Mittwoch, 25. Juni 2008
On a sunny afternoon


Endlich ist er da, der Sommer. Endlich hat er auch den Süden der Republik erreicht. Im April/Mai preschte er ungestüm wie ein pubertierender Jüngling heran, doch dann ging ihm für Wochen die Puste aus. Dafür ist er jetzt umso besonnener (haha) und weilt hoffentlich noch länger unter uns.

Man sitzt derweil im Garten, trinkt einen Café unter Schattenspendern und lässt die Haut nicht mehr von Stoff, sondern ganz blank vom Wind umschmeicheln. Wie ich auf die Wärme gewartet habe, wie sehr die Sonne herbeigesehnt, merke ich erst jetzt. Dabei war es dieses Jahr nicht eisig kalt (soeben einen Scheck für die überschüssigen Nebenkostenzahlung erhalten).

Die Helligkeit strahlt in alle Gemüter. Lächeln geht fast von alleine, ungezwungen, ununterbrochen. Das Herz schlägt leichter gegen dünnen Stoff, die Lungen füllen sich ohne Widerstand von verschnürten Oberkörpern. Die Füße atmen in Riemchenschuhen warmen Asphalt und Beine werden beim Laufen zu Flügeln.

Sommer ist der Galan der Glückseligkeit.

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Dienstag, 24. Juni 2008
Should auld acquaintance be forgot?

Für Fotoquelle bitte das Bild drücken

Gerade bin ich einem alten Bekannten aus meiner Kindheit über den Weg geklickt. Durch permanentes darauf-herumreiten litt er unter starker Lordose und Rückenhypermobilität. Den Schwanz konnte er bereits in jungen Jahren nicht mehr aus eigener Kraft halten und bei einem tragischen Zwischenfall verlor er ein Auge. Nach langjährigem Aufenthalt im Stofftierwohnheim Speicherkarton fand er voriges Jahr seine letzte Ruhestätte im Container einer Abfallsammelstelle. Möge er ruhen in Frieden.

Hintergrund ist die Ausstellung des Münchner Stadtmuseums "Typisch München!" anlässlich des Stadtjubiläums. Waldi war offizieller Olympiadackel 1972.
Ja, ich bin alt.

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Because of curiosity (II)
Frau Petersilie macht den Monk und bewirft mich mit Stöckchen. Dabei habe ich mich schon mal zum Affen gemacht. Na gut, ich habe mehr als 6 Skurrilitäten zu bieten.

1. Ich bin überzeugt davon, nicht kochen zu können. Wenn mir aber jemand ein Rezept unter die Nase hält, kann ich das ohne Probleme nachbasteln. Das ist aber nicht kochen können. Wer kochen kann, tut das gefälligst auswendig.

2. Ich habe einen sehr ausgeprägten Umgebungssinn und kein Verständnis für Menschen, die einem immer im Weg stehen. Die lösen Aggressionen in mir aus. Ein Bewegungsablauf mit mehreren Menschen im Raum ist wie eine ausgeklügelte Choreographie. Wenn man auf bestimmte Signale achtet, weiß man im richtigen Moment auszuweichen.

3. Auf der Straße nutze ich das obige Wissen gerne für kleine Spielchen mit entgegenkommenden Passanten. Manchmal starre ich bewußt auf den Boden, um nicht ausweichen zu müssen, manchmal gebe ich doppeldeutige Signale. Dann entsteht so eine Hin-und-Her-Situation, wo man sich gegenübersteht und immer gleichzeitig auf dieselbe Seite geht. Am Ende sind beide gezwungen, sich in die Augen zu sehen und zu lächeln (oder sich die Köpfe einzuschlagen). Das mag ich.

4. Wenn man mich fotografieren will, sollte man das unbemerkt tun. Wenn ich es merke, mache ich einen Riesenterz. Es gibt überhaupt nur einen Menschen, von dem ich mich gerne fotografieren lasse. Das ist eine Frage des Vertrauens.

5. Ich schaue mir stundenlang die wenigen Fotos oder Videoaufnahmen von mir an und versuche, mich mit fremden Augen zu betrachten. Es gelingt mir aber nie. Ich würde einfach zu gerne wissen, was andere in mir sehen.

6. Ich kann willentlich Fortsetzungsträumen. Als ich noch einen Fernseher besaß, bin ich manchmal schlafen gegangen, wenn mich das Programm nicht interessierte, egal wie früh. Mein eigenes Programm war fast immer spannender. Deswegen besitze ich keinen Fernseher mehr.

So langsam greift die 'Stöckchenmüdigkeit' um sich, deshalb bediene sich wer mag.

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Montag, 23. Juni 2008
Root Beer Rag
Die Frage, ob hier jemand das Glücksmoment nachempfinden kann, das man nach dem ersten korrekt gesprungenen 'axelturn' hat, bleibt wohl eine rhetorische.

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Sonntag, 22. Juni 2008
Hand in my pocket

Fotos © Gaga


Das Geheimnis der Reisehandtasche, die hier bereits Erwähnung fand, wird gelüftet.

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Freitag, 20. Juni 2008
Take another guess


was, wo und warum?

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Mittwoch, 18. Juni 2008
Dancing in the rain


Cyd Charisse (8.3.1922-17.6.2008)
tanzt nicht mehr in Dunkelheit und Regen.

Erst kürzlich fand ich hier einen schönen Eintrag über die Dame mit dem Verweis auf ein sehenswertes Video

Edit: ja, das war wohl verwechselt...
.

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Dienstag, 17. Juni 2008
Sätze, die man sofort bloggen muss (45)
"Ein Mann würde sich nicht, wenn er zugenommen hat, vor dem Spiegel auch noch ins Profil stellen."

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Montag, 16. Juni 2008
Time to get ill
Frage: was haben Sportler und alte Leute gemeinsam?
Antwort: sie reden viel über ihre körperlichen Unzulänglichkeiten.

Es bleibt mir aber auch nichts erspart. Erst die Schulter, dann die Achillessehne, jetzt das Sprunggelenk, ganz zu schweigen von diversen langwierigen Zerrungen. Und nicht eines nach dem anderen, dass man ein jedes mit gebührender Aufmerksamkeit, Wärmepflaster und Tapeband bedenken könnte. Nein, es kommt immer gleichzeitig überlappend, sodaß man sich irgendwann nicht mehr bewegen kann. Das Paradoxe an der Situation ist, ich mache dann doch weiter. Also irgendwas zwischen Paralympics und Schwangerschaftsgymnastik mit zusammengebissenen Zähnen. Einfach weil es viel anstrengender ist, wieder ganz von vorne zu beginnen, als ein wenig Schmerzen auszuhalten.

Jetzt gleich ein Termin beim Arzt. Das ist ganz wichtig, um sich die Schmerzen attestieren zu lassen. Man braucht ja immer was zum Vorzeigen hierzulande. In älteren Bevölkerungsschichten hat sich das schon rumgesprochen, zumindest bei denen, die ich im Zehneurowartezimmer treffe. Da wird über Diagnosen und Therapien gesprochen wie andernorts über das Wetter. Überweisungsscheine sind Wertpapiere und das Wort 'Heilungschancen' ist sowas wie der DAX der Kranken. Je besser ersteres, umso schlechter die Bewertung, denn der Lohn der Krankheit ist Mitleid. Je mehr Gejammer desto mehr Zuspruch. Die ganz Gewieften lassen sich diverse Krankheitsbilder bis ins kleinste Symptom beschreiben, um sie schließlich zu übernehmen. Zusatzqualifizierung nennt sich das. Doch das wahre Drama spielt sich hinter verschlossener Behandlungszimmertüre ab. So Mancher erlebte dort einen rapiden Kurseinbruch.

Schau'n wir mal, wie hoch ich mich derzeit handeln lassen kann. Zwischen all den Herzinfarkten und Arthrosen mache ich keinen Stich, das ist klar. Aber ein wenig verbale Streicheleinheiten wäre schon ein Anfang. Und dass mir ja keiner kommt mit 'selber schuld'! Das ist nämlich mein Spruch.

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Sonntag, 15. Juni 2008
...
Schon mal im Sommer mit Wärmeflasche im Bett gelegen? Anyone?
Ich glaube, ich bin im falschen Film.

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Samstag, 14. Juni 2008
Whatever u like


Als mich in den Neunzigern eine damalige Schülerin fragte, ob ich Hip Hop möge, wußte ich nicht mal, was das ist. Damals konnte ich auch nicht einfach bei Wikipedia nachlesen oder googeln. Dementsprechend alt fühlte ich mich auf einen Schlag, denn wenn man die angesagte Musik nicht mehr kennt, ist man alt. Heute weiß ich nicht nur was Hip Hop ist, seit kurzem versuche ich sogar, darauf zu tanzen. Keine Angst, das wird jetzt nicht wieder einer dieser langweiligen Tanzberichte, denn Hip Hop ist bekanntlich viel mehr als nur Musik.

Hip Hop ist eine Lebenseinstellung. Dazu gehören die weiten Hosen, deren Schritt auf Kniehöhe pendelt und in denen man kiloweise Kartoffeln transportieren könnte, coole Sneaker und lässige Pullover mit Kapuzen. Zu meiner Zeit - und auch diese Wendung zeigt deutlich, wie alt ich geworden bin - hießen Sneaker noch Turnschuhe und Jeans mußten eng sitzen, Pullover hatten V-Ausschnitt und drunter trug man Blusen. Einzig im Sommer trug man T-Shirts mal sehr weit mit nichts drunter, bis man von seinen pubertierenden Mitschülern erfuhr, dass der Tunneleffekt am Ärmel der Grund für die neu gewonnene Aufmerksamkeit war.

Hip Hop kommt von der Straße. Man spricht auf der Straße anders als in Schulen und Universitäten, man spricht Umgangssprache, und zwar die vor dem jeweiligen Migrationshintergrund. Gestern fiel mir zum ersten Mal auf, dass die Mehrzahl der Teilnehmer neben der deutschen auch für eine weitere Fußballmannschaft fiebert. Bis auf das Mädel aus dem Iran, die sehr anschaulich schilderte, wieso die Iranische Mannschaft ihr Fanherz nicht höher schlagen läßt:
"Ey, die sind so schlescht ey! Geht der Ball nach reschts, rennen alle nach reschts, geht der Ball nach links, rennen alle nach links. Geh' mir weg mit Iraner un' Fußball."
Eigentlich haben sie's viel besser als der Durchschnitt der Deutschen. Mit zwei Fähnchen am Auto ist man einfach flexibler. Scheidet eine Nation im Vorfeld aus, kann man immer noch für einen zweiten Verein jubeln. Ganz ohne schlechtes Gewissen. Der Konflikt beginnt erst bei so brisanten Begegnungen wie Deutschland-Italien vor zwei Jahren oder einer möglichen sportlichen Begegnung Deutschland-Türkei dieser Tage. Dann wünsche ich mir, dass die Türkei gewinnt. Andernfalls kann ich meine Hip Hop Ambitionen bis auf Weiteres vergessen.

Und darum geht es ja schließlich. Für eine mögliche Integration in die Lebensart fühle ich mich etwas zu alt aber die sportliche Seite möchte ich nicht missen. Die Meisten in der Gruppe könnten altersmäßig meine Kinder sein, bemühen sich jedoch rührend, mich das nicht spüren zu lassen. Ich meine, hey, wer nie mit seinen Eltern in der Disco war, der weiß nicht, was Fremdschämen ist. Während die Jungen mit minimalistisch akzentuierten Bewegungen Abgeklärtheit signalisieren, ringen die Alten wild mäandernd um Ausdruck. "Ey, das sieht doch voll scheiße aus als Frau, wenn dauernd alles schlackert, so oben un' so. Wir machen auf cool, ham coole weite Hosen an un' machen eher so in klein", erklärt mir eine Schülerin den Unterschied zwischen normalem Hip Hop und 'Bounce'. Dann gibt es noch L.A. Style, Streetstyle und weitere Feinheiten, die ich noch nicht wirklich verstehe.

Anschauungsmaterial findet sich im Netz eine ganze Menge. Am meisten imponiert mir derzeit eine Lehrerin am New Yorker Broadway Dance Center. Viele von Luams Choreographien sind bei Youtube zu sehen.



Ich bleibe dran und berichte über bollerige Hosen Neues aus der hiesigen Szene. "Yo' Bro' have you heard the news from BMWtown?" [*fuchtelt dazu wild mit nach innen geknickten Handgelenken und jeweils zwei abgestellten Fingern in der Luft]

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