage davor, aber heute ist das Maß endgültig voll. Das ist so ähnlich als ob man an der Autobahn wohnt oder an einer Bahnstrecke oder unter der Einflugschneise, nur umgekehrt. Während man sich an diesen Geräuschpegel langsam gewöhnt, bis man ihn nicht mehr wahrnimmt, ist das Geräusch Deiner Heimkehr etwas, das ich von Tag zu Tag deutlicher wahrnehme. Im Grunde ist es auch nur ein einziges Geräusch, nämlich das lautstarke Türenschlagen, das mich aus meiner Versunkenheit gewaltsam hochschrecken lässt. Liebe Nachbarin, ich habe keine Ahnung, wo Du herkommst und ob es dort so was wie Türen gibt oder ob ihr euch durch vorgehängte Pfannenkuchen fressen müsst, wie man in Bayern so schön sagt. Jedenfalls verrate ich Dir jetzt ein Geheimnis: jede Türe hat so ein Ding, an dem sie sich festhalten lässt. Falls es Dir irgend möglich ist, wäre ich sehr dankbar, wenn auch Du dieses Ritual in Deine Gewohnheiten einfließen lässt. Auf unserem Stock wohnen außer uns noch zwei Parteien - abgesehen von der alten Nachbarin, aus deren Wohnung schon seit Wochen kein Laut mehr dringt und ich mich beim Vorbeigehen an ihrer Türe meist beim Schnuppern ertappe. Außer Dir schaffen es alle, die Türen nahezu geräuschlos zu schließen. Vielleicht stellt das noch keinen Anreiz zur Verhaltensänderung dar, ganz bestimmt aber mein Vorhaben, Dir die Hausmeisterin auf den Hals zu schicken, sobald ich die Türe wieder ins Schloss fallen höre. Diese reizende Dame beherrscht nämlich die Kunst des stundenlangen Plauderns über Nichtigkeiten ganz hervorragend. Und dann wollen wir doch mal sehen, ob Du nicht in Zukunft nach der Arbeit lieber ganz leise in Deinen vier Wänden verschwindest.
Aber mal abgesehen davon bist Du eine super Nachbarin. Echt jetzt. Sollte ich jemals Salz ausleihen müssen, würde ich ohne zu zögern bei Dir klingeln, genauso wenn ich morgens um 4.00 meine Schlüssel nicht finde, ich aber sehr dringend pinkeln muss. Glaub mir, Du wärst auf jeden Fall meine erste Adresse, sollte ich mal Hilfe brauchen. Und ich find´s einfach riesig, dass Dir meine Musikauswahl so gut gefällt. Zumindest habe ich noch nichts Gegenteiliges von Dir gehört. Du erträgst meinen musikalischen Powerpush zur Frühtour am Wochenende ebenso gelassen wie meine Lieblingsmelodien abends live auf dem Saxophon, womit Dein guter Geschmack bewiesen wäre. Wir werden sicherlich noch ganz dicke Freunde.
Bis dahin beste Grüße,
Deine fürsorgliche Nachbarin
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Arsch mit Ohren
frau klugscheisser, 19:37h
Für das Gehirn lebt der Körper. Er nimmt Nahrung auf, verstoffwechselt sie und transportiert die Nährstoffe im Körper umher. All das nur, um das Gehirn zu versorgen. Das Gehirn, das Gehirn. Nur dort kann ein Geheimnis stecken. Nur das Gehirn macht uns zum Menschen. Der restliche Körper ist nichts besonderes, ganz ohne Magie. Eine Stoffwechselmaschine.
Ich persönlich warte ja schon lang auf den Tag, an dem die Evolution auf den restlichen Kram verzichtet. Was allein dieses ewige Klamottenshoppen Zeit und Geld kostet, was viel besser in Hirnnahrung angelegt wäre (und damit meine ich nicht Studentenfutter).
Ich persönlich warte ja schon lang auf den Tag, an dem die Evolution auf den restlichen Kram verzichtet. Was allein dieses ewige Klamottenshoppen Zeit und Geld kostet, was viel besser in Hirnnahrung angelegt wäre (und damit meine ich nicht Studentenfutter).
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Necessities of love
frau klugscheisser, 03:49h
Es gab mal eine Sendung, die hieß „Nur die Liebe zählt“, keine Ahnung, ob die noch läuft. Jedenfalls suchte da ein Kamerateam Leute auf und überraschte sie mit einem Video ihres verschmähten Partners, in dem dieser um Wiederaufnahme in die Beischlafliste bat. Natürlich durfte so ein Anliegen aufgrund der Sendezeit nicht dermaßen deutlich formuliert werden. Zu sehen waren auf den Videos stammelnde Damen bzw. Herren, die unter Zuhilfenahme von Liebesdevotionalien wie Herzchen, Blümchen, Kerzchen und ähnlichem Kitsch ihre Bitte vortrugen. Der so Überraschte wurde anschließend über die Beziehung interviewt und musste vor laufender Kamera entscheiden, ob er dem Drängen nachgeben oder lieber stark bleiben wollte. Die Aufzeichnung davon wurde wiederum dem Initiator der Aktion vorgespielt, der zum Zeitpunkt des Abspielens nicht um das Ergebnis wusste. Und all dies geschah in einem Liebesmobil, das durch Deutschland raste. Es raste auch durch Spanien unter dem Titel lo que es necessito es amor und andere europäische Städte, nur musste da Kai Pflaume aufgrund fehlender Fremdsprachenkenntnisse das Mikro an einheimische Überrascher abtreten.
Am schönsten waren die Szenen, in denen sich der Überraschte nicht von den Bedauerungsmantras und Liebesbeteuerungen des ehemaligen Bettgefährten weich klopfen ließ, ja teilweise regelrecht verspottet wurde. Die Folge waren entgleisende Gesichtsmuskeln, ein zitterndes Kinn und Stimmversagen beim Verschmähten in Großbild. Das alles sonntags gleich nach der Lindenstraße. Ich habe mich immer gefragt, wie groß die Verzweiflung bei solchen Menschen sein muss, um sich einer derartigen öffentlichen Demütigung auszusetzen. Dann doch lieber gleich Harakiri, das hat wenigstens Stil. Bei einigen der Teilnehmer konnte ich es sogar verstehen, denn die waren aufgrund ihres Aussehens gezwungen an die einmalige Liebe zu glauben und die war jetzt vorbei. Manchmal saß ich vor dem Bildschirm und hoffte inbrünstig, die Angebetete möge hart bleiben, nur um in den Genuss der einsetzenden Verzweiflung zu kommen. Das ist nicht unfair, sondern sehr gerecht. Versetzen wir uns doch mal in die Lage der Angebeteten. Man kalkuliert mit der Gnade des Opfers, denn das eigentliche Opfer ist die überraschte Person. So hartherzig wird sich doch keiner öffentlich präsentieren wollen. Emotionale Erpressung zur besten Sendezeit. Und anschließend wird gleich bei Linda de Mol geheiratet, damit er oder sie nicht mehr weglaufen kann. Meines Wissens gibt es keine Statistik darüber, wie viele der Revivals über die tränenreiche Versöhnung vor laufender Kamera hinaus gehalten haben. Ich kann mir vorstellen, dass manche die Schlussklappe indirekt auch auf den Stand der Wiedervereinigung bezogen haben.
Persönlich kam ich nie in den zweifelhaften Genuß solch einer Farce. Das liegt aber wohl daran, dass mir bei diesen Sätzen, die mit „Liebe ist...“ beginnen, nur eklige Dinge einfallen wollen.
Liebe ist...
... wenn man sich das letzte Stück Zahnseide teilt
... so zu tun, als hätte man den Partner nicht furzen hören
... sie trotz (oder wegen?) der Salatreste zwischen den Schneidezähnen zu küssen
... trotz Latexallergie mit Kondom zu vögeln
... gegenseitig Pickel ausdrücken
... Quasimodo als den schönsten Mann der Welt zu bezeichnen
... beim Geschlechtsverkehr den Popel im Nasenhaar des Partners nicht zu fixieren
... den Namen des Partners beim Höhepunkt zu rufen, wenn sie Gertraud/Elfriede/Sigrid heisst
[analog zu Ruprecht/Balduin/Theodor]
[Liste darf gerne in den Kommentaren fortgesetzt werden]
Das bedeutet, ich verstehe nicht viel davon. In dieser Hinsicht bin ich ein emotionaler Eisblock. Ich bin zu realistisch, um an die vorgegaukelten Bilder eines Hormonkaleidoskopes zu glauben, geschweige denn einen Menschen, der mich nicht schätzt, in Form eines Videobekenntnisses zurückgewinnen zu wollen. Solche Leute stellen ihre Armseligkeit unter Beweis, indem sie mit dem Mitleidsbonus spekulieren. Wer will schon mit einem Partner leben, der dies nur aus Mitleid tut? Emotionale Bettler, die Küsse wie Markstücke einfordern.
Am schönsten waren die Szenen, in denen sich der Überraschte nicht von den Bedauerungsmantras und Liebesbeteuerungen des ehemaligen Bettgefährten weich klopfen ließ, ja teilweise regelrecht verspottet wurde. Die Folge waren entgleisende Gesichtsmuskeln, ein zitterndes Kinn und Stimmversagen beim Verschmähten in Großbild. Das alles sonntags gleich nach der Lindenstraße. Ich habe mich immer gefragt, wie groß die Verzweiflung bei solchen Menschen sein muss, um sich einer derartigen öffentlichen Demütigung auszusetzen. Dann doch lieber gleich Harakiri, das hat wenigstens Stil. Bei einigen der Teilnehmer konnte ich es sogar verstehen, denn die waren aufgrund ihres Aussehens gezwungen an die einmalige Liebe zu glauben und die war jetzt vorbei. Manchmal saß ich vor dem Bildschirm und hoffte inbrünstig, die Angebetete möge hart bleiben, nur um in den Genuss der einsetzenden Verzweiflung zu kommen. Das ist nicht unfair, sondern sehr gerecht. Versetzen wir uns doch mal in die Lage der Angebeteten. Man kalkuliert mit der Gnade des Opfers, denn das eigentliche Opfer ist die überraschte Person. So hartherzig wird sich doch keiner öffentlich präsentieren wollen. Emotionale Erpressung zur besten Sendezeit. Und anschließend wird gleich bei Linda de Mol geheiratet, damit er oder sie nicht mehr weglaufen kann. Meines Wissens gibt es keine Statistik darüber, wie viele der Revivals über die tränenreiche Versöhnung vor laufender Kamera hinaus gehalten haben. Ich kann mir vorstellen, dass manche die Schlussklappe indirekt auch auf den Stand der Wiedervereinigung bezogen haben.
Persönlich kam ich nie in den zweifelhaften Genuß solch einer Farce. Das liegt aber wohl daran, dass mir bei diesen Sätzen, die mit „Liebe ist...“ beginnen, nur eklige Dinge einfallen wollen.
Liebe ist...
... wenn man sich das letzte Stück Zahnseide teilt
... so zu tun, als hätte man den Partner nicht furzen hören
... sie trotz (oder wegen?) der Salatreste zwischen den Schneidezähnen zu küssen
... trotz Latexallergie mit Kondom zu vögeln
... gegenseitig Pickel ausdrücken
... Quasimodo als den schönsten Mann der Welt zu bezeichnen
... beim Geschlechtsverkehr den Popel im Nasenhaar des Partners nicht zu fixieren
... den Namen des Partners beim Höhepunkt zu rufen, wenn sie Gertraud/Elfriede/Sigrid heisst
[analog zu Ruprecht/Balduin/Theodor]
[Liste darf gerne in den Kommentaren fortgesetzt werden]
Das bedeutet, ich verstehe nicht viel davon. In dieser Hinsicht bin ich ein emotionaler Eisblock. Ich bin zu realistisch, um an die vorgegaukelten Bilder eines Hormonkaleidoskopes zu glauben, geschweige denn einen Menschen, der mich nicht schätzt, in Form eines Videobekenntnisses zurückgewinnen zu wollen. Solche Leute stellen ihre Armseligkeit unter Beweis, indem sie mit dem Mitleidsbonus spekulieren. Wer will schon mit einem Partner leben, der dies nur aus Mitleid tut? Emotionale Bettler, die Küsse wie Markstücke einfordern.
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Mittwoch, 28. Juni 2006
Sinne der Seele
frau klugscheisser, 17:41h
Rauschen der Stille in ruhenden Ohren
Geräusche der Leere, fast nicht zu ertragen
im Antlitz von Wissen erstummen Gedanken
klanglose Laute als das, was sie sollen
Hüllen zu füllen mit Ahnen und Sehnen
nur dadurch zu Ausdruck verwandelt.
Schauer der Haut, nur selten berührt
suchendes Tasten im Leerraum des Herzens
Kerker der Triebe vom Fürchten ummauert
Begegnende zucken zurück vor den Strichen
sind blind mit den Händen, berühren nicht Täler
und Furchen vom Wasser gegraben.
Blendendes Dunkel der Nacht hinter Lidern
kein Lichtstrahl aus Sonne dringt durch sie hindurch
zielloses Wanken bald schwindelnd im Raume,
der höher und weiter als jemals gesehen
Balance findend mit weiten Armen
sich dem Universum entgegenzustrecken.
Stinkender Unrat belagert Erinn´rung
der quälend und schwer den Brustkorb zerquetscht
Manch einer will sie verleugnen zu kennen
Verweigerte Schmerzen das Dasein vergiften
begräbt seine Wunden und gibt ihnen Macht zu
rumoren im Bauch und im Traum.
Text © 09.04/05.06
Foto © gaga
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Resemblance oder wer kennt den Film?
frau klugscheisser, 02:58h
Letztens diese Sith-Episode von Star Wars auf HBO gesehen. Und dann diese unsägliche Szene:
Anakin im Kampf gegen Obi Wan. Drumrum bricht alles zusammen, lavaähnlicher Universumstoff bricht aus, fließt glühend in der Gegend rum und verschluckt alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Höchste Eisenbahn, dass mal einer von beiden den vernünftigen Vorschlag bringt, die Ärsche in irgendwelche Flugobjekte zu schwingen und den Rückkampf zu verschieben. Hat ja keiner was davon, wenn die sich den Hintern versengen, anstatt sich gegenseitig ordentlich zu zerlegen. Auf Eisenträgern rumbalancierend das Laserschwert zu schwingen ist aber nicht genug, nein, man verlegt das Gefecht auf Treibgut, damit bisschen Schwung in die Bude kommt. Vorher aber noch ordentlich auf so einem Stück Stahlträger rumgekraxelt. Und dann passiert´s. Die Kamera in der Totalen. Zwei Strichmännchen hängen an so einem großen Teil. Im Grunde sieht man nur zwei bewegte Laserschwerte gegen den dunklen Hintergrund leuchten. Kennt einer noch die Szene aus einem blöden alten Film, dessen Titel ich vergessen habe, wo zwei Typen mit Leuchtkondomen durch ein dunkles Zimmer rennen? Genau, zwei lächerlich schwingende Laserkondome im Kampf zwischen Gut und Böse. Nix für Ungut Herr Lucas aber das war dann selbst mir zuviel. May the force be with your prick.
Anakin im Kampf gegen Obi Wan. Drumrum bricht alles zusammen, lavaähnlicher Universumstoff bricht aus, fließt glühend in der Gegend rum und verschluckt alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Höchste Eisenbahn, dass mal einer von beiden den vernünftigen Vorschlag bringt, die Ärsche in irgendwelche Flugobjekte zu schwingen und den Rückkampf zu verschieben. Hat ja keiner was davon, wenn die sich den Hintern versengen, anstatt sich gegenseitig ordentlich zu zerlegen. Auf Eisenträgern rumbalancierend das Laserschwert zu schwingen ist aber nicht genug, nein, man verlegt das Gefecht auf Treibgut, damit bisschen Schwung in die Bude kommt. Vorher aber noch ordentlich auf so einem Stück Stahlträger rumgekraxelt. Und dann passiert´s. Die Kamera in der Totalen. Zwei Strichmännchen hängen an so einem großen Teil. Im Grunde sieht man nur zwei bewegte Laserschwerte gegen den dunklen Hintergrund leuchten. Kennt einer noch die Szene aus einem blöden alten Film, dessen Titel ich vergessen habe, wo zwei Typen mit Leuchtkondomen durch ein dunkles Zimmer rennen? Genau, zwei lächerlich schwingende Laserkondome im Kampf zwischen Gut und Böse. Nix für Ungut Herr Lucas aber das war dann selbst mir zuviel. May the force be with your prick.
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Montag, 26. Juni 2006
At the bottom of a glass
frau klugscheisser, 16:40h
Wenn du wissen willst, was für ein Scheißtyp ich bin, kannst du das im Blog meiner Ex nachlesen.
Im Nachhinein verstanden. Zum einen, dass Gedanken in Blogs einfließen, die einen sehr beschäftigen und man keine Möglichkeit hat, sich mit der betreffenden Person auszutauschen. Zum anderen, dass es Menschen gibt, die so oberflächlich zu sein scheinen, dass Begegnungen keine Eindrücke hinterlassen. Eine Person wird ausgemerzt, die Begegnung verleugnet und Geschehnisse verdrängt. Das ist bequem und lässt sich auf alle Lebensbereiche ausdehnen. Falls es nicht funktioniert, hilft man einfach mit Alkohol nach. Erst ein paar Tage. Aus den Tagen werden Monate und schließlich Jahre. Irgendwann ist einem egal, wie man aussieht, ob man Akne im Gesicht hat oder nicht, ob man Begabungen brachliegen lässt oder Interessen nachgeht oder ob die Wohnung aufgeräumt ist oder nicht. Irgendwann vergisst man das alles einfach, weil man auch sonst Gedächtnislücken hat. Man muss nur genügend trinken. Ausserdem lebt es sich in der selbstgebastelten Illusion viel schöner als in der Realität. Wenn man nur lange genug trinkt, sieht man von der Illusion eine ganze Menge, mit Glück sogar Dinge, die nicht existieren. Aber was ist schon Wirklichkeit. Die lässt sich ja ganz individuell interpretieren.
Nur die Menschen um einen herum, die stören ein wenig dabei. Die kommen einem gefährlich nahe und erhaschen möglicherweise eine Blick hinter die Fassade. Dem muss man sich unter allen Umständen schnell genug entziehen. Die Anderen haben keine Ahnung. Man kommt ja mit sich alleine so gut klar und seit man trinkt noch viel besser. Immerhin koordiniert der Alkohol die Verbindung zwischen Sprachzentrum und Gedankenfluß hervorragend. Wer braucht schon Frauen, wenn es so tolle Pornos gibt? In echt sind die Frauen doch viel zu reell. Mit genügend Promille kann man sich sogar einbilden, die Hand am Schwanz wäre eine fremde. Überhaupt wird Sex überbewertet. Löffeln ist da viel ergiebiger und nicht so schweißtreibend. Wenn auch nichts anderes mehr geht, das geht immer.
Die wenigen Freunde, die man hat, haben entweder ein noch viel schwierigeres Leben als man selbst - da kann man sich hinterher wenigstens gut fühlen - oder man macht was mit denen. Stangensaufen ist so ein Spiel, das viel Spaß macht, wenn man 15 ist oder älter und gefühlsmäßig retardiert.
Der sitzenden Tätigkeit geht man aus Ermangelung an Alternativen schon seit zehn Jahren nach. Blöde Alternativen, bei anderen kommen die wie Werbeblättchenausträger vorbei. Bei einem selbst hat noch nie eine Alternative an der Türe geklingelt. Nicht schlimm, weil das Gehalt passt ja und die Kollegen größtenteils auch. Und wenn der Montag vor der Türe steht, kann man sonntags notfalls so lange trinken, bis man den Wochentag vergessen hat. Schlafen hat übrigens dieselbe Funktion. Man kann einfach länger schlafen und hat zwei Stunden länger seine Ruhe vor der Arbeit. Wer arbeitet schon gerne? So ist das eben. Da muss man sich mit abfinden. Nur mit dem allmorgendlichen Stau ist sich schwer abzufinden. Man sitzt Zeit im Auto ab, die man besser vor dem Bildschirm absitzen sollte. Dafür muss man abends länger bleiben. In dieser Zeit kann man aber seine Bloggeschichten schreiben. So hat die Firma sogar was Gutes. Wenn die nur nicht diesen blöden Filter eingebaut hätten.
Und wenn die komplette Sinnlosigkeit des eigenen Lebens mit voller Wucht zuschlägt, dann könnte man, nein, dann muss man erst recht trinken. Verdrängung ist, was uns am Leben hält. Kluger Satz, der in der Praxis gut funktioniert, zumindest in der eigenen. Oder man versetzt sich in die glücklichen Tage der Kindheit, als alles noch groß und schön zu sein schien. Nie erwachsen werden, das wäre die Lösung. Ob das jemals einer geschafft hat? Du wirst ganz bestimmt der Erste sein.
Im Nachhinein verstanden. Zum einen, dass Gedanken in Blogs einfließen, die einen sehr beschäftigen und man keine Möglichkeit hat, sich mit der betreffenden Person auszutauschen. Zum anderen, dass es Menschen gibt, die so oberflächlich zu sein scheinen, dass Begegnungen keine Eindrücke hinterlassen. Eine Person wird ausgemerzt, die Begegnung verleugnet und Geschehnisse verdrängt. Das ist bequem und lässt sich auf alle Lebensbereiche ausdehnen. Falls es nicht funktioniert, hilft man einfach mit Alkohol nach. Erst ein paar Tage. Aus den Tagen werden Monate und schließlich Jahre. Irgendwann ist einem egal, wie man aussieht, ob man Akne im Gesicht hat oder nicht, ob man Begabungen brachliegen lässt oder Interessen nachgeht oder ob die Wohnung aufgeräumt ist oder nicht. Irgendwann vergisst man das alles einfach, weil man auch sonst Gedächtnislücken hat. Man muss nur genügend trinken. Ausserdem lebt es sich in der selbstgebastelten Illusion viel schöner als in der Realität. Wenn man nur lange genug trinkt, sieht man von der Illusion eine ganze Menge, mit Glück sogar Dinge, die nicht existieren. Aber was ist schon Wirklichkeit. Die lässt sich ja ganz individuell interpretieren.
Nur die Menschen um einen herum, die stören ein wenig dabei. Die kommen einem gefährlich nahe und erhaschen möglicherweise eine Blick hinter die Fassade. Dem muss man sich unter allen Umständen schnell genug entziehen. Die Anderen haben keine Ahnung. Man kommt ja mit sich alleine so gut klar und seit man trinkt noch viel besser. Immerhin koordiniert der Alkohol die Verbindung zwischen Sprachzentrum und Gedankenfluß hervorragend. Wer braucht schon Frauen, wenn es so tolle Pornos gibt? In echt sind die Frauen doch viel zu reell. Mit genügend Promille kann man sich sogar einbilden, die Hand am Schwanz wäre eine fremde. Überhaupt wird Sex überbewertet. Löffeln ist da viel ergiebiger und nicht so schweißtreibend. Wenn auch nichts anderes mehr geht, das geht immer.
Die wenigen Freunde, die man hat, haben entweder ein noch viel schwierigeres Leben als man selbst - da kann man sich hinterher wenigstens gut fühlen - oder man macht was mit denen. Stangensaufen ist so ein Spiel, das viel Spaß macht, wenn man 15 ist oder älter und gefühlsmäßig retardiert.
Der sitzenden Tätigkeit geht man aus Ermangelung an Alternativen schon seit zehn Jahren nach. Blöde Alternativen, bei anderen kommen die wie Werbeblättchenausträger vorbei. Bei einem selbst hat noch nie eine Alternative an der Türe geklingelt. Nicht schlimm, weil das Gehalt passt ja und die Kollegen größtenteils auch. Und wenn der Montag vor der Türe steht, kann man sonntags notfalls so lange trinken, bis man den Wochentag vergessen hat. Schlafen hat übrigens dieselbe Funktion. Man kann einfach länger schlafen und hat zwei Stunden länger seine Ruhe vor der Arbeit. Wer arbeitet schon gerne? So ist das eben. Da muss man sich mit abfinden. Nur mit dem allmorgendlichen Stau ist sich schwer abzufinden. Man sitzt Zeit im Auto ab, die man besser vor dem Bildschirm absitzen sollte. Dafür muss man abends länger bleiben. In dieser Zeit kann man aber seine Bloggeschichten schreiben. So hat die Firma sogar was Gutes. Wenn die nur nicht diesen blöden Filter eingebaut hätten.
Und wenn die komplette Sinnlosigkeit des eigenen Lebens mit voller Wucht zuschlägt, dann könnte man, nein, dann muss man erst recht trinken. Verdrängung ist, was uns am Leben hält. Kluger Satz, der in der Praxis gut funktioniert, zumindest in der eigenen. Oder man versetzt sich in die glücklichen Tage der Kindheit, als alles noch groß und schön zu sein schien. Nie erwachsen werden, das wäre die Lösung. Ob das jemals einer geschafft hat? Du wirst ganz bestimmt der Erste sein.
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Bücherweitwurf
frau klugscheisser, 12:41h
Oder zehn Bücher, die ich nicht, bzw. nur teilweise gelesen habe und die seitdem im Regal vor sich hin stauben.
Don fragt, welche Titel das bei mir sind. Im Allgemeinen besitze ich nur Bücher, die ich mag. Alle anderen fliegen bei mir in regelmäßigen Abständen, spätestens jedoch beim nächsten Umzug, raus. Trotzdem gibt es ein paar, die eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung zu haben scheinen. Hier meine Liste:
1. Wolfgang Iser, der implizite Leser
Ein Buch, das ich 91 gekauft – zu einer Zeit, in der ich meine Bücher auf der ersten Seite noch mit Namen und Datum versah – und nur ausschnittweise gelesen habe. Hat mich damals interessiert. Weggelegt, weil zu viele Beispiele aus der Literatur angeführt wurden, die ich nicht kannte. Gehört eindeutig in die Kategorie wird gelesen, wenn ich mal viel Zeit und keinen neuen Stoff mehr habe.
2. Matt Ruff, Fool on the hill
Geschenk eines Freundes. Sprechende Hunde sind mir suspekt, es sei denn, sie tauchen in Kinderbüchern auf. Mag es nicht aussortieren, weil es ja trotzdem ganz nett sein könnte. Kategorie Bücher, die ich spätestens nach Lesen der Widmung zuklappe (das Verfallsdatum des geschriebenen Kusses war bereits kurz nach dem Geschenk abgelaufen).
3. Robert Kunzig, der unsichtbare Kontinent
Buch über die Erforschung der Weltmeere. Im ersten Kapitel sehr theoretisch, obwohl die Begründung der Jury für einen Wissenschaftspreis lautet: „dieses Buch eröffnet uns leidenschaftlich, überraschend und wissenschaftlich fundiert eine völlig neue Welt. Noch nie wurde so spannend von den Geheimnissen der Tiefsee erzählt“. Kategorie Bücher, die die Leidenschaft eines Neunzigjährigen nach erfolgreicher Lobotomie ausstrahlen.
4. William Boyd, Armadillo
Ich habe beim besten Willen keinen blassen Schimmer, warum ich dieses Buch nie gelesen habe. Gekauft, abgestellt, vergessen. Letzteres ist kaum vorstellbar, denn der giftgrüne Umschlag macht mir nach jedem Umzug das Einsortieren besonders schwer (ja, ich sortiere teilweise nach Farbe). Kategorie das wird ganz bestimmt meine nächste Lektüre nach dem neuen Hornby und dem neuen Irving und dem neuen Sedaris und dem neuen....
5. Réjean Ducharme, L´avalée des avalés
Must have nach dem Film „Leolo“, in dem daraus permanent zitiert wird. Letztes Exemplar bei Amazon Frankreich ergattert. Kategorie Bücher, die auf französisch unheimlich mysteriös erscheinen, weil man der Sprache nur unzureichend mächtig ist. Was uns zu
6. führt: Theophile Gautier, Récits fantastiques
In einer Zeit erworben, in der mein französisch noch besser war, ich aber lieber auf englisch gelesen habe. Das Umschlagbild zeigt den Schrei von Edvard Munch. Allein deshalb musste ich es einfach haben. Kategorie was man nicht alles für die Bildung auf sich nimmt. In unmittelbarem Zusammenhang stehend mit
7. Francoise Sagan, Bonjour tristesse
Schätzungsweise zehnmal begonnen, schätzungsweise zehnmal nach der Hälfte zur Seite gelegt. Gelesen, um in Übung zu bleiben. Inhalt nie gemocht. Kategorie Bücher, an die man sich notgedrungen gewöhnt hat.
8. James Joyce, Ulysses
1991 mit den allerbesten Vorsätzen begonnen, nach etwa der Hälfte schwach geworden. Geht mir weg mit Allgemeinbildung, das Buch ist sterbenslangweilig. Kategorie wenn ich groß bin, möchte ich mitreden können.
9. Golo Mann, deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts
Anfangs sehr interessant. Nach einigen Kapiteln wegen Wissensoverkill beendet. Seitdem nur noch drin geblättert. Kategorie Bücher, die bei Besuchern unheimlich Eindruck schinden.
10. Die Bibel, Verfasser unbekannt
Mit zehn meine erste Bibel bekommen. Am Anfang begonnen, nach den ersten fünf (echt jetzt!) Büchern Moses weggelegt. Später selektiv gelesen. Passagen mit exakter Quellenangabe auswendig gelernt. Kategorie Bücher, aus denen man in ernsthaften Diskussionen nicht zitieren sollte, ohne einen Imageverlust zu riskieren.
Welche Titel verstauben denn bei
Herrn Rationalstürmer
Herrn Bandini (was krieg ich jetzt dafür? ;-)
und Herrn Huflaikhan
so im Regal?
Don fragt, welche Titel das bei mir sind. Im Allgemeinen besitze ich nur Bücher, die ich mag. Alle anderen fliegen bei mir in regelmäßigen Abständen, spätestens jedoch beim nächsten Umzug, raus. Trotzdem gibt es ein paar, die eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung zu haben scheinen. Hier meine Liste:
1. Wolfgang Iser, der implizite Leser
Ein Buch, das ich 91 gekauft – zu einer Zeit, in der ich meine Bücher auf der ersten Seite noch mit Namen und Datum versah – und nur ausschnittweise gelesen habe. Hat mich damals interessiert. Weggelegt, weil zu viele Beispiele aus der Literatur angeführt wurden, die ich nicht kannte. Gehört eindeutig in die Kategorie wird gelesen, wenn ich mal viel Zeit und keinen neuen Stoff mehr habe.
2. Matt Ruff, Fool on the hill
Geschenk eines Freundes. Sprechende Hunde sind mir suspekt, es sei denn, sie tauchen in Kinderbüchern auf. Mag es nicht aussortieren, weil es ja trotzdem ganz nett sein könnte. Kategorie Bücher, die ich spätestens nach Lesen der Widmung zuklappe (das Verfallsdatum des geschriebenen Kusses war bereits kurz nach dem Geschenk abgelaufen).
3. Robert Kunzig, der unsichtbare Kontinent
Buch über die Erforschung der Weltmeere. Im ersten Kapitel sehr theoretisch, obwohl die Begründung der Jury für einen Wissenschaftspreis lautet: „dieses Buch eröffnet uns leidenschaftlich, überraschend und wissenschaftlich fundiert eine völlig neue Welt. Noch nie wurde so spannend von den Geheimnissen der Tiefsee erzählt“. Kategorie Bücher, die die Leidenschaft eines Neunzigjährigen nach erfolgreicher Lobotomie ausstrahlen.
4. William Boyd, Armadillo
Ich habe beim besten Willen keinen blassen Schimmer, warum ich dieses Buch nie gelesen habe. Gekauft, abgestellt, vergessen. Letzteres ist kaum vorstellbar, denn der giftgrüne Umschlag macht mir nach jedem Umzug das Einsortieren besonders schwer (ja, ich sortiere teilweise nach Farbe). Kategorie das wird ganz bestimmt meine nächste Lektüre nach dem neuen Hornby und dem neuen Irving und dem neuen Sedaris und dem neuen....
5. Réjean Ducharme, L´avalée des avalés
Must have nach dem Film „Leolo“, in dem daraus permanent zitiert wird. Letztes Exemplar bei Amazon Frankreich ergattert. Kategorie Bücher, die auf französisch unheimlich mysteriös erscheinen, weil man der Sprache nur unzureichend mächtig ist. Was uns zu
6. führt: Theophile Gautier, Récits fantastiques
In einer Zeit erworben, in der mein französisch noch besser war, ich aber lieber auf englisch gelesen habe. Das Umschlagbild zeigt den Schrei von Edvard Munch. Allein deshalb musste ich es einfach haben. Kategorie was man nicht alles für die Bildung auf sich nimmt. In unmittelbarem Zusammenhang stehend mit
7. Francoise Sagan, Bonjour tristesse
Schätzungsweise zehnmal begonnen, schätzungsweise zehnmal nach der Hälfte zur Seite gelegt. Gelesen, um in Übung zu bleiben. Inhalt nie gemocht. Kategorie Bücher, an die man sich notgedrungen gewöhnt hat.
8. James Joyce, Ulysses
1991 mit den allerbesten Vorsätzen begonnen, nach etwa der Hälfte schwach geworden. Geht mir weg mit Allgemeinbildung, das Buch ist sterbenslangweilig. Kategorie wenn ich groß bin, möchte ich mitreden können.
9. Golo Mann, deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts
Anfangs sehr interessant. Nach einigen Kapiteln wegen Wissensoverkill beendet. Seitdem nur noch drin geblättert. Kategorie Bücher, die bei Besuchern unheimlich Eindruck schinden.
10. Die Bibel, Verfasser unbekannt
Mit zehn meine erste Bibel bekommen. Am Anfang begonnen, nach den ersten fünf (echt jetzt!) Büchern Moses weggelegt. Später selektiv gelesen. Passagen mit exakter Quellenangabe auswendig gelernt. Kategorie Bücher, aus denen man in ernsthaften Diskussionen nicht zitieren sollte, ohne einen Imageverlust zu riskieren.
Welche Titel verstauben denn bei
Herrn Rationalstürmer
Herrn Bandini (was krieg ich jetzt dafür? ;-)
und Herrn Huflaikhan
so im Regal?
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Das ist die Berliner Luft
frau klugscheisser, 04:27h
Einladung von der geschätzten Frau Lyssa zur Lesung in der Beeindruckend-Bösen-Brause-WG. War ein gelungener Anlaß für einen Sonntagsausflug nach Berlin. Beiindruckendes Getränkesortiment im Kühlschrank. Hab gleich alles ausprobiert. Beeindruckende Dachterasse. Hab ziemlich unter meinem neuen Hut geschwitzt (absetzen ging nicht. Wer Hutträger ist, weiß wieso). Beeindruckendes Publikum. Trotz des rattenscharfen Wetters keine Mühen gescheut und in den vierten Stock (?) gestiegen. Beeindruckende Texte der anderen Chicks. Meine Wenigkeit beeindruckte mehr durch outfit.
Gelesen:
Balla balla und Vom Feeling her...
Sehr freute mich, endlich einmal Frau Gaga kennenzulernenund bin schon ziemlich gespannt auf ihre Fotos. Sind bestimmt beeindruckend.. Kostproben ihrer geschossenen Tore Fotos hier und in den Kommentaren.
Chicks with balls.
Gelesen:
Balla balla und Vom Feeling her...
Sehr freute mich, endlich einmal Frau Gaga kennenzulernen
Chicks with balls.
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Samstag, 24. Juni 2006
In the middle of nowhere
frau klugscheisser, 15:24h
Schefferville ist ein kleiner gemütlicher Ort in Labrador, Neufundland. Viel ist da nicht los. Es gibt zwar einige Kneipen, ein paar Läden und einen Bahnhof aber am Abend werden die Bürgersteige hochgeklappt. Man kehrt müde von der täglichen Karibujagd zurück und will im Grunde lieber gemütlich vor dem Kaminfeuer einen letzten Whiskey genießen, als zu wilder Musik abtanzen. Im Sommer sieht man viele Mücken, im Winter einen Haufen Schnee. Die wichtigste Einrichtung Scheffervilles ist ein Flughafen. Man mag es kaum glauben aber es ist möglich, ein Flugticket nach Schefferville zu erwerben.
Es könnte allerdings auch sein, dass man diesen idyllischen Ort eher unfreiwillig aufsucht, dann nämlich, wenn der Pilot eines Großraumflugzeuges durch einen medizinischen oder technischen Notfall zu landen gezwungen ist. Immerhin hat man dann Glück, denn in Schefferville kann man shoppen oder wenigstens eine gemütliche Schlafstätte finden. Auf der Nordatlantikroute gibt es Orte, die so ungastlich zu sein scheinen, dass da nicht mal ein Hund tot überm Zaun hängen möchte. Da möchte ein Pilot auch nur ungern landen, nicht weil er die Annehmlichkeiten eines Vier-Sterne-Hotels nicht missen möchte, sondern weil er seinen Riesenbrummer nicht mehr ohne weiteres hochkriegt. So was verhagelt einem 340 Kapitän gehörig die Suppe, schließlich will er unbedingt im Anschluss den langen Bangkokumlauf antreten, den er requestet hat. Die Crew kommt ebenfalls ganz schlecht drauf, setzt man sie im Nirgendwo aus. Für Kabinenpersonal gehört zu einem ordentlichen Layover wenn schon kein Pool, so doch wenigstens die Möglichkeit einer gepflegten Massage oder Maniküre. Das ist das Mindeste, was man von einem ordentlichen Layover erwarten kann. Unschwer vorzustellen, dass auch bei Passagieren keine Urlaubsstimmung so richtig aufkommen mag.
Von diesen kleinen Orten gibt es unzählige. Ihre Erwähnung in der Literatur beschränkt sich auf Einträge der Kartographie und kleinen Punkten von Flugkarten, auf denen die Orte mit Zahlen versehen und durch Linien verbunden sind. Solche Flugkarten erinnern mich stark an die Burda Schnittmuster meiner Mutter. Eine Lieblingsbeschäftigung der Piloten scheint zu sein, bestimmte Linien mit Leuchtstiften nachzuzeichnen und so entstehende Figuren herauszuarbeiten. Anschließend könnte man abgetrennte Felder je nach Zahl mit gleicher Farbe ausfüllen. Ein derart beschäftigter Pilot müsste wenigstens nicht alle zwei Stunden von der Kabine gefüttert werden, doch spart die Firma mit verfügbaren Farben und somit mal wieder am falschen Ort.
Kommen wir zurück zum Nirgendwo. Hätten Sie gedacht, dass an der Westküste Grönlands unzählige kleine Punkte kartographiert sind, die bequem sowohl angeflogen als auch wieder verlassen werden können, in einem riesigen Land wie Neufundland allerdings nur Placebopunkte eingetragen sind? Eine dortige Notlandung wäre nur von Vorteil, müsste man aufgrund eines Feuers an Bord oder sonstiger lebensbedrohlicher Vorkommnisse das Flugzeug verlassen. Sollten Sie einmal in den Genuss kommen, diese Gegenden überraschend zu besuchen (sie sind z.B. Raucher und frönen Ihrem Laster auf Flugzeugtoiletten?), mag das zunächst unangenehm sein. Tröstend kann ich hinzufügen, dass ich viel davon beim Überfliegen gesehen habe. Es existieren dort zwar keine Siedlungen aber landschaftlich ist es sehr schön.
Es könnte allerdings auch sein, dass man diesen idyllischen Ort eher unfreiwillig aufsucht, dann nämlich, wenn der Pilot eines Großraumflugzeuges durch einen medizinischen oder technischen Notfall zu landen gezwungen ist. Immerhin hat man dann Glück, denn in Schefferville kann man shoppen oder wenigstens eine gemütliche Schlafstätte finden. Auf der Nordatlantikroute gibt es Orte, die so ungastlich zu sein scheinen, dass da nicht mal ein Hund tot überm Zaun hängen möchte. Da möchte ein Pilot auch nur ungern landen, nicht weil er die Annehmlichkeiten eines Vier-Sterne-Hotels nicht missen möchte, sondern weil er seinen Riesenbrummer nicht mehr ohne weiteres hochkriegt. So was verhagelt einem 340 Kapitän gehörig die Suppe, schließlich will er unbedingt im Anschluss den langen Bangkokumlauf antreten, den er requestet hat. Die Crew kommt ebenfalls ganz schlecht drauf, setzt man sie im Nirgendwo aus. Für Kabinenpersonal gehört zu einem ordentlichen Layover wenn schon kein Pool, so doch wenigstens die Möglichkeit einer gepflegten Massage oder Maniküre. Das ist das Mindeste, was man von einem ordentlichen Layover erwarten kann. Unschwer vorzustellen, dass auch bei Passagieren keine Urlaubsstimmung so richtig aufkommen mag.
Von diesen kleinen Orten gibt es unzählige. Ihre Erwähnung in der Literatur beschränkt sich auf Einträge der Kartographie und kleinen Punkten von Flugkarten, auf denen die Orte mit Zahlen versehen und durch Linien verbunden sind. Solche Flugkarten erinnern mich stark an die Burda Schnittmuster meiner Mutter. Eine Lieblingsbeschäftigung der Piloten scheint zu sein, bestimmte Linien mit Leuchtstiften nachzuzeichnen und so entstehende Figuren herauszuarbeiten. Anschließend könnte man abgetrennte Felder je nach Zahl mit gleicher Farbe ausfüllen. Ein derart beschäftigter Pilot müsste wenigstens nicht alle zwei Stunden von der Kabine gefüttert werden, doch spart die Firma mit verfügbaren Farben und somit mal wieder am falschen Ort.
Kommen wir zurück zum Nirgendwo. Hätten Sie gedacht, dass an der Westküste Grönlands unzählige kleine Punkte kartographiert sind, die bequem sowohl angeflogen als auch wieder verlassen werden können, in einem riesigen Land wie Neufundland allerdings nur Placebopunkte eingetragen sind? Eine dortige Notlandung wäre nur von Vorteil, müsste man aufgrund eines Feuers an Bord oder sonstiger lebensbedrohlicher Vorkommnisse das Flugzeug verlassen. Sollten Sie einmal in den Genuss kommen, diese Gegenden überraschend zu besuchen (sie sind z.B. Raucher und frönen Ihrem Laster auf Flugzeugtoiletten?), mag das zunächst unangenehm sein. Tröstend kann ich hinzufügen, dass ich viel davon beim Überfliegen gesehen habe. Es existieren dort zwar keine Siedlungen aber landschaftlich ist es sehr schön.
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